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LoveRide in Zürich (Dübendorf) * 08.05.2011

Erstellt von Nordlicht, 25.03.2011, 09:30 Uhr · 2 Antworten · 724 Aufrufe

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    Standard LoveRide in Zürich (Dübendorf) * 08.05.2011

    #1
    Jetzt haben wir Ende März.
    Am 8. Mai ist dann in Dübendorf bei Zürich der LoveRide. bis zu 5000 Biker (hier passt der Name) treffen sich an diesem Tag und unterstützen auf unterschiedliche Art dabei die ARbeit mit muskelkranken Kindern (Eintritt, Lotterie, Souvenirs, Essen, Trinken,...) Da kommen regelmässig 6stellige Summen zusammen!
    Darüber hinaus machen sich diese bis zu 5000 Biker auf einen Rundkurs auf. Früher mitten durch Zürich, mittlerweile durch das Umland. in Blöcken à 500 Fahrern geht es eine gute STunde auf den abgesperrten Parcours. Im 1. Block finden sich gutmenschliche Spinner, die es sich nicht nehmen lassen, den freien PLatz auf ihrem Trike, ihrem Gespann oder auch auf dem Rücksitz ihrer Maschine den vielen behinderten menschen der Region zum Mitfahren anzubieten. Sinnesbehindert, körperbehindert, geistig behindert - das Medium Motorrad fasziniert sie alle, ist jedoch an 364 Tasgen für sie unerreichbar.
    An diesem Sontag Morgen sind am Treffpunkt unruhige Schlangen von unterschiedlich beeinträchtigten Menschen zu finden. Lange vor dem vereinbarten Zeitpunkt. Als ich in die Parkplatzzone einbiege, sehe ich die gradezu gierigen Blicke der PLatzsuchenden. Reservation ist nicht möglich. Und kaum stehe ich an meinem Platz, sind sie da: "Darf ich mit?" Irgendwann, viel zu früh, sind alle Plätze vergeben und die Gesichter derer, die vergeblkich gewartet haben, sind mindestens so lang wie die chlange, in der sie am Morgen gestanden haben. Tränen kullern, hier und da bekommt eine unschuldige Betreuerin auch einen zornigen Hieb ihres Schützlings, der einmal mehr nicht versteht, warum ihm so viel Unrecht geschieht.
    Und dann geht es los. In bester Easy Rider -Manier, werden die ganz normalen Motoren nicht nur gestartet und dann in bewegung gesetzt. Nein, man tastet sich an die technische und akustische Schmerzgrenze heran und lässt die geballte Kraft der 20-200 PS ihren Ruf herausbrüllen! Nach und nach bekommen auch die hinteren Reihen mit, dass es vorne losgeht, und so setzt sich diese Welle des Aufbruchs fort über das gesamte Rollfeld wie eine Vibration, der sich niemand entziehen kann. Die Besucher, eben noch am Würstchenstand oder hinter dem morgendlichen Prosecco versunken, blicken wie vom Faden gezogen in Richtung Rollfeld. Eltern bangen um ihre Kinderin den Händen der "wilden Rocker" (50jährige Lehrer im Guzzigespann lassen sich durch Lederweste und Bart gut verkleiden...), Meine Mitfahrerin verwendet meinen Helm als Trommel - es herrscht kreatives Chaos.
    Und dann geht es plötzlich los, als sich die allgemeine Turbulenz in zielgerichtete Bewegung entwickelt. Wir fahren! Es bleibt offen, ob die grossen Augen der vielen Beifahrer im 1. Block voller Neugier oder angstgeweitet sind - das Abenteuer hat begonnen. Sowohl für den klapprigen Uralfahrer in seiner ebenso klapprigen Ural mit dem so zerbrechlichen schwerstbehinderten Kind im Beiboot als auch für den sehr robusten aber blinden alten Herrn im Sitz des Rewaco-Trikes.
    Fahrerisch ist die Tour eher eine Tortour. Der 3. und 4. Gang kommt nicht zur Anwendung, die Bremsen laufen heiss, die Kupplung macht den Job ihres Lebens! Wir sind umgeben von Fahrern, denen das Spurhalten ein eher fremdes Konzept ist. Motorradfahrer sind gerne INdividualisten und lassen sich nur schwer in eine Kolonnensituation integrieren. Aber auch diese KLippe ist bald gemeistert und so zuckeln wir am Anfang einer 5000 Mann starken Truppe durch die Dörfer. Dutzende Helfer sichern Kreuzungen und Einfahrten, Hunderte Schaulustige säumen den Weg. Manches Dorf macht gleich ein Fest aus unserer Tour. Selten werden wir Motorradfahrer so in den urbanen Alltag integriert!
    Längst ist meine Beifahrerin dem Taumel erlegen. Vergessen ist die Angst, die Unruhe. Ihr Lachen übertönt den angestrengt arbeitenden Boxer mühelos. Ganz besonders geniesst die den Applaus der Menschen am Strassenrand. Für 1 Stunde ist sie nicht am Rand, sondern mittendrin!
    Die anfangs an den Haltegriff geklammerten Hände wechseln ihre Position und finden den Weg zu meinem rechten Arm. Es ist gar nicht so einfach mit einem Arm ein Motorradgespann zu lenken, wenn der rechte Arm nur teilweise zur Verfügung steht! Aber dank des moderaten tempos ist das kein Problem und so spüre ich auf direktestem Weg, sobald meine STrecken- oder Tempowahl meinem Fahrgast nicht zusagt. Ich spüre den Griff noch heute, wenn ich daran denke.
    Viel zu schnell verfliegt die Zeit, allerdings bin ich froh, dass meine Dnepr die Runde gut überstanden hat. Bis zum Schluss habe ich ihr nie ganz vertraut und sie ja dann nur zu gerne gegen eine neue Ural eingetauscht! Aber das ganz spezielle Gefühl des Russenfahrens war mit ihr genaus gut zu spüren.
    Und dann donnern nochmal kurz die Motoren und verstummen anschliessend. Die Runde ist beendet.
    Und da sitzen sie nun, der gestandene Kerl und die völlig fremde geistig behinderte Frau, denken und leben in völlig unterschiedlichen Welten - aber haben vermutlich in den letzten 60 Minuten das Gleiche gefühlt: Den Genuss des Lebens!

    So erlebe ich den LoveRide.
    Früher, als ich noch mit der Q daran teilnahm, blieb ich solo. "Meine" Klientel ist für den Soziussitz nicht so geeignet...
    Aber denoch habe ich den Törn immer sehr genossen. Wissend, etwas Gutes zu tun und auch ein wenig das Bad in der Menge geniessend....
    Vielleicht hat ja jemand von euch noch ein Gespann rumstehen, welches mal wieder auf Tour sollte? Oder möchte einmal in einem Riesentross mitfahren, in welchem Teilnehmer aus ganz Europa zusammentreffen?

    Es würde mich freuen, den einen oder anderen von euch zu sehen. Ich werde sehr wahrscheinlich mit dem ERanger unterwegs sein oder am Stand von Ride4Africa stehen. Meldet euch einfach. Und nehmt teil. Schon eure Teilnahme an sich ist wertvolle Spende.


    www.loveride.ch

  2. Registriert seit
    27.03.2011
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    881

    Standard

    #2
    Klasse Bericht. Toll beschrieben.
    Die Augen dieser Menschen sind wirklich nicht mit Gold aufzuwiegen. Habe solch ein Event mal bei München miterlebt.(allerdings niemanden mitgenommen da absoluter Frischling).
    Ich werd da vorbeischaun. Ob ich nun dann jemanden mitnehmen kann/werde, weiß ich nicht. Denn es ist schon eine Verantwortung. Mal schauen.

    Aber trotzdem TOLL

  3. Registriert seit
    29.05.2008
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    2

    Standard

    #3
    Ich bin auf jeden Fall auch dieses Jahr wieder dabei.
    Bis dann


 

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