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Resumee nach Russlandreise

Erstellt von ha_pe, 03.10.2010, 17:30 Uhr · 7 Antworten · 2.311 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    Standard Resumee nach Russlandreise

    #1
    Hallo Leute,

    ich erlaubte mir heuer eine Reise durch Russland, mit meiner F650 GS. Obwohl ich die Maschine schon ein Jahr hatte, fuhr ich nie längere Distanzen, hatte aber keine Bedenken, dann gleich eine Reise von 10 000 km zu starten.

    Hatte etwas Bedenken weil die Kupplung bie 140 km/h zu rutschen beginnt. Aber das war nur das Öl und so fuhr ich halt so gut wie nie mehr als 130.

    In Polen fuhr ich eine Zeitlang mit einem Harleyfahrer gemeinsam. Klarerweise ein ungleiches Gespann, er mit Begleitung, sicher doppelter Hubraum. Ich alleine, aber beide hatten wir viel Gepäck. Jedenfalls konnte ich machen was er machte, Überholen ging genauso leicht und schnell. Ich war immer wieder überrascht von der Durchzugskraft beim Beschleunigen.

    Das Überholen war wirklich eine Freude. Es gab genug Gelegenheiten, besonders wenn es leicht bergauf ging und die Autofahrer nicht mehr überholen konnten. Für mich ergaben sich immer wieder Gelegenheiten und ich war einfach flexibler und flotter als die Autofahrer.

    Ich fuhr von Wien über Polen, Lettland nach Moskau, Nizni Novgorod, Jekaterinburg, über Ufa nach Süden an die Wolga und von Wolgograd über Kiew mehr oder weniger direkt nach Wien zurück.

    Was ich bemerkte, nachdem ich an einer Baustelle durch frisch gespritzten Asphalt gefahren war, dass die Gabelsimmeringe das nicht gut vertrugen. Wenn der Schaden sich auch in Grenzen hielt und kein Öl auf die Bremse fallen konnte, so war es doch eine Sauerei.

    In der Gegend von Wolgograd wurde das Standgas zunehmend unruhig und mit der Zeit konnte ich das Standgas nur durch eigene Regelung halten. 120 km vor Kiew schließlich begann der Motor einen Lärm zu machen, der mir Angst machte, aber der Auspuff war ok und der Lärm kam aus der Ansaugung. Ich schaffte es bis in die Werkstätte in Kiew.

    Was auch immer dort geschah, zuerst hieß es: Teil nicht lagernd. Dann vielleicht, dann war es am nächsten Tag da, gebraucht. Immerhin. Und am nächsten Tag war die Maschine repariert.

    Seither läuft sie wieder. Jetzt weiss ich auch, das Lenkkopflager muss getauscht werden, der Plastikschutz über dem Hinterrad ist hin.

    Resumee: Ich trau mir nicht zu sagen, das Motorrad ist problemlos, auf jeden Fall ist es nicht problemlos zu reparieren. Ich war bei einer Autowerkstätte, die haben nicht einmal die Zündkerze herausgebracht.

    Positiv: Von der Leistung, vom Verhalten des Motorrads bin ich begeistert. Dieses Gefühl hatte ich allerdings nicht von Anfang an, als ich meine Vierzylinder vermisste. Die Einstellung der Gabel ist auf jedenfalls angenehmer als bei den Motorrädern, die auf die schönen Straßen in Mitteleuropa eingestellt sind. (Es gibt auch in Mitteleuropa miese Straßen).
    Darum habe ich diese Motorrad auch gekauft, in Voraussicht der schlechten Straßen.

    Die Russen sagen oft selber, die Straßen in unserem Land sind so schlecht. dabei kennen die die Straßen der Ukraine nicht, die sind noch schlechter.

    Was Benzin betrifft, ein eher allgemeines Thema, so gibt es überall bleifreies Benzin und in der Ukraine sogar 98 Oktan. Als ich dann nach Ungarn kam genoss ich die glatten Straßen.

    Weitere Reisen würde ich schon mit der F650 GS unternehmen. Möglicherweise müsste ich dann überlegen, ob ich nicht doch ein paar Ersatzteile mitnehmen sollte.

    Russland: Wenn man sich etwas verständigen kann und Einkaufen kann, ist Reisen problemlos. Wegfindung in den Städten mit GPS, Überland reicht ein Atlas und der Hausverstand.

    Grüße aus Wien und viel Spass beim Fahren
    Hans-Peter

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    Standard

    #2
    Super Bericht! 10.000 Km ist dann doch schon ne ganze Ecke. Darf man fragen wie lang die Tour zeitlich ging?

  3. Registriert seit
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    Standard Zeitlicher Rahmen

    #3
    Ich wollte mich kurz fassen und nicht zu viel schreiben.

    Das Visum für Touristen gilt maximal 30 Tage. Dazu habe ich eine Woche bis zur Grenze gebraucht und etwa eine Woche von der Grenze nach Hause.

    Was die Reisegeschwindigkeit betrifft, ist es immer wieder vorgekommen, dass ich für eine Stadt nur einen Tag Zeit hatte. Ich hatte halt das Bedürfnis weit zu kommen. Langsamer Reisen wäre manchmal mehr gewesen.

    Es war auch verschieden, in manchen Städten musste ich das Motorrad auf einem bewachten Parkplatz abstellen, dann fällt es nicht so leicht noch einmal das Motorrad für eine Spazierfahrt herauszuholen.

    In Samara treffen sich jeden Abend Motorradfahrer am Anfang der Fußgängerzone um zu tratschen. Ein Motorradfahrer lud mich dazu ein. Nach einiger Zeit des Unterhaltens starteten wir eine Spazierfahrt durch die Stadt, nicht nur Honda und Suzuki, auch eine Isch mit Beiwagen war dabei.
    Der Sound indirekt proportional zur Motorleistung :-)

    Gruß
    hp

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    Standard

    #4
    Hallo ha_pe,

    netter Bericht! Was war denn defekt und mußte getauscht werden?

    Q-Grüße, Doppio

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    Standard Reparatur

    #5
    danke der Nachfrage,

    ich hatte 2 Probleme: Gabelsimmeringe und Luftansaugung.

    In der Nähe des Ural bin ich durch frisch gespritzten Asphalt gefahren, eigentlich kein Problem, die meisten Spritzer auf der Gabel hab ich dann abgerieben, nicht alle. Weitere Spritzer waren in einem schmalen Streifen bis zur Nummerntafel fein aufgetragen. Nach zwei Tausend Kilometern hat dann die rechte Dichtung angefangen Öl zu vesprühen. Das Öl spritzt dann auf den Ventilator und Kotflügel, GSD nicht auf die Bremsscheibe. Ich denke, die 1800 km nach Wien wären schon noch möglich gewesen, wo doch die ungarischen Autobahnen ausgesprochen glatt sind. Problem erkannt und der Mechaniker meinte, kein Problem. Entweder waren die Simeringe vorrätig in Kiew oder es gibt sie lokal zu kaufen. Also Gabelschützer sind ihr Geld wert!!!


    Das zweite Problem kann ich so beschreiben, dass die Gasannahme in tieferen Drehzahlen immer schwieriger wurde. Über 3000 Touren kein Problem. Der Mechaniker meinte, dass Air intake ein Problem mache. Jedenfalls aus dem unvergleichlichen Geräusch und dem nicht vorhandenen Standgas konnte er eine Augenblicksdiagnose machen. Soweit ich das beruteilen kann war es ein Plastikteil nach dem Luftfilter, Das Teil war natürlich nicht vorrätig, dann aber doch aufzutreiben, Geduld bitte, wait, .. so wartete ich eben. Am nächsten Tag war alles repariert. Eigentlich unglaublich.

    Begonnen hatte das mit unruhigem Standgas, da immer stärker wurde und dazu führte, dass der Motor unter 2000 Touren abstarb. Fahren überland war problemlos, nur bei einer Stadteinfahrt von 15 oder 30 km und bei der Unterkunftssuche war klarerweise ein Problem.

    100 km vor Kiew war das Geräusch so laut, dass ich dachte, der Auspuff ist hin. Mit Vorsicht an allen Polizisten vorbeigerollt und dann noch die BMW Werkstätte gefunden und das Motorrad am Feiertag dort abgeliefert.

    Was mir zu denken gibt: wie repariert man so ein Motorrad, wenn keine Werkstätte in der Nähe ist und die Autowerkstätte nicht einmal an die Zündkerze herankommt, weil nur eine schlanke Stecknuss passt.

    Und die Verläßlichkiet: Grundsätzlich bin ich zufrieden, nur manchmal gibt es Ereignisse, die mich verunsichern. Zwei dreimal ist es passiert, dass ich den Motor erst nach mehreren Versuchen starten konnte, für eine Minute oder zwei wollte er nicht. Dann ist es auch passiert, dass das STandgas einfach nicht da war, ich bin einfach weiter gefahren, plötzlich war alles normal.

    Ich hatte früher ein älteres Modell, ausser der Zündung alles mechanisch. Zumindest im Punkt der Gutmütigkeit war dieses Motorrad ausgesprochen ausgeglichen, hat immer funktioniert, ausser die Batterie war am Sand.

    Ich kenne einige Berichte von Leuten, die mit einer F650 um die Welt fahren, zwei drei Schwächen gibts halt. anscheinend finden sie auch immer Werkstätten und begnadete Schrauber. Ich sag das im Hinblick auf meine Absicht eines Tages zumindestens bis zum Baikal zu fahren oder noch weiter.

    Ok, das wars...
    Wenn die Leute BMW gesehen haben, oh, da waren sie immer beeindruckt, deutsch Qualität ....sehr gut... xarascho ....

    Gruß
    Hans-Peter

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    Standard

    #6
    Ach ja, dein Bericht weckt Erinnerungen. Ist allerdings nun schon 17 Jahre her...als ich die Strecke Graz-Budapest-Kiew-Moskau-Minsk-Bryn gefahren habe.

    Mmmh...so langsam sollten doch die Strasse bissle besser werden.

  7. Registriert seit
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    Standard Russland

    #7
    das muss ja um einiges abenteuerlich gewesen sein.

    Ich hate bis zum Ural nur eine Begegnung mit der Polizei, auf dem Rückweg mehrere.... ok.

    Bei den Strassen ist es halt so, dass das Prinzip eines Sputnikprojekts vorherrscht. Punktuell gibts gute Strassen und Autobahnen, kommt wahrscheinlich auf den Gouverneur drauf an. Darüberhinaus werden die Straßen alle paar Dekaden renoviert.

    Ich habe mir allerdings auch schon gedacht, wenn ich die Strassenkilometer durch die Zahl der Einwohner dividiere, ob dann nicht auf jeden ein viel größerer Abschnitt kommt als in so einem dichtbesiedelten Land wie Österreich.

    Aber, es bigt Länder, die mindestens so schlechte Straßen haben. Ukraine beispielsweise und zwischen Ravenna und Mestre hab ich auch wirklich eine schlechte Strasse erlebt. Kommt halt auch auf das Verhältnis drauf an.
    Gruß
    Hans-Peter

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    Standard

    #8
    Meine Frau (F 650 GS Einzylinder) und ich (R 80 GS) sind vor neun Jahren von Hamburg zum Baikalsee gefahren, bei deinem Bericht kommen Erinnerungen hoch!

    Wir hatten keine nennenswerte Defekte.


 

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