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Begegnungen

Erstellt von AmperTiger, 27.11.2010, 18:46 Uhr · 83 Antworten · 12.543 Aufrufe

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    #71
    Mahlzeit!

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    #72
    Schöne Begegnungen. Ich bin begeistert und lese sehr amüsiert. Mit der beste
    Threat hier im ganzen Forum.

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    #73
    erst jetzt entdeckt, find ich gut.
    Ein Gschichtle von vielen.
    Weihnachten Chile, Torre del Paine NP, zum Grey-Gletscher gelaufen und dort einige Leute getroffen. Ehepaar aus England ( Prof und Lehrerin), winziger Japaner ( Basketball- Trainer in Peru, kein Witz) , Biologie-Student aus Kiel und ich ( verrückter MTB-Fahrer aus D)
    Haben unsere Kochvorräte zusammengeschmissen, zusammen Weihnachtsmenü am Lagerfeuer improvisiert und eine lustige Feier.
    Lieder aus den diversen Ländern, nicht alle Weihnachtlich, Wiskey mit Gletschereis und Wein. Der Dauerbrüller war natürlich Basketball.
    Eines meiner schönsten Weihnachtsfeste, extrem verschiedene Menschen und trotzdem sehr harmonisch.
    Werner

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    #74
    3 Jahre schlafen sollte reichen - Ich grabe den tollen Thread hier mal wieder aus...

    Spanien, Anfang der 90er:

    Ich war auf dem auf dem Weg nach Barcelona und dann per Fähre nach Mallorca und dann weiter nach Ibizza und wieder retour.
    Ein paar Kilometer vor Llorett de Mar habe ich nachmittags auf der Küstenautobahn noch eine Pause gemacht und am Ende eines einfachen Parkstreifens angehalten und eine geraucht. Nach ein paar Zügen hörte ich von links kommend irgendwas "unrundes" anprötteln. Man sah es eigentlich schon von weitem - das konnten nur Südländer sein: Helm, flatteriges T-Shirt, immerhin nen Nierengurt, kurze Hose und Sportschuhe. Der eine auf ner Honda Dominator, der andere auf ner - schwärm´- DR 600 R Dakar von Suzuki. Die markanten Silhouetten erkannte ich sofort. Sie hielten weit entfernt am Anfang der Parkbucht aber ich vernahm es dennoch: Die Honda wurde ausgestellt, die Susi lief schon gar nicht mehr. Dann ging sie los, die klassische Einzylinder-treterei: Der Kollege kickte und kickte und kickte. Nahm den Helm ab und kickte weiter... Ich ahnte schon, was kam, hatte ich das Vergnügen doch selber 1 1/2 Jahre mit der DR 600 R als meine erste Maschine. Grinsend nahm ich einen Zug von meiner Zigarette und schaute einen Moment den vorbeifahren Autos hinterher. Aus dem Off vernahm ich dabei einen Wechsel der "kicker" und viele - so schien es - italienische Flüche. Irgendwann schaute ich dem Treiben wieder richtig zu. Die Kickerei ging "klassisch" weiter: Der Dominator-Fahrer gab auf, der Susi-Fahrer schmiss sein nasses Shirt jetzt auch noch weg und kickte sich weiterhin nen Wolf auf der DR. Das alles brachte ungefähr NIX.

    Kurz darüber nachgedacht, ob sie es wohl wirklich nicht wissen, wie man nen heissen Einzylinder wieder zum Leben erweckt (kaum vorstellbar) oder ob sie vllt. wirkliche Probleme hatten, bin ich dann mal hin gegangen. Dir beiden Jungs - total entnervt - erwiderten meinen Gruß etwas mürrisch, wurden aber zutraulicher, als ich ihnen auf Englisch erklärte, dass ich diese Maschine auch schon mal mein Eigen nannte und ob ich vielleicht helfen könne? Bereitwillig gab mir der Susi-Fahrer das störrische Teil. Ich glaube, es war ihm mittlerweile schweißgebadet einfach egal... Also dann alles versucht: Sprit war drin und floss, dann den Dekohebel aufgemacht und erst mal den Zylinder leer gepumpt. Und dann kräftig zugetreten. NIX! Mit wenig, mit noch weniger, mit fast gar keinem Gas gekickt: NIX! Leer gepumt... mit Vollgas... Mit ganz leicht geöffnetem Deko-Hebel. NIX! Nicht mal ein röcheln! Das fand ich ungewöhnlich und kannte das so nicht.

    Dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Kein Funke - die Kerzen... Ich gab die Susi wieder zurück und bat die beiden, einen Moment zu warten. Ich ging zu meiner Africa Twin und holte aus dem Tankrucksack die beiden Ersatzkerzen, die ich dabei hatte. Die A-Twin war Nagelneu und hatte in ihrem V-Motor ja eine Doppelzündung je Zylinder. Dafür hatte mal zwei NGK-Kerzen eingepackt, die rein zufällig denselben Wärmewert aufwiesen wie die Susi mit ihrer ebenfalls Doppelzündung benötigte. Schnell noch einen Kerzenschlüssel mitgenommen und zurück zu den Jungs.

    Ich habe sie dann mit Händen und Füßen gefragt, ob sie um den Zustand der Zündkerzen in der Susi einigermaßen Bescheid wüßten. Schulterzucken war das Ergebnis. Ich fragte, ob ich mal nachsehen sollte - schliesslich hatte ich die Maschine ja selbst 1 1/2 Jahre... Etwas misstrauisch - woher hat der Typ jetzt 2 Kerzen und so... - ließen sie mich an die Arbeit gehen und siehe da: Die linke Kerze hatte keine Elektrode mehr, genauso wenig wie die rechte... Der Rest der Kerzenstümpfe war rein weiß. Sie lief also zu mager... Egal, die Kerzen ausgetauscht, Stecker druff, Dekohebel einmal aufgemacht, zugetreten und: Pött-pött-pött-pött-pött-pött-pött...

    Die Gesicher der Jungs hätte man aufnehmen sollen! Sie freuten sich wie die Schneekönige und herzten mich und quasselten sich einen auf italienisch-Englisch-Deutsch zu Recht das es eine Freude war. Ich habe Ihnen noch erklärt, dass sie unbedingt eine Werkstatt aufsuchen müßten um den Vergaser einzustellen - dass konnte ich noch nie so richtig gut - weil sie sonst in ein paar Hundert Kilometern wieder dasselbe Problem hätten. Und sie wollten ja noch nach Gibraltar... Das mit der Werkstatt wollten Sie auch tun dann irgendwann verabschiedeten wir uns herzlich.

    Ich ging wieder zu meiner A-Twin, zündete mir dabei noch eine an und drehte mich noch 1, 2 mal um um den Jungs beim fertig machen zu zusehen. Die Susi pröttelte sauber vor sich hin. Machte mich dann auch selber wieder fahrbereit, rauchte aus, setzte mich auf den Bock, zog mir die Handschuhe an und stülpe mir meinen Helm über. Dabei sah ich im Rückspiegel, wie die beiden von hinten recht schnell in einem imaginären toten Winkel in gebückter Haltung auf mich zu schlichen. Jetzt aber Gas - dachte ich mir. Drehte den Schlüssel, drückte aufs Knöpfchen und fuhr schnell los. Nicht ohne mich nochmal umzudrehen und sah, wie sich einer der beiden Ar***maden noch an meinem Gepäck zu schaffen machte...

    BOAH, was war ich enttäuscht. Man hilft den Pennern und dafür beklauen sie einen noch... Der Tag war gelaufen. Besonders, als ich in Llorett de Mar als "Individualtourist" dann noch ca. 2 Stunden lang ein Zimmer für 1-2 Nächte gesucht habt. Aus heutiger Sicht ein albernes Unterfangen, wo Llorett doch nur Touristen in Busladungsgröße aufnimmt. Egal, irgendeine Bettenburg hatte noch Platz für mich und als ich gerade beim abladen der A-Twin war, gesellte sich ein junges Pärchen aus Deutschland dazu und so hatte ich etwas Gesellschaft. Beim lösen der Spanngurte fiel dann etwas herunter, was ich aber gar nicht bemerkte sonder der Kerl von den beiden. Ey! - sagte er, Dir ist da gerade etwas runter gefallen...

    Auf dem Boden lag - womit ich ja nie gerechnet hätte... ein 10.000 Lira-Schein. So ca. 12,- DM damals.

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    #75
    ich kann mal wieder ne nette Begegnung einstreuen.....so grab ich das alte Teil hier aus.
    Möchte dem Bremsflüssigkeitsbehälter meine XJR ein paar schicke Schrauben aus edlem Stahl spendieren, Kreuzschlitz beleidigt mein Auge und steuere den Schraubenfachhandel in der Kreisstadt an.
    vor dem Laden, Sitzbank runter, Werkzeug raus und eine Schraube als Beispiel rausgeschraubt. Drinnen bekam ich die SChrauben in maximaler Qualität (also, das was bei BMW nicht verbaut wird) für 50 Cent und gehe raus.
    Draußen steht eine Suzi 1200 Bandit und ein junger Typ schleicht um meine XJR rum. "ich hab mir überlegt reinzugehen, aber du hast vergessen den Schlüssel abzuziehen. Bevor was passiert, hab ich auf dich gewartet"
    "du mir haben sie noch nie was geklaut, außerdem bin ich in 5 Sek. an meinem Moped"
    "die Yahama sieht ja super aus, ist die neu?"
    so kommen wir, Alterunterschied 25 Jahre, ins Gespräch. Es stellt sich raus, dass er in der gleichen Firma arbeitet und für einige Monate hier "Außendienst" macht. Seine Freundin hat er in der Heimat, hängt unter der Woche hier fest.
    Er fragt mich Löcher in den Bauch, ein netter Kerl, schließlich seine Frage "wollen wir nicht mal zusammen fahren? hier in der Firma fahren alle nur Auto, das ist langweilig und ich kenn mich hier nicht aus"

    ja, warum eigentlich nicht?

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    #76
    So ca. 1980 am Strand von Ampuriabrava treffen wir (3 Kumpels aus dem Süden) so ne Rockergang aus dem Westerwald am Strand und verstehen uns trotz der Kutten prima. Ein paar Jahre später auf der Hochzeit vom Präsi und vor fünf Jahren auf der Silberhochzeit waren wir dann auch. Der Kontakt ist nie abgerissen und wenn wir uns vielleicht ein zweimal im Jahr sehen, ist es so herzlich, als ob wir uns jede Woche sehen würden. Ich möchte diese Freundschaft nicht missen.
    Sturmi

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    #77
    September 2011, am Plansee bei Reutte/Tirol. Bis dahin war es das perfekte verlängerte Wochenende. Ich bin mit meinem Kumpel Dominik unterwegs, er auf seiner gesuperten Honda XL 500, ich auf meinem Ein und Alles, meiner ersten eigenen GS, einer schwarzen R1100GS. Ich habe sie jetzt seit sieben Monaten, bin in der Zeit zehntausend Kilometer mit ihr gefahren. Allein in den letzten beiden Tagen sind rund 1.000 Kilometer dazugekommen, wir haben es uns voll gegeben: Stelvio, Ofenpass, Hahntennjoch, Namlostal. Wir sind auf dem Rückweg, und obwohl es in Strömen gießt, bin ich voll im Flow bis...

    ...in einer Rechtskurve bei ca. 50 km/h das Vorderrad schlagartig weggeht. Ich kann noch nicht einmal "sch..." Denken, da liegt die Q schon am Boden und schliddert quer über die Straße - und ich schliddere bäuchlings, die Beine voran hinterher. Was in Wirklichkeit keine Sekunde gedauert haben kann, kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Ich sehe den Asphalt von unten nach oben vor dem Helmvisier durchlaufen und denke, "was läuft denn hier für ein Sch...film?". Dann erinnere ich mich daran, was mir der Fahrlehrer vor Jahren sagte: "Wenn du rutschst, bleib liegen, bis du nicht mehr rutschst. Versuche nicht, vorher aufzustehen, sonst tut's weh." Ich rutsche immer noch - und die Zeit reicht noch aus, um mir Sorgen zu machen, ich könnte irgendwo reinrauschen. Schließlich bleibe ich liegen, direkt neben meiner Q, die frontal in eine Böschung gekracht ist.

    ich rapple mich auf, Dominik kommt angerannt und will wissen, was los ist. Offensichtlich fehlt mir nichts, mir tut auch nichts weh. Von meiner Q kann man das nicht behaupten. Alles vor der Motorstirnplatte ist im Eimer. Achse gebrochen, Telelever verbogen, Rad geknickt, Bremsscheiben verbogen....

    Meine Gedanken der nächsten Minuten sind nicht druckfähig.

    Schließlich beruhige ich mich ein bisschen, Dominik ruft den ÖAMTC. Nach einer Dreiviertelstunde kommt ein Abschleppwagen und lädt das Wrack, mit dem ich fünf Stunden zuvor noch über den Stelvio geballert bin, auf. Man will mich mitsamt der Maschine nach Reutte in den ÖAMTC-Stützpunkt verfrachten, dort könne ich dann warten, bis der Kollege des ADAC den Rücktransport nach München übernimmt.

    Es wird langsam dämmerig, als ich mich von Dominik verabschiede. Er fährt alleine zurück nach München und wird mir später erzählen, er sei fast ersoffen, so habe es geschüttet.

    In Reutte sitze ich im ÖAMTC-Gebäude, am Telefon hat man mir versprochen, dass der Laster aus München unterwegs sei, allerdings könne das dauern, ist ja auch nicht der nächste Weg. Dann eröffnet man mir, ich müsse jetzt leider den Stützpunkt verlassen, denn man würde jetzt schließen. Im Hof steht meine kaputte Q im unablässig strömenden Regen, immerhin kann sie noch stehen auf ihrem Hauptständer. Der abgerissene Koffer liegt daneben. Man hat mir einen kaputten Bürostuhl mitgegeben, damit ich mich im Hof irgendwo hinsetzen kann. Es gibt auch ein Vordach, so dass ich nicht direkt im Regen sitzen muss. Das Licht im Hof wird von einem Bewegungsmelder gesteuert - wenn ich nicht regelmäßig mit den Armen fuchtle, ist es stockfinster.

    Ich verfalle in tiefe Schwermut. Mein tolles Motorrad ist Schrott. So eins finde ich nie wieder. Und meine Frau, die die ganze Motorradfahrerei saugefährlich findet - das wird Wasser auf ihre Mühlen sein. Apropos Wasser - es schüttet unablässig.

    Schließlich kommt das ADAC-Auto. Ein 7,5-Tonner mit einer Plattform, die hydraulisch geneigt werden kann, um havarierte Fahrzeuge dann mit einer Seilwinde hochzuzerren. "Das Motorrad ist nicht rollfähig", hatte ich der Dame am Telefon gesagt, "ich brauche einen Abschlepper mit Kran."

    Na ja, der Tag ist ja schon scheiße genug.

    Der Fahrer ist jung, vielleicht 25. Sobald er den Mund aufmacht, hört man den Sound der Neuen Bundesländer. Doch er strahlt sofort eins aus: Verständnis und Bedauern für meine Situation. Gemeinsam wuchten wir die GS auf den Lkw. Während er das Wrack mit Spanngurten verzurrt, schaffe ich die völlig verdreckten Koffer in die Kabine.

    Und dann sind wir unterwegs. Gut drei Stunden wird es wohl dauern, schätzt mein Fahrer. Natürlich will er wissen, wie das passiert ist, ob mir auch wirklich nichts fehlt, wohin denn jetzt das Motorrad soll, aber irgendwann ist das dann alles erzählt.

    "Sie hören sich aber nicht so an, als wenn Sie von hier wären", frage ich ihn, und er erzählt. Er sei aus Thüringen, gelernter Koch. Er habe eine Frau aus Bayern kennen gelernt, wegen ihr habe er dann seine Heimat verlassen, da sah es jobmäßig auch nicht rosig aus. Das mit der Frau ging dann in die Brüche, und auch jobmäßig lief es in Bayern nicht rund.

    Und da hat er sich halt bei der Bundeswehr als Zeitsoldat verpflichtet und ist nach Afghanistan gegangen. Zweimal war er schon da, demnächst wird er erneut verlegt.

    Äh, Afghanistan, Bundeswehr? Was machen Sie denn am Sonntagabend am Steuer eines ADAC-Abschleppwagens?

    "Man verdient nicht so toll beim Bund, sogar mit Afghanistan-Zulage nicht, deshalb verdiene ich mir während meines Urlaubes mit diesem 400-Mark-Job was dazu. Ich bin ja allein, was soll ich sonst anfangen?"

    Afghanistan? Was er denn dort mache, frage ich ihn. Er sei in der Material-Gruppe, das ist der Nachschub vor Ort. Material-Gruppe - da war ich selbst auch, als ich '82/'83 meinen Wehrdienst abgerissen habe, nur in Munster in der Lüneburger Heide und nicht in Kundus.

    Wir unterhalten uns wie Waffenbrüder - und ich erhalte einen ungeschminkten Einblick in den Alltag eines Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Inklusive einer Riesenportion Irrsinn, wie er mich zunmeiner Bund-Zeit schon zum Wahnsinn brachte. So berichtet mein Fahrer, wie es keine andere Möglichkeit gab, einen defekten Gabelstapler in den Stützpunkt zurückzubringen, als ihn auf eigener Achse zu überführen, im offenen Gelände. "Na ja,,da habe ich mir halt die Splitterschutzweste angezogen, ein Feldjäger-Auto vor mir, eins hinter mir und los" Ob er da nicht irrsinnige Angst gehabt hätte, frage ich ihn. Ja, schon, aber man müsse die Angst verdrängen, weil man sonst verrückt würde. Ob er glaubt, dass sein Engagement in Afghanistan einen Sinn habe? "Da bin ich mir nicht sicher. Wir bauen Brunnen und helfen den Leuten, wo wir können, aber was wir in drei Monaten aufbauen, das macht ein Taliban-Anschlag in drei Minuten wieder kaputt."

    Gemeinsam luden wir um halb zwölf Uhr nachts die kaputte Q vom Laster und stellten sie meinem Schrauber vor die Tür. Und dann fuhr mich der Afghanistan-Kämpfer vom ADAC noch nach hause, lag ohnehin auf dem Weg.

    Ich habe ihm viel Glück gewünscht, ich glaube, er konnte jede Menge davon gebrauchen.

    PS: Die Q ist nie wieder gefahren. Die Schäden waren zu groß für eine Reparatur. Die Werkstatt hat die Maschine an einem Verwerter weitervermittelt - und ich konnte im Frühjahr 2012 eine andere R1100GS kaufen.

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    #78
    Begegnung der speziellen Art

    Ich möchte hier eine spezielle Art der Begegnungen erzählen.
    Bin 61 Jahre alt, fahre seit 43 Jahren Motorrad. Seit 32Jahren BMW Boxer, seit 21 Jahren mein "Quasimodo" ( R1100GS Jg. 94 ).Meine Grosse Liebe, Frankreich, Pyrenäen, franz. Alpen und vor allem das Zentralmassiv. In diese Regionen Reise ich jedes Jahrmit dem Motorrad seit über 30 Jahren.
    Vor ca. 9 Jahren machte ich mich wieder mal auf, zu einerTour ( 2 Wochen ) zum traumhaft schönen Zentralmassiv in Frankreich.
    Ueber Clermont Ferrand in der Auvergne, Puy Dome, machte ichmich auf, zum Zentralmassiv.
    Traumhaftes Wetter, kein Verkehr, herrlicheStrassenverhältnisse!
    letztes-bild.jpg

    Start am Morgen von einer kleinen französischen Pension. Wieimmer, verhalten, das Wetter und die Strassenverhältnisse beobachtend, noch einwenig träge und die Gegend geniessend.
    Gegen Mittag, eine Rast mit einem Sandwich "avecFromage". Das war ein wunderschönes kleines Restaurant am Rand desMassives.
    Vorab ich blieb da ca. 2-3 Std.
    Es war alles sehr friedlich....bis..der hauseigene Hundumherstreifte...ein anderer Hund gesellte sich dazu...( beide MittelgrosseMischlinge ) der fremde, greifft den Hauseigenen Hund an......ein riesenLärm...ein Hund heult erbärmlich...der Hauseigene Hund stirbt nach etwa einerhalben Stunde...:-(((. ( hat ihm die ..... abgebissen. ich mag solche Ausführungen nicht, aber ich musste es sagen)
    Das ganze hat mich sehr beschäftigt.
    Nach einem emotionellen Abschied in diesem sehr kleineRestaurant mach ich mich wieder auf den Weg, ca. 14 Uhr.
    Irgendwie hat mich das ganze sehr sensibilisiert...auf was?Ich weiss es nicht!
    Von da an, bis etwa 18 Uhr bin ich ohne Halt durchgefahren.Und wie!!!
    (Ich fahre grundsätzlich nicht langsam. Passe aber meineFahrweise meiner "Tagesform" an.)
    Nach den ersten Metern spürte ich eine einzigartigeUebereinstimmung mit meinem Motorrad....das zog sich etwa 4 Stunden hin ( ichhab das viel, hatte das aber noch nie so intensiv...!!)
    Ich war schnell, sehr sehr schnell und absolut sicher dieganze Zeit unterwegs ( alles auf kleinen Nebenstrassen), bis ich nudelfertigvor einer völlig unscheinbarer Pension anhielt um eine Schlaf undEssensmöglichkeit zu suchen. ( die Reifen möchte ich nicht weiterbeschreiben!).
    img_0358.jpg

    Ich hab das da gefunden. eine Pension, einfach, mit Fensternzu einer traumhaften Landschaft mit einem noch viel schönerenSonnenuntergang....ich alleine, nach so einem Tag, mit meinem Quasimodo..undmeinen Erlebnissen.
    Der Kellner hat mir das irgendwie angemerkt...Er setzte michan ein grosses Fenster, an einen Einzelplatz von dem ich den ganzen Abend...mitverschwommenen Augen den ganzen Tag revue passieren lassen konnte und diewunderschöne Stimmung geniessen konnte.
    img_0359.jpg

    Das sind 4 Begegnungen welche mich immer noch sehr bewegenwenn ich daran Denke....
    Hund! Besitzer desselben!
    Motorrad und ich!
    Stimmung!

    Der Kellner!
    Emotionen am Abend!
    NB: ich liebe Frankreich

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    #79
    ...Geschichte, ....und manchmal weht einem ihr kalter Hauch entgegen. Zu dritt hielten wir in den Abendstunden eines verregneten und windigen Reisetages in der Normandie neben einer Natursteinmauer, die den notwendigen Windschutz für die Nacht versprach. Den richtigen Zeitpunkt zum Biwakieren hatten wir längst verpasst und uns war kalt. Nun gehörte der einladende Platz unzweifelhaft zu einer Hofstelle eines dieser typischen normannischen Obstbauerngehöfte. Nach einer Zigarettenlänge unschlüssigen Verharrens gab ich mir einen Ruck, nahm den Helm ab und marschierte auf den Hof zu. Auf halbem Weg schlug der obligatorische Hofhund an und weckte die Aufmerksamkeit von zwei oder drei Gestalten die unter einer überdachten Terrasse bisher verborgen waren. Ein alter Mann kam mir ein paar Schritte entgegen und mühsam legte ich mir die Begrüßung und die Frage nach der Erlaubnis unsere Zelte auf seiner Wiese aufschlagen zu dürfen zurecht. Anfangs locker, doch zunehmend angespannt, ließ er mich ausreden. Seine Antwort war sinngemäß " ...die Deutschen waren schon einmal hier und das hat uns nicht gefallen". Körperhaltung, Blick und Stimme ließen Wind und Regen zweitrangig werden, mir lief ein Schauer den Rücken runter....und weiter " ....so bleibt, über Nacht, aber seht zu das Ihr morgen Früh zeitig wieder verschwindet", damit drehte er mir den Rücken zu. Ob mein hilfloses "merci" Ihn noch erreichte weiß ich nicht, ich schlich zurück. Unschlüssig wie wir die Situation handeln sollten, kamen wir überein, schnell die Zelte aufzubauen, die Nacht abzureißen und zeitig zu verschwinden, bloß nicht weiter stören....keine Ahnung, was damals passiert sein könnte...angefressen, dass wir es ausbaden mussten....doch, damit nicht genug. Die Zelte standen gerade, als sein Sohn, in unserem Alter, herbei kam, uns freundlich mit Händedruck begrüßte, interessiert nach dem woher und wohin fragte und uns eine Duschmöglichkeit im Wirtschaftgebäude anbot. Plötzlich wehte der Wind von der anderen Seite und die Abendsonne trat hervor....."im Übrigen bräuchten wir unseren Kocher nicht anzuwerfen, wir wären zum Abendessen eingeladen"...Ja geht`s noch...?...also gut. Später dann, nach Dusche und verwunderten Bekundungen im kleinen Kreis saßen wir stundenlang im großem Familienverband auf der Terrasse. Der bärbeißige Alte an der Stirnseite ließ uns hin und wieder mit musternden Blicken unsere Anwesenheit hinterfragen, sein Sohn und dessen Frau gaben sich alle Mühe uns zu integrieren, dass geniale Essen tat sein Übriges. Zu fortgeschrittener Stunde stand der Alte auf und sagte etwas, bevor er davonging. Sein Sohn fragte uns, ob wir das trou normand kennen würden? Natürlich nicht.....darauf die Erklärung, der Alte würde jetzt einen Calvados aus seinem Keller kredenzen, nach dessen Genuss sich in unserem Magen das normannische Loch öffnen würde um Platz zu schaffen für weitere Köstlichkeiten....Die spinnen, die Franzosen? Non, jamais! Der Alte kam zurück und begann reihum einzuschenken. Bei uns angekommen, fragte er seinen Sohn ob dieser die notwendigen Erklärungen an uns weitergegeben hätte, was dieser bejahte. Da huschte zum ersten Mal ein freundliches Lächeln über sein Gesicht und er füllte unsere Gläser aus einer nicht etikettierten Flasche. " Calvados, Apfelbrand, 60 Jahre im Faß gelagert, etwas besonderes" so sein Sohn. Bis dahin kannte ich nur britisches Understatement..... Der Stoff war der Hammer, die Wirkung, wie zuvor beschrieben....Nachtisch und Kuchen fanden erstaunlich viel Platz....
    Wer so mit seinen Feinden umgeht, hat bald keine mehr :-)
    cu
    CC

  10. Registriert seit
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    #80
    Ich hab da mal eine alte Geschichte ausgegraben, die ich vor einiger Zeit mal aufgeschrieben hatte um ein Studentenjubiläum damit auszuschmücken.

    Mit dem Motorrad nach Drüben


    Als im November 1989 plötzlich die Mauer fiel,waren Carsten und ich motorradfahrende Studenten in Hessen. Die ersten zweiWochen beobachteten wir, wie nach anfänglichem Durcheinander immer mehrReiseverkehr zwischen Hessen und Thüringen aufkam. Die Situation war aber immernoch nicht klar und niemand wusste, wie mit Motorrädern umgegangen werdensollte. Ende November fassten wir uns an einem warmen Herbsttag ein Herz. Mitder offiziellen Begründung, im Osten Fachbücher kaufen zu wollen, die wir fürsStudium bräuchten, setzten wir uns auf unsere Maschinen und fuhren überSchlüchtern nach Fladungen. Ich auf meiner CX 500 mit Pichler-Vollverkleidungund Carsten auf seiner 750er Katana. An der Grenze angekommen, fanden wir einenprovisorischen Übergang bei Melpers, wo im Minenstreifen einfach ein paarBetonplatten verlegt waren und an einem transportablen Wachhäuschen 2DDR-Grenzsoldaten darauf achteten, dass wir Wessies auch immer noch schönunseren Zwangsumtausch durchführten. Als wir mit den Motorrädern auftauchten,blickten wir in verwunderte Gesichter. Offizielle Regelung für denGrenzübertritt mit Motorrädern? Wir hatten keine Ahnung. Die Grenzer auchnicht. Kurzes Palaver und die Fragen, was der Grund unserer Reise sei und wielange wir in der DDR bleiben wollten. Wahrheitsgemäß kamen unsere Antworten:Nur eine Tagesreise nach Erfurt zum Bücher kaufen und wieder nach Hause. Alsohaben wir jeder 25 Mark West gegen Mark Ost getauscht und sind dann einfachdurchgefahren. Auf den ersten Kilometern hatten wir das Gefühl, einen anderenKosmos zu befahren. Jedes Auto sah anders aus, als wir es gewohnt waren. DieStraßen gepflastert und die engen Baumalleen gaben ein anderes Fahrgefühl.Gehwege mit Bordsteinkanten gab es nicht. Die Dorfstraße holperte zwischen denGärten durch, nur abgegrenzt von einfachen Holzzäunen, zwischen denen und demStraßenbelag ein schmaler Sandstreifen von Fußgängerverkehr ahnen ließ. Carstenfuhr voraus, die Katana mit der brüllenden 4in1-Anlage zwischen denSchlaglöchern durchmanövrierend. Und weil der Auspuff ohne Innenleben so einenHöllenkrach machte, hielt ich ein paar Meter Abstand. Zuerst konzentrierte ichmich auch auf die Straße und die buckelig gepflasterte Fahrbahn. Nachdem ichmehr und mehr Vertrauen in die weich eingestellten Konis fasste, sah ich michum und nahm die Umgebung auf. 2 Frauen mit großen Kinderwagen standen amStraßenrand. 4 Kinder in jedem Wagen und während ich in meiner westlichen Unbekümmertheitnachdachte, ob hier Mehrlingsgeburten ein Normalfall sind, stellte ich fest,dass die Damen erschrocken hinter Carsten hersahen. Die nächsten Leute an derStraße sprangen ebenfalls zurück, als Carsten an der Kreuzung einen Gang runterschaltete und Gas gab. Neue Erfahrungen. Nicht nur wir waren auf dem Mars. DieEinheimischen betrachteten uns auch als die Außerirdischen. Während Carsten mitseinem brettharten Fahrwerk kämpfte, fuhr meine Sänfte gemütlich hinterher undich beobachtete die Menschen am Straßenrand. Nicht lange, denn zwischenMeiningen und Zella Mehlis mußte Carsten auf Reserve umschalten. ÜberTankstellen hatten wir uns bisher keine Gedanken gemacht. Jetzt standen wir amOrtseingang von Schwarza und diskutierten darüber, dass wir seit demGrenzübergang noch keine Tanke wahrgenommen hatten. Ratlosigkeit. In Schwarzastand dann eine einzelne Tanksäule an der Straße. Dahinter ein Bauernhaus undein offenes Scheunentor. In der Scheune wurde gearbeitet. Also angehalten undmal nachgefragt. Während wir in der Scheune mit einem Mechaniker diskutierten,der bei unserem Eintritt unter einem Traktor hervor gekrochen war, sammeltensich draußen um unsere Moppeds die ersten Arbeiter. Wir fragten, wegen demSprit und ob man uns weiter helfen könnte. Antwort: „Nu joo, Zweedagtööl isteen Brobleem.“ An der Säule draußen war nur Diesel für die Schlepper zu tanken,man hätte aber Normalbenzin in Kanistern, aber nur für 4-Takter und nicht fürMotorräder. Unverständige Antwort von uns, dass die Moppeds doch 4-Takter sindund wir ganz normales Benzin ohne Öl bräuchten. Gelächter von draußen.Inzwischen standen gut 8-10 Mann um die Maschinen und einer fragte nach derMotorleistung. Ich zeigte auf die CX und leierte runter: 2 Zylinder V-Motor,500 Kubik und 50 PS. Wieder Gelächter. „50PS für ein Motorrad, die spinnen, dieWessis!“ Einer kniete vor der Güllepumpe und sah unter der Gabel in dieVerkleidung. „Was ist dass denn, ein Wasserkühler?“ „Jau, der Motor istwassergekühlt.“ Wieder kollektives Gelächter. Neben der CX mit derVollverkleidung und großen Krauser-Koffern inklusive Topcase stand die Katanageduckt auf dem Seitenständer. Einer drehte sich jetzt zu ihr um grinste breitund meinte „dat wird ja immer besser, die Kleene da hat sogar 4 Zylinder. „Jau,aber dafür keine Wasserkühlung“ kam die verschnupfte Antwort von Carsten. Kleinwollte er gegenüber der Güllepumpe doch gar nicht hören. “Und wat hatt dieKleene so an Leistung?“ „82 PS.“ Jetzt war Carsten wieder oben auf. UngläubigeGesichter und dann wieder „Die spinnen die Wessis“ Ich hatte inzwischen bei demWerkstattmeister 20 Liter Sprit aus Kanister gekauft und während wir ohneTankrüssel mit möglichst wenig Geklecker den Saft in die Fässer füllten, wurdeCarsten wegen der Bemerkungen über seine „Kleene“ immer stinkiger. Schließlichwar die Katana Bj.82 sein ganzer Stolz. Nach dem Tanken stieg er wortlos auf,stülpte den Helm über und ließ den Motor im Stand grummeln während ich michreisefertig machte. Als ich den Daumen hob krachte bei der Kanata der ersteGang rein. Carsten rollte auf die Straße und schwenke Richtung Zella-Melis. Ichstand noch zwischen den Traktoristen, da riss Carsten das Kabel auf und dieKatana brüllte mit durchdrehendem Hinterrad Richtung Ebertshausen. ErstaunteGesichter und ich mußte mit der Hupe den Weg frei machen, damit ich auch aufdie Straße konnte. Lachend rief ich im Vorbeifahren noch “Wir spinnen, wirWessis“, dann bog ich auch nach links und fuhr Carsten hinterher. Bei unsererPause in Oberhof haben wir beide dann köstlich gelacht, als ich Carsten von denverblüfften Gesichtern erzählte. Unsere Bücher haben wir nachmittags in Erfurtgekauft. Nachdem ca. 10kg Papier in jedem Koffer verstaut waren, sind wir nochhinter dem Dom eine echte Thüringer Grillwurst essen gegangen und dann auf dieTransitautobahn Richtung Eisenach.
    Heute, über 25 Jahre nach der Fahrt, treffenwir uns ab und zu immer noch. Um alte Zeiten hochleben zu lassen, eine RundeBenzin zu quatschen oder einfach nur über spinnende Wessis zu lachen.

    Gruß
    Chris



 
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