Morjin !

Die günstigste Art, von A nach B zu kommen ist eine unsinnige Verkürzung der Fragestellung im Alltag, wo ganz unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse und extrem unterschiedliche Verkehrsverhältnisse. In den Ballungsgebieten wie Berlin, München, Frankfurt, Rhein-Ruhr-Raum usw. gibt es ganz hervorragende Nahverkehrssysteme, mit denen man sich mit nur geringfügigen Einschränkungen in tiefster Nacht kreuz und quer durch die Region bewegen kann. Auf dem "platten Land" sieht die Sache ganz anders aus. Dort ist ein effektiver ÖPNV völlig unmöglich und es eine mehr oder weniger zufällige Angelegenheit, mit dem Bus oder der Bahn halbwegs akzeptabel zur Arbeit und zurück zu kommen.

Die Individuallösung ist hier das einzig sinnvolle. Bei Kfz nun ist die günstigste Lösung das Gebrauchtfahrzeug ab einem Alter von etwa 2-3 Jahren - je nachdem kann sich diese Grenze auch noch weiter nach hinten verschieben. Ziel eines günstigen Gebrauchtkaufs ist nicht nur der günstige Anschaffungspreis, sondern auch der günstige Unterhalt durch die geringere Reparaturwahrscheinlichkeit aufgrund der sogen. "Badwanne" - der statistischen Reparaturhäufigkeit von Kfz. Sie ist am Anfang hoch, aufgrund der regelmässig durch Garantie und Gewährleistung abgefederten, unvermeidlichen Produktionsfehler - und am Ende der Lebensdauer, wenn immer mehr Baugruppen den Geist aufgeben. Dazwischen ist sie relativ niedrig, weswegen die Graphik an eine "Badewanne" erinnert.

So ungerne das die Nachhaltigkeitsapostel auch hören mögen: ein paar hundert Euro Kfz-Steuer spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle in der Kostenbilanz.

Nach 2-4 Jahren hat ein Kfz auch regelmässig seine maximalen Wertverlust hinter sich, und die Anschaffung ist für 25-50 % des Neupreises möglich - der kommende Wertverlust bleibt dagegen relativ gering. Auch dies passt den Nachhaltigkeitspredigern natürlich wieder nicht: 1-2 l Mehrverbrauch können allenfalls bei extremen Jahresfahrleistungen den enormen Wertverlust des Neu-Kfz in den ersten Jahren ausgleichen. Dieser Anfangs-Wertverlust beträgt selbst bei Wagen der Golf-Klasse 10.000 € oder mehr. Selbst wenn man prognostisch 2 € / l Sprit ansetzt, sind das 5.000 l Sprit. Ist das Neufahrzeug 2 l günstiger, als das Alte Eisen, dann braucht es 100.000 km Fahrleistung, bis daß sich der höhere Anschaffungspreis durch den günstigeren Verbrauch wieder amortisiert hat. Setzt man mit spitzem Bleistift noch den Zinsverlust für den höheren Preisanteil des Neuwagens an, wird die Rechnung noch ungünstiger für das Neufahrzeug.

Mein persönlicher Weg, den wohl manche Motorradfahrer gehen, besteht im Mix aus Dose und Moped - die Dose für das Schmuddelwetter und Winterbedingungen und die monatliche Fahrt zu Aldi etc für die Ergänzung des Vorrratslagers, ansonsten, insbesondere in der "Saison" fährt man das günstigere Moped, mit dem Innenstadtfahrten zwar auch kein Vergnügen sind, aber wesentlich schneller ablaufen und ein Parkplatz in Zielnähe sehr schnell gefunden werden kann. Ausserdem, und das ist das wichtigste: man verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Hin- und Rückfahrt werden zum positiven Erleben, zu "Freizeit", während Fahrten mit der Dose unter den heutigen Verkehrsbedingungen einfach nur öde sind: man kriecht in der Schlange vor sich hin oder steht im Stau. Die Nutzung des Mopeds im Alltag bedeutet damit die Erschließung von zusätzlicher Freizeit mit Erholungswert - Dose und auch der möglicherweise günstige ÖPNV sind dagegen günstigstenfalls nur öde, oft einfach nur nervig - jedenfalls belastend. Man ist froh, wenn man wieder aussteigen kann.

Das bedeutet, daß man bei der Motorradwahl auf Alltagstauglichkeit achten muß. Gesunde ergonomische Verhältnisse gehören ebenso dazu, wie ein gewisser Schutz vor Wind und Wetter und natürlich Koffer. Das Motorrad muß ferner robust, zuverlässig und wartungsarm sein ... letztendlich landet man bei der Blauweissen Marke, alles andere ist eh Schrott ;-)

Gruß

Kroni