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Männerbünde - MCs und Schlagende Verbindungen I

Erstellt von Kroni, 28.03.2010, 16:04 Uhr · 24 Antworten · 3.843 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    Standard

    #21
    Von mir bekommt Kroni 12 Punkte für diesen Diskussionsansatz.
    Es kommt letztendlich immer darauf an, wie man es betrachtet. Und da hat Kroni im Gegensatz zur derzeitigen öffentlichen Diskussion mal den friedlichen Ansatz gewählt.
    Die meisten Gruppierungen sind irgendwann sicher mal mit positiver Intention entstanden.(Mal abgesehen vom Ku-Klux-Clan wahrscheinlich) Mit der Zeit finden aber insbesondere bei sehr großen und erfolgreichen Gruppierungen Pervertierungen der ursprünglichen Idee statt. Sodaß im Extremfall der gegenseitige Beistand auch demjenigen zuteil wird, der sich durch kriminelle Handlungen eigentlich aus der öffentlichen Gesellschaft verabschiedet. Da die genannten Gruppen ja nicht demokratisch organisiert sind, kann also eine Person, die in der Hierarchie hoch genug steht, die ganze Gruppe zu kriminellen machen. Der Chef begeht eine Straftat, die anderen Mitglieder müssen zu ihm stehen, ihn decken und wenn nötig auch durch Falschaussagen Alibis besorgen.
    Die Gefahr ist eben, dass die Regeln über dem Gesetz stehen. Und das man durch die "Lebensmitgliedschaft" nicht einfach austreten kann, wenn man bemerkt dass da was in die falsche Richtung läuft. Dabei wäre es für die MC sehr einfach das zu Regeln, wenn nämlich Kriminalität, ähnlich wie Drogenkonsum, den Mitgliedern verboten wäre und zum Ausschluss führen würde. Wenn Gesetzestreue als Regel über dem Gesetz stünde, wäre der Kreis geschlossen.
    Gruß
    Frank
    (Der nie "Corpste" oder "MCte")

  2. Registriert seit
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    Standard Letztes Wort...

    #22
    Hier ist es genau so, wie bei allen Organisationen. Die Intention der "Gründerväter" ist die eine Sache, die evolutive Anpassung an die sich ständig verändernden Umgebungsbedingungen eine völlig andere.
    Auch wenn es scheinbar und angeblich "eherne" interne Gesetze geben sollte, entfernt sich jede Organisation immer weiter vom eigentlichen Ursprungsgedanken ihrer Gründer. Sie passt sich ihrem Umfeld an.
    Wenn sie das nicht täte, könnte sie ihren Bestand nicht erhalten.
    Welche Probleme dabei zwangsläufig auftreten, kann man gut am Beispiel der katholischen Kirche und (ihrer) Organisation beobachten. Uralte Regeln ... die sich gegen alle "modernistischen" Widerstände behaupten müssen. Der Ursprungsgedanke ...geht da schon mal verloren.
    Ein gewagter Vergleich, sicherlich...aber ich hätte auch die Mafia nehmen können. Deren ursprünglicher Gründungsgedanke hatte auch nichts mit kriminellen Aktivitäten zu tun. Aber die Dinge entwickeln sich eben ...

  3. Registriert seit
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    Standard Illegalität

    #23
    Vielleicht sollte man auch mal unterstreichen, daß sowohl MCs, als auch die schlagenden Verbindungen eine illegale Tradition haben.

    Man hat immer wieder einzelne MCs verboten - und auch Studentenverbindungen waren über längere Zeitabschnitte in ihrer Geschichte verboten, staatlicher Repression ausgesetzt gewesen.

    Bekanntlich hat nach 1815 eine absolutistische Restauration eingesetzt, die sich bemühte, den aufgekeimten Nationalstaatsgedanken, deren Träger die Studentenverbindungen eben auch gewesen waren, zu unterdrücken - dies hat immer wieder zu Verboten der Verbindungen durch einzelne Landesfürsten geführt. Nach 1933 wurden die Verbindungen - obschon sie seinerzeit als Konservative die Machtergreifung ....... begrüßt haben - ebenfalls im Zuge der "Gleichschaltung" verboten, und haben zumeist in der einen oder anderen Form illegal weiterexistiert. In der DDR blieb dieses Verbot bis 1989 in erneuerter Form bestehen - doch auch hier gab es illegale Aktivitäten.

    In der BRD schließlich war das Mensurenschlagen als identitätsstiftender Kern der "schlagenden" Verbindungen bis in die 50er Jahre verboten - Mensuren galten als "Duelle", als verbotene Körperverletzungen, bis der Bundesgerichtshof in einem vielbeachteten Urteil feststellte, daß Mensurenschlagen sei als "Sport" zu bewerten und somit nicht verboten. Dieser Rechtszustand besteht - soweit ich weiss - bis heute.

    Gleichwohl hat man auch während der Zeit des Verbotes in der BRD Mensuren geschlagen - illegal eben.

    Das Aufreizende bei beiden Formen von Bünden ist eben: ihre Auflehnung gegen den staatlichen Anspruch, nach weitgehendem Belieben der jeweiligen Herrschaft Handlungen der Einzelnen oder Gruppen von Einzelnen anordnen oder verbieten zu können. Beide Formen von Bünden akzeptieren diese staatlichen Anordnungen nur bis zu einer gewissen Grenze - ab dieser Grenze werden sie bewußt ignoriert, umgangen: man geht "in die Illegalität" als eine bewußte Entscheidung.

    Die Staaten haben sich stets daran versucht, solche Bünde, zu denen man unter Umständen noch andere Bünde wie etwa die christlichen Orden, oder die Freimaurer zählen könnte - aber in beiden Fällen, vor den MCs wie vor den schlagenden Verbindungen hat der Herrschaftsanspruch des Staates letztlich kapituliert. Und auch in der aktuellen Diskussion über HA und Banditos beherrscht eine nicht allzuhäufig ausgesprochene Vermutung die Debatte sozusagen aus dem Hintergrund: ein Verbot würde "nichts nutzen", nicht befolgt werden, zumal die HA (über die Banditos weiß ich nur, was in der Zeitung steht, also so gut wie nichts) international organisiert sind. Ein isoliertes Verbot in der BRD oder der EU würde mit gewisser Wahrscheinlichkeit nichts anderes bewirken, als die Chapters in der BRD oder der EU zu schlagkräftigen illegalen Organisationen werden zu lassen, die sich lebhafter Unterstützung aus dem Ausland erfreuen würden, und wesentlich schwerer zu überwachen wären. Damit wären die HA etc. dann auch entgültig aus der Gesellschaft "offiziell" ausgeschlossen, womit auch die Bereitschaft der "Angels", den übrigen staatlichen Anordnungen Genüge zu tun, stark schwinden würde: ist der Ruf erst mal ruiniert, lebts sich bekanntlich völlig ungeniert.

    Das Interessante an der Lage ist: sie zeigt auf, daß das menschliche Zusammenleben weitaus komplexer ist, als es von Schullehrern, Parteifunktionären und sonstigen Sonntagsrednern immer dargestellt wird.

  4. Registriert seit
    01.09.2006
    Beiträge
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    Standard

    #24
    Zitat Zitat von Kroni Beitrag anzeigen
    Die Staaten haben sich stets daran versucht, solche Bünde, zu denen man unter Umständen noch andere Bünde wie etwa die christlichen Orden, oder die Freimaurer zählen könnte - aber in beiden Fällen, vor den MCs wie vor den schlagenden Verbindungen hat der Herrschaftsanspruch des Staates letztlich kapituliert. Und auch in der aktuellen Diskussion über HA und Banditos beherrscht eine nicht allzuhäufig ausgesprochene Vermutung die Debatte sozusagen aus dem Hintergrund: ein Verbot würde "nichts nutzen", nicht befolgt werden, zumal die HA (über die Banditos weiß ich nur, was in der Zeitung steht, also so gut wie nichts) international organisiert sind. Ein isoliertes Verbot in der BRD oder der EU würde mit gewisser Wahrscheinlichkeit nichts anderes bewirken, als die Chapters in der BRD oder der EU zu schlagkräftigen illegalen Organisationen werden zu lassen, die sich lebhafter Unterstützung aus dem Ausland erfreuen würden, und wesentlich schwerer zu überwachen wären. Damit wären die HA etc. dann auch entgültig aus der Gesellschaft "offiziell" ausgeschlossen, womit auch die Bereitschaft der "Angels", den übrigen staatlichen Anordnungen Genüge zu tun, stark schwinden würde: ist der Ruf erst mal ruiniert, lebts sich bekanntlich völlig ungeniert.

    Das Interessante an der Lage ist: sie zeigt auf, daß das menschliche Zusammenleben weitaus komplexer ist, als es von Schullehrern, Parteifunktionären und sonstigen Sonntagsrednern immer dargestellt wird.
    Das sehe ich auch so, und stelle immer wieder für mich fest, wie populistisch und auf billige Effekthascherei ausgerichtet so mancher Schnellschuß eines "Vordenkers" ist, der dann auch noch unreflektiert und kritiklos übernommen wird von den üblichen "Hofschranzen".
    Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch den Begriff "Fraktionszwang". Sind diese Brüder tatsächlich so weit weg ?
    Verbote lösen keine Probleme nachhaltig. Sind aber oft sofort verfügbar, einfach und machen Eindruck.

  5. Registriert seit
    26.09.2009
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    1.156

    Standard

    #25
    Moin,
    ich finde diesen Fred sehr erbaulich, weil sehr niveauvoll, interessant, engagiert, tollerant und auch spannend.

    Er ist ein ideales Beispiel dafür, dass das ehemalige Mitglied "Lumpenseckel" im Fred "Abschied vom GS-Forum" auf der völlig falschen Spur ist.
    Meine Meinung!


 
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