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Probefahrt - BMW R1200ST

Erstellt von AMGaida, 23.09.2006, 16:52 Uhr · 6 Antworten · 2.401 Aufrufe

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    Standard Probefahrt - BMW R1200ST

    #1
    Hallo zusammen,

    heute hatte ich mein Motorrad bei Bikeworld am Nürburgring zur Inspektion. Wie üblich bekam ich für die paar Stunden ein kostenloses Leihmopped meiner Wahl. Die Auswahl an BMWs war interessant... K1200GT, R1200RT und R1200ST standen da herum. Da ich die RT zu dick fand (und mir eh nie kaufen würde) und ich auf die GT irgendwie keine Lust hatte, gab es die ST. Ich bin damit 3 Stunden und gut 170 km mit Sozia durch die Eifel gedüst und wollte mal meine Eindrücke schildern. Für die die´s interessiert...

    Das Federbein hatte ich vorgespannt und vorsichtshalber an der Tankstelle den Luftdruck noch etwas angehoben... und los gings. Erstmal ist das Motorrad ja gefühlsmäßig nur halb so hoch wie meine GSA. Der Lenker liegt fast sportlich weit vorne und tief, die Rasten dagegen sind ziemlich hoch. Auf den ersten 50 km gefiel mir die Sitzposition nicht sonderlich, die Umstellung ist schon groß. Aber es wurde immer bequemer, meine Freundin saß auch sehr bequem, bequemer als auf der 1150 GSA.

    Der Motor wirkt anders als bei meiner nicht sonderlich durchzugstark. Unter 3000 passiert fast nichts, den 6. und eigentlich auch den 5. Gang kann man auf der Landstraße fast vernachlässigen. Sie geht eher dezent ans Gas, 3500 U/min sollten es sein, um Schub zu spüren, ab 6000 U/min kommt noch mal ein kleiner Nachbrenner bis zum Begrenzer. Insgesamt fühlt sich das nicht gerade nach 1200er an. Aber der Motor läuft leise, vibriert viel weniger als meiner und hängt gut am Gas, dreht frei hoch und schafft wenn man will durchbeschleunigte 60 - 180 km/h auch äußerst zügig!

    Das Fahrwerk wirkte trotz der hohen Zuladung (etwa 180 kg alles in allem) einigermaßen souverän, es schaukelte nicht und ich hatte immer den Eindruck, dass ich über den Straßenzustand absolut im Bilde war. Dennoch hatte ich eine seltsame Distanz zum Vorderrad. Beim Einlenken bekam ich zu wenig Rückmeldung, auf der Bremse einlenken wollte sie auch nicht sonderlich, gegen sportlicheren Fahrstil wehrte sie sich durch eieriges Einlenkverhalten und indifferente Rückmeldung. Am besten leicht anbremsen, Bremse lösen in die Kurve einlenken und ab Scheitelpunkt ans Gas. So kommt sie zurecht. Mit meiner GSA kann ich machen was ich will, die bleibt immer auf Kurs und lässt sich bei aller Handlichkeit durch nichts aus der Bahn werfen. Ich vermute dass die montierten BT020 (Laufleistung 9000 km) entweder nicht gut mit der ST harmonieren oder am Ende ihrer Lebensdauer deutlich nachlassen. Ich gewöhnte mich noch etwas an das Einlenkverhalten, aber "gut" fand ich es nie. Glasklare Rückmeldung, Gefühl für´s Vorderrad, Abkippen durch Schenkeldruck... sowas gab´s jedenfalls alles nicht.

    Dennoch wurde ich nach 100 km so richtig warm mit dem Motorrad. Man ist locker unterwegs, Überholmanöver werden zur Leichtigkeit, auf leeren Eifellandstraßen hatte ich häufig 120 und mehr auf dem Tacho, die Maschine liegt so stabil und unaufgeregt, dass man die Geschwindigkeit gar nicht so mitbekommt. Der Windschutz war bei meiner Größe und der tief eingestellten Scheibe nicht sooo toll. Der Kopf war voll im Wind, aber es gab keine Turbulenzen oder sonstige Störungen.

    Die Bremse ist Herr der Lage und wirkt sehr souverän. Sie reagiert beim Anlegen noch einen Hauch bissiger als meine, vllt. hat die ST andere Bremsbeläge? Keine Ahnung... Jednefalls lässt sie sich mit 2 Personen aus 120 souverän mit einem Finger vor der Spitzkehre zusammenbremsen. Das Bremsen hat richtig Spaß gemacht.

    Ein paar Details haben mich gestört. Z.B. die am Lenker befestigten Rückspiegel. Darin sieht man sich zur Hälfte selbst und hochwertig wirken sie auch nicht gerade. Außerdem der Seitenständer. Man findet keine "Nase" zum Herausklappen sondern muss sich irgendwie verrenken, um unter der Raste den Ständer rauszufriemeln. Am meisten gestört hat mich aber das Gerappel der Verkleidung auf unebenen Straßen. Das ganze Cockpit sowie die Innenteile der Verkleidung geben ein Rappeln und Klappern von sich, wie es einem Motorrad für über 13000 Euro einfach nicht gut zu Gesicht steht. Zudem ist die Cockpit Landschaft durch den hochgezogenen Scheinwerfer und die hässliche Verkleidungsscheibe auch von hinten äußerst unansehnlich.

    Insgesamt ist die Maschine ein wirklicher Sporttourer, das beste aus beiden Welten vereint. Der Motor geht gut (und war mit ca. 5l bei flotter Fahrt mit Sozius ziemlich sparsam!), wenn man ihn etwas dreht und nicht zu faul zum Schalten ist. Die Sitzposition ist natürlich sportlicher als bei der GS aber bequem und konzeptgerecht. Ich kann mir gut vorstellen, auf der Maschine 700 oder 800 km runter zu reißen. Wenn´s sein muss auch mit Sozius, kein Problem. Einzig die Optik und in meinem Fall die aufgezogenen Reifen stehen dem Glück etwas im Wege... mit Metzeler Z6 soll die Maschine aber toll fahren, ich gehe davon aus dass ich damit auch nicht das von mir beschriebene Feedback am Vorderrad vermissen würde.

    edit:
    Was ich nicht verschweigen will... als ich meine GS wieder unter dem Hintern hatte, fühlte sich alles komisch an. Die Fußrasten fast schon vorverlegt, der Lenker an der Brust und 2m Spannweite. Aber das Gefühl war wie beim ersten Mal GS fahren... und das war einfach GEIL! Über die Bodenwellen drüber bügeln wie ein Luftkissenboot, entspannt abwinkeln und von ganz unten raus Schub haben... das macht für mich GS fahren aus und dagegen sieht die ST spaßmäßig ganz alt aus.

  2. wop
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    #2
    Andreas,
    Dank Deines ausführlichen Berichts kann ich mir jetzt die Probefahrt mit der ST ersparen.

    Die BMW-Designer, die den häßlichen Vorbau der ST verbrochen haben, müssen sehr schlechtes Dop genommen haben, oder sie haben bei denen genascht die das 7er Heck verunstaltet haben.

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    #3
    Zitat Zitat von wop
    Andreas,
    Dank Deines ausführlichen Berichts kann ich mir jetzt die Probefahrt mit der ST ersparen.
    Freut mich, dann hat es ja wenigstens einen interessiert.

  4. YS6
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    #4
    nö, auch ich hab Deinen Bericht mit Interesse gelesen! Gut beschrieben, wirklich, danke! Toll nachvollziehbar, dass die GS doch das non plus ultra Mopped darstellt oder?

  5. Registriert seit
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    Standard

    #5
    Zitat Zitat von YS6
    Gut beschrieben, wirklich, danke!
    Danke!
    Wie gesagt... der Umstieg auf die GS kam mir noch nie so "neu" vor wie gestern. Und alleine dafür hat sich die ausgiebige Probefahrt auch gelohnt.

  6. Registriert seit
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    1.197

    Standard Am Rande

    #6
    Hallo
    Danke für den Bericht! Ich habe drei Versuche unternommen das Teil probe zu Fahren, es hat nie geklappert und wenn ich es so lese habe ich auch nicht viel verpasst !
    GS ist halt GS

  7. Anonym1 Gast

    Daumen hoch

    #7
    hey, habe gerade deinen bericht entdeckt!

    super geschrieben!

    es sollten mal alle, die irgendwie mal in den genuss kommen, mal andere moppeds fahren zu dürfen, was dazu schreiben..

    so gäbe es evtl einen gemeinsamen nenner und man hätte allgemeingültige aussagen...

    gruss,sascha!


 

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