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Zu dichtes Auffahren

Erstellt von beak, 08.09.2008, 17:34 Uhr · 178 Antworten · 16.486 Aufrufe

  1. Chefe Gast

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    Zitat Zitat von beak Beitrag anzeigen
    ...
    Aber, ich weiß, dass es auch viele vernünftige Dosenfahrer gibt!!! Schließlich gehören wir ja teilweise auch selbst dazu!
    Das bilden wir uns zumindest ein...

  2. Registriert seit
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    Standard @ Beak

    Morjin !

    Die Methode der Wahl, um mit diesen und einigen anderen Übeln beim Motorradfahren (aber auch beim Autofahren) fertig zu werden, heißt: "Gefahrenantizipation".

    Diesen Begriff habe ich aus Bernt Spiegels berühmten Buch über die obere Hälfte des Motorrades entnommen. Nach diesem Buch habe ich in den ersten Jahren Motorradfahren gelernt, und es ist heute noch meine Richtschnur im Umgang mit dem Moped auf der Strasse.

    Gefahrenantizipation heißt: man "scannt" das Blickfeld nach möglichen Gefahren, die auf einen zukommen könnten: Der Dosist, der einem die Vorfahrt nimmt, die Verfärbung auf dem Asphalt, die ein Ölfleck sein könnte - und aus jeder blinden Kurve kommt einem grundsätzlich einer auf der eigenen Spur entgegen ...

    Der Sinn und Zweck dieser Maßnahme ist vor allem: die Vermeidung des Schrecks und der Schrecksekunde (die meistens noch länger dauert, als einundzwanzigzweiundzwanzig). Wenn man mit einer Gefahr rechnet, erschrickt man nicht oder nur wenig, wenn sie dann tatsächlich eintritt. Man verfällt nicht in hilflose Starre, sondern man handelt - man tut genau das, was man tun soll.

    Das ist nämlich der zweite Sinn und Zweck der Maßnahme - in einem Bild gesprochen: das konkrete Handeln auf dem Motorrad: Richtungswechsel, Bremsen, Beschleunigen erfolgt, wenn man die ersten Schritte nach der Fahrschule mal ausser Acht lässt, nicht aufgrund rationaler Erwägungen, sondern "aus dem Bauch heraus". Gemeint sind Handlungsprogramme, die aus der "bewußtseinspflichtigen Sphäre" (Spiegel) in tiefere Hirnschichten abgesunken sind. "Aus dem Bauch heraus" gibts nämlich nicht: es spielt sich alles im Hirn ab, nur weitaus mehr in tieferen Hirnschichten, als im "Oberstübchen" der Großhirnrinde.

    In diesen tieferen Hirnschichten sind die Handlungsprogramme für unsere Fahrmanöver gespeichert. Mein Bild ist nun: diese Handlungsprogramme werden durch die Gefahrenantizipation "hochgefahren", und stehen dann, wenn sie gebraucht werden, sofort zur Verfügung. Wenn mans genauer wissen will: es steht im Kapitel "Der Feind ist der Schreck" von Spiegels Buch.

    Man könnte meinen, wenn man mit "Gefahrenantizipation" fährt, würde man ganz schnell die Lust am Motorradfahren verlieren, wenn man überall nur Gefahren lauern sieht ("dann kammer gleich Bus faahn!") - doch das Gegenteil ist der Fall. Denn es dauert niemals lange, bis man auf die erste Gefahrenlage stößt, die man aufgrund ihrer Antizipation "mit links" geregelt bekommen hat, statt "zu Tode erschreckt" gewesen zu sein. Und spätestens dann macht es "Klick".

    Bei mir hat es "richtig Klick" gemacht, geradezu geläutet in meinem Kopf, als mir letztes Jahr im Harz eine Dose tief in der eigenen Spur entgegenkam - bei der Einfahrt in eine blinde Rechtskurve. Wäre ich erschrocken, wären wir wohl frontal kollidiert. Aber ich habe, wie beschrieben, damit gerechnet, war "fit" für die Situation - und meine Erinnerung an dieses Erlebnis hat sich tief ins Gedächtnis eingegraben. Ich war "total cool" geblieben, habe meinen Fluchtweg am Seitenstreifen entlang ins Auge gefasst, und bin in ein paar Schulmässigen Schlenkern um die Killerdose drumherumgefahren - erst hinterher, auf der anschließenden Geraden, ist mir der Schreck dann "von hinten" in die Glieder gefahren, und ich mußte am nächsten Waldweg anhalten und erst mal ne Kippe drehen, was verdammt lange gedauert hat.

    Die Gefahrensituationen werden nicht weniger - aber der eigene Umgang mit ihnen wird wesentlich entspannter - und entspannter wird auch das Fahren, die Freude am Fahren nimmt - entgegen dem Vorurteil - beträchtlich zu, und wächst mit jeder solcher "cool" überstandenen Gefahrenlagen.

    Das man auf diese Weise wesentlich sicherer fährt und das eigene Unfallrisiko beträchtlich minimiert, brauche ich ja wohl nicht nochmal extra zu betonen.

    Gruß

    Kroni

  3. beak Gast

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    Zitat Zitat von Kroni Beitrag anzeigen
    Morjin !

    Die Methode der Wahl, um mit diesen und einigen anderen Übeln beim Motorradfahren (aber auch beim Autofahren) fertig zu werden, heißt: "Gefahrenantizipation"...
    ...
    Gruß

    Kroni
    Hi Kroni,
    danke für Deine Ausführung! Dieses Buch hab ich schon seit Wochen hier liegen und jetzt ist es wohl echt an der Zeit es mal anzufangen.
    Meinen ersten Sturz (innerhalb des ersten Jahres meiner "Mopedlaufbahn") hatte ich auf Grund, der von Dir beschriebenen "Schrecksituation" (zu dolle in die Eisen vorne gegriffen, schwupps...). Aus dieser "schmerzhaften" Erfahrung kam dann die Erkenntnis, dass vorausschauendes Fahren zukünftig meine Fahrten und Touren bestimmen wird. Mittlerweile habe ich schon viele schwierige und "gefährliche" Situationen heil überstanden und ich bilde mir ein, dass dieser Sturz damals dazu beigetragen hat, "cooler" zu bleiben. Hab so nebenbei auch so was wie einen 7. Sinn entwickelt. Ich denke mal, dass dieses Buch mir dabei helfen kann, dies alles noch zu "verfeinern" und "auszubauen".
    Das Lustige ist, dass Doro und ich noch letztes WE darüber gesprochen haben, als sie dieses Buch bei mir liegen sah, dass Du es auch gelesen hast und das Gelesene verinnerlicht und um- bzw. eingesetzt hast!!!

  4. Registriert seit
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    Standard

    @beak:
    du solltest mal deine zitate auf das wesentliche kürzen oder weglassen wenn sie sich eh auch den vorherigen beitrag beziehen.

  5. beak Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Larsi99 Beitrag anzeigen
    @beak:
    du solltest mal deine zitate auf das wesentliche kürzen oder weglassen wenn sie sich eh auch den vorherigen beitrag beziehen.
    Hi Larsi,
    wie jetzt? Ich soll nicht mehr drauf anworten können/sollen/dürfen, wenn jemand einen Beitrag schreibt?

  6. Registriert seit
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    Standard @ Beak

    Nahmdt !

    Ach - Du kennst die Doro ? Das ist eine Frau, vor der ich Moped-mässig den allergrößten Respekt habe - sie ist mir fahrerisch weit überlegen, und war so freundlich, mich das bei den zwei gemeinsamen Fahrten mit den "Kolbentreibern" nicht allzu deutlich merken zu lassen

    Man kann von Spiegel sehr viel lernen - wenn man mit solcher Literatur umgehen kann. Es ist durchaus nicht jedermans Sache und beileibe nicht eine Lektüre für so kurz zwischendurch. Das Buch will durchgearbeitet, angewandt und immer wieder durchgearbeitet werden.

    Im Praxisteil habe ich inzwischen 2 erhebliche Kritikpunkte an dem Buch: Die Bedeutung des Innenknies wird m.E. von Spiegel nicht zutreffend dargestellt, was mich erst viel zu spät auf den "Kniff mit dem Knie" hat kommen lassen - übrigens ist das der Titel eines ebenfalls empfehlenswerten Buches von Harry Niemann, der auch diese Sache wesentlich zutreffender erläutert. Und hinsichtlich der Thematik der Blicktechnik bleibt Spiegel enttäuschend knapp, er beschränkt sich auf das altbekannte "Weiiit vorausschauen". Das man den Blick z.B. auch ganz bewußt in einen optischen Fokus und einen mentalen Fokus "teilen" kann, also zwei völlig auseinanderliegende Punkte des Blickfeldes gleichzeitig "im Auge behalten" kann - das ist eine Technik die in Keith Codes "Der richtige Dreh" v.a. im 2. Band wunderbar erläutert wird; auch wie man sie lernt, wird erläutert. Code und sein Übersetzen bemühen sich im Gegensatz zu Spiegel sehr angestrengt um eine Darstellung für Leser, die man heute den "Bildungsfernen Schichten" zurechnen würde - mit Comics, Dialogen im Slang und ähnlichem mehr ist das Buch für mich als "Intellektuellen" dagegen geradezu eine Marter. Niemann hält sich irgendwo dazwischen. Aber das, was in dieser verquasten Sprache rübergebracht wird, ist allererste Sahne. Wenngleich das Buch für die Rennstrecke geschrieben worden ist, und auch aus diesem Grunde "gegen den Strich" gelesen werden muß, ist es eine schier unerschöpfliche Quelle für mitunter sehr verblüffende fahrtechnische Anregungen - Zeux was wo man von selbst niemals drauf kommen würde, wie eben: seinen Blick zu teilen.

    Meine höchstpersönliche Haltung, für die ich keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebe, sieht so aus:

    Motorradfahren ist saugeil - aber kreuzgefährlich, lebensgefährlich. Je saugeiler es werden soll, um so lebensgefährlicher wird es. Deswegen kann man nicht "ein bischen" Motorradfahren, wie der deutsche Durchschnittsbiker der in einer Saison noch nicht mal ein Inspektionsintervall hinter sich kriegt. Sowas wie Motorradfahren kann man nur "richtig". Man muß sich intensiv auf diese Sache einlassen, und sich permanent darum bemühen, sie so gut zu machen, wie es irgend geht, ständig besser zu werden. Besser heißt nicht notwendig: schneller. Aber ein wirkliches "besser" gibt es nicht im permanenten Blümchenpflückertempo - man muß in gewissem Maße schnell fahren können - damit man schnell sein kann, wenn es darauf ankommt: wenn nämlich ein Sturz oder Unfall vermieden werden soll: wenn da hinter der Kurve eine Waldmaschine mit ihren Stämmen hintendrann die Strasse blockiert, sich eine frisch funkelnde Ölspur genau in der geplanten Linie breitmacht, der Dosist an einer Einmündung oder sonstwo Scheisse baut, und, und, und. Alles muß dann blitzschnell gehen: das Erfassen der Lage, die Suche nach dem Fluchtweg (allgemeiner: der Gefahrenabwehrhandlung), die fahrerische Umsetzung. Vom ersten Anblick der Gefahrenlage bis zum Beginn der fahrerischen Umsetzung auf der Strasse hat man maximal 0,5 Sekunden Zeit. Es ist ein Irrtum, daß man in so kurzer Zeit keine Entscheidung treffen, etwa ein komplexes Fahrmanöver planen und sodann auch noch prompt zur Umsetzung schreiten können. Das kann man - man muß es lernen, wie es grundsätzlich geht, und dann trainieren. Wie man das lernt und trainiert, ist jedermans eigene Sache. Manche machen Trainings, andere fahren auf die Rennstrecke, wieder andere orientieren sich an ihren besser fahrenden Kumpels - sehr viele lernen mehr intuitiv, als daß sie einen "Lernprozeß" in sich wahrnehmen. Ich lese Bücher. Auf diese Weise wird man beständig besser. Man fährt schneller, es macht mehr Spaß, man hat mehr Freude am Fahren - und man ist sicherer. Irgendwann kommt man an seine persönliche Grenze - körperbedingt, altersbedingt, irgendwann ist es auch die Frage, wieviel Geld und Zeit man ins Motorradfahren investieren kann oder will. Man sollte stets wissen, wo die aktuelle Grenze liegt, und sich bemühen, sie nie zu überschreiten - aber sie zu ertasten ist genauso wichtig.

    Gruß

    Kroni

  7. HP2Sascha Gast

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    Zitat Zitat von beak Beitrag anzeigen
    Hi Larsi,
    wie jetzt? Ich soll nicht mehr drauf anworten können/sollen/dürfen, wenn jemand einen Beitrag schreibt?
    Nein. Um Gottes Willen!
    Er schreibt davon, das Zitat zu kürzen (beim zitieren), auf die relevanten Inhalte auf Du Dich mit Deiner Antwort beziehst (siehe oben).
    Oder eben: Nicht zitieren, wenn direkt geantwortet...

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    Standard

    Auf gut english: short and pregnant

  9. beak Gast

    Standard

    Zitat Zitat von HP2Sascha Beitrag anzeigen
    Nein. Um Gottes Willen!
    Er schreibt davon, das Zitat zu kürzen (beim zitieren), auf die relevanten Inhalte auf Du Dich mit Deiner Antwort beziehst (siehe oben).
    Oder eben: Nicht zitieren, wenn direkt geantwortet...
    Ups, in den falschen Hals gekriegt!!! Sorry!!!
    Aber das ist immer so anstrengend und irgendwie stell ich mich da immer so saublöd an, wenn ich nur auf einzelne Sätze antworten will...

  10. beak Gast

    Standard @ Kroni

    Jetzt mach ich es so wie der Kroni

    Ich finde es beeindruckend, wie Du hier schreibst und mit dem Thema umgehst, auf die Möglichkeiten und die Grenzen hinweist, wie Du das für Dich umsetzt und trotzdem noch objektiv dabei bleibst!!!!!
    Vielleicht kann ich mal ne Trainingsstunde bei Dir buchen!