Tach !

Ich fahr seit November 08 eine 02-er ohne BKV und Doppelzündung. Mir war das sympathisch, weil der erhöhte Wartungsaufwand und die erhöhte Reparaturanfälligkeit (jedes zusätzliche System am Moped ist auch ne zusätzliche Fehler- und Kostenquelle) die Vorteile nicht aufzuwiegen scheinen. Das bis 02 verbaute ABS II ist dagegen ein hundertausendfach bewährtes robustes System. Was man da als Gebrauchtkäufer vorziehen will, ist eine Sache der persönlichen Präferenzen: der eine mags lieber top-modern, der andere ist da altbackener. Sicherlich ist das BKV-ABS effektiver, aber obs nun soo furchtbar was bringt ... naja, es wird viel gestritten darüber.

Das berühmte Thema KFR - Konstantfahrruckeln - habe ich bei meiner 02er noch nicht wahrgenommen - wenn ich es nicht provoziert habe: im 4. oder 5. Gang mit 2000 upm durch die Gegend prötteln, eventuell noch leicht bergan: dann ruckelts. Das halte ich aber für normal. OK - mein 4-Zylinder ruckelt da nicht, wenn ich ihn so quäle - aber er hat ja auch 2 Zylinder mehr ... Ich halte das Thema inzwischen für einerseits überschätzt, und andererseits wartungsabhängig. Der Boxer muß regelmässig gut eingestellt und "gesyncht" werden. Dafür braucht man ein paar Gerätschaften und eine Menge an schrauberischer Erfahrung. Wer da mitm Schweizer Offiziersmesser und einem geklauten Werkstatthandbuch drangeht, braucht sich über nix mehr zu wundern ebenso wie derjenige, dessen Moped nur alle 3-4 Jahre mal die 10.000 km voll kriegt, bei denen nach Wartungsplan ne Kompletteinstellung fällig ist. Mein stellt sehr gut ein - es ist jedesmal sehr deutlich spürbar, wie seidenweich die Motoren laufen, wenn er sie in der Mache hatte - da nehm ich gerne 50 km Anfahrt für in Kauf.

Thema Preisunterschiede online "und überhaupt":

Ich habe mein Schnabeltier von meinem . Er hat die DL 650, mit der ich sehr unzufrieden gewesen war, zu einem sehr günstigen Kurs in Zahlung genommen, so daß ich "effektiv" so 7 k€ rum bezahlt haben werde. Genau kann man das bei solchen Geschäften nie ausrechnen. Die schlappe Batterie und die das Radlager hinten wurden garantiehalber ersetzt, der kam jedesmal zu mir rausgefahren dafür.

Es hat schon seine Vorteile, wenn man auf eine solche seit 4 Jahren gewachsene Geschäftsbeziehung aufbaut - und diese Vorteile können durchaus ein paar kleine oder gar einen großen Schein wert sein - je nachdem.

Erst recht war das für mich ein attraktives Geschäft, weil das Moped vom neu an den einzigen Vorbesitzer verkauft wurde, und nur von meinem , dessen Werkstatt ich sehr schätzte, gewartet worden ist. Eine bessere "Historie" kann man sich wohl kaum vorstellen - oder ?

Man sollte ausserdem nie die sogen. Transaktionskosten vergessen: die "Nebenkosten" für ein Geschäft. Und die können ganz schön ins Geld gehen, weil die günstigen Mopeds notorisch in Flensburg stehen, wenn der Käufer aus Oberammergau kommt (oder umgekehrt). Dh jede Besichtigung kostet ein paar kleine Scheine - alleine an Spritkosten, die um so höher sind, wenn man den Trailer gleich mitnimmt, um nicht 2x fahren zu müssen. Hast Du einen Trailer zuhause stehen ? Oder einen Kumpel, der Dir einen für lau leiht ? Sonst mußt Du ihn mieten - wieder ein Fuffie weg ! Vom Zeitaufwand ganz zu schweigen. Es ist nicht gerade erfreulich, in der Saison einen Monat lang jedes WE mit dem Trailer am Metzgerhaken über die Autobahnen zu schippern ...

OK - das war jetzt alles ein bischen polemisch übertrieben, aber ich denke, es ist klar geworden, was ich meine.

Je kompetenter man als Schrauber ist, um so mehr kann man Risiken beim Gebrauchtkauf eingehen, weil man sich sagen kann: schlimmstenfalls schraub ich halt ein paar Wochenenden rum - weil für den echten Schrauber ist das ja auch kein Unglück. Er schraubt ja gerne. Und regelmässig kommt auch noch der eine oder andere Kumpel vorbei, man tausch Werkzeuge, Bier und Kippen, und abends wird manchmal sogar vor oder hinter der Garage gegrillt und Frank Zappa gehört und so ... und wenn das Moped streikt: der Schrauber hat noch mindestens ein weiteres fahrbereites Teil da stehen (wo er nur noch schnell die Steuerkette ... kein Problem!)

Je mehr linke Hände und je mehr Daumen man daran hat - um so mehr man auf den angewiesen ist, um so wichtiger wird die Garantie. Und auch hier ist Nähe immer ein Vorteil: für meinen war die Entscheidung, mein Moped im Garantiefall zuhause abzuholen, nicht so schlimm: einer seiner Schrauber wohnt in der Nähe, der macht halt früher Feierabend und fährt mit dem Sprinter nachhause, stopp-over Kroni. Auch die Bereitschaft, nicht jedesmal den Hausanwalt zu fragen, ob man das wirklich auf Garantie machen muß, wächst immens, wenn man pro Saison 2-3 Inspektionen machen lässt, und 2-3 Paar Reifen kauft.

Wenn man in Oberammergau sitzt, und das Radlager vom in Flensburg gekauften Schnabeltier die Grätsche gemacht hat, dann sagt dagegen der in Flensburg, der den komischen Bayern voraussichtlich nie mehr als Kunde sehen wird: "Na - kein Problem, bringense das Moped hoch, das reparieren wir umsonst !" - "Wie - hochbringen?" - "Na guckense in die Garantiebedingungen!" Und dann steht man da, und kann zum Anwalt gehen, der einem als erstes mitteilt, daß die Rechtsschutz sowas nicht übernimmt, und erst mal n guten Vorschuß haben will ... pffft.

Langer Rede kurzer Sinn: Je mehr man auf die Werktstatt angewiesen ist, um so eher empfiehlt es sich meiner Meinung nach, sich auf Angebote in der Umgebung zu konzentrieren, vom zu kaufen, bei dem man das Moped dann auch warten lässt. Es ist per saldo dann sinnvoller, etwas mehr Geld auszugeben, und dafür im Falle des Falles schnell geholfen zu werden.

Letztes Lobeslied auf meinen : immer dann, wenn mein Moped länger bei ihm steht, kriege ich einen seiner Vorführer, häufig werde ich aufgefordert: Suchen Sie sich eins aus ! Alles aktuelle BMW- und Suzuki-Modelle. Einmal bin ich 1 Woche lang mit ner neuen Suzi rumgegurkt, und hab 500 km abgerissen damit. Extra Geld wollt er dafür noch nie haben. Das ist nämlich alles kalkulatorisch in den höheren Kosten drinn, die man bei seinen Preisen mitbezahlt. Also kann man das auch mal nutzen.

Gruß

Kroni