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Dämpfereinstellung

Erstellt von Gernot, 25.06.2006, 23:13 Uhr · 9 Antworten · 2.123 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    Standard Dämpfereinstellung

    #1
    Hallo Leute,
    bin gerade Besitzer einer 850 GS geworden und habe die erste kleinere Tour hinter mir. Dabei ist eine Frage entstanden: wie stellt man den Dämpfer hinten ein?
    Ich hatte vorher eine DR 800, mit der konnte man auch über Kopfsteinpflaster beliebig schnell fahren, aber die GS hoppelte dabei so, das es keinen Spaß macht. Deshalb habe ich die vordere Feder auf die niedrigste Vorspannstufe gestellt und die hintere exakt auf mein Gewicht (40 Klicks / 207 kg max. Zuladung * 70 kg ich = 13 Klicks)
    Jetzt geht es einigermaßen. Aber wie stelle ich den Dämpfer hinten ein? Hard? Soft? Wie wirken sich die unterschiedlichen Einstellungen aus?

    Würde mich über Tipps freuen,
    Gernot

  2. Registriert seit
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    #2
    Hallo Gernot,

    stell einmal auf ganz Soft, und fahre deine Holperstrecke noch einmal mit gleichem Tempo.
    Du wirst den Unterschied gleich spüren.
    Solltest Du das Gefühl haben, daß deine Q bei mehreren hintereinander kommenden, starken Wellen nicht mehr mit dem Heck hochkommt, dann stell die Dämpfung 1/2 auf und taste dich so an das Optimum ran.

    Hoffe geholfen zu haben

    Gruß
    Tom

  3. Registriert seit
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    #3
    Hi
    Ganz unten ist am Dämpfer eine Schraube. Man braucht entweder einen gaaaaanz kurzen Schraubendreher und einen kalten Auspuff oder einen gaaaaanz langen Schraubendreher um ran zu kommen.
    Und dann darf die Schraube nicht festgebacken sein. So wie Du schreibst hat irgendwer das Ding auf "Bretthart" gestellt.
    gerd

  4. Registriert seit
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    #4
    Danke für die Antworten, ich habe es gestern ausprobiert, jetzt ist es etwas besser. Aber ich habe noch eine Verständnisfrage: wofür gibt es diese Dämpfereinstellmöglichkeit? In welchen Situationen braucht man eine härtere Dämpfung? Oder ist die Stärke der Dämpfung nur von der Fahrzeugmasse abhängig?
    Grüße von
    Gernot

  5. Registriert seit
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    #5
    Hi Gernot,
    ich will es mal mit einer Erklärung versuchen:
    Wenn man nur eine Feder hat, federt sie bei einem Knubbel ein, logisch.
    Aber sie federt auch wieder zurück und du hast sowas wie eine Überraschungsdose, wo das Männiken rausfliegt. Du wirst also, wenn du
    allein fährst, wie auf einem Sprungbrett sitzen. Bei hohem Gewicht ist
    die Sprungfeder aber genau das richtige, um wieder in die Normallage zu kommen. Jetzt gibt es aber nicht nur Knubbel, sondern auch Löcher in den Strassen. Daher muss die Feder auch nach unten ausfedern können. Unten angekommen würdest du noch mehr hochgeschleudert und wippen bis du wieder in der Mittellage bist. Diese Mittellage (= Höhe des Motorrades) wird mit den Klicks eingestellt. Leichtgewicht mit wenigen Klicks, unter Last viele Klicks (Vorspannung der Feder). Das dient einer möglichst komfortablen Einstellung. Wer es sportlich mag, will unter Umständen gar keine Einfederung (liegt wie ein Brett) und hat dann eine höhere Fahrstabilität.
    Aber das ist was ganz anderes. Die Federn sind normalerweise progressiv gemacht, d.h. je stärker die Belastung wird, desto härter werden sie, wenn du also in einer Kurve unter dem Druck der Fliehkraft einfederst, wird die Feder sowieso härter. SOOOO. Jetzt wippt das ganze natürlich fürchterlich, da wird einem ja schlecht. Also muss das ganze gedämpft werden, nicht gekocht. Stell dich einen schmalen Zylinder gefüllt mit Öl vor. Da drin sind zwei Siebe, die sich gegeneinander verdrehen lassen, so dass wie beim Kartoffelstamper, das Öl beim Runterdrücken durch die Löcher fließt. Beim Verstellen der Dämpfung wird nun einfach die Lochgröße der beiden Kartoffelstämpfer, eeeehhhh, Ölstampfer, durch Verdrehen verkleinert oder sogar ganz geschlossen. Wenn also die Dämpfung ganz offen ist, erfolgt praktisch überhaupt keine Dämpfung und du wippst. Wenn die Dämpfung ganz geschlossen ist, wird die Feder einfedern, aber nicht mehr richtig oder schnell genug ausfedern. Das System versagt komplett und du könntest sozusagen die Federung auch ausbauen. Du brauchst also einen Mittelweg, probiers einfach mit jedesmal 1/4 Umdrehung zudrehen aus, meist ist 0,75 bis 1,5 am besten, von offen nach zu. Wobei es bei höherem Gewicht eigentlich schneller reagieren sollte, sprich die Löcher müssten etwas größer gegeneinander verdreht sein. Dafür ist aber die Feder unter höherer Vorspannung härter und die Löcher müssten wieder kleiner sein. Ist sehr kompliziert, wird von fast niemand verstanden und meist nie eingestellt.
    Mach dich nicht jeck, nimm das Popometer, wenn nix wippt ist´s schon ok.

  6. Registriert seit
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    #6
    Zitat Zitat von Piji
    Diese Mittellage (= Höhe des Motorrades) wird mit den Klicks eingestellt. Leichtgewicht mit wenigen Klicks, unter Last viele Klicks (Vorspannung der Feder). Das dient einer möglichst komfortablen Einstellung. Wer es sportlich mag, will unter Umständen gar keine Einfederung (liegt wie ein Brett) und hat dann eine höhere Fahrstabilität.
    Ich tu´s ja nicht gerne aber da muss ich widersprechen.

    Auch sportliche Fahrer sind an einem gewissen Negativfederweg interessiert, um konstanten Bodenkontakt zu gewährleisten. Und ob sportlich oder tourig unterwegs, man sollte einfach einmal die Federbasis richtig einstellen und dann braucht man auch nix großartiges merken. Die Klicks die man für Gepäck oder evtl. sozius hinzugibt kann man ja genauso danach auch wieder rausklicken. Die Zugstufe würde ich tatsächlich nach Gefühl einstellen. Wenn das heck zu sehr nachwippt und sich auf schnell aufeinander folgenden Wellen gar nicht mehr beruhigt, ist die Dämpfung zu schwach.

    @ Gernot:
    Über die Maximalzahl der Klicks auf die für Dich richtige Anzahl Klicks zu kommen ist kreativ. Das würde aber einen linearen Anstieg der Dämpfung voraussetzen und das glaube ich nicht. Daher wäre es zuverlässiger den tatsächlichen Einfederweg zu messen den Du verursachst und dir so 30 % Negativfederweg zu schaffen.

  7. Registriert seit
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    #7
    Spezielle Fachausdrücke wie Zugstufe etc. bringen das Ganze noch mehr durcheinander, wenn man nicht erklärt, was damit gemeint ist. Deshalb schiebe ich die Spezialerklärung noch nach. Beim Motorrad lassen sich die Federn auf die besonderen aktuellen Bedürfnisse justieren, zum Beispiel bei wechselndem Untergrund bzw. individueller Belastung durch den Fahrer oder Gepäck. Manchmal lässt sich im speziellen die Druckstufe, die die Dämpfung beim Einfedern bzw. die Zugstufe, die die Dämpfung beim Ausfedern bestimmt, variieren. Bei unseren Maschinen ist aber nur eine Stellschraube, die das alles auf einmal regelt. Man muss nur genau verstehen, wie das ganze grundsätzlich funktioniert und genau das habe ich versucht zu erklären.
    Dass in den Dämpfern keine Kartoffelstampfer sind, ist doch wohl jedem klar.

  8. Registriert seit
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    #8
    Sehr anschaulich erklärt, keine Frage!

    Mir ging´s ja auch nur um den Negativfederweg, den auch die Sportler brauchen... aber bin schon still.

  9. Registriert seit
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    #9
    Hallo Leute,
    vielen Dank für die Tipps, ich denke jetzt, ich habe die optimale Einstellung gefunden. Ich hatte zwar gehofft, dass es weniger subjektive Einstellmethoden gibt, aber das Resultat ist auf jeden Fall ok.
    Nur eine Frage habe ich noch: was ist mit dem Negativfederweg gemeint?

    Grüße von
    Gernot

  10. Registriert seit
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    #10
    Der Negativfederweg ist der Weg, den die Federung eintaucht, wenn Du dich drauf setzt und fährst. Diesen Weg kann die Federung während der Fahrt bis zur vollen Längung der Feder auch wieder ausfedern, wenn es mal nötig ist und somit das Rad auch beim Überfahren von Buckeln oder Senken am Boden halten. Wenn Du ohne oder mit zu geringem negativem Federweg (du hast die 30 % Regel ja schon gelesen) fährst, kann es dazu führen, dass das Rad den Bodenkontakt verliert, und die Folgen kannst Du dir ausmalen.

    Wenn Du also 200mm Federweg hast, sollte das Motorrad im Fahrbetrieb also ca. 60mm Ausfederspielraum haben.


 

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