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Die deutsche Sprache

Erstellt von Wogenwolf, 06.07.2010, 10:33 Uhr · 14 Antworten · 1.797 Aufrufe

  1. Wogenwolf Gast

    Reden Die deutsche Sprache

    #1
    Immer wieder schön zu lesen:


    Aus dem Redeprotokoll der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 3. Mai 2006 in Hamburg:

    Redebeitrag von Herrn Dr. Teunis:
    Vors. Prof. Dr. Piëch: Ich bitte Herrn Dr. Teunis, Braunschweig, ans Pult.
    Dr. Teunis: Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich vertrete eigene Aktien…..etc.
    ……Ich habe vor einigen Monaten einen Passat bestellt und dabei erfahren, dass man fundierte Englischkenntnisse braucht, um alles zu verstehen, was angeboten wird.
    Bei der Ausstattung kann man wählen zwischen Trendline, Highline, Sportline und Comfortline. Bei den Motoren gibt es u. a. TDI und FSI. Was "FSI" bedeutet, weiß der Berater nicht genau; es heiße wohl "Full Selected Injection" oder so. In Wirklichkeit heißt es natürlich "Fuel Stratified Injection".
    Es gibt weiterhin den FSI 4MOTION. Meine Nachfrage nach der Bedeutung von
    "4MOTION" lautet: "Das ist doch klar: unser Allradantrieb!" Der Berater weiß nicht, dass die korrekte Übersetzung für Allradantrieb "Four wheel drive" ist. "4MOTION" ist eine grammatikalische Unmöglichkeit und stellt eine böse Verstümmelung der englischen Sprache dar. Denn "Motion" für Bewegung kann morphosyntaktisch nicht mit einer Zahl kombiniert werden. Im Englischen ist das genau so unmöglich, wie es "4Bewegung" im Deutschen wäre.
    Bei den Farben ist es so bunt, dass es mir wegen der vielen englischen Qualifizierungen einfach zu bunt wird, bei denen man sich offenbar nicht die Mühe gemacht hat, nach deutschen Äquivalenten zu suchen. Ich darf wählen aus Candy-Weiß, Granite Green, Arctic Blue Silver, Wheat Beige, Shadow Blue, United Silver usw.
    Gibt es wirklich keine treffenden deutschen Namen für unser deutsches Produkt? Wo bleibt die Kreativität unserer Werbeabteilung?
    (Beifall)
    Darüber hinaus bietet die Volkswagen Individual GmbH ein individuelles Designpaket aus Sensitive-Leder, in Snow Beige und Türinserts in zeitlosem Design.
    Und dann zum Entertainment: Ich darf bestellen: Multimedia-Kit, PhatBox und Rear-Seat-Entertainment-Geräte.
    Bei all den englischen Vokabeln, die ich höre und lese, frage ich mich: Ist das eine Beratung für einen deutschen Kunden oder einen englischen Kunden?
    Nun fahre ich ihn, den Passat, und muss mich zurechtfinden mit Bezeichnungen wie TIM für Traffic Information System, TMC für Traffic Message Channel, EPC für Electronic Power Control, ACC für Adaptive Cruise Control, mit MUTE, DEST, NAV, MAP, Scan und Autostore, mit Autohold, Reset, SPEED, CANCEL,
    (Heiterkeit und Beifall)
    mit KESSY für Keyless Entry Start Exit System. - Es ist ein Graus, meine Damen und Herren!
    (Beifall)
    Es gibt nicht nur die unverständlichen Abkürzungen, sondern unter dem Navigationssystem prangt ein Satz: PASSENGER AIR BAG OFF. - Zu Deutsch, frei übersetzt: Passagier Luft Sack aus.
    (Heiterkeit)
    Ohne Englischkenntnisse und intensives Studium des Bordbuches kommt man nicht mehr zurecht!
    Warum steht auf dem Zündschloss der Schriftzug "ENGINE Start/Stop"? Es ging doch Jahrzehnte ohne diesen völlig überflüssigen und unverständlichen Hinweis!
    Nach der Übergabe des Fahrzeugs war früher der Kundendienst für mich zuständig. Nun ist er umbenannt worden in After Sales Service.
    (Heiterkeit)
    Das ist absolut nicht einzusehen. Das ist nicht nur rücksichtslos, sondern es erscheint mir auch verkaufsstrategisch gesehen als dumm, so mit deutscher Kundschaft umzugehen.
    (Beifall)
    Ich empfehle, sich ein Beispiel an McDonald's zu nehmen. McDonald's hat in Deutschland bis vor gut einem Jahr mit "Every time a good time" geworben. Eine Marktanalyse ergab, dass dieser Werbespruch von der Bevölkerung nicht verstanden wurde. McDonald's hat seinen Werbespruch geändert in "Ich liebe es!".
    (Heiterkeit und Beifall)
    Aus demselben Grund hat auch unsere Konzerntochter Audi umgeschwenkt von "Driven by Instinct" auf "Pur und faszinierend".
    Herr Dr. Bernhard, auch Ihre Mitarbeiter in der Produktion verstehen nur unzulänglich Englisch. Sie haben trotzdem vier "Product Units" ? abgekürzt PUs ? für vier selbständig wirtschaftende Einheiten eingeführt. Es sind dies die PU A-Klasse, die PU Presswerk, die PU Trim und die PU Fahrsysteme - ein schönes Mischmasch aus Deutsch und Englisch!
    Gemeint sind aber offensichtlich gar nicht "Product Units", sondern "Production Units".
    Abgesehen von diesem Fehler empfehle ich, die jetzt von Ihnen eingeführte Bezeichnung "Product Unit" wieder zurückzunehmen. Die bisher gebräuchliche "Fertigung" kann genau so wirtschaftlich arbeiten wie eine "Product Unit".
    (Beifall)
    Meine Damen und Herren, wenn der Kunde nachhaltig an Volkswagen gebunden werden soll, muss die Sprache stimmen. Die ist für deutsch Sprechende nun mal Deutsch und kein deutsch-englisches Mischmasch.
    (Beifall)
    Außerdem hat jeder das Recht, nicht Englisch zu können.
    (Beifall)
    Herr Dr. Pischetsrieder, ich habe abschließend zwei Fragen und einen Vorschlag. Meine erste Frage: Beabsichtigen Sie, im deutschen Volkswagen Konzern, der bereits seit Jahrzehnten global agiert, jetzt zunehmend englische Bezeichnungen einzuführen, insbesondere auch dann, wenn es gute deutsche Wörter gibt? Meine zweite Frage: Ist schon einmal geprüft worden, welche Haftungsrisiken bestehen, falls ein des Englischen nicht mächtiger Kunde den
    im Zweifel lebenswichtigen Warnhinweis "PASSENGER AIR BAG OFF" nicht
    berücksichtigen konnte?
    Und nun mein Vorschlag: Herr Dr. Pischetsrieder, Sie haben vor gut einem Jahr einen neuen Namen für unseren deutschen Volkswagen Konzern gesucht, um eine Abgrenzung zu Volkswagen Aktiengesellschaft zu erreichen. Ich habe auf der letzten Hauptversammlung "People's Wagon Group" vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.
    (Beifall)
    Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands: Das müsste doch ganz in Ihrem Sinn gewesen sein, Herr Teunis!
    (Heiterkeit)
    Dr. Teunis: Ich versuche es heute mit einem anderen Vorschlag. Falls Sie eine englische Bezeichnung für unseren Betriebsrat suchen sollten, ich habe ein Angebot: "Work Council" mit der Abkürzung "WC".
    (Große Heiterkeit und Beifall)

    - Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Ihnen mein Vorschlag so gut gefällt. Dann dürfen wir zusammen auf die Antwort von Herrn Dr.Pischetsrieder gespannt sein.
    Falls der Vorschlag angenommen wird, kann der Worker an der Finishline künftig während oder nach seiner Shift zu seinem vertrauten WC gehen.
    (Heiterkeit)
    Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche allen Volkswagen-Fahrern eine gute Zusammenarbeit mit ihrem After Sales Service.
    (Heiterkeit und Beifall)
    Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands: Herr Teunis, Ihre Anregungen zur Verwendung der deutschen Sprache finde ich so unterhaltsam, wie auch Sie, verehrte Aktionäre, sie fanden. Es ist so, dass manche der Bezeichnungen, die Sie im Fahrzeug finden, tatsächlich international genormt sind. Ihre spezielle Frage: Was passiert denn mit dem Hinweis "Airbag off" für den Fall, dass jemand nicht englisch lesen kann? - In der Betriebsanleitung ist genau beschrieben, was das auf Deutsch heißt. Ich glaube trotzdem ? das
    sage ich durchaus aus Überzeugung ?, dass die allzu intensive Verwendung der englischen Sprache im Deutschen nicht nur im Automobilbereich ein gewisser Kulturverlust ist.
    (Beifall)


    Und noch so 'ne Sprachpanscherei:

    "... jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu
    relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit
    der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate- identity, die mit perfect customizing
    und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!"

    Worte von Hilmar Kopper, vormaliger Vorstandsprecher der Deutschen Bank

  2. Registriert seit
    23.02.2009
    Beiträge
    85

    Standard

    #2
    SUPER

  3. Registriert seit
    02.10.2007
    Beiträge
    10.725

    Standard heavy on wire

    #3
    der Fragesteller..

    Köstlich ! Vor allem der WC

  4. Registriert seit
    20.11.2008
    Beiträge
    4.029

    Standard

    #4
    Lustig. Aber hat mal jemand daran gedacht, was der Nigerianer - bei dem der VW am Ende seines Lebens landet - mit deutschen Beschriftungen am Fahrzeug anfangen soll? Oder der Turkmene, der das Fahrzeug vor dem Nigerianer besessen hat? Oder auch der Serbe, der wiederum vor dem Turkmenen Eigentümer eben dieses VWs war?

    Was wäre, wenn z.B. die Japaner ihre Wagen nur mit heimischen Schriftzeichen versehen würden? Würdet ihr dann wissen, wo z.B. das Licht am Toyota einzuschalten ist? Also einigen wir uns lieber weltweit auf englische Beschriftungen und freuen uns darüber, dass wir mit ein bischen Überlegung durchaus in der Lage sind, auch ein denglisches Auto zu fahren.

    CU
    Jonni

  5. Pouakai Gast

    Standard

    #5
    Zitat Zitat von Jonni Beitrag anzeigen
    Also einigen wir uns lieber weltweit auf englische Beschriftungen und freuen uns darüber, dass wir mit ein bischen Überlegung durchaus in der Lage sind, auch ein denglisches Auto zu fahren.
    Nö, man kann für den heimischen Markt Deutsch beschriften und für den internationalen Markt meinetwegen in Englisch. Die können schließlich auch das Lenkrad links oder rechts einbauen. Sie können nach amerikanischen, europäischen, japanischen Verkehrsvorschriften produzieren. Und jetzt soll eine deutsche Beschriftung nicht mehr möglich sein? Verstehe ich nicht...

  6. Registriert seit
    16.04.2009
    Beiträge
    378

    Standard

    #6
    Zitat Zitat von Jonni Beitrag anzeigen
    Lustig. Aber hat mal jemand daran gedacht, was der Nigerianer - bei dem der VW am Ende seines Lebens landet - mit deutschen Beschriftungen am Fahrzeug anfangen soll? Oder der Turkmene, der das Fahrzeug vor dem Nigerianer besessen hat? Oder auch der Serbe, der wiederum vor dem Turkmenen Eigentümer eben dieses VWs war?

    Was wäre, wenn z.B. die Japaner ihre Wagen nur mit heimischen Schriftzeichen versehen würden? Würdet ihr dann wissen, wo z.B. das Licht am Toyota einzuschalten ist? Also einigen wir uns lieber weltweit auf englische Beschriftungen und freuen uns darüber, dass wir mit ein bischen Überlegung durchaus in der Lage sind, auch ein denglisches Auto zu fahren.

    CU
    Jonni
    ...sorry, es geht mir am A..... vorbei, ob der Fünftbesitzer meines mit viel Geld hier in Deutschland gekauften Volkswagens die Beschriftungen lesen kann!

  7. Registriert seit
    20.11.2008
    Beiträge
    4.029

    Standard

    #7
    Aber evtl. macht dies ja auch mit die hohe Wertschätzung aus, die deutsche Fahrzeuge im Auslang genießen. Jeder kann sie bedienen und fahren, ohne vorher Deutsch lernen zu müssen. Und wenn der letzte Käufer in der Kette der Besitzer immer noch bereit ist, einen hohen Preis für den Gebrauchtwagen zu zahlen, hat dies natürlich auch wirtschaftliche Vorteile für den Erstbesitzer.

    Da gab es mal einen schönen Dokumentarfilm über einen Schrottplatz im Hamburg, auf dem ein Afrikaner Transorter suchte. Der Schrottplatzbesitzer wolle dem Afrikaner unbedingt einen Renault-Transpoter andrehen. Mit dem war aber hierüber nicht zu reden. Ansage vom Afrikaner: nur VW-Bullis. Der wird wissen, warum er nur diesen Fahrzeugtyp kauft.

    CU
    Jonni

  8. Pouakai Gast

    Standard

    #8
    Zitat Zitat von Jonni Beitrag anzeigen
    Ansage vom Afrikaner: nur VW-Bullis. Der wird wissen, warum er nur diesen Fahrzeugtyp kauft.
    Sicherlich nicht wegen der Beschriftung!

  9. Registriert seit
    17.05.2007
    Beiträge
    26.602

    Standard

    #9
    klasse idee Jonni und für den Polen der dann das Auto klaut, das ganze bitte in polnisch inkl. der Programme für Motorsteuersoftware und Wegfahrsperre
    grööööööl danke mein Abend ist gerettet.

  10. BMWHP2 Gast

    Standard Ampi

    #10
    [QUOTE=AmperTiger;578057]klasse idee Jonni und für den Polen der dann das Auto klaut, das ganze bitte in polnisch inkl. der Programme für Motorsteuersoftware und Wegfahrsperre

    die Polnischen Kriminellen klauen ( fast ) keine Autos mehr - die verdienen ihr Geld viel leichter mit dem Ausbau ( im Westen ) und Handel von Airbags
    Den Markt haben sie im Griff und da ist immer Bedarf auch im Westen, denn nicht jeder dem der Airbag geklaut wurde ist entsprechend versichert oder kann sich einen neuen leisten.

    Also wenn jemand einen Airbag braucht nicht zum Händler des Vertrauens fahren - sondern am besten gleich nach Theo wir fahrn nach Lodz

    Friedl


 
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