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die effizienteste Fehlinvestition der Welt

Erstellt von Baumbart, 16.11.2012, 13:11 Uhr · 64 Antworten · 5.516 Aufrufe

  1. Baumbart Gast

    Standard die effizienteste Fehlinvestition der Welt

    #1
    Eigentlich fange ich ja so Diskussionen ungern an, aber gestern ist mir doch fast das Essen aus dem Gesicht gefallen. Einspeisevorrang für erneuerbare Energien. Die Steigerung der EEG-Umlage hat dieser Tage jeder in der Post. Eine andere Auswirkung bleibt den meisten aber verborgen. Die erheblichen Zusatzkosten für die verbleibenden konventionellen. Das weltweit effizienteste Gaskraftwerk ist in diesem Jahr ganze 87 Stunden gelaufen. Wer wird da noch in neue konventionelle Kraftwerke investieren? Über uns lacht echt bald die ganze Welt.

  2. Registriert seit
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    Standard

    #2
    Zitat Zitat von Baumbart Beitrag anzeigen
    Eigentlich fange ich ja so Diskussionen ungern an, aber gestern ist mir doch fast das Essen aus dem Gesicht gefallen. Einspeisevorrang für erneuerbare Energien. Die Steigerung der EEG-Umlage hat dieser Tage jeder in der Post. Eine andere Auswirkung bleibt den meisten aber verborgen. Die erheblichen Zusatzkosten für die verbleibenden konventionellen. Das weltweit effizienteste Gaskraftwerk ist in diesem Jahr ganze 87 Stunden gelaufen. Wer wird da noch in neue konventionelle Kraftwerke investieren? Über uns lacht echt bald die ganze Welt.
    Niemand wird freiwillig in neue, aber als Ausfallsicherung benötigte effiziente (Gas)Kraftwerke investieren. Die Politik bügelt ihre Energieplanwirtschaft ja dann auch damit aus, dass uralte, total ineffiziente Kohlekraftwerke gegen den Willen ihrer Betreiber am Netz bleiben müssen. Manchmal könnte man echt gleauben, dass die Tätärä doch gewonnen hat.

    Grüße
    Steffen

  3. TomTom-Biker Gast

    Standard

    #3
    Also Kohlekraftwerke, ich denke Du meinst Braunkohlekraftwerke, sind alles andere als alt und ineffizient. Gesamtwirkungsgrade von 40 %, Leistungen von bis zu 1000 MW und "billige" Braunkohle machen sie zu den Kraftwerken erster Wahl, wenn man Kernkraft nicht einsetzen will. Deswegen laufen die auch als Grundlastkraftwerke und tragen mit etwa 1/4 zur elektrischen Gesamtenergieerzeugung in Deutschland bei. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Deren Nachteile liegen allerdings klar auf der Hand: ihre Standorte sind auf die Lagerstätten im Westen und Osten begrenzt, der Landverbrauch der Tagebaue ist groß und der CO2-Ausstoß ist ebenfalls immens. Die Emissionen sind seit Einführung der TA-Luft Mitte der 80iher Jahre und der zwischenzeitlich erfolgten Novellierung allerdings sehr gering, das scheinen die wenigsten zu wissen. Das was qualmt ist i. d. R. Wasserdampf. Für ein ein blaues Umweltlabel reicht es dabei dennoch nicht, aber auch nicht bei GUD-Kraftwerken.

    GUD-Kraftwerke (Kombiblöcke Gasturbinenprozeß mit nachgeschaltetem Kessel und Dampfturbine) sind auch keine Erfindung der Neuzeit, die gab es schon in den 80igern mit Wirkungsgraden, die durchaus oberhalb von 50 % lagen. Ebenfalls Grundlast und i. d. R. mit Steinkohle befeuert und somit teuer. Die jetzige Anlage mit knapp 61 % zeigt die Innovationskraft der deutschen Industrie und der Ingenieure und Techniker die dahinter stecken. Trotzdem darf nicht vergessen werden, daß auch bei diesem Kraftwerkstyp immer noch ca. 40 % als Verluste verloren gehen und daß bei einer elektrischen Leistung von ca. 500 MW, immer noch ca. 300 MW als Verluste auftreten. Also umsonst bekommt man hier auch nichts.

    Diese GUDs sind keine Erfindung der Energiewende und auch keine Kraftwerke die speziell zum abfahren von Lastdefiziten genutzt werden, auch wenn der Artikel den Eindruck vermittelt. Man kann sie natürlich als Regelkraftwerke einsetzen und man wird es auch tun. Wenn die derzeit noch am Netz befindlichen KKW in Bayern nicht mehr laufen sollten, wird das gezeigte GUD und weitere allerdings auch verstärkt zur Deckung des Grundlastbedarfs benötigt werden. Das sollte man fairerweise erwähnen, wenn man den Artikel erwähnt und als Ergebnis von Fehlinvestition spricht.

    Was die versteckten Kosten beim Strom anbelangt:
    Kohleförderung, Kosten für Endlagerung und Rückbau bei KKW. Die sind in der Kalkulation auch mit enthalten, werden, da nicht einzeln aufgeführt, aber meisten unter den Tisch gekehrt.

    Und warum sollte das Ausland über uns lachen?
    Nur Narren machen das oder Neider. Oder solche die sich als Grand Nation empfinden, aber noch nicht mitbekommen haben, daß sie sich eigentlich schon auf dem absteigenden Ast befinden. Für viele sind wir auch bezüglich der Energiewende ein Vorbild. Man muß sich mal genau überlegen was bei uns gerade passiert. Nicht mehr und nicht weniger als das gesamte elektrische Energiesystem auf den Kopf zu stellen. Da bleiben Versäumnisse und Fehler nicht aus. Und das wird es auch nicht umsonst geben. Wer was anderes behauptet lügt bewuß oder unbewußt.

    Derzeitige grobe Fehler sehe ich in der unkoordinierten Art und Weise wie die Energiewende vorangeht. Das erzeugt unnötigen Netzausbau und unnötige Kosten und das stört auch mich.


    Gruß Thomas

  4. Registriert seit
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    Standard

    #4
    Zitat Zitat von TomTom-Biker Beitrag anzeigen

    Derzeitige grobe Fehler sehe ich in der unkoordinierten Art und Weise wie die Energiewende vorangeht. Das erzeugt unnötigen Netzausbau und unnötige Kosten und das stört auch mich.


    Gruß Thomas
    Da ich selbst Strom erzeuge aus Wasserkraft und Sonne, allerdings schon sehr klein insgesamt bei maximaler Ausbeute ca. 70 kw. Also Kleinstkraftwerk (;-)))
    Aber wie kommst du zu der Schlussfolgerung, daß unnötiger Netzausbau betrieben wird. Es scheint doch eine Tatsache zu sein, daß der Windstrom nicht in den Süden gelangen kann?

    Gruß Karl

  5. Baumbart Gast

    Standard

    #5
    @Tomas:
    vergiss den Begriff Grundlastkraftwerk. Priorität hat die verbrauchsunabhängige Einspeisung der Erneuerbaren, d.h. die definieren die "Grundlast". An der Lücke zwischen Einspeisung und tatsächlichem Bedarf fahren die konventionellen entlang. Kohlekraftwerke sind da deutlich unflexibler, drum regeln die - eigentlich effizienteren und umweltfreundlicheren - Gaskraftwerke dagegen, so kommt es zu den lächerlichen Laufzeiten. Vergiss GuD, die Dampfstufe läuft kaum noch mit. Der Gesamtwirkungsgrad des konventionellen Kraftwerksparks ist dramatisch gesunken. Statt 6 bis 8.000 h laufen sie eben zum Teil keine 100 Stunden im Jahr. Volkswirtschaftlicher Irrsinn. in den ersten 9 Monaten hatten wir 25 % erneuerbare im Netz, also 25 % bedarfsunabhängig. Natürlich müssen wir Netze umbauen, Übertragungsnetze von Nord nach Süd und, mindestenst genau so teuer, Verteilnetze vor Ort (lustig wenn Berlin gerade über den Netzkauf debatiert und sie dann 100te Millionen in das Netz investieren müssten, was sie aber nicht tun werden) für die vielen dezentralen Einspeiser.
    Wir kriegen die teuerste Stromversorgung mit deutlich höheren Ausfallzeiten. Ich schätze schon dass sich da der eine oder andere Wettbewerber am Weltmarkt in's Fäustchen lacht.
    Allerdings haben wir für unsere CO2-Bilanz geschickter Weise die Hauptverschmutzer im Industriesektor natürlich schon nach Asien und Amerika verlagert, damit unsere Bilanz stimmt und wir über die bösen Asiaten lästern können die kein CO2 sparen.

  6. Registriert seit
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    Standard

    #6
    Zitat Zitat von TomTom-Biker Beitrag anzeigen
    ........ Das erzeugt unnötigen Netzausbau und unnötige Kosten und das stört auch mich.


    Gruß Thomas
    Hallo Thomas,

    stimme dir bis auf den unnötigen Netzausbau weitestgehend zu. Aber gerade dieser ist nötig. Damit die Windräder mit den Kühlhäusern oder den ehemaligen Nacht- bald Windspeicherheizungsanlagen telefonieren können. Das würd Sinn machen und ist ohne Netzausbau so nicht möglich.
    Ansonsten hätte ich es besser nicht formulieren können........

  7. Registriert seit
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    Standard

    #7
    Mit diesem Chaos, dieser fehlenden Koordination, diesem 16 BL und Bund gegen alle und gegeneinander, dieser Planwirtschaft, dieser drohenden Netzinstabilität und sinkenden Versorgungssicherheit, dieser ungleichen Verteilung der derzeitigen und kommenden kaum kalkulierbaren Kosten, dieser technischen Unsicherheiten und diesen Preissteigerungen bei der Energie sind wir aber beim Thema Energiewende definitiv ein großes Vorbild für den Rest der Welt Aber es musste wohl ein Land geben, dass mal zeigt, wie man es besser nicht macht. Das ist so wie 40 Jahre DDR - Experimente am lebenden Objekt

    Grüße
    Steffen

  8. TomTom-Biker Gast

    Standard

    #8
    "Unnötiger Netzausbau"

    Der Begriff ist von mir mißverständlich gebraucht worden. Ich hätte besser von wildem Netzausbau sprechen sollen, der die Folge eines wilden Zubaus von EEG-Einspeisern ist. Wenn ich von Netzausbau rede, meine ich nicht unbedingt das Übertragungsnetz, an das in dem Zusammenhang immer wieder gedacht wird, natürlich auch, insbesondere dann wenn die mal prognostizierten 20 - 30 GW Offshore Windenergieleistung wirklich kommen sollten. Momentan ist es nach den ersten kleineren Parks die gebaut wurden wieder ruhiger geworden. Das liegt überwiegend aber auch am Netzuausbau. Kein Investor investiert, wenn er den Strom nicht los wird. Außerdem hat sich die Denke bezüglich On- und Offshore etwas geändert. Aber letztlich asuch nur wegen der Netzinfrastruktur.

    Bei Netzausbau denke vorwigend an die Verteilungsebene bis herab zum Hausanschlußkasten. Dort tut sich mengen- und kostenmäßig in bestimmten Regionen und Kommunen mit hohen EEG-Einspeiseranteilen gewaltiges. Das Problem ist, daß die vorhandenen Versorgungsnetze eine klare Verbraucherlaststrukur haben, d. h. von den zentralen Einspeisestellen haben sich die Netze im Laufe der Jahrzehnte zu dem entwickelt was sie jetzt sind. Und das paßte bislang, mit ausreichend hoher Versorungszuverlässigkeit. Jetzt ändern sich Leistungsflußrichtungen und ändern sich auch die Höhe der zu übertragenden Leistungen. Die EEG sagt:

    - die Abnahme hat Vorrang vor allen anderen
    - der Zugang zum Netz ist zu ermöglichen
    - Falls ein Netzausbau notwendig ist, hat dieser unmittelbar zu erfolgen

    Die Kosten für den Ausbau trägt das EVU und über die Netznutzungspauschale damit jeder Kunde im Versorgungsgebiet (das sind auch verdeckte Kosten). Das ist im EEG nicht geregelt. Dafür gibt es im EEG den begriff gesamtwirtschaftliche Lösung, die von den Gerichten auf 10 - 20 % der Investitionskosten definiert werden. Und die Gerichte genehmigen eher als daß sie Anschlüsse ablehnen. Die Folge ist, daß EVUs meist ausbauen bevor sie sich auf einen Rechtsstreit einlassen. Und da kein Mensch genau weiß wo im Laufe der nächsten zwei Jahre Zuwächse zu erwarten sind, kann man Ausbauten i. d. R. auch nicht gezielt planen. Man rennt der Entwicklung immer nur hinterher.

    Um jetzt zum Begriff unnötig:
    Der Ausbau den man beispielsweise vor einem Jahr vorgenommen hat um Kunden XYZ anzuschließen, ist jetzt hinfällig da Kunde Z im gleichen Areal nun auch anfragt und man zum Ausbau nun den Ausbau plant. Hätte man das vorher gewuß hätte man den ersten Ausbau gleich anders planen können. Das ist irre an der ganzen Geschichte. Und noch wahnsinniger ist was ich selbst schon bei einem meiner Kunden erleben durfte erleben durfte, daß einem Antragsteller die Zusage zu einem bestimmten späteren Termin gemacht wurde, weil vorher erst zwingend Ausbauten durchgeführt werden mußten. Der Antragsteller klagte und es kam zu einem vergleich bei dem die entgangenen Gewinne hälftig auf Antragsteller und EVU aufgeteilt wurden. 90 kEuro für jeden. Der Antragsteller hatte die Anlage übrigens anschließend nicht mehr gebaut. Das ist der eigentliche Skandal und nicht Sinn und Zweck des EEG und treibt selbst bei einem Befürworter wie ich es bin, die Zornesröte hoch.

    Zum Abschluß noch ein Zahlenwert was den Ausbau anbelangt:
    15 Mio Euro für eine kleine Stadt mit ca. 30000 EW für die nächsten 3 Jahre. Und das nur auf der Mittelspannungsebene. Der Ausbau im Niederspannungsnetz ist da noch gar nicht eingerechnet. Wenn das ganze etwas geordneter laufen würde, könnte man diese Kosten auch auf beispielsweise 10 Jahre strecken.

    Ungeachtet dessen gönne ich jedem seine PV-Anlage auf dem Dach oder seine Windmühle im Garten. Es ist ja auch so gewollt. Aber bitte immer berücksichtigen, daß nicht alles was gestzlich geregelt ist auch unbedingt richtig sein muß und vor allen Dingen, daß es auch technisch passen muß. Hier hat der Gestzgeber sich m. E. aus der Verantwortung gestohlen, oder zumindet nicht genug drüber nachgedacht und die Lösung dem Markt und den Gerichten überlassen.

    Gruß Thomas

  9. Registriert seit
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    Standard

    #9
    Wenn man dabei auch nicht vergessen darf, die Presse. Wer erinnert sich nicht daran, daß Mitte des Jahres noch der Versorgungs-GAU beschrieben wurde. Anfang der Woche stand dann in der "Presse", daß die BRD Strom in's Ausland verkauft.

    Und da wir eben keine Planwirtschaft haben, kommt es halt zu solchen Knoten.

    Aber ehrlich, selbst ein kleines "Fukushima" können wir uns hier nicht leisten. . .

  10. Baumbart Gast

    Standard die effizienteste Fehlinvestition der Welt

    #10
    Strom ins Ausland zu verkaufen ist kein Indiz für ausreichende Kapazitäten bzw. kein Widerspruch zu einer heftigen Fehlentwicklung. Wer nicht nur Singen und Klatschen in der Schule hatte weiß das man Strom eben nicht speichern kann. Der europäische Verbund macht das deutsche Experiment überhaupt erst möglich. Würde z.B. Polen und Tschechen nicht unsern überschüssigen Windstrom entsorgen wäre das System schon lange zusammengebrochen.


 
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