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Versicherung als "Selbstbedienungsladen" ???

Erstellt von ChiemgauQtreiber, 09.11.2015, 21:31 Uhr · 18 Antworten · 2.051 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    Standard Versicherung als "Selbstbedienungsladen" ???

    #1
    Hallo zusammen,

    vielleicht kann mir hier jemand helfen, es geht um einen Kaskoschaden, der uns als "Verursacher" zugeordnet wird, ohne daß es eindeutige Spuren oder Zeugen gibt.

    also jemand bezichtigt jemand anderen, daß er einen Schaden an seinem Fahrzeug verursacht hat, und die Versicherung zahlt, ohne das der Nachweis erbracht ist, daß der Beschuldigte auch Verursacher ist !! und die Versicherung zahlt.

    Folgendes ist passiert:
    Meine Tocher hat ihren PKW in der Nähe von einem Cafe in einer Parkbucht geparkt, neben anderen Fahrzeugen (also wie beim Supermarkt nebeneinander, nicht hintereinander), sie ist dabei in einem Rechtsbogen eingefahren, das "geschädigte" Fahrzeug stand dann rechts von ihr (also wie soll das schon mal gehen)

    Als Sie um ca. 21:30 (im Sommer) zum Fahrzeug zurückkommt, wir Sie von der Fahrerin des Fahrzeugs neben ihrem (Beifahrerseite) beschuldig, daß sie eine Delle in deren Fahrertür gefahren hat.
    Die Fahrerin und ihr Freund haben angeblich diese Delle gesehen, als sie von hinten (also von Der Straße) zum Fahrzeug gingen (also in den Freiraum zwischen den Fahrzeugen sehend, das obwohl es schon deutlich in der Dämmerung war, und die Delle im unteren Teil der Tür liegt.) Die Delle ist dermassen klein, das sie auf Handy-Fotos nicht wirklich zu erkennen ist.
    Ausserdem ist es kein Neufahrzeug sondern ein gebr. Fahrzeug gewesen, wenngleich erst 2 Tage bei der neuen Besitzerin.
    nach den Spuren ist es kein Streifschaden durch eine Stoßstange - also kein waagrechter "Kratzer" sondern eine "senkrechte Delle", die könnte dann nur von einem Reifen verursacht worden sein, und damit kommen eigentlich alle Fahrzeug mit gleichgroßen (oder ähnlichgroßen Reifen) in Frage, da ja auch keine Reifenspuren oder -muster feststellbar waren.

    Die hinzugerufene Polizei hat zuerst auf "Fahrerflucht" untersucht, aber dann fallen gelassen, weil eben nicht zuordenbar, und schon gar nicht eindeutig.

    was mich jetzt überrascht / wundert und auch stört:
    das gegnerische Fahrzeug wurde begutachtet und dann ohne Rücksprache mit dem Versicherungsnehmer (uns) die Reparatur incl. Ersatzfahrzeug freigegeben. Und natürlich wird dann die Versicherungsprämie für uns höher.

    geht das wirklich so einfach, daß man wirkliche Feststellung, wer schuld ist einfach den den "Verdächtigten" oder "Beschuldigten" einfach (bzw dessen Versicherung) Belangen kann?

    natürlich ist die letzendliche Frage:
    was kann man dagegen tun?

    herzlichen Dank schon mal im Voraus

  2. Registriert seit
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    Standard

    #2
    Grundsätzlich ist das kein Kaskoschaden, sondern ein Haftplichtschaden.

    Urteil von 2010:
    Das Gericht (Az.: 32 S 15/09) urteilte im Sinne des Versicherungsunternehmens: Die Gesellschaft müsse Schadensersatzansprüche von Unfallgegnern befriedigen und unbegründete abwehren. Dies erfolgt in der Regel nach sorgfältiger rechtlicher Würdigung des Sachverhaltes. Dabei hat sie allerdings einen gewissen Ermessensspielraum. Solange die Regulierung weder unsachgemäß noch willkürlich sei, könne die Versicherungsnehmerin daran nichts ändern. Ihre Annahme, sie sei am Unfall nicht schuldig, kann letztendlich eine Regulierung nicht verhindern.

    Also, es ist eine Aufgabe deiner Versicherung, unbegründete Forderungen abzuwehren. Regulieren darf sie erst nach sorgfältiger , rechtlicher Würdigung. Die Details des Falls kennst nur du bzw. deine Tochter.

    Ob der Schaden von deiner Tochter verursacht worden sein kann, sollte sich nach der Schadenschilderung durch eine Gegenüberstellung der Fahrzeuge klären lassen.

  3. Registriert seit
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    Standard

    #3
    Hatte ich vor Jahren mal mit sehr ähnlichem Sachverhalt. Nach bereits erfolgter Regulierung der Versicherung, hab ich auf eigene Kosten einen Sachverständigen beauftragt, dessen Gutachten bestätigte, dass mein Fahrzeug mit dem geschilderten Schaden nichts zu tun haben konnte. Das Gutachten bei der Versicherung eingereicht und auf Weiterführung meines bestehenden Schadensfreiheitsrabattes bestanden. Die Kosten für das GA hat die Versicherung dann nach einigem Hin und Her auch bezahlt.

  4. Registriert seit
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    #4
    Hallo Polly,
    Danke für den Hinweis, hatte ich verwechselt

    Hallo Rapid,

    bin jetzt auch einen Schritt weiter:
    Nach Auskunft der Versicherung steht in dem Polizeiprotokoll/Ermittlungsakte, daß meine Tocher angeblich den Sachverhalt zugegen hat!
    Klar, daß dann die Versicherung bei dem Schaden von ca. 1000,- € nicht noch ein riesen Fass aufmacht!

    Meine Tochter hat aber nur gesagt, daß sie sich nicht vorstellen kann, daß sie mit ihrem Fahrzeug an dem Schaden schuldig ist, und das dann eben über die Versicherung klären lassen will.

    lt. Versicherung bekomme ich den Polizeibereicht nur über einen Anwalt, hat es den
    einen Sinn, dagegen vorzugehen oder kann man das anders regeln?

    ich denke, daß eigentlich ein Foto mit beiden Fahrzeugtypen nebeneinandergestellt - für den vernünftig Denkenden Menschen - klarheit bringen soll, was meint ihr?
    gibt es vielleicht ein Portal/Forum, daß zu diesen Themen mehr und bessere Infos geben kann als es natürlich ein motorradforum kann?
    welches?

    Danke schon mal im Voraus

  5. Registriert seit
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    Standard

    #5
    Einen ähnlichen Vorfall hatte ich mal vor einigen Jahren abzuwehren.
    Jemand beschuldigte mich einen Auffahrunfall verursacht zu haben; die Schadensmeldung des
    angeblichen Unfallgegners ging einige Wochen nach dem angeblichen Vorfall bei den Versicherungen ein.

    Nur meiner Vehemenz war es zu verdanken, dass meine Versicherung nicht sofort zahlte, sondern
    ein Gutachter bestellt wurde, der beide Fahrzeuge gegenüber stellte - danach wurde dann wegen versuchten
    Betrugs gegen den anderen ermittelt.

    Für die meisten Versicherungen scheint das ein durchlaufender Posten zu sein - hart bleiben und Gutachten
    verlangen - notfalls Anwalt einschalten.

    Grüße
    Stefan

  6. Registriert seit
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    605

    Standard

    #6
    Dein Postfach hier ist voll - falls jemand im Stillen helfen möchte

  7. Registriert seit
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    Standard

    #7
    Der vom Themenstarter geschilderte Fall ist sozusagen "der Klassiker" des Versicherungsbetruges warum:

    Fahrerin x stellt ihr Fahrzeug ab. Sie ist alleine. Bei der Rückkehr wird sie von Frau A und Herrn B vehement und emotional angesprochen, sie habe beim einparken ihr Fahrzeug beschädigt. "Das habe man gesehen...."

    Die nun herbeigeholte Polizei muss natürlich "von Amts wegen" zunächst den Sachverhalt der Fahrerflucht untersuchen oder anders das unerlaubte Entfernen vom Unfallort.

    Frau X weiss aber von nichts, sie hat ja nichts beschädigt.

    Die Versicherung von Frau A. und Herrn B nimmt nun Kontakt, wegen Schadensregulierung auf.

    Der angebliche Schaden wird sich in einem relativ geringen Rahmen bewegen, genauso so hoch oder so niedrig, dass es für die Versicherung "billiger" ist, den Schaden zu bezahlen, als diesen zu untersuchen.

    Dies bedeutet für die Versicherung von Frau X nämlich immer eine Abwägung der wirtschaftlichen Güter:

    - was kostet ein Gutachten?
    - Kosten eines Gegengutachtens?
    - Kosten des streitigen Verfahrens?

    Frau X hätte sofort nach Eintritt des angeblichen Schadensfalles ihre Versicherung kontaktieren müssen, mit der Bitte den Schaden NICHT zu regulieren und ihren Verdacht, dass hier offenbar Versicherungsbetrüger am Werk sind.

  8. Registriert seit
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    Standard

    #8
    Zitat Zitat von enduro_drive Beitrag anzeigen
    ...
    Frau X hätte sofort nach Eintritt des angeblichen Schadensfalles ihre Versicherung kontaktieren müssen, mit der Bitte den Schaden NICHT zu regulieren und ihren Verdacht, dass hier offenbar Versicherungsbetrüger am Werk sind.
    Das von dir geschriebene ist imho genau zutreffend. Für die Versicherung ist es ohnehin eine Win - Win Situation, denn der Versicherungsnehmer wird zurückgestuft und zahlt seinen Schaden letztlich auf Raten selber.

    Was allerdings noch zu beachten ist (s. Zitat oben): Die Verjährung für den Versicherungsbetrug ist noch nicht eingetreten. Bis auf die aufwändigere Beweisführung hat sich gegenüber unmittelbar nach dem Unfall diesbezüglich nix geändert. Die Ermittlung und Beweisführung ist aber nicht Sache des Geschädigten, sondern Sache der Polizei.

  9. Registriert seit
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    Standard

    #9
    Versicherungsbetrug muss es ja nun auch nicht unbedingt sein:


    • Die Leute haben halt was gesehen an ihrem neu erstandenen Autochen, was ihnen beim Kauf nicht aufgefallen war (Lichteinfall?) und als Laien geschlussfolgert, dass das danebenstehende Fahrzeug den Schaden verursachte.
    • Der beigezogene Polizist war ev. unsorgfältig und voreilig.
    • Stellt man die beiden Fahrzeuge nebeneinander, ist das schnell herauszufinden und die Sache geht zurück an die "Geschädigten".
    • Da sie die Reparatur bereits ausführen liessen, bleiben die Kosten an ihnen hängen, falls sie die Verantwortung nicht der Polizei anhängen können.

  10. Registriert seit
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    Standard

    #10
    Zitat Zitat von ChiemgauQtreiber Beitrag anzeigen
    Hallo Polly,
    Danke für den Hinweis, hatte ich verwechselt

    Hallo Rapid,

    bin jetzt auch einen Schritt weiter:
    Nach Auskunft der Versicherung steht in dem Polizeiprotokoll/Ermittlungsakte, daß meine Tocher angeblich den Sachverhalt zugegen hat!
    wechsel deine Tochter :-)

    Es sieht so aus - solche Menschen gibt es leider - die im Nachhinein für einen bestehenden Schaden einen Schuldigen suchen, um den Schaden kostenlos repariert zu bekommen. Sei es, dass sie den Schaden selbst verursacht haben oder dass er ihnen zugefügt worden ist und der Verursacher nicht bekannt ist.

    Dazu fährt man dann z.B. auf große Parkplätze in einem EKZ und pickt sich dann einen raus, der passen könnte. Als Beschuldigter ist man natürlich zuerst mit dieser Situation vollkommen überfordert, weil das Pack ja schon einen Plan ausgeheckt hat.

    Am besten den Fall der Rechtsschutzversicherung (so man eine hat) übergeben. Im Nachhinein ist es natürlich immer leicht zu beurteilen, was man hätte machen sollen, aber das hilft jetzt im konkreten Fall nicht.

    Für zukünftige Fälle: Wenn man sich absolut sicher ist, dass man es nicht war, sofort mit der Polizei und Anzeige drohen, dass man falsch beschuldigt wird, nichts zugeben. Sollte von der Beschuldigung wieder abgelassen warden, trotzdem den Vorfall sofort schriftlich der Versicherung melden ! Es gibt genügend Leute, die dann hintenrum Anzeige wegen Fahrerflucht erstatten und zufällig noch das Kennzeichen notieren konnten. Nach Möglichkeit einen Zeugen beiziehen ! Sollte dann dennoch eine Anzeige kommen, sofort die Rechtsschutzversicherung einschalten und Gegenanzeige erstatten.

    Aber wie gesagt: hintennach last sich´s immer leicht reden ...


 
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