Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 22

80 Tage, 10 Länder und 20.000 Km

Erstellt von Gammelheino, 01.10.2012, 12:04 Uhr · 21 Antworten · 4.375 Aufrufe

  1. Registriert seit
    12.11.2007
    Beiträge
    49

    Standard 80 Tage, 10 Länder und 20.000 Km

    #1
    Hallo zusammen,

    nachdem wir jetzt schon wieder einige Wochen zuhause sind , möchte ich mal einen Bericht unserer Reise einstellen.
    Der Bericht wurde so bei uns in der lokalen Zeitung gedruckt. Natürlich haben wir noch eine Menge mehr erlebt, was aber hier zuviel werden würde

    So nun viel Spaß beim lesen…….


    80 Tage, 10 Länder und 20.000 Kilometer – Auf zwei Motorrädern einmal nach Kasachstan und zurück:
    Ein nicht alltäglicher Reisebericht von Christin und Oliver Hofmann aus Fladungen

    reiseroute_ohne_schriftzug.jpg

    „Atkuda – Woher kommt ihr? Aus Deutschland? So weit her! Und alles mit dem Motorrad?“ – Diese oder ähnliche Gespräche mussten Christin und Oliver Hofmann ihrer dreimonatigen auf Motorradreise mehr als einmal führen. Aber in Russland ist es eben immer noch etwas Besonderes, wenn man mit dem Motorrad die eine oder andere regionale Grenze überschreitet. Und davon gibt es viele.
    Aber schön der Reihe nach: Anfang Juni startete das Paar seine dreimonatige Hochzeitsreise auf Motorrädern. Es ging von Fladungen durch Tschechien, die Slowakei in die Ukraine. Bis dahin verlief alles problemlos – selbst der Grenzübergang zur Ukraine. Nach einem kurzen Zwischenfall mit der „Miliz“ (Polizei) ging es schnurstracks weiter, vorbei an kleinen Dörfern, freilaufenden Kühen, alten „Mütterchen“, die ihre Felder noch per Hand bestellten. Bereits hier fühlt man sich um Jahre zurückversetzt.

    2012-06-10-uk.jpg2012-06-02_start.jpg2012-06-03_knochenkirche-cz.jpg2012-06-06_zirpser-burg-sk.jpg2012-06-07_grenz-bertritt-uk.jpg2012-06-08_karpaten-uk.jpg

    Mit einem mulmigen Gefühl fuhren sie wenig später zum Grenzübergang nach Russland. Aber die Bedenken waren völlig unbegründet und nur zwei Stunden später begrüßte sie ein Grenzbeamten mit den Worten „Welcome in Russia“ und weiter ging die Fahrt. Das war also geschafft. In Wolgograd (ehemals Stalingrad) dann der erste Schock! Eins der Motorräder funktionierte nicht mehr. Tags zuvor hatten sie sich nach einem Reifenhändler umgehört und von einem russischen Motorradfahrer die Telefonnummer eines Freundes bekommen. Was für ein Glück! Dieser „Andrey“ setzte sich gleich in seinen Bus und kam vorbei, um die beiden Deutschen und ihre Motorräder abzuholen. Etwa eine Stunde später fanden sie sich im „Bike-House 266 MC“ wieder und bekamen erstmal ein kühles Glas „Kwas“, ein russisches Nationalgetränk aus Brot, Wasser und Zucker. Nach einem kurzen Motorrad-Check, Baden in der Wolga und einer kleinen Stärkung, lud sie ein netter Russe zu einer kleinen „Sightseeing Tour“ durch die Stadt ein. Es folgte eine Einladung zum Abendessen und ehe sie sich versahen, saßen sie in lustiger Runde mit mehreren Russen zusammen.
    Am nächsten Morgen widmeten sich Olli und Andrey wieder der Reparatur des defekten Motorrades. Ein loses Kabel am Zündschloss war schuld an dem „Schlamassel“. Nur wenige Stunden später konnten die Motorräder wieder bepackt, den Reserve-Reifen aufgeschnallt und weiter entlang der Wolga Richtung Saratov gefahren werden.


    2012-06-20_dorf-rus.jpg2012-06-14_rus.jpg2012-06-15_abschleppdiensat-rus.jpg

  2. Registriert seit
    12.11.2007
    Beiträge
    49

    Standard

    #2
    2012-06-20_dorf-rus.jpg2012-06-15_wolgograd-rus.jpg2012-06-16_abschied-andrey-rus.jpg2012-06-18_zeltplatz-wolga-rus.jpg
    Tennisballgroße Hagelkörner
    Jedoch wurde die Fahrt jäh von einem Wolkenbruch unterbrochen. Tennisballgroße Hagelkörner stürzten vom Himmel, die Straße war so überschwemmt, dass ein Lkw abgetrieben und ein Auto in den Fluten versenkt wurde. Irgendwie schafften sie dann doch mit den Mopeds durch die Wogen und es konnte weiter nach Norden gehen.
    Die Tage vergingen wie im Fluge, aber kurz vor Kurgan machte wieder eines der Motorräder Problem und sie bemerkten, dass Benzin aus dem Luftfilterkasten lief. Was nun? Wie gut das ein netter Motorradfahrer aus Kurgan angehalten und den Fehler schnell gefunden hatte. Tags darauf passierten sie den russischen Grenzposten und standen erst einmal ratlos vor einem kasachischen Schlagbaum. Ein netter Grenzbeamter holte sie gleich zu sich in sein kleines Grenzerhäuschen und half den Deutschen beim ausfüllen der sogenannten „Migrationskarte“. Kasachstan empfing Christin und Oliver mit drei Tage Dauerregen und Temperaturen um 15 Grad. In Petropawl, der ersten größeren kasachischen Stadt, wurden sie in einer Bank von einer älteren Dame auf Deutsch angesprochen. Völlig überrascht, aber froh sich einmal wieder richtig mit jemanden unterhalten zu können, wurden sie von der alten „Mina“ in ihre kleine, spartanisch eingerichtet Wohnung eingeladen, wo sie einen gemütlichen Abend verbrachten.
    Am nächsten Tag ließen sie den Stadtverkehr hinter sich und machten nach ein paar Kilometern gleich Bekanntschaft mit den ersten kasachischen Umleitungen. Diese führen einfach rechts oder links neben der neu zu bauenden Straße auf einer Piste entlang. Da es schon länger geregnet hatte, wurde diese „Umleitung“ zu einer wahren Schlammschlacht mit knietiefen Schlammpfützen.
    Als die Zwei endlich in Astana, der Hauptstadt, ankamen, wurden sie wieder einmal von einem uniformierten Beamten angehalten, der wegen der schmutzigen Mopeds ein Bußgeld verlangte. Glücklicherweise konnten sie ihn davon abbringen und ihre Reise weiter fortsetzen. In Almaty mussten sie die nervenaufreibende Tortur der Registrierung über sich ergehen lassen und tauschten anschließend Zelt und Schlafsack gegen Hotelzimmer und Bett.
    Endlich in Südkasachstan angekommen, sollte für Christin und Oliver eine separate kleine Rundreise beginnen, die sie mit den „singenden Dünen“ im „Altyn-Emel-Nationalpark“ beginnen wollten. Doch als sie nach einer circa 20 Kilometer langen Fahrt über eine Schotterpiste am Nationalpark angekommen waren, meinte der Parkranger nur, sie hätten sich hierfür vorher in Almaty anmelden müssen. Also ging es mit langen Gesichtern wieder zurück.

    2012-06-27_nachwuchs-kz.jpg2012-06-27_b-rabay-kz.jpgKlicke auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	2012-06-20_Dorf-RUS.jpg 
Hits:	321 
Größe:	47,4 KB 
ID:	764362012-06-22_motel-rus.jpg

    2012-06-23_ural-rus.jpg2012-06-27_bekanntschaften-kz.jpg
    Miniaturansichten angehängter Grafiken Miniaturansichten angehängter Grafiken 2012-06-22_wodkaabend-rus.jpg  

  3. Registriert seit
    12.11.2007
    Beiträge
    49

    Standard

    #3
    2012-07-02_umleitung-kz.jpg2012-06-29_astana1-kz.jpg2012-06-29_astana2-kz.jpg2012-07-01-kz.jpg


    2012-07-02_balqash-camp-kz.jpg2012-07-02_balqash-kz.jpg
    Unbeschreiblich schöne Landschaft
    Diese Enttäuschung war allerdings schnell vergessen, dank der unbeschreiblich schönen Landschaft. Von einer Hochebene mit knapp 2.000 Metern ging es zum absoluten Höhepunkt, dem „Charyn-Canyon“ und einem Blick auf den 7.000 Meter hohen Khan Tengri im Tienschan Gebirge. Nach einer Nacht im Zelt, im schönen Turgen-Tal, auf ca. 1.600 Metern, verbrachten die Zwei noch einen ruhigen Tag in Almaty.
    Danach ließen sie den südöstlichsten Punkt (ca. 70 km bis China und ca. 30 km bis Kirgistan) ihrer Reise hinter sich und fuhren mit einem lachenden und einem weinenden Auge weiter. Einerseits war die Hälfte ihrer Reise schon vorbei, andererseits freuten sie sich, dass sie der Heimat wieder näher kamen.
    Es wurde wieder heiß und der Stadtverkehr war schrecklich. An jeder roten Ampel fragte ein Autofahrer „Atkuda?“, was soviel heißt wie „Woher kommt ihr?“. Da Christin und Olli das in Kasachstan eigentlich ständig gefragt wurden, konnten sie irgendwann diese oder ähnliche Gespräche nicht mehr hören. Raus aus dem Stadtverkehr fuhren sie entlang der kirgisischen Grenzen, einen kleinen, zweispurigen Bergpass hinauf und wurden plötzlich von einem Polizisten angehalten. Dieser verlangte für das Überschreiten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit eine Strafe von zweimal 16.000 Tenge (umgerechnet ca. 160 Euro). Da beide lediglich Dollars dabei hatten, handelten sie einen angemessenen Betrag aus und durften weiterfahren.
    Nach einer Campingnacht an einem Bergsee, ging es morgens auf eine neugebauten vierspurigen Straßen, die über eine Strecke von 300 km auf 50 km/h beschränkt war. Es folgte eine Woche durch die „Hungersteppe“ West-Kasachstans. Während dieser Zeit fuhren sie von frühmorgens bis spätabends, was die motorisierten Zweiräder hergaben. Die Tage waren heiß, weit und breit kein Schatten, tiefe Schlaglöcher und ca. alle 200 km eine kleine Ortschaft, in der man nur das Nötigste kaufen konnte. Gute Straßen waren schlichtweg nicht vorhanden, was das Vorankommen auf diesen Pisten extrem erschwerte. Diese Woche brachte beide an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. „Es war eine sehr harte, aber lehrreiche und jetzt im Nachhinein eigentlich schöne Erfahrung, weil wir lernten, wie schön eigentlich ganz einfache Ding, wie eine gekühlte Flasche Wasser, sein können“, erinnern sich die Fladunger.
    Nachdem sie Kasachstan verlassen hatten, änderte sich die Landschaft schlagartig. Der öden, dürren Steppe folgte eine grüne, mit Bäumen bewachsene Landschaft (Wolga-Delta). In Russland gab es wieder richtige Straßen und nach einer ordentlichen Dusche und einem leckeren Abendessen, freuten sich beide wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. „Ein sehr schönen Gefühl!“
    Da es in russischen Städten so gut wie keine Beschilderung gab, verfuhren sie sich auch, aber das ist nun einmal so, wenn man ohne GPS und High-Tech-Equipment fährt. Zum Glück findet man dort immer jemanden, der sich in sein Auto setzt und einen aus der Stadt führt. Als sie am nächsten Abend wieder an einem Flüsschen zelten wollen, kamen auf einmal drei bewaffnete Soldaten angefahren und legten ihren nahe, die Nacht hier nicht zu verbringen. Es gebe wohl Banditen, die keinen Skrupel hätten, ihre Waffen einzusetzen. Also verbrachten sie ihren letzten Abend in Russland in einem kleinen Hotel in der Stadt.
    2012-07-02_jurte-kz.jpg

  4. Registriert seit
    12.11.2007
    Beiträge
    49

    Standard

    #4
    2012-07-09_turgen-tal2-kz.jpg2012-07-09_canyon2-kz.jpg2012-07-09_turgen-tal1-kz.jpg2012-07-09_canyon3-kz.jpg2012-07-04_zebrastreifen-kz.jpg2012-07-06-pass-kz.jpg2012-07-07_canyon-kz.jpg2012-07-08_pferdetransport-kz.jpg2012-07-08_tien-shan-kz.jpg2012-07-09_canyon1-kz.jpg

  5. Registriert seit
    12.11.2007
    Beiträge
    49

    Standard

    #5
    2012-07-18-schlechte-strasse-kz.jpg2012-07-12_grenzgebiet-kirgistan1-kz.jpg2012-07-12_grenzgebiet-kirgistan2-kz.jpg2012-07-14_bruecke-kz.jpg2012-07-14_sonnenuntergang-kz.jpg2012-07-16_aral-kz.jpg2012-07-16_gute-starsse-kz.jpg2012-07-17_bruecke-weg-kz.jpg2012-07-17-unterwegs-kz.jpg2012-07-18_kleine-schlagloecher-kz.jpg

  6. Registriert seit
    12.11.2007
    Beiträge
    49

    Standard

    #6
    2012-07-19_steppencamp-kz.jpg2012-07-19_begegnungen-kz.jpg
    Der Kaukasus

    Ohne Probleme verlief die Einreise in Georgien und ohne Zweifel hatten sie dort eine der schönsten Landschaften vor sich, den Kaukasus. Die Tage in Georgien waren wunderschön – gute Straße und herrliche Landschaften. Nach einigen entspannten Tagen fuhren sie an einem schwülwarmen Tag am Schwarzen Meer in die Türkei. Das feuchtwarme Klima wandelte sich glücklicherweise je weiter sie nach Westen fuhren, in ein trockenes, angenehmes Klima. Jeden Abend ging es auf einen anderen Campingplatz am Meer und die Menschen sprachen immer mehr Deutsch, schließlich waren es nur noch 4.000 km bis nach Hause.
    Von der Türkei ging es dann weiter nach Griechenland und von dort immer weiter Richtung Fladungen.
    Nachdem die Beiden mit der Fähre nach Italien übergesetzt hatten, legten sie noch einen Sightseeing-Tag in Rom ein und machten sich durch die Toskana auf den Heimweg.
    Schließlich traf das Duo an einem Sonntagnachmittag wohlbehalten im Rhönstädtchen ein und wurde von ihren Familien und Freunden herzlich in Empfang genommen. Fest steht: Beide würden den Trip noch einmal machen. “Die Mentalität und Gastfreundschaft der Menschen in diesen Ländern ist wirklich beeindruckend. Überall trafen wir auf hilfsbereite und freundliche Menschen, sodass es bestimmt nicht unsere letzte Motorrad-Reise nach Zentralasien war.“

    2012-08-13-rom-i.jpg2012-08-01-tk.jpg2012-08-07_olymp-gr.jpg2012-08-08-gr.jpg2012-07-24_kaukasus_1_geo.jpg2012-07-24_kaukasus-geo.jpg2012-07-26-geo.jpg2012-07-26-geo2.jpg

  7. oke
    Registriert seit
    15.09.2009
    Beiträge
    51

    Standard

    #7
    Moin Oli,

    glaub ich zumindest war dein Name oder?
    Wir haben uns vor dem Charyn-Canyon getroffen wenn ich nicht irre.
    Werde mir dein Bericht mal in Ruhe durchlesen.

    Gruß Oke

  8. Registriert seit
    12.11.2007
    Beiträge
    49

    Standard

    #8
    Grüße Dich,

    schön dass Du hier auch bist. Stimmt wir haben uns kurz vorm Canyon getroffen.
    Hoffe Ihr seid wieder gut zurück gekommen und habt keine Probleme mit den Mopeds beim Zoll gehabt.

    Gruß Olli

  9. oke
    Registriert seit
    15.09.2009
    Beiträge
    51

    Standard

    #9
    Hey Olli,

    bei uns ist alles glatt gelaufen und sind schon lange wieder Zuhause.
    Hier ist für euch was zu stöbern wenn Ihr mögt.
    Pamir per Motorrad

    Gruß Oke

  10. Registriert seit
    20.01.2009
    Beiträge
    2.662

    Standard

    #10
    Wow tolle Reise! 80 Tage! Mensch das würd ich auch mal gerne machen. 4 Wochen ist so das Meiste was ich rausholen kann.
    War das besorgen der Visa eigentlich schwer? Braucht man Carnets für den Russlandpart?

    Gruß
    Christian


 
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. 120 tage 22 Länder 2 Freaks 1 Motorrad
    Von Mato_X im Forum Touren- & Reiseberichte
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 05.06.2012, 10:48
  2. Nordische Länder SD karte
    Von Andreas0815 im Forum Navigation
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 09.06.2011, 16:50
  3. 5 Länder - 1 Frehni
    Von Frehni im Forum Touren- & Reiseberichte
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 16.07.2010, 13:06
  4. 15 Länder - 12 Tage - 6430 km
    Von dreeton im Forum Touren- & Reiseberichte
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 03.06.2010, 07:38
  5. 44 Länder in 8 Jahren
    Von Christian S im Forum Touren- & Reiseberichte
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 10.05.2009, 13:44