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Chile + Argentinien 2011/2012 Teil 1

Erstellt von elch, 28.01.2012, 13:12 Uhr · 51 Antworten · 5.056 Aufrufe

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    Standard Chile + Argentinien 2011/2012 Teil 1

    #1
    Prolog von der elchin, denn es war ja meine Traumreise mit einem Vorlauf von zweieinhalb Jahren von der Idee bis zum Abflug. Wir waren brutto 6 Wochen in Chile und Argentinien unterwegs sowie ein Tagesausflug nach Bolivien. Für 4 Wochen haben wir eine GS 1200 bei motoaventura gemietet und sind von Südchile (Osorno) 4000 km nach Norden bis San Pedro de Atacama gefahren, über den phantastischen Jama-Pass mit 4.800 m Höhe nach Argentinien und überwiegend auf der „ruta 40“ wieder nach Süden. Dabei hat die Rallye Dakar unseren Weg gekreuzt, und wir haben sie live genossen.

    Da ich bei der Vorbereitung nur sehr wenige Informationen über Chile gefunden habe, was z.B. Landschaften und Streckenzustände angeht, möchten wir unsere Erfahrungen und einige Bilder in einem kompletten Reisebericht einstellen, nur gekürzt um persönliche Dinge. Die ruta 40 scheint mehr Leute anzuziehen, als Pistenabenteuer. Aber dazu muss man sich beeilen, bevor alles fertig asphaltiert ist. Die interessanteren und abwechslungsreicheren Landschaften haben wir aber in Chile erlebt.

    Beim Hinflug haben wir einen 10std. Stop in Rio de Janeiro für eine individuelle Stadtführung genutzt, danach 2 Tage Santiago. Diese Stadt war auch ganz anders als erwartet. Dann ging es endlich per Flugzeug nach Osorno. Mittlerweile hatten wir über das überall gut funktionierende Internet + email erfahren, dass die bestellte ADV wegen Kupplungsschaden gegen eine „normale“ 1200er eingetauscht werden musste. Der geringere Radius aufgrund des kleineren Tank führte dazu, dass wir nicht auf den Paso San Francisco fahren konnten, ansonsten haben wir immer rechtzeitig wieder eine funktionierende Tankstelle gefunden, auch in Argentinien.

    Ein Mechaniker von motoaventura hat uns am Flughafen abgeholt und geholfen, alle technischen Schwierigkeiten zu meistern wie anderer Anschluss des Navis an die Batterie oder andere Koffer, weil die Verschlüsse nicht mehr hielten. Aber auch der 2. Satz Hepco + Becker-Koffer passte nicht zu unseren Touratech-Packmaßen, sodass wir trotz weiteren Reduzierungen doch den Packsack von motoaventura zusätzlich mitnehmen mussten. Osorno selber hat nicht viel zu bieten, aber dann ging es endlich richtig los.

    Mittlerweile kann der gesamte Reisebericht ohne die Unterbrechungen hier auf unserer neuen homepage www.dieelche.jimdo.com gelesen werden.

    1. Tag:
    Erste Runde mit der GS, von Osorno aus in die Vulkanlandschaft. Alles bestens, die Maschine deutlich handlicher als unsere zuhause. In Puerto Varas stehen am Hafen zwei F 650 GS aus LÖ mit Reifen und allem drum und dran im Gepäck. Aber leider ist die ganze Zeit niemand von den Reisenden zu sehen.
    Die Luft ist ganz extrem diesig. Der heißersehnte Vulkan hinter der Kirche mit dem roten Dach ist nicht zu sehen L. Erst als wir uns dem Vulkan nähern und in die Höhe fahren, zeigt er sich langsam in seiner ganzen Schönheit.
    Wir fahren dann noch bis Valdivia und finden ein schönes Hostal. Haben wir morgens noch bei 18° auf der Autobahn gefroren, gehen wir jetzt bei 34° Grad fast ein.

    Die berühmte Kirche in Valdivia


    Der Vulkan Llanquihue


    Freitag:
    Kurz nach dem Start in Valdivia biegt die Hauptstraße nach links, das Navi zeigt nach rechts. Eine der berühmten „Abkürzungen mit dem Finger auf der Landkarte“ folgt. Erst 1 km Asphalt, dann die ersten 10 km Schotter. Langsam kann ich dem Pirelli vertrauen. Ein wirklich guter Kompromiss. Es geht noch ein Stück über die AB, dann Landstraße nach Villarica und an den See mit dem Spiegelbild des Vulkanberges Villarica. Wir wollen uns eine Kaffeepause gönnen, finden ein schönes Kaffee und wollen uns eine Pizza teilen. 1 ½ Stunden später haben wir die halbe Pizza mit Genuss verdrückt und den Rest fürs Abendessen im Gepäck…. Macht mit Kaffee und Cola 15 €.
    Daraufhin erwarten uns die nächsten 12 km Schotter. Rest km im Bordcomputer: 300 km.
    Danach folgt bester Asphalt bis Melipeuco. Aber wie geht es um den Vucano Llaima? Die letzte Tankstelle wird genutzt, und der Tankwart meint: alles asphaltiert! Jubel, dann mal los.
    Nach 5 von 73 km ist allerdings der Asphalt zu Ende! Trotzdem fahren wir weiter, denn die Landschaft wird immer interessanter. Bald fühlen wir uns wie auf Island. Wir befinden uns in einer Lavawüste. Der Untergrund ist gut befahrbar. Der Sand ist rau und grobkörnig. Es lässt sich gut fahren. Von einem holländischen(!) Radfahrer erfahren wir, dass die Strecke noch deutlich schwieriger wird. Trotzdem, wir fahren weiter und die Landschaft belohnt uns für die Mühe. Wir passieren fantastische blaugrüne Seen, Solitärpflanzen in der schwarzen Lava, dann geht der Weg in einen Hohlweg durch dichten Urwald über. Zwei Frauen mit einem alten LT aus GL kommen uns entgegen. Extreme Steigungen und Gefällestrecken wechseln sich mit Lavastaubfeldern ab. In so einer Staubstrecke liegt dann die Q auch zum ersten Mal. Bei Schritttempo in einer Kurve mit tiefem Staub weggerutscht. Nichts passiert, es geht weiter. Nach weiteren 30 km wieder Asphalt unter den Reifen und noch 180 km bis zum Etappenziel vor uns. Aber zwei Stunden später ist Salto del Laja erreicht. Ein kleiner Wasserfall, aber der höchste in Chile.

    Nebenstraßen in Chile



    See und Vulkan Villarica


    Das erste Lavafeld am Vulkan Llaima


    Der Vulkan Llaima, und die erste Vegetation wächst auch wieder seit dem letzten Ausbruch.



    Auf dem groben und spitzen Lavaschotter ließ es sich gut fahren


    Die ersten Araukarien, diese speziellen Bäume in Chile.



    Ein Bergsee auf dem Hochplateau


    Ganz schön staubige Gegend


    Grünes Kontrastprogramm am Salto del Laja



    Am nächsten Tag über die AB direttissima nach Santiago. Wie gehabt: bei 18° gestartet, bei 34 ° angekommen, und dann unser Hostal „Patio Suizo“ erneut genossen.

    Sonntag:

    Patio Suizo ade! Mit noch einem (unnötigen Camping-) Packsack mehr auf dem Mopped geht es aus der Stadt. Unsere inzwischen erworbenen Ortkenntnisse und das perfekt arbeitende Navi lenken uns schnell aus der Stadt. Kurz hinter dem ersten Autobahntunnel knallt mir etwas gegen das rechte Knie und unsere Chilekarte flattert durch die Gegend. Zum Glück kann ich gleich anhalten, der Sonntagsverkehr ist noch sehr gering, und Siggi kann die Karte und den Copec-Atlas mit ein paar Schritten von der Autobahn retten. Das Teil, das mir gegen das Knie flatterte, war der Blendschutz vom Navi, der mit den Karten im Sichtfach des Tankrucksacks lag. weg. Aber so schnell geben wir ja nicht auf. Da die in Frage kommende Strecke ja überschaubar ist, beschließen wir eine Ehrenrunde zu drehen. Also an der nächsten Ausfahrt raus und wieder stadteinwärts. Aber da haben wir die Rechnung ohne die Einbahnstraßen gemacht. Unser neuer Weg führt uns sogar noch einmal über die Plaza las Armas. Nach 20 Minuten fahren wir endlich wieder in den Tunnel ein. Vom Blendschutz keine Spur. Nun denn, ab auf die Ruta 5 Norte. Schnell steigt die Temperatur mit jedem Kilometer Richtung Meer. Die Autobahn wird steiler und schlechter, nach einer ersten Autobahnstunde ist ein ordentlicher Kaffee (Cortado aus der Maschine statt Nescafe) fällig. Als wir wieder starten, hängt an Siggis Ärmelklettverschluss etwas Komisches: der Blendschutz J. Er hat sich beim Abflug an dem Klett verfangen…

    Auf das Meer zu hängt eine dicke Nebelbank vor der Küstenkordilliere. Als wir dort eintauchen müssen, fällt die Temperatur wieder rapide auf unter 20 °C. Verdrehte Verhältnisse zu unseren europäischen Erfahrungen. Bei Los Vilos verlassen wir die Autobahn und fahren in die kleine Hafenstadt. Die Hauptstraße ist lebhaft und am Wasser gibt es einen schönen Park mit Bänken. Während Siggi im Supermarkt verschwindet, kommt eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn, keine 2 Jahre und möchte ihn auf dem Motorrad fotografieren. Ihr Sohn hätte uns vorbei fahren gesehen und wäre so begeistert. Na dann, volles Kinder-Bespaßungsprogramm: Blinken, Hupe, Motor an – hoffentlich ist Siggi bald mit dem Einkauf fertig.

    Von Los Vilos geht es entlang einer längst aufgegebenen Eisenbahnstrecke kontinuierlich steigend in die Berge. Mit jedem Meter steigt auch die Temperatur. Bald ist es 34° C. Die bekannt Vegetation wechselt zu Kakteen. Wenn in der Landschaft etwas grün ist, sind es riesige Rebanlagen, die sich selbst beschatten. Unter einer Tamariske finden wir etwas Schatten, der Wind geht, und so ist es erträglich für eine Rast. Wir haben noch eine Melone und genügend Wasser in den Camel-Bags.

    Unser Tagesziel ist die etwas größere Stadt Ovalle. Das Hostal Roxy sei das Beste am Platz. Es ist auch gleich gefunden. Es lieg mitten im Stadtkern , und hat so einen Buena Vista Social Club Charme der 50er Jahre. Die Zimmer liegen um einen riesigen Patio, den man durch einen Flur erreicht. Erst 2 Stufenhoch und dann dadurch darf auch das Motorrad. Die Koffer müssen schon auf der Straße runter, ein Keil für die zweite Stufe liegt schon bereit. Jetzt noch abwarten bis die Autos an der roten Ampel halten (das machen alle in Chile !!) eine Schleife über zwei Fahrspuren, mit Schwung über die Bordsteinkante und dann den Keil rauf in den Flur – passt!

    An der Plaza Las Armas finden wir ein schönes Restaurant und können beim Essen den EiskaffeePosern am Sonntagabend zusehen.

    Los Vilos und der erste Motorradnachwuchs auf unserem Mopped ...

    Auf in die Berge

    Stillgelegte Eisenbahnstrecke, vor allem zu Bergwerken, heute durch Buslinien ersetzt.

    Natürliche Zäune


    Das erste "Hotel" in Ovalle, der Innenhof =Patio



    Fortsetzung folgt später

    die elchin

    Die weiteren Teile des Reiseberichtes befinden sich unter den Nummern 7, 22, 29, 32, 39+40 (Altiplano) . Der Titel des Reiseberichtes läßt sich leider nicht mehr ändern.

  2. Registriert seit
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    Standard

    #2
    Zitat Zitat von elch Beitrag anzeigen
    ...


    Fortsetzung folgt später

    die elchin

    So - jetzt iss' aber später !

    Toll! Danke erstmal - bin auf mehr gespannt!

    Gruß
    Thomas

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    Standard

    #3
    Zitat Zitat von thomasL Beitrag anzeigen
    So - jetzt iss' aber später !

    Toll! Danke erstmal - bin auf mehr gespannt!

    Gruß
    Thomas

    Recht hat er!
    Schön bis dahin.
    Bin auch neugierig

  4. HvG
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    Standard

    #4
    und schon wieder Zwei ganz liebe nette Leute, die mir bestimmt viel darüber erzählen können, dass meine Planung auch Hand und Fuss hat...

    Siiiiiiiiiiiiiiiigggggggggggiiiiii weiter machen biiiittttttttscheeeeeeeeeeennnn


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    #5
    Zitat Zitat von HvG Beitrag anzeigen
    und schon wieder Zwei ganz liebe nette Leute, die mir bestimmt viel darüber erzählen können, dass meine Planung auch Hand und Fuss hat...

    Siiiiiiiiiiiiiiiigggggggggggiiiiii weiter machen biiiittttttttscheeeeeeeeeeennnn
    Hi Hubert,

    danke schön für diese liebe Reaktion. 2 ungeplante Aktionen haben mich davon abgehalten, weiterzumachen.

    Alle Fragen, die bis Ende des Berichtes noch offen sind, können wir dann gerne auch telefonisch oder persönlich klären

    Bis später.

    'in

  6. HvG
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    #6
    ich bin mir sicher, dass ich mir einige Informationen noch Persönlich von euch erzählen lasse

  7. Registriert seit
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    Standard 2. Teil: 2 Pässe

    #7
    Montag:
    Langsam wird es ernst, heute ist planmäßig Piste angesagt. Wir wollen das Hurtadotal hoch fahren, den Passo Tres Cruces queren und ins Elquital gelangen. Vorher brauchen wir noch Sprit und müssen aus der Stadt finden. Mehrmals verfahren wir uns, bis wir endlich im richtigen Tal unterwegs sind. Auch als der Asphalt aufhört, bleibt der Untergrund Vertrauen erweckend. Mit 50 – 60 kann man die meiste Zeit fahren. Nach Hurtado steigt dann die Strecke und verlässt das Tal. Mit jedem Kilometer wird die Stecke schlechter. So eine Mischung von Cirque de Jaffar und Jafferau, aber voll beladen. Letzte Kehre mit der Passhöhe vor Augen, aber es reicht nicht – die Q liegt. In 2000 m Höhe und bei über 30° alles abpacken, aufrichten, neu packen und Endspurt. Aber danach ist die Strapaze nicht zu Ende. Wir halten uns einige Zeit auf gleicher Höhe, dann geht es in steiler, sandreicher Abfahrt talwärts. Eine rötliche Erosionslandschaft mit spärlichem Bewuchs bildet das Umfeld. Erst kurz vor Vicuna tauchen die ersten Weinfelder auf. Riesige geometrische grüne Muster in rötlicher, sonst völlig bewuchsloser Landschaft. Unten führt uns der Weg erst mal in den kleinen Ort und dort, wie immer automatisch, an die Plaza las Armas. Im Supermercado kaufen wir etwas zum Essen und schon wird der erste Junge auf das Mopped zum Fotografieren gehoben.


    Nach der Stärkung fahren wir das Elqui Tal Richtung Pisco Elqui hoch. Bei einem kurzen Fotostop fliegt eine F 800 GS 30er Edition im vollen Touratech Upgrade an uns vorbei, um nach 1 Minute wieder bei uns zu stehen. Die Maschine ist in Bolivien zugelassen, von einem kanadischen Diplomaten mit Wurzeln in Frankreich. Wir tauschen uns eine Weile aus über das woher und wohin, fahren dann gemeinsam nach Pisco weiter zum Abendessen.


    Mit beiden Koffern dran klappt's nicht


    Eine der vielen Totengedenkstätten, diesmal mit chilenischer Flagge. Bei der defensiven Fahrweise der Chilenen können wir uns die große Anzahl gar nicht erklären. Vielleicht auch Fußgänger in der Dunkelheit bzw. auf der Autobahn. Im Hintergrund das vordere Hurtadotal.



    Der kleine Ort Hurtado


    Die Piste wird einspurig ...


    Blick zurück von der Paßhöhe auf die letzten Kurven



    Aus der Ferne grüßt das Observatorium Tololo vom höchsten Berg, das wir aber nicht besichtigten durften...



    in der scheinbaren Trostlosigkeit auf einmal fruchtbare, tiefgrüne Flecken: wieder ein Weinfeld ...


    aber es kann auch so aussehen ...



    selbst in der grellen Mittagssonne kommen die unterschiedlichen Farben der Berge noch durch



    Dienstag:


    Am nächsten Morgen sehen wir erst richtig, in welchem kleinen Paradies wir hier im „Tesoro Elqui“ wohnen dürfen. Alles ist wunderbar gestaltet und mit schönen Blumen angelegt. Ein Pool gehört dazu, und die Räume sind ebenfalls gemütlich eingerichtet. Das Frühstück ist klasse und wir beschließen, hier einen Erholungstag ein zu legen. Wir sprechen mit Klaus, der hier selber Endurotouren organisiert, über unser Reichweitenproblem am Paso San Francisco und nebenbei kommen wir auf den hiesigen Paso Agua Nera zu sprechen, den er uns wärmstens ans Herz legt. Kein Reichweitenproblem, eindrucksvolle Landschaft und einer der höchsten Pässe dieser Erde mit seinen 4770 m.


    Wir überlegen, studieren die Karte, trinken ein Glas vom guten einheimischen Merlot, fragen, ob unser Zimmer eine weitere Nacht frei ist, und beschließen zu bleiben. Und morgen früh zum Agua Negra Pass zu fahren.


    Teil des "Schatzes"...


    Im Ort Pisco Elqui


    Mittwoch, 21. Dezember,


    wir sind die Ersten beim Frühstück, das Moped steht schon auf der Straße und dann geht es erst mal nach Vicuna zum Tanken. 40 km in die „falsche“ Richtung. Der freundliche Tankwart - eigentlich sind hier alle Menschen freundlich und hilfsbereit - überlässt uns zwei 5-Liter-Kanister, die wohl mal Scheibenreiniger beinhaltet haben. Dann noch etwas Proviant einkaufen und schon ist es 11:00 Uhr. Jetzt wird es aber Zeit! Eine gute Stunde und 93 km später stehen wir beim chilenischen Zoll, werden schnell abgefertigt und gehen dann zu den Carabinieri; wir hinterlegen unsere Pässe und bekommen den Hinweis, dass um 17:00 Uhr Abfertigungsende ist. Bis 18:00 Uhr müssen wir spätestens zurück sein.

    Agua Negra, wir kommen! Direkt nach der Grenzabfertigung beginnen 73 km Schotter. Anfangs etwas zaghaft, nimmt von Kilometer zu Kilometer das Vertrauen in Reifen und Untergrund zu, so dass sich auf den guten Abschnitten Tempi von bis zu 80 km/h realisieren lassen. Die Landschaft gewinnt Kilometer um Kilometer an Großartigkeit. Schroffe, über hunderte Höhenmeter völlig glatte Felsabhänge wechseln mit riesigen Murmeln, Vulkanformationen, und dann wieder Geröllfeldern in unbeschreibbaren Dimensionen und wechselnden Farben ab.


    Wir klettern relativ leicht und ohne größere Probleme auf 3000, 4000 und schließlich über die 4500m Marke. In endlos langen Schleifen nähern wir uns der Passhöhe, Serpentinen kennen die Chilenen nicht. Es ist kurz vor 15:00 Uhr, dem Point of no Return, wenn wir rechtzeitig beim Zoll zurück sein wollen. Jetzt fährt in Sichtweite zum Pass noch die Schräddermaschine vor uns her. Aber beim Näherkommen macht der Fahrer bereitwillig Platz. Die folgende Strecke ist grob bearbeitet, aber noch nicht fertig. Ich bleibe mit dem linken Fuß an einem Kanister-großen Stein hängen, den ich eigentlich kaum wahrgenommen habe. Er knallt meinen Fuß mit einer Wucht gegen das Motorrad, dass ich zum ersten Mal den Ausdruck „Sterne sehen“ für mich nachvollziehen kann. Ich bringe das Mopped zum Stehen, balanciere auf dem rechten Fuß und gucke erst mal, ob der Fuß noch dran ist. Nach ein paar Sekunden Luft schnappen versuche ich ihn zu belasten – es geht sogar recht gut. Nur schnell aufs Mopped, bevor es schlimmer wird. Jetzt will ich auch auf dem Pass gestanden haben. Der Schmerz ist erträglich, der Fuß lässt sich bewegen und vor allem belasten. Sonst komme ich ja auch kaum auf die Maschine, und ca. 1/3 muss ich im Stehen fahren. Nicht auszudenken, wenn das anders ausgegangen wäre. Da wären die Kekse knapp geworden, bis der „Gelbe Engel“ uns hier raus geflogen hätte. Wir schaffen noch die letzten 3 km problemlos, knabbern unsere Gipfelkekse, machen Fotos und empfinden weder die Höhe von 4775 m laut Navi noch die Temperatur von 15° C im starken Wind als unerträglich.


    Nachdem wir die hier für den runterfahrenden Verkehr vorgesehenen Steilabfahrten genutzt haben, sind wir kurz nach 17:20 Uhr beim freundlichen Carabinieri und bekommen die Pässe schon ans Motorrad gebracht. Noch ein paar Meter weiter und dann wird erst mal eine Erholungspause eingelegt. Noch 120 km zurück bis Pisco Elqui, dann können wir uns das hervorragende Menü des Hauses gönnen. Wir sind glücklich über das tolle Erlebnis, nur schade, dass der Zeitrahmen so knapp bemessen war.


    Die ersten km hinter der Grenzstation



    alte Holzbrücken führen zu den wenigen Hütten von Hirten



    unter uns die Gegenspur für die schnelle Abfahrt


    und endlich ist der Stausee erreicht, der das ganze Tal zuverlässig mit Wasser versorgt. Siggi liebt grüne Seen



    Das Farbenspiel wird vom ersten Schnee gekrönt, oder eher der letzte


    Da heißt sogar ein Berg "cerro colorado" = bunter Berg



    unerwarteterweise gibt es auf mittlerweile 4000 m Höhe auf einmal Vegetation: tiefgelbe Gräser


    Auf der weiten Schleife die letzten Höhenmeter hoch...



    ... und geschafft ; trotz des Sabotageversuches



    Die letzten Reste an Schneefeldern stehen in diesen Eisnadeln direkt neben der Piste


    In dieser Kargheit freut sich das Auge über jede grüne und gelbe Stelle....
    Das Bild steht im übrigen nicht (oder nicht viel) schief, die Straße hat hier soviel Gefälle: der Berg im Hintergrund steht gerade !!


    die 3. Steilabfahrt vor uns ...




    Die nächste Fortsetzung kommt leider erst in der kommenden Woche...

    Viele Grüße

    die elchin

  8. Registriert seit
    16.05.2009
    Beiträge
    1.127

    Standard

    #8
    Hallo Elchin,

    kann es kaum erwarten...

    War vor 10 Jahren (nicht zweirädrig) auch in Chile unterwegs- die Fotos wecken super Erinnerungen in mir... muss ich noch mal auf 2 Rädern wiederholen

    Viele Grüße, Grafenwalder

  9. Registriert seit
    20.08.2011
    Beiträge
    768

    Standard

    #9
    Hallo Ihr beiden,
    wie man so liesst (übrigens voller Vorfreude)waren (leider) es für Euch unvergessliche Ferien . Die Bilder sagen da ja auch einiges aus ,Klasse !!!
    Ja und jetzt wieder der alte Alltag ,ja das wird schwer,ich weiss wovon ich da spreche .Ein Traum der nicht enden sollte !
    Ich freu mich für Euch beide .

    LG Ralph

  10. ArmerIrrer Gast

    Standard

    #10
    mpf, bitte keine weiteren Berichte und Bilder mehr. Ich finde das furchtbar den seelenfrieden störend sowas, geht gar nicht, nee, echt nicht...


 
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