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Eine Tour zum Gardasee mit einigen negativen Erlebnissen

Erstellt von GS Peter, 08.10.2006, 19:10 Uhr · 15 Antworten · 4.292 Aufrufe

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    Standard Eine Tour zum Gardasee mit einigen negativen Erlebnissen

    #1
    Hallo,

    Am Montag fuhren wir um 8 Uhr in Gemünden/Main los. Gegen 11 Uhr war das Oberjoch erreicht war, es ging über das Tannheimer Tal und Hahntennjoch weiter.

    Nachdem wir in Bschlabs Mittagspause machten, fuhren wir gegen 13.30 Uhr weiter in Richtung Imst. Etwa auf halber Höhe der südlichen Abfahrt desHahntennjochs kamen wir zu einem sehr schweren Unfall. Ein Harley V-Rod-Fahrer war ins Schleudern geraten und seitlich gegen die Felswand geprallt. Nachdem ein Teil unserer Gruppe die Unfallstelle absicherte, kümmerten wir uns um den Verletzten. Nachdem wir Atmung und Puls geprüft hatten, brachten wir den Verletzten in Seitenlage und versuchten ihn aus seiner Bewusslosigkeit aufzuwecken. Dies gelang leider nicht. Als die Atmung immer flacher wurde, nahmen wir, so wie im Erste-Hilfe-Kurs gelernt, den Helm ab um dem Verletzten ein leichteres Atmen zu ermöglichen. Doch er atmete plötzlich nicht mehr und der Puls war auch nicht mehr fühlbar. Umgehen begannen wir mit Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Nach ca. 20 Minuten wurde vom Hubschrauber ein Notarzt abgesetzt, der das Komando und den Hauptteil der Wiederbelebung übernahm. Als ein Rettungswagen ankam, wurden zwei meiner Begleiter noch als Halter der Infussion und Beinstütze gebraucht. Die Rettungsprofis versuchten weitere 45 Minuten den Verunfallten ins Leben zurück zu holen. Da auch dies keinen Erfolg hatte, wurde der Leichnam ca. eine Stunde nach dem Unfall zugedeckt.

    Für uns war dies die erste Erfahrung mit einem dermassen schweren Unfall. Hatten alle schwer an dem Erlebten zu kauen. Der Notarzt lobte uns für unser beherztes Eingreifen und bestädigte, dass wir alles absolut richtig gemacht haben. Dies war für uns beruhigend, da dies die Bestädigung war, dass wir nicht mehr machen konnten und der Tod von diesem XXXX aus Aalen nicht zu ändern war.

    Nach diesem schlechten Erlebnis gings noch, in deutlich reduziertem Tempo über die Pillerhöhe und den Reschenpass nach Trafoi zu Hugo ins Tannenheim. Hier buchten wir das Angebot "Aus-die-Maus" was einem ALL-Inclusiv entspricht und versuchten unsere trüben Gedanken mit etwas Alkohol zu verscheuchen.

    Am Dienstag begann währen unserem Frühstück der grosse Regen. Über das Stilfser Joch, den Gavia und Passo Tonale führen wir bei strömendem Regen nach Madonna di Campiglio. Kurz oberhalb des Gardasees hörte der Regen auf und wir kamen dann trocken im Hotel Monte Garngano an.

    Mittwoch mit Sack und Pack startklar, kam Manni und präsentierte uns einen Plattfuss am Hinterreifen. In Riva bekamen wir Ersatz in Form eines Anakee, der mit dem Pilot-Road-Vorderreifen gefahren werden darf. In der Nähe des Reifenhändlers fanden wir eine nette Pension wo unser Gepäck gebunkert wurde. Nachdem die Motorräder den Ballast los waren gings auf den Mt. Baldo. Herrliches Wetter und gute Fernsicht machten den Trip zu einem Erlebnis. Nach einem Einkehrschwung am Hafen in Malcesine gings wieder nach Riva. Kurz nach unserer Heimkehr begann ein schweres Gewitter und es schüttete über Stunden.

    Donnerstag fuhren wir über den Passo della Spina, den wir wegen der Muhre hin und zurück fuhren, zum Croce Domini. Als uns kurz vor der Passhöhe ein RT-Fahrer anhielt und von geschlossener Schneedecke am Gipfel berichtete, berieten wir, wie es weiter gehen soll. Wir entschieden uns, die Lage anzuschaun und entschieden uns den Schnee zu bezwingen. Eine wirklich unvernünftige und blöde Entscheidung. Da schon ein Auto gefahren war, wollten wir versuchen, im ca. 15 cm hohen Schnee, in den Spuren durch zu kommen. Doch nach ca. 1 km im Schnee haute es innerhalb von 50 m drei von uns vieren auf die Schnauze. Verletzte gab es wegen der geringen Geschwindigkeit keine, doch einiges an Material blieb auf der Strecke. Bei mir ein Blinkerglas und hinterer Fussrastenträger, bei Manni ein Zylinderschutz und bei Michael, an der 12er Bandit, der rechte Seitendeckel. Da ein kleines Loch im Seitendeckel für Ölverlust sorgte, versuchten wir den Schaden mit Kaugummi und Panzertape abzudichten, was auch relativ gut gelang. Spät, gegen 19 Uhr, kamen wir wieder in unserer Pension an.

    Freitag stand dann gezwungenermassen ein Besuch beim Suzuki- und BMW-Händler in Trento an. Die Teile für die GSen waren alle am Lager und wir wurden mit Werkzeug bestens an den Reparaturen unterstützt. Das Teil für die Suzi war nicht verfügbar und auch eine Reparatur mit Kaltmetall kam für den Händler nicht in betracht. Wir dichteten das Löchlein wieder, so gut es ging, ab und fuhren weiter über Gampen- und Jaufenpass nach Steinach am Brenner. Im Gasthof "Schützenhof" fanden wir gigantische Zimmer, superleckeres Essen und Unterstützung bei unserer weiteren Problembeseitigung.

    Samstag war das erste Ziel der Suzihändler in Innsbruck. Da dort der Motordeckel auch nicht vorrätig war telefonierte der Händler mit dem Suzihändler in Seefeld, wo das passende Teil im Lager liegen sollte. Um 10.30 Uhr trafen wir in Seefeld ein. Da der Deckel nicht passte, wurde der defekte Deckel mit Kaltmetall repariert und wir konnten um 13 Uhr, bei strömendem Regen, endlich nach Hause starten.


    Ihr seht, eine Tour, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird, war um 18.30 Uhr zu Ende.


    Hier noch ein paar Bilder.


    http://www.pixum.de/viewalbum/?id=2280300

    [EDIT] Ich denke Du wirst es mir nicht übel nehmen, dass ich den Namen des Opfers geXt habe. [/EDIT]

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    #2
    Hallo
    Peter

    Es ist traurig das der Biker trotz Eurer Bemühungen verstarb.Ich glaube für mich währe die Tour gelaufen.
    Ich glaube das einem die Gefahr des Motorrad Fahrens dann erst bewusst wird.
    Trotz allem habt Ihr ja doch noch eine schöne Tour mit tollen Bildern gehabt.

    Gruß
    Schneuzer

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    #3
    Hallo Peter,

    das war bestimmt kein schönes Erlebnis und ich hätte die Tour abgebrochen. Ich hätte mich nicht mehr auf den rest der Tour freuen können. Meine Gedanken wären ständig bei dem Unfall. Aber die Bilder die ihr gemacht habt sind echt gut.

    Gruß Chris

  4. Registriert seit
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    #4
    Hallo Schneuzer und Chris,

    das Weiterfahren hat uns, wie jeder bestätigt hat, sehr viel mehr geholfen, als abzubrechen und zuhause den trüben Gedanken nachhängen. Sogar mein Sohn (17) hat nach ausführlichen Gesprächen mit dem Erlebten keine Probleme mehr.

    Jeder verarbeitet solche Eindrücke anders und für uns war diese Entscheidung die einzig richtige.

  5. Registriert seit
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    #5
    Hallo Peter,

    Du hast wahrscheinlich recht, das man so die erlebten Dinge besser verarbeitet, als wenn man im stillen Kämmerchen den Gedanken hinterher hängt.

    Gruß Chris

  6. Registriert seit
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    #6
    Hallo Peter,

    schon heftig diese Erfahrung.


    Aber schöne Bilder hast Du gemacht. Ich sehe wir bevorzugen das gleiche Revier.

  7. Registriert seit
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    #7
    Das mit dem Unfall ist wirklich tragisch...
    Und bei Tour zum Gardasee & Schnee klingelöts bei mir auch, scheint irgendwie zusammen zu gehören. Dieses Erlebnis hatte ich im März ja auch schon:
    Bei Sonne, Nebel, Regen und Schnee zum Gardasee
    Damals aber auf dem Jaufenpass, wo ich auch kurz vor der Passhöhe umdrehen musste, weil nichts mehr ging (ausser Stürze).
    Bei mir warens dann aber gottseidank nur ein paar Kratzer im Zylinderkopfdeckel.

    Allzeit gute Fahrt!

    Sebastian

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    Blinzeln

    #8
    Da hatten wir über den 3ten Oktober ja noch richtig Glück mit dem Wetter in den Dolomiten und gottseidank kein schwerer Unfall.
    Trotzdem eine schöne Reise mit tollen Bildern.
    Gruß Georg

  9. Registriert seit
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    #9
    Hallo,

    wollte Euch nur kurz für die vielen guten Ratschläge danken.

    Als ich den Bericht, speziell den Montag, schrieb, lief die Geschichte minutiös vor meinem inneren Auge ab. Das Aufschreiben tat mir schon ziemlich gut. Die Ratschläge, das Mitgefühl und wiederholtes Lesen meiner Zeilen haben sehr geholfen.

    Denke inzwischen, dass das Erlebte für uns und auch für meinen Sohn, ein Fingerzeig waren, wie schnell es gehen kann und dass man sich nicht nur auf den Schutzengel verlassen sollte, sondern an den Gefahren auch selbst beteiligt ist. Werde in Zukunft bestimmt mit offeneren Augen durch die Gegend fahren.


    Grüsse,

    Peter (MSP)

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    Standard

    #10
    Schlimme Sache... sowas geht mir sogar beim Lesen nahe. Wenigstens gut zu wissen, dass Ihr da wart und alles mögliche getan habt. Ich möchte nicht in Eurer Haut gesteckt haben...

    Eine Frage an die Schneeerfahrenen. Peter schreibt "Kein Durchkommen mit dem Road Attack", wäre denn da mit z.B. mit dem TKC ein Durchkommen gewesen???


 
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