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Reisebericht Marokko Mai 2010: für Noch-Nicht-Marokko-Fahrer + am Ende für alte Hasen

Erstellt von elch, 29.05.2010, 22:28 Uhr · 27 Antworten · 6.750 Aufrufe

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    Standard Reisebericht Marokko Mai 2010: für Noch-Nicht-Marokko-Fahrer + am Ende für alte Hasen

    #1
    Nachdem wir hier überraschend Anfragen wegen Reisebericht erhalten haben, habe ich mich schließlich zu meinem Erstlingswerk hingesetzt: exemplarische 36 Stunden incl. unserem persönlichen Highlight auf dem Weg von Fes nach Midelt auf einer Nebenstrecke durch den Mittleren Atlas.

    Kurze Vorstellung von uns für Fremde:

    der große elch auf der 1100 GS fährt erst seit 7 Jahren Motorrad und liebt Herausforderungen, seine Sozia elchin hat keinen Moppedschein, und dann gibt es noch den kleinen elch mit seinen 20,5 Jahren und schon 28.000 km auf der geerbten F 650. Und beide haben sich vorher noch in Hechlingen fit machen lassen.

    Aufgewacht auf dem schönen Campingplatz „Diamant Vert“ bei 5 °C Morgentemperatur. Wie kann denn Marokko im Mai so kühl sein? Dieses Phänomen begleitete uns den ganzen Urlaub und ist bestimmt nicht nur mit den großen Höhen zu erklären. Aber gegen Kälte kann man sich ja leichter wappnen als gegen zu große Hitze und zum Ausgleich bekamen wir klare Luft und schöne Aussichten.

    Nach dem Abbauen zum besten Frühstück der Tour: anders als bei unseren früheren Wohnmobiltouren, wo wir uns immer selber versorgten, lassen wir uns mit dem Mopped auf die Versorgung vor Ort ein und haben dies in Marokko mit vielen schönen Erlebnissen nirgends bereut. Immer anders zusammengestellte Frühstücke, tagsüber Kleinigkeiten und abends die ortsüblichen 3-Gänge-Menüs mit typisch marok. Gerichten (die wir besser fanden als die Kombination aus westlichem Essen mit marok. Accessoires auf unserer organisierten Erkundungstour).
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    Standard Teil 2

    #2
    Endlich los! Nein, die Mägen und die Moppeds wollen noch versorgt werden. In der Nähe gibt es einen Hypermarché Marjane, den wir unbedingt inspizieren müssen. Innenleben genau wie in Frankreich, incl. der Preise. Aber die Bevölkerung verdient doch nicht annähernd unser Niveau!?! Aber es existieren diverse. Ansonsten haben wir immer die kleinen Läden besucht. Und bei den geringen Beträgen nie das Gefühl gehabt, sie haben auch nur 1 Dirham Touristenaufschlag rein gemogelt.

    die elchin
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    Standard Teil 3

    #3
    Jetzt aber endlich los! Nach Fes steigt die gute Straße schnell an in die Bergwelt über 1200 m mit Korkeichen, Zedern, tollen Ausblicken und selten Dörfen. Aber einsam?!? Einsam ist man in Marokko nie. Tagsüber leben die Marokkaner ihre statistische Einwohnerzahl pro qkm tatsächlich in der Fläche: die jungen und alten Hirten, die man häufig erst auf den 2. Blick sieht; die Kinder auf ihren langen Fußwegen zur Schule; die unbeschäftigten Männer, die ja nicht im Haus bleiben dürfen; die Verkäufer, die auch an entlegenen Stellen ihre Waren anbieten; die Kinder, die aus den Häusern angelaufen kommen für das Spiel, ein Bonbon, Kugelschreiber oder Münze zu erbetteln. Aber aufdringlich waren nur bekanntermaßen die Steineverkäufer am Tizi n Tichka.


    die elchin
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    Standard Teil 4

    #4
    In Azrou treffen wir erst einmal auf die „alte Welt“ mit unbefestigter Straße, alten Autos und geordnetem Chaos, bis wir auf den modern angelegten zentralen Platz finden und dort unser Mittagspicknick machen. Der café au lait bzw. Cola zum Dessert danach in einem Café darf natürlich nicht fehlen. Ich bin immer die einzige anwesende Frau!

    Aber es ist schon halb 3 Uhr , als wir Richtung Ain Leuh auf die Nebenstrecke abbiegen. Die Highlights unserer vielen Fotostopps davon sind bereits im Fotothread eingestellt. Trotz vorbereiteter Navigation fahren wir einmal geradeaus in eine Sackgasse, was sich aber erst 30 km später herausstellt. So steht die Sonne schon bedenklich tief (aber super Fotoatmosphäre), als wir an einer Gabelung nach der Straße nach Itzer fragen müssen. Mehrere Leute wollen uns zurück nach Azrou oder aber Richtung Westen nach Khenifra schicken, bis schließlich klar wird: trotz weißer Linie in unserer Karte geht es ab hier auf einer Piste weiter !! Noch 80 km !!

    die elchin
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    Standard Teil 5

    #5
    Die Piste ist nicht immer in gutem Zustand, viele Kurven reduzieren zusätzlich die Durchschnittsgeschwindigkeit. Aber als hinter einer Kurve zum ersten Mal der schneebedeckte Hohe Atlas vor uns lag, ist doch wieder ein richtiger Fotostopp angesagt. Dort wäre zwar ein ebener Platz zum Zelten, aber kein Wasser. Also weiter !! Ca. 20 Kurven und einen Beinahe-Sturz später stehen auf einmal Moppeds und Spanier auf und unterhalb der Trasse an einem Haus. Sie haben absolut dasselbe erlebt wie wir, hatten aber die Erfahrung, dieses Haus als eine Schule zu identifizieren und bereits mit den Lehrern abgeklärt, dass sie dort über Nacht bleiben können.


    die elchin
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    Standard

    #6
    Also werden die Schultische noch etwas enger zusammengeschoben, damit unsere 2 Moppeds auch noch dort über Nacht eingeschlossen werden können. Die Lehrer stammen nicht aus dem Ort, dessen Häuser lose in der Umgebung verteilt und kaum zu erkennen sind und weder Strom noch fließendes Wasser besitzen. Sie kommen aus Khenifra bzw. Azrou tageweise dorthin, abgeordnet, damit die Kinder überhaupt ein paar Jahre Schule erhalten. Eine Lehrerin hat ein ca. 8 qm großes Nebenzimmer + separate Küche zu ihrer Verfügung, in dem schließlich die 5 Spanier übernachten. Wir werden erst einmal -gefühlt mit sämtlichen vorhandenen Lebensmitteln- königlich bewirtet: mit mildem Minztee, mit Brot, Käse und einem speziellen Aufstrich, einer Suppe und Milchreis. Und wir sind so sehr Ereignis des Tages, dass 2 Bekannte nach anderthalb Stunden Marsch durch die Dunkelheit dort auftauchen, nur um „Guten Tag“ zu sagen.


    die elchin
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    Standard Teil 7

    #7
    Meine beiden Männer verschwinden dann mit dem Lehrer zu dessen angemietetem Quartier irgendwo hoch am Berg. Und die Lehrerin nimmt mich mit ins Haus einer 2. Lehrerin. In beiden Fällen wird dann noch einmal ein richtiges Abendessen für uns gekocht und dabei auf französisch lange über die Situation dort erzählt und über Religion + andere Themen philosophiert.

    Diese Gastfreundschaft ist ihnen so selbstverständlich, dass sie richtig sauer auf die Spanier waren, die für die Übernachtung bezahlen wollten. Wir haben ihnen am nächsten Tag erst einmal Dinge wie ein kleines Schweizer Messer, Buntstifte für die Kinder, Schokolade für die Versorgung und weitere Kleinigkeiten geschenkt sowie die Zusage, ihnen ein Paket mit bebilderten Sachbücher und Fotos zu schicken.


    die elchin
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    Standard Teil 8

    #8
    Der nächste Morgen zeigt uns dann erst einmal unsere Umgebung, und nach gutem Frühstück und herzlichem Abschied fahren wir in Ruhe die Piste durch die abwechslungsreiche Landschaft weiter.


    Irgendwann holen wir 2 Jugendliche auf ihren Mauleseln ein, und zu unserer Verblüffung ziehen DIE Handys raus, um UNS zu fotografieren !! Solche Kontraste sind uns immer wieder begegnet.


    2 Minuten später halfen sie uns, die große Maschine aus dem Matsch wieder aufzurichten. Ich war halt sicherheitshalber abgestiegen, und damit hatte der elch nicht genügend Schwung, bis es ernst wurde.

    Und die nächste Begegnung: 2 Reiseradler! Natürlich Holländer, die wenige km zurück am Fluss gezeltet hatten. Sie bereisen seit 13 Jahren Marokko auf diese Weise. Motorradfahrer haben wir erstaunlich selten getroffen, max. an 10 Stellen auf der ganzen Tour.



    die elchin
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    Standard Ende

    #9
    In gut 2.300 m Höhe überqueren wir schließlich den letzten Scheitel und haben kurz danach die riesige Hochebene vor dem Hohen Atlas vor uns, mit eingelegten Tafelbergen darin. Die mittlerweile bessere Piste geht in ein schmales Asphaltband über und zur Mittagszeit haben wir das lang ersehnte Ziel Itzer erreicht. Von dort war es in Relation fast langweilig nach Midelt, dem Ausgangsort für den Cirque de Jaffar.


    Ich hatte vorher unvorsichtigerweise gesagt, aufgrund der intensiven Vorbereitung für diesen Urlaub (auch mit Bildern aus google earth und anderen Reiseberichten) haben wir ja schon fast alles gesehen. Heute sage ich: das Abenteuer wartete hinter jeder Kurve. In Form von neuen Ausblicken, unerwarteten Begegnungen, Baustellen für bessere Straßen oder Brücken und und und.

    Ob ich noch einmal hinfahre? JEIN. Die Erlebnisse haben neue Maßstäbe gesetzt und ich habe Angst, beim nächsten Mal enttäuscht zu werden. Aber Marokko hat mich ja schon einmal positiv überrascht.

    die elchin
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  10. Pouakai Gast

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    #10
    Sehr gut. Ich habe eure Bilder & Berichte hier und in anderen Threads verfolgt. Muss mich wiederholen... Sehr gut! Freut mich, dass der Urlaub für euch so toll war. Wünsche euch noch viele solcher Urlaube. Und wenn ihr Angst habt, das der nächste Marokkobesuch euch enttäuschen könnte, dann versucht es doch mal mit Ägypten.


 
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