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Reisebericht Rumänien

Erstellt von Schorsch, 12.01.2008, 10:38 Uhr · 19 Antworten · 8.914 Aufrufe

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    Standard Reisebericht Rumänien

    #1
    Hallo zusammen,
    um die "bikefreie" Zeit etwas zu verkürzen, hier ein kleiner Bericht unserer letztjährigen Tour.
    __________________________________________________ _______

    Rumänien-Tour 2007
    (26.05.2007 – 03.06.2007)
    von Christiane (BMW R1200GS) und Georg (BMW R1200GS Adventure).

    Was? Nach Rumääääänien? Mit dem Motorrad? Ihr spinnt doch!
    Das bekamen wir so ziemlich von jedem zu hören, dem wir von unserem Vorhaben erzählten
    Vor etwa 3 Jahren waren wir schon einmal in Rumänien – 1 Woche Offroad. Damals erfolgte die Anreise allerdings per Van und die leichten Endouros (Husky und KTM) waren hinten drin. Dies mal sollte die Reise aber mit unseren Kühen von Deutschland aus erfolgen und wir wollten das Land mal „Onroad“ erkunden.

    Samstag 26.05.:
    Um 10:00 Uhr fahren wir in Dachau ab. Die Sonne lacht. Wir wollten eigentlich schon früher, aber wie das eben so ist, muss dieses und jenes noch eingepackt werden, Pflanzen versorgt werden etc.
    Heute steht uns ein reiner Autobahn-Tag bevor. Richtung Deggendorf, Passau, Wien.
    Beide Maschinen sind mit Cruis-Control ausgestattet und verfügen über die MIP-200 Funkanlage von Conrad. Über diese Anlage ist der MP3-Player angeschlossen. Mit „AC/DC“ und „Queen“ im Ohr ist dieses eintönige Dahinschleichen in Österreich etwas erträglicher.
    Nach der ungarischen Grenze geht es zügig weiter bis Budapest. Unser Ziel ist Gyöngyös, etwa 75 km hinter (ostwärts) Budapest, damit die Etappe am nächsten Tag nicht zu lang wird. Durch Budapest kommen wir gut voran und Dank einer guten Beschilderung verfahren wir uns auch nicht.
    Eine gut ausgebaute Straße führt in die richtige Richtung. Vor uns verdunkelt sich der Himmel bedrohlich. Dann krachen Blitze zu Boden und wir müssen genau darauf zu fahren. Etwas mulmig wird einem schon dabei.
    Gegen 21:00 Uhr erreichen wir unseren Zielort für diesen Tag. Nun geht die Zimmersuche los. Es regnet in Strömen. Ewig irren wir durch die Kleinstadt auf der Suche nach einer Pension, die uns von mehreren Passanten empfohlen wurde. Durch puren Zufall finden wir die Pension dann auch, nachdem wir mindesten 3 mal daran vorbei gefahren waren (F***). Die Bäume vor dem Haus verdeckten die Sicht auf die Beschriftung. Die Motorräder konnten im Innenhof abgestellt werden, der über Nacht verschlossen war.
    Wir lassen uns noch ein riesiges Schnitzel schmecken, bevor wir unsere müden Knochen in den 2. Stock schleppen. Wir hätten besser noch ein Bierchen mehr gezischt, ein Unwetter war direkt über uns und wir hatten sozusagen einen Panoramablick unter dem Dachfenster :-( Die Übernachtung mit Frühstück kostete ca. 20,00 EUR/Pers. Zahlung war nur in bar möglich, der Blitz hatte eingeschlagen (!) und die Leitung war tot.
    Fahrstrecke: 850 km.

    Sonntag 27.05.:

    Vor uns liegen 550 km unbekannte Landstraße!
    Ungarn ist hier so flach wie ne Flunder. Gegen Mittag erreichen wir die rumänische Grenze kurz vor Satu Mare. Der Grenzübertritt ist absolut problemlos. In Satu Mare versorgen wir uns mit Bargeld an einem Bankautomaten, damit wir in Landeswährung bezahlen können.
    Danach suchen wir nach einer kleinen Straße, die nach Baia Mare führt. Vor mir fährt ein Radfahrer. Ich klappe meinen Helm hoch, fahre neben ihm her und rufe ihm zu: „scusatz“, woraufhin er beinahe vor Schreck von seinem Fahrrad viel. „unde jeste drumul pine la Baia Mare“ (wo ist der Weg nach Baia Mare). Mein mit Hilfe eines Wörterbuches auswendig gelernter Satz schien verstanden worden zu sein. Äußerst freundlich kam die Antwort: „ trei suta metru inainte“ (300 Meter zurück). Wir fahren zurück und finden die Straße abermals nicht. Christiane versucht es auch nach dem Weg zu fragen. Auf englisch. Der Mann meinte „sprechen Sie Deutsch?“, woraufhin wir auch eine exakte Wegbeschreibung erhielten und den Abzweig trotz fehlendem Wegweiser auch tatsächlich gefunden haben.

    Über Baia Mare fahren wir die sehr schöne Strecke Richtung Dej. Die Landschaft ist traumhaft schön. Alles ist in einem saftigen Grün getränkt.




    Nach zwei Kafea Mare (schmeckt wie doppelter Espresso) montiere ich die Fingerkamera am Sturzbügel.
    Extra hierfür habe ich eine Zusatzsteckdose eingebaut, was sich als ziemliches Gelumpe erwies. Der Stecker fand keinen festen Halt in der Dose und führte zu Aussetzern bei den Aufnahmen. Kurzerhand habe ich die Kamera an die Bordnetzdose angeschlossen. Ab hier mussten wir deshalb auf Funk verzichten.
    Die Menschen sind freundlich, Kinder winken uns zu. Auf den Straßen ist vom Pferdefuhrwerk bis zur Luxuskarosse alles vertreten. Kurz vor unserem Tagesziel Bistrita verdunkelt sich schon wieder der Himmel. Wieder dort, wo wir eigentlich hin müssen. Bevor es zu regnen beginnt, erreichen wir unser Hotel. Für 20 LEI (ca. 6 EUR) verspricht uns ein Hotelangestellter die Maschinen „im Auge“ zu behalten.


    Montag 28.05.:
    Ruhetag.
    Vor dem Frühstück checke ich, ob die Motorräder noch da sind – alles im grünen Bereich.
    Wir machen einen Stadtbummel in Bistrita und fahren am Nachmittag in der näheren Umgebung spazieren. Auch hier begeistert uns die schöne Landschaft.


    (Fortsetzung folgt)

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    #2
    Dienstag 29.05.:
    Nach dem Frühstück fahren wir gegen 09:30 Uhr in Richtung Vatra Dornei. Die Sonne strahlt vom Himmel, keine Wolke zu sehen. Nach wenigen Kilometern, sind wir froh auf unseren GS Motorrädern unterwegs zu sein. Alle paar Kilometer wird die Straße aufgerissen und erneuert (dem EU-Beitritt sei Dank). Kilometerweit geht’s auf Schotter weiter, dann wieder Asphalt und wieder Schotter :-) Das „Dracula“-Schloss (eines steht hier und eines in Bran) sehen wir uns nur kurz von außen an. Bei Vatra Dornei folgen wir dem Fluss Bistrita in Richtung Bicaz. Die Straße schlängelt sich entlang des Flusses.



    Es ist Mittag. Viele Schulkinder befinden sich auf dem Nachhauseweg und winken uns zu. Erneut fahren wir Gewitterwolken entgegen oder folgen wir denen? Keine Ahnung. Es beginnt heftig zu regnen und wir stellen uns in einem Straßenkaffee unter.



    Die Betreiberin löffelt gerade ihre Suppe, springt aber sofort auf, um uns zu bedienen. Wieder zahlt es sich aus, dass ich einige Sätze auf Rumänisch auswendig gelernt habe. Zumindest stellt das Bestellen von Kaffee (das Wichtigste) kein Problem dar.
    Nach ca. 1,5 Std. und 6 Tassen Kaffee kann es bei leichterem Regen endlich weiter gehen.
    Wird auch Zeit, der Kaffee drängte wieder nach draußen! Ich muss lachen, als ich den Blick von Christiane sehe, nachdem sie das draußen befindliche Plums-Klo besichtigt hatte und meinte: „Lass uns weiterfahren, bis ich mich in die Büsche schlagen kann, da würdest Du nicht mal im Stehen pinkeln!“ Aber die Strafe folgte auf dem Fuß, äh LKW... wir erhalten eine ungewollte Dusche, als uns ein mit Baumstämmen beladener Tieflader innerorts mit ca. 80 km/h auf der überschwemmten Fahrbahn entgegendonnerte. Etliche hundert Liter verschmutztes Regenwasser ergossen sich über uns. Für Sekunden keine Sicht mehr. Wieder mache ich mir vor Lachen fast in die Hosen, Christianes Visier war nicht ganz zu :-)
    Um uns von dem Schreck kurz zu erholen und den Kaffee wieder los zu werden, hielten wir an. Kaum 5 Minuten danach trafen 2 GS-Fahrer aus Österreich zu uns und kurz darauf ein GS-Fahrer aus der bayerischen Heimat.

    Das war ein tolles Bild. In den tiefsten Karpaten stehen 5 GS-Maschinen am Straßenrand (was wohl eindeutig beweist, welche Maschine für solche Touren bevorzugt wird ).


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    #3
    Der Bayer kam gerade aus Griechenland über Bulgarien und wollte noch einen „Abstecher“ in die Ukraine machen. Neid!
    Trotz des immer wieder einsetzenden Regens kommen wir recht gut voran. Nachdem wir einen Stausee umfahren haben (die Straße über den Staudamm wird gerade - was sonst - erneuert), erreichten wir die Bicaz-Klamm (Cheile Bicazului).


    Imposante Felsen ragen steil in den Himmel. Dazwischen schlängelt sich die Straße hindurch. Schade das es regnet, hier hätten wir gerne einige Fotos mehr gemacht.


    Am kurz darauf folgenden Lacul Rosu machen wir aufgrund des schlechten Wetters keinen größeren Stopp. Ein kurzer Blick muss genügen.

    Lacul Rosu, der rote See entstand anno 1838 durch einen Erdrutsch wodurch sich mehrere Gebirgsbäche stauten. Der ursprünglich dort vorhandene Wald wurde geflutet. Die Baumstämme (konserviert durch Sauerstoffentzug und stark mineralhaltiges Wasser) ragen heute noch aus dem Wasser. Der See schimmert leicht rötlich; daher der Name.

    Endlich gibt es mal wieder eine Regenpause.


    Nachdem wir Gheorghenie erreicht hatten, wird das Wetter endlich besser. Eine neu geteerte Straße führte uns in Richtung Praid. Wir „müssen“ einen kleinen Pass hinauf fahren, auf dem sich ein kleines Skigebiet befindet. In einer von Mutter und Sohn betriebenen Skihütten-Siedlung finden wir für diese Nacht ein Quartier – wir sind zu dieser Jahreszeit die einzigen Gäste.
    Schnell wird der Holzofen für uns eingeheizt, danach gibt es wieder ein leckeres Essen und ein oder zwei Verdauungsschnäpse.
    Wir haben auf der Tour unsere Mini-Schlafsäcke dabei, die heute zum Einsatz kommen (in die vorhandenen Decken wollten wir uns dann doch nicht einmümmeln).


    Seltsame Geräusche bereiten uns etwas Sorgen in der Nacht. Es hörte sich an wie ein Rudel Wölfe, das um unsere Hütte schleicht. Vorsorglich vergewissere ich mich noch, ob auch wirklich alle Fenster verschlossen sind.

  4. Registriert seit
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    Standard Rumänien

    #4
    Hallo Schorsch

    Das sieht ja alles toll aus. Scheint ja eine Reise wert zu sein. In den Ländern frage ich mich immer ob ich meine Q wieder mit nach Hause nehmen kann oder ob sie ein Einheimischer besser gebrauchen kann.

    Gruß Manfred

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    #5
    Mittwoch 30.05.:

    Zum Frühstück gibt es normalerweise Würstchen mit Ei. Da wir allerdings ein „süßes“ Frühstück bevorzugen, organisierte die Mutter aus ihrem privaten Kühlschrank etwas Margarine und selbst gemachte Marmelade, dazu ein ganzes Brot. Der Kaffee war so stark, dass fast der Löffel von selbst drin stehen blieb. Danach war der Kreislauf so richtig auf Hochtouren. Auf die Geräusche der Nacht angesprochen, erklärte uns der Sohn des Hauses, dass es sich nicht um Wölfe, sondern um wilde Hunde handelte, die bei Dunkelheit die Abfalleimer des Dorfes durchwühlten. Ein echter Wolf würde in dieser Gegend niemals so nahe an eine Siedlung herankommen. Wir bezahlen 50 Lei ( 15,62 EUR) für die Übernachtung mit Frühstück und zwar für uns beide zusammen!
    Frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Es ist bewölkt, aber kein Regen.
    Nach Praid folgen wir der Straße Richtung Odorheiu Secuiesc. Tolle Landschaft, tolle Straße, um es kurz zu beschreiben. Der nächste Stopp heißt Sighisorara (Schäßburg).
    Eine schöne kleine Stadt (gegründet von deutschen Siedlern), die an diesem Tag von Reisebussen belagert war. Kaum haben wir den Motor abgestellt, steht schon jemand da und kassiert die Parkgebühr (1 LEI ca. 30 Cent pro Stunde). Wir bekommen hier echten italienischen Cappuccino, von dem wir uns gleich zwei gönnen, bevor es zu unserem nächstes Ziel weiter geht: Biertan (Bierthälm).


    Vor der alten Wehrkirche gönnen wir uns ein kleine Pause.

    Die terrassenartigen Hügel in dieser Umgebung faszinieren uns. Ob man hier wohl früher Wein angebaut hat? Anbieten würde es sich, jedoch konnten wir keine Anpflanzungen an den Hügeln erkennen. Nur sattes, grünes Gras.


    Nach einem kurzen Abstecher zu dem Ort Agnita (Agnetheln) ging es ein kurzes Stück zurück und über Nocrich nach Sibiu (Hermannstadt). Über Internet haben wir uns eine Pension ausgesucht. Ein Autofahrer, den wir nach dem Weg fragten, schenkte uns aus Zeitmangel den Weg zu erklären, seinen Stadtplan, womit wir dann auch tatsächlich unser Ziel erreichten. Die Pension war leider etwas weit vom Zentrum entfernt, so dass unser Fußmarsch dorthin sich etwas in die Länge zog - Wandern war eigentlich nicht eingeplant. Das Stadtzentrum ist wunderschön renoviert und da Sibiu 2007 Kulturhauptstadt Europas ist, war hier einiges geboten. Auf dem Piata Mare (großer Platz), der locker mit dem Marienplatz in München mithalten kann, waren mehrere Bühnen aufgebaut, überall spielten Bands – tolle Stimmung, einfach super!


    Piata Mare am Morgen

    Die Menschen geben sich modern. Auch die Preise sind moderner als anderswo
    Die Kaffees servieren Segafredo oder Alfredo Kaffee aus Italien.

    Donnerstag 31.05.:

    Unsere Pension bot kein Frühstück an ( kostete ca. 33 EUR für das Zimmer), so dass wir mit unseren Maschinen in die Innenstadt fuhren, um am Piata Mica bei vorzüglichem Cappuccino und vom Bäcker gegenüber gekaufte Croissants ein leckeres Frühstück zu genießen.


    Heute haben wir uns die Transfagarasan Höhenstraße vorgenommen. Zunächst müssen wir Richtung Brasov (Kronstadt). Die Straße wird ....genau... aufgerissen und erneuert. Nach ca. 30 km biegen wir rechts ab Richtung Transfagarasan. Die Straße wurde zwischen 1970 und 1974 auf Anordnung von Diktator Ceausescu gebaut. Sie sollte als Militärstraße dienen und eine schnelle Überquerung der Berge ermöglichen. Hauptsächlich Soldaten mussten diese Straße bauen. Über 6 Millionen Kilogramm Dynamit wurden an der Nordseite benötigt. Etwa 40 Soldaten kamen bei Arbeitsunfällen ums Leben. Die Transfagarasan gilt als die spektakulärste Straße in Rumänien. Sie windet sich von Nord nach Süd zwischen dem höchsten Gipfel (Moldovenau) und dem zweithöchsten Gipfel (Negoiu) der rumänischen Karpaten bis auf 2.034 Höhenmeter.


    Üblicherweise ist die Straße von Ende Oktober bis Ende Juni gesperrt und tatsächlich, kurz nachdem wir von der Hauptstraße abgebogen waren, prangert ein Schild am Straßenrand mit dem Hinweis, dass die Straße ab einem bestimmten Punkt gesperrt sei. Wir wollen es trotzdem versuchen, schließlich kann man sich mit einem Motorrad an so manchen Sperren vorbeimogeln.


    Die Gipfel sind in Wolken gehüllt.


    Die Strecke beginnt gut mit schönen, langgezogenen Kurven, die zunehmend immer enger wurden. Die Sicht wird schlechter. Der Nebel beschlägt am Visier, mein Thermometer zeigt 8 Grad an (vor 20 Minuten waren es noch über 20 Grad) und wir sind noch nicht mal auf halbem Weg oben.

    Plötzlich versperrt ein Steinschlag die halbe Straße.

    Wir beschließen kurz zu halten.
    In diesem Moment begegnen uns zwei serbische Motorradfahrer. Sie kommen von oben. Freude breitet sich bei uns aus, denn das bedeutet man kann über den Pass fahren.


    Zu früh gefreut! Die Beiden haben ebenfalls versucht aus gleicher Richtung wie wir den Pass zu bezwingen. Sie berichten uns aufgeregt von 2 Meter hohem Schnee, durch den eine schmale Fahrspur gefräst wurde, Glatteis und am Ende der Fahrspur von einem querstehenden Schneeräum-Bagger. Einer von ihnen sei auf dem Eis gestürzt. Danach haben sie lieber Kehrt gemacht. Sie gaben uns noch den Rat uns die Zeit zu sparen und gleich umzudrehen. Zuvor gab's aber erst noch ein Foto mit Christiane, eine Bikerin ist in Serbien noch was Besonderes :-)
    Wir wollten trotzdem noch ein Stück weiter hoch. Nach kurzer Zeit war aufgrund der schlechten Sicht nur noch Schritt-Tempo möglich. Die Sichtweite sank unter 10 Meter. Durch den dichten Nebel konnten wir den Straßenrand nicht mehr erkennen, schemenhaft sahen wir aufgetürmte Schneehaufen - O.K. genug. Die Strecke ist uns vollkommen unbekannt, also machten wir lieber kehrt. Transfagarasan wir kommen wieder! Dich bezwingen wir auch noch.


    Während der Abfahrt treffen wir noch auf eine Gruppe aus Ungarn, darunter zwei LT´s mit Vollausstattung. Der Herr vor meiner Adventure konnte gar nicht genug Informationen über meine Fingerkamera bekommen ;-)


    Hier wurde die erste Änderung der geplante Route notwendig.
    Wir fuhren wieder Zurück in Richtung Sibiu und folgten der Hauptverkehrsstraße Richtung Pitesti. Wären da nicht tausende von LKW unterwegs, würde die Straße richtig Spaß machen. Bei Brezoi verlassen wir endlich die Hauptstraße und befinden uns auf einer schönen, glatt geteerten und schlaglochfreien Straße. Hinter dem Ort Voineasa fängt es wieder an zu regnen und der Straßenbelag wird immer schlechter bis man von Straßenbelag gar nicht mehr sprechen kann. Mein Visier (Schuberth C2) wird von innen nass obwohl geschlossen. Fast im Blindflug fahren wir einige Kehren auf unbefestigter, nasser Straße hoch. Uns fällt auf, dass wir den letzten Menschen vor etwa einer Stunde gesehen haben. Der Regen hört auf, kurze Pause im Wald. Ein LKW, voll beladen mit Holzstämmen quält sich die mittlerweile zum Forstweg gewordene Straße entlang. Sind wir hier richtig? Wir fahren an abgeholzten Berghängen vorbei. Wenn man so etwas sieht, wird man leicht betrübt. Hoffentlich wissen die Rumänen, was sie da tun. Bei den Karpaten handelt es sich um das größte, geschlossene Waldgebiet Europas, in dem noch zahlreiche Braunbären, Wölfe und Luchse leben. Die Frage ist: wie lange noch? Was, außer Holz, sollen die Rumänen sonst zu Geld machen und China hat einen großen Hunger danach.


    Am Lacul Vidra machen wir nur einen kurzen Foto- und Zigarettenstopp.




    Ab hier ist auch die „Straße“ wieder top (für uns ).







    Die folgende Aufnahme könnte auch aus Kanada stammen.



    Nachdem wir einige Kilometer talwärts gefahren und dem Angriff eines Schäferhundes wohlbehalten entkommen sind (manche legen sich echt auf die Lauer, um unbescholtene Biker zu tyrannisieren!), treffen wir mitten im Wald auf eine neu errichtete Pension. Obwohl erst 17:00 Uhr, beschließen wir hier zu bleiben. Wer weiß, was da sonst noch kommt. Koch und Besitzer arbeiten an diesem Abend für uns alleine. Beide legen sich für uns mächtig ins Zeug und schmeißen alles an, was sie haben. Das war jedoch zu viel für die Sicherungen und der Strom fiel immer wieder aus. Aber das tat der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch und wir entdeckten auf der Karte auch unsere geliebte Mamaliga (Maisbrei mit Schafskäse und Sauerrahm) :-)
    Das Beste: wir hatten ein „richtiges Bad“.

  6. Registriert seit
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    #6
    Freitag 01.06.:

    Nach einem guten Frühstück treffen wir in Petrosani auf eine Hauptverkehrsstraße. Wir beratschlagen kurz, ob wir nach Norden oder Süden weiter fahren. Da ich gehört habe, dass der Ort Hunedoara besonders schön sein soll, fuhren wir nach Norden. In Hateg war die Ortsdurchfahrt in Richtung Hunedoara gesperrt. Der Verkehrspolizist war irgendwie unfähig, den Verkehr zu regeln, so dass wir keine Möglichkeit sahen Hunedoara zu erreichen. Es gab keine Umleitung. Erneute Routenänderung. Wir fuhren westwärts nach Caransebes. Hier treffen wir wieder auf eine Hauptverkehrsstraße, die sich als die katastrophalste der bisherigen Tour entpuppte. Wie so oft, regnete es mal wieder. Auf ewig langen Teilstücken wurde die Straße aufgerissen. Ampeln mit bis zu 15 Minuten dauernden Rotphasen gaben den Verkehr einspurig frei. Dumm war nur, dass die letzten die noch bei „Grün“ durchfuhren, die Strecke nicht schafften. Währenddessen bekam der Gegenverkehr „Grün“. Das reinste Chaos. Die PKW´s fuhren nicht, sondern wankten von einem Schlagloch ins andere und bewegten sich so irgendwie vorwärts. Es ging nichts voran. Würde ich jetzt und hier in einem PKW sitzen, ich wäre ausgerastet.
    Aber, wir waren ja auf geländetauglichen Maschinen unterwegs und konnten uns ziemlich gut an den Kolonnen voranmogeln. Gefährlich waren die tiefen Schlaglöcher, da sie durch den Regen mit einer schmutzigen Brühe gefüllt waren und man so nicht deren tiefe abschätzen konnte. Gas geben und durch hieß die Devise. Nach dieser Etappe sahen wir aus wie Schweine. Von Kopf bis Fuß mit Schlamm vollgespritzt. Ebenso die Motorräder.




    Bei einem kurzen Zigarettenstop taucht in etwas 100 m Entfernung ein Hund bellend auf. Kurze Zeit später ein Zweiter und ein Dritter. Der Erste wurde immer mutiger und kam näher. Christiane meinte es wäre Zeit weiter zu fahren. Dummerweise stand meine Maschine entgegengesetzt der Fahrtrichtung. Als die Hunde merkten, dass wir abhauen wollen, setzten sie auch schon zum Angriff an. Immer noch nicht die Maschine gewendet, stieg ich ab und versuchte mit einigen Steinen die Biester zu vertreiben. Erfolglos. Also stieg ich wieder auf und fuhr mit der BMW hupend direkt auf sie zu, was sie etwas erschreckte. Mit durchdrehendem Hinterrad gelang auch die 180 Grad Wende (gar nicht so leicht mit dem schweren Teil). Mit kläffenden, wilden Hunden am Hinterrad haben wir uns schnellstens entfernt. Das nächste mal werd' ich vorsichtshalber Pfefferspray oder ähnliches dabei haben.


    An einer Tankstelle, die kein Benzin mehr hatte (?!) aber etwas Essbares und Kaffee verkaufte, treffen wir auf drei Motorradfahrer (1 V-Strom und 2 Chopper), die gerade dabei waren, ihre völlig verdreckten und durchnässten Klamotten zu ordnen. Hey, endlich mal wieder Biker! Als wir sie näher betrachten, können wir uns ein Lachen nicht mehr verkneifen und weisen sie auf die noch vor Ihnen liegenden Baustellenpassagen mit den megatiefen Schlaglöchern hin – ein Aufsitzen mit den Choppern ist eigentlich unumgänglich... Aber auch in unserer Richtung soll es wohl nicht besser aussehen – ....! Die Drei sind auf dem Rückweg nach Deutschland, haben das Donaudelta und Bulgarien „erfahren“. Sie berichten von der letzten Nacht in Bulgarien in einem Hotelzimmer in dem es so feucht war, dass sich sogar ein Frosch darin wohl fühlte Gott sei Dank ist es in Rumänien schon etwas zivilisierter. Wir fuhren weiter und tatsächlich kamen die prophezeiten Baustellen. Im Vergleich zu den zuvor überwundenen (die die drei noch vor sich hatten) waren diese glatt wie ein Kinderpopo. Noch einmal müssen wir an die Drei denken – au weia.


    Wir erreichen Baile Herculane und beschließen hier zu übernachten.
    Das erste Hotel war „angeblich“ schon voll, obwohl nur 2 Fahrzeuge auf dem Parkplatz standen. Na ja, so verdreckt wie wir waren. Wir lassen unsere Maschinen und unsere Klamotten mit dem Dampfstrahler abspritzen und siehe da, die nächste angefahrene Pension hatte ein Zimmer frei (warum müssen wir immer in die 2. Etage??).



    Baile Herculane (Herkulesbad) ist ein alter Kurort mit vielen, leicht radioaktiven Quellen, wovon die heißeste eine Temperatur von 67 Grad aufweist.

    Nachdem die Maschinen nun zumindest grob gereinigt waren, wollte ich die Bremsbeläge checken. Wenn da nur welche da wären!!!! Die hinteren Bremsbeläge waren komplett hinüber. Bei beiden Maschinen! Rein vorsorglich habe ich einen Satz mitgenommen aber eben nur einen. Vor der Abreise schienen die Beläge noch super in Ordnung zu sein. Die neuen Beläge kommen in Christianes GS, bei mir muss es auch so gehen (die arme Bremsscheibe). Und als wenn das nicht schon genug wäre, ein Nagel in beiden Bikes! Luftdruck war aber ok – also besser stecken lassen.


    Samstag 02.06.:

    Wir müssen es heute schaffen durch Serbien nach Kroatien zu kommen. Nach einem guten Frühstück wird wieder aufgesattelt.
    Durch eine malerische Landschaft fahren wir auf einer Nebenstraße Richtung Anina (Steierdorf). Kurven, Kurven, Kurven. Nach der gestrigen Chaos-Etappe, können wir heute die Motorräder fliegen lassen. Es ist einfach nur schön!


    Wir fühlen uns, als hätte man uns 50 Jahre in der Zeit zurückgebeamt. Auf den Feldern ist kein einziger Traktor zu sehen. Die ganze Arbeit erledigen Menschen, Pferde und Ochsen. Gepflügt wird mit dem Handpflug, der von einem Pferd gezogen wird. Unkraut wird von Hand mit der Harke entfernt. In Anina gibt es mal wieder Kaffee. Auf der Straßenkarte ist eine kleine Abkürzung eingezeichnet, die wir auch einschlagen. Ungewollt befanden wir uns plötzlich wieder auf einer Offroadstrecke. Wir waren aber beide nicht traurig darüber. Nach etwa 30 Minuten treffen wir wieder auf die eigentliche Straße.

    An der Grenze zu Serbien fragt uns die Grenzerin:
    „Papiere bittääää“
    Ich fragte: „Welche?“
    Daraufhin verschwand sie im Gebäude um kurz darauf mit ihrer Vorgesetzten zu erscheinen. Sie blickte auf unsere Kennzeichen und wünschte uns eine angenehme Reise.

    Der serbische Grenzer verlangte nach einem Reisepass und nach der grünen Versicherungskarte. Zum Glück können wir beides vorweisen.
    Die Straßen in Serbien sind super. Wir lassen die Maschinen laufen bis wir kurz vor Belgrad auf den Autoput fahren. Wir schaffen es bis Osijek/Kroatien. Mitten in der Fußgängerzone, finden wir ein schönes Hotel.


    Sonntag 06.03.:

    Ein reiner Autobahn-Tag. Wir sind froh, dass die MP3-Anlage funktioniert. Eintöniges Dahinschleichen mit 130 km/h. Am Abend kommen wir in Porec/Kroatien an. Hier machen wir erst mal 2 Wochen Pause (Urlaub), bevor wir wieder nach Hause fahren.
    Bis hierher bin ich ohne hintere Bremswirkung gefahren.
    Beide Maschinen haben seit den letzten 1.000 km einen Nagel im Hinterrad. Nachdem bei jedem Tankstop kein Druckverlust zu messen war, haben wir die lieber stecken lassen. Ich hab sie nur mit einem Seitenschneider abgezwickt, damit sie nicht weiter hineingedrückt werden.
    Fahrstrecke bis hierher: 3.600 km.
    Wenn wir Zuhause sind, werden es 4.150 km sein.


    Schön war es. Ein Erlebnis, an das man sich viele Jahre erinnert. Irgendwann kommen wir wieder. Alleine schon wegen der Transfagarasan.


    Infos:

    Rumänien gehört seit 01.01.2007 zur EU.
    Die Währung ist der LEI.
    1 Euro sind ca. 3,30 LEI.
    Auf der gesamten Tour hatten wir nie lange nach einer Übernachtungsmöglichkeit gesucht.
    Man kann von 10 EUR – 100 EUR pro Person/Nacht ausgeben.
    Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut, allerdings funktioniert die Zahlung per Kredit- bzw. EC-Karte nicht immer (Probleme mit der Telefonleitung). Also immer etwas Bargeld für eine Tankfüllung dabei haben.
    Der Straßenbelag ist höchst unterschiedlich. Von neuem Belag bis zur Schlaglochpiste ist alles vertreten. Gefährlich sind die Pferde- oder Ochsenfuhrwerke, weil man diese Verkehrsteilnehmer nicht gewohnt ist. Man fährt ziemlich schnell auf diese auf.
    Zum Glück gelten Motorradfahrer noch als „arme Leute“, da sie sich ja scheinbar kein Auto leisten können . Dies hat den Vorteil, dass man überall freundlich aufgenommen wird und teilweise Reiseproviant und Schnaps geschenkt bekommt, damit man nicht vom Fleisch fällt.
    Wie schon von vielen Reisenden bemerkt, konnten auch wir erleben: diejenigen, die selbst nichts haben teilen sogar ihre Mahlzeit mit dir.
    Reisezeit: wir sind Ende Mai / Anfang Juni gefahren. Es war nicht zu heiß und nicht zu kalt aber teilweise sehr nass. Den August sollte man meiden, da hier locker Temperaturen von über 30 Grad erzielt werden (oder entsprechende Kleidung mitnehmen).


    Hoffe, es hat gefallen.

  7. Registriert seit
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    197

    Reden Was für eine Tour....

    #7
    .... da bekommt man direkt Lust sich auf die Q zu schwingen


    Da habt ihr eine echt super Tour gemacht. Der Reisebericht ist auch nicht

    von schlechten Eltern. Da kann man mal wieder sehen, das Rumänien doch

    ein wunderschönes Land ist und man seine Q auch wieder mit nach Hause

    bringen kann.

    Vielen Dank für den tollen Bericht, ich werde Rumänien wohl mal in mein

    " Wunsch-Reise-Land-Heft" aufnehmen.

  8. Registriert seit
    14.10.2006
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    398

    Standard

    #8
    solche berichte wünsche ich mir !!!

    ne menge bilder und eindrücke...

  9. Anonym3 Gast

    Standard

    #9
    Servus Schorsch

    komm gibs zu...die 2 Bilder in Deinem Bericht auf denen die Sonne scheint sind ein Fake...ich hatte es bei Peter seinem Bericht schon einmal erwähnt...sehr einsame bettelarme Gegend...

    Grüß

  10. Registriert seit
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    Standard

    #10
    Hi Hertzi,
    ne, ne, tatsächlich hatten wir auch häufig Sonnenschein
    In der Tat sind viele Gegenden sehr arm. Eigentlich alle Gegenden außerhalb einer größeren Stadt.
    Allerdings ist uns positiv aufgefallen:
    die Menschen sind sehr aufgeschlossen, fröhlich, interessiert und hilfsbereit. Sie sitzen Abends kaum vor dem Fernseher (auf den Dörfern) sonder auf der Bank vor ihren Häusern. Ein kleiner Plausch mit dem Nachbarn links, ein kleiner mit dem Nachbarn rechts oder wer sonst gerade vorbeikommt. Kommunikation auf eine andere, sehr angenehme Weise.

    PS: wegen der Diebstahlgefahr. Da würde ich mir ehrlich gesagt bei einer Reise nach Berlin mehr Sorgen machen


 
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