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Rumänien Juni 2014, eine Reise in die Vergangenheit

Erstellt von TomTom-Biker, 17.06.2014, 14:17 Uhr · 10 Antworten · 3.513 Aufrufe

  1. TomTom-Biker Gast

    Standard Rumänien Juni 2014, eine Reise in die Vergangenheit

    #1
    Prolog
    Wir, das sind Ina meine Freundin, Lebenspartnerin, Beraterin und Mitreisende und ich, haben nun Anfang Juni 2014 unsere Rumänientour gestartet. Nach 13 Reisetagen sind wir mittlerweile wieder zuhause. Wohlbehalten und unversehrt, ohne Sturz, Unfall oder Panne. Ausgeraubt wurden wir auch nicht. Einmal um ein paar Euro beschissen. Das ärgert mich, mehr über meine eigene Dummheit, statt des Geldes wegen. Schade, bei einer ansonsten sehr schönen Reise.

    Rumänien stand bereits 2009 als Reiseziel bei uns auf dem Programm, wurde dann allerdings zugunsten der Peleponnes gestrichen. Wir waren uns nicht sicher, ob wir uns die lange Anreise auf eigener Achse antun sollten. Es gab ja auch noch genügend andere Dinge zu entdecken. Jetzt war's dann halt soweit, nicht zuletzt auch aufgrund der zahlreichen positiven Aussagen und interessanten Berichte im Forum.



    Die Planung
    Anders als unsere "Junggesellentour" durch Albanien in 2011, war Rumänien von Vornherein als Straßentour geplant.
    Was nicht ausschließt, daß nicht doch mal die eine oder andere weniger gut befestigte Straße genutzt wurde. Aus
    Zeitgründen hatten wir uns zudem auf die Karpaten und den Bereich Transsilvanien beschränkt. Die für uns auch
    geschichtlich interessantere Region.



    Die Anreise nach Rumänien erfolgte in drei Tagen über Passau, Wien, Budapest bis nach Satu-Mare im Nordwesten
    Rümäniens. Ab dort begann dann unsere eigentliche Rumänien-Rundtour mit ca. 1500 km in 8 1/2 Tagen. Die
    Gesamtstrecke inkl. An- und Abreise betrug 4500 km. Die Rückfahr erfolgte über das Donautor, Serbien (Durchfahrt durch Belgrad; das für mich bisher schlimmste Erlebnis bezüglich Verkehr und Verkehrsteilnehmer), Ostkroatien, Ostslowenien und Österreich.

    Reiseverlauf, 1. Teil: Satu-Mare bis Sibiu
    Die erste Übernachtung in Satu-Mare hatte ich über Booking.com vorausgebucht. 25 Euro für ein angehnehm modernes
    und sauberes Zimmer inkl. Frühstück. Die Gegend war etwas schmuddelig, was sich im Laufe der Reise
    jedoch durchaus als normal für Rumänien herausstellen sollte. Es ist halt nicht die Steiermark, oder der
    Schwarzwald oder das Berchtesgadener Land. Aber das hatten wir auch gar nicht erwartet. Da hätten wir auch gleich
    zuhause bleiben können. Satu-Mare als erstes Etappenziel war aber sumasumarum in Ordnung. Auch die Pizza, die wir
    abends in der Stadt aßen, bei deutschsprachigen Fernfahrern am Nachbartisch. Ansonsten verlief die Verständigung
    in Rumänien meist in Englisch. Auf dem Land auch mal in Zeichensprache.









    In Urzeigersinn ging es dann zunächst nach Nordosten in die Waldkarpaten (Maramures), wo wir in Viseu de Sus einen eintägigen Reisestopp einlegten, den wir für eine Fahrt mit Waldeisenbahn tief in den Wald bis ins Grenzgebiet zur Ukraine nutzten. Übernachtet hatten wir in einem Hotelzug auf dem Werksgelände der ansässigen Holz Company. Gegegessen wurde auch im Zug. Sehr empfehlenswert, was aufgrund der schweizer Betreiberin und Köchin nichts mit rumänischem Essen zu tun hatte. Es war allerdings sehr köstlich und mit einem Gesamtpreis für je zwei Übernachtungen, Frühstück, Candle-Light-Diner und der Fahrkarten mit ca. 560 RON (ca. 130 Euro) angemessen.

    Statt nur die Hauptroute zu benutzen, hatte ich dann auch schon mal den einen oder anderen Schlenker auf einfach geschotterte Nebenstraßen eigeschlagen, bei denen ich meiner Freundin die Grundlagen des Fahrens im Stehen und auf Schotter versucht habe zu erklären. Ich denke mit Erfolg, wie sich bei der Rückfahrt über einen Schotterpaß in Kroatien herausstellte. Und Spaß hat es ihr auch gemacht. Na Wunderbar, jetzt sind wir ja fit für Marroko und den Rest der Welt.































    Am dritten Tag ging es weiter über die Region Moldauklöster Richtung Radauti und von hier südwärts Richtung Bicaz-
    Schlucht. Die Armut in der Region Maramures und des östlich anschließenden Gebiets mit den Moldauklöstern ist nicht zu übersehen. Die Straßen sind sehr schlecht, die Ortschaften teilweise armselig. Außer dem Holzeinschlag und dem bißchen Tourismus an den Moldauklösteren gibt es keine nennenswerte Industrie und somit auch kein Einkommen für die Bevölkerung.















    Die anschließende Fahrt auf einer gebirgigen Nebenstraße (177A) von Gura Humurului über Stulpicani nach Brosteni war hingegen wieder sehr interessant. Streckenweise waren wir alleine unterwegs. Die Fahrt mittendrin durch durch eine Siedlung -waren es ehemalige Militär- oder Industrieanlagen- sorgte gegen Abend schon etwas für Endzeitstimmung bei uns.

    Bilder Abbruch





    Etappenziel war Lacu Rosu, was wir an dem Abend allerdings nicht mehr erreichten und deswegen ca. 30 km vorher in einem sehr einfachen Motel übernachteten. Eine schlechte Entscheidung, da wir die ganze Nacht bis morgens von rumänischen Top-Hits berieselt wurden. Irgendwelche Bukaresti (mit S-Klasse- und M-Klasse-Mercedes) hatten scheinbar Geburtstag gefeiert. An schlafen war hier kaum zu denken, weshalb wir uns bereits morgens um ca. 5:00 Uhr hupend und mit lautem Moterengeräusch davon machten.





    Weiter ging es über die Bicaz-Schlucht (hier war ich etwas enttäuscht, da ich nach all den Berichten mir hier etwas imposanteres vorgestellt habe) in Richtung Sibiu. Ursprünglich war die Richtung Brasov (Kronstadt) und Besuch des Dracula-Schlosses Brahn und des Privatschlosses von Ceaușescu in Sinaia geplant. Da wir sehr schlecht geschlafen hatten, beschloß ich über Hautstraßen und Sigishoara (Schäßburg, sehr schöne und gut erhaltene Altstadt) direkt nach Sibiu zu fahren, wo wir für ca. 48 Euro im Ibis einquartiert haben. Wir hatten an dem Tag einfach keinen Bock auf fahren. Nach einem kurzen Stadtbesuch sind wir dann auch relativ schnell in einen scheinbar dauernd währenden Tiefschlaf gesunken.



    Sibiu






    Am darauffolgenden Morgen sah die Welt dann wieder ganz anders aus. Die Transfagarashan sowie die Transalpina standen dann auf dem Programm.

    Fortsetzung folgt. Sobald ich Zeit habe, ich bitte um Verständnis.

    Wer dennoch schon mal alle Bilder sehen möchte, dem sei der Link zu meinem Webalbum empfohlen.

    Gruß Thomas

  2. Registriert seit
    02.04.2014
    Beiträge
    50

    Standard

    #2
    Hallo Thomas,

    schreib weiter deinen schönen Bericht, bin sehr gespannt.
    Werde am 18.8.2014 nach Rumänien in einer geführten Tour aufbrechen.
    Freue mich schon drauf und bin mords gespannt.

    Gruß
    Ernst

    "Immer auf Ankommen fahren"!!

  3. Registriert seit
    22.04.2012
    Beiträge
    1.282

    Standard

    #3
    schöne Aufnahmen hast Du gemacht, Thomas.
    Ihr beide freut Euch bestimmt schon auf die nächste
    Reise mit dem Motorrad.

  4. TomTom-Biker Gast

    Standard

    #4
    Ja immer, aber immer etwas weniger.

    Nein im Ernst, der Elan den wir noch vor Jahren hatten ... Motorrad, Motorrad, Motorrad ... ist etwas reduziert und ist auch anderen Hobbies gewichen. Nichtsdestotrotz freuen wir uns natürlich auf die nächste Reise. Rumänien wird es aller Voraussicht allerdings nicht mehr werden. Es ist einfach zu weit weg. Kroatien, Slowenien, Friaul (war auch sehr schön) oder auch mal die Pyrenäen. Träumen tu ich noch von ganz anderen Dingen. Aber die verrate ich nicht, die Träume gehören mir.

    Mal sehen vielleicht schaff ich den zweiten Teil des berichts noch innerhalb der Woche. Hab ja noch Urlaub.

    Gruß Thomas

  5. TomTom-Biker Gast

    Standard Reiseverlauf, 2. Teil: Sibiu - Transfagarashan - Eisernes Tor (Donau)

    #5
    Im Vorfeld der Reise hat man mir gesagt, daß man nicht wegen der Transfagarashan nach Rumänien fährt. Das stimmt!
    Aber als wichtige Nord-Süd-Verbindung gehört sie eben auch dazu. Und da wir nun mal schon in der Nähe waren ... Also sind wir sie gefahren und es war schön.









    Man mag staunen, aber die Transfagarashan (Nationalstr. Nr. 7c) ist neben der Nr. 7 = E81 eine durchgehend gut asphaltierte Hauptverkehrsstraße zwischen den Städten Sibiu im Norden und beispielsweise Ramnicu Valcea im Süden. Die Paßhöhe liegt bei etwa 2040 m. Die Gesamtlänge zwischem dem Abzweig der E58 im Norden und dem von uns gefahrenen Abzweig bei Curtea de Argeș beträgt ca. 120 km. Man ist also eine ganze Weile unterwegs, was man bei der Wahl des Tagesetappenziels berücksichtigen sollte.

    Laut Angaben im Internet besteht bei der Transfagarash eine Wintersperre mit planmäßiger Öffnung Ende Juni. Es war Pfingstsonntag, alle Rumänen waren unterwegs und wir haben uns dem Pulk einfach angeschlossen. Einige Kilometer vor der Paßhöhe war es dann soweit. Ein Sperrschild was die Weiterfahrt nicht erlaubte. So haben wir es zumindest gelesen. Entweder haben wir das falsch verstanden oder aber sowas interessiert hier nicht, jedenfalls all die, die wir vorher Fahrzeug für Fahrzeug in den Anstiegen überholt hatten, fuhren nun an uns und besagtem Sperrschild vorbei. OK, also wird das wohl in Ordnung sein und wir fuhren hinterher. Lange Rede, kurzer Sinn, vermutlich hatte jemand vergessen das Sperrschild zu entfernen. Jedenfalls war die Straße einwandfrei geräumt und gut befahrbar.















    Etliche kIlometer nach der Paßhöhe, bei Căpățânenii Ungureni wollten wir eine Querverbindung nutzen, die in unserer Karte als geeignet für Reiseenduros ausgewiesen war, um über Sălătrucu zur E81 und von dort südlich nach Brezoi zu fahren, das wir für eine Quartiersuche als geeignet hielten. Der erste Autofahrer der uns in Căpățânenii Ungureni entgegenkam zeigte uns wild gestikulierend an umzudrehen. Ein weiterer Autofahrer den wir anhielten und fragten teilte uns mit, daß die gewünschte Strecke mit unseren Motorrädern nicht fahrbar sei. Er sprach davon, daß unsere Motorräder hier wie Supersportler wirkten. Wir können es abschließend nicht beurteilen, wir haben es vorgezogen umzudrehen und zunächst der Transfagarash weiter folgend bis nach Ramnicu Valcea zu fahren, wo wir im Grand Hotel für 38 Euro inkl. Frühstück tatsächlich Grand Hotel mäßig untergebracht waren. Eine Empfehlung für Reisende, die nicht nur in engen Bahnabteilen oder auf Strohmatten schlafen möchten. Es war mit Abstand das beste Hotel in Rumänien das wir aufgesucht haben.







    Am nächsten Tag stand die Transalpina auf dem Programm. Aber nicht komplett, sondern mit Einstieg über die E81, die Querverbindung durchs Gebirge über Brezoi (Nr. 7a) und dann südwärts über den Urdele-Paß.Die E81 zeigte sich als gut ausgebaute und kurvenreiche Straße im Tal des parallel fleißenden Flusses Olt mit relativ wenig Steigung. Die Strecke über Brezoi rüber zur Transalpina war dann wieder einer der wie so oft nicht erwarteten Knaller. Am Anfang noch ein recht unscheinbarer Streckenverlauf änderte sich der Charakter nach etwa 40 km. Es ging ins Gebirge. Die Straße wurde schlechter, der Verkehr dünner (er war vorher allerdings schon dünne) und wir waren wieder mittendrin. Wald, Wald, Wald.









    Nach ca. 80 km, davon etwa die hälfte ohne irgendeine Ansiedlung mittendrin, die Entfernungen in Rumänien sind irre und man sollte diese weder bei der Zeitplanung noch der Planung der erforderlichen Spritmenge unterschätzen, erreichten wir die Transalpina. Leider in der Richtung gesperrt, in die wir auch fahren wollten. Was nun? Über 100 km zurückfahren, nach Norden Richtung Sibiu oder nach Westen Richtung Petrosani ca. 30 km. Wir entschieden uns für letzteres ohne zu wissen was nun kam. In der Straßenkarte als Hauptverbindungsstraße ausgewiesen, erwieß sich die Straße als Asphalt-Schotterstrecke. Na dann viel Spaß für die nächsten 1 1/2 h. Der Zustand war zum Glück nur wenige Kilometer so schlecht, später hatten wir dann wieder den typisch rumänischen Asphalt mit tiefen Schlaglöchern, Fahrbahnaufbrüchen und geschotterten Baustellen. Aber das kannten wir ja schon.







    Die Strecke ging duch eine Schlucht und folgte im unteren Teil einem Flußtal. Dann kam Petrosani, eine Stadt vom Bergbau geprägt mit einem wunderschönen alten Dampflokbetriebswerk (leider ohne Photos, ich hab's nur aus den Augenwinkeln und beim Vorbeifahren gesehen).











    Die Fahrt Richtung Süden auf der E39 Richtung Tragu Jiu war von Baustellen, roten Ampeln und daran vorbeifahrenden Rumänen sowie drängelnden Autofahrern geprägt. Nicht empfehlenswert!
    Über Targu Jui fuhren wir ohne weitere Höhepunkte zu erleben nach Drobeta-Turnu Severin, eine Industriestadt an der Donau, geprägt durch eine große alte Erdölraffernerie und durch Kohleabbau (soweit ich mich recht erinnere). Übernachtet haben wir im Hotel Continental. Ein ziemlich heruntergekommener Bau sozialistischer Prägung der seine besten Zeiten offensichtlich schon hinter sich hatte. Die Stadt selbst machte auch keinen viel besseren Eindruck.













    Geschlafen haben wir trotzdem ganz gut und das Frühstück war durchaus genießbar. Die Nacht war allerdings heiß. Wir sehnten uns hier einmal mehr in die kühleren Regionen der Waldkarpaten und der Transfagarashan zurück. Was soll's der letzte Tag in Rumänien mit Fahrt entlang der Donau, auf die ich mich in Passau und auch in der Wachau gefreut habe. Nun sind wir da und ich war gespannt in welcher Form uns die Donau nun erwarten würde. Es war überwältigend. Ich laß einfach mal die Bilder für sich sprechen. Die Straße war übrigens auch nicht schlecht. Meist Asphalt, aber zwischendrin immer wieder mal geschotterte Abschnitte.























    Vor Oravita sind wir dann über die Grenze nach Serbien.

    La revedere Romania!

    Einige ergänzende Informationen/Erfahrungen und Besonderheiten zur Heimfahrt in meinem nächsten Beitrag.

    Gruß Thomas

  6. Registriert seit
    17.04.2014
    Beiträge
    47

    Standard

    #6
    Sehr schöne Impressionen,
    Absolut spitze der Bericht!
    Danke fürs teilen..

  7. TomTom-Biker Gast

    Standard Reisebericht Teil 3: An-/Abreise und Résumé

    #7
    An- und Abreise
    Die Anreise nach Rumänien erfolgte in drei Tagen. Ursprünglich wollten wir an einem Tag per Autobahn bis Wien fahren (ca. 720 km) und von dort über die Autobahn einmal quer durch Ungarn nach Satu-Mare (ca. 630 km). Da wir Autobahnfahren mit dem Motorrad wirklich nur als Notlösung ansehen, haben wir diese Planung verworfen und Anfahrt bis kurz vor Wien in zwei Landstraßenetappen aufgeteilt. Getreu dem Motto, daß der "Weg das Ziel ist" und demzufolge bei uns nahezu jede Reise mit einer Fahrt duch den Odenwald beginnt, der direkt vor unserer Haustür liegt. Für die Durchfahrt durch Ungarn haben wir es hingegen bei der Autobahn belassen. Bis auf die Durchfahrt durch Budapest, bot die Fahrt durch Ungarn keine besonderen Höhepunkte. Dafür war die Autobahn (elektronische Vignette nicht vergessen!) in einem wirklich exzellenten Zustand und die letzten 40 km bis nach Rumänien praktisch ohne Verkehr. Eine Alternative zu Ungarn wäre evtl. die Slowakei.

    1. Etappenziel an der Donau in der Nähe von Deggendorf




    Donau/Wachau


    2. Etappenziel: im Winerwald (ohne Brathändl)


    Die Rückfahrt erfolgte über den Donaudurchbruch (Eisernes Tor) mit Einreise nach Serbien. Für Serbien hatten wir uns ebenfalls für die Autobahn entschieden, da wir Serbien als reines Transitland betrachteten, das wir so schnell wie möglich durchfahren wollten. Dummerweise bin ich bei der Durchfahrt von Belgrad statt die Autobahn zu wechseln, in die Stadt abgebogen, was in Anbetracht der Temperaturen von über 30 Grad C, dem Verkehr in der Stadt und den für mich im schnellen Vorbeifahren nur schwer zu entziffernden kyrillischen Straßenschildern eine Katastrophe hoch 3 darstellte. In Istanbul ist der Verkehr auch nicht schlimmer, die Menschen allerdings um einiges freundlicher. In Belgrad wurde geschoben, gedrückt, gehupt und auch böse geschaut. Danke für dieses herzliche Willkommen, aber dort werden mit Sicherheit nicht mehr hinfahren.

    Gegen späten Nachmittag hatten wir die kroatische Grenze erreicht und ca. 30 km weiter in einem mit Stechmücken verseuchten Motel übernachtet. Das war der Preis der Ruhe und Naturbelassenheit. Am nächsten Morgen hatte ich die Motorräder in voller Montur mit runtergeklaptem Visier und hochgezogenen Handschuhen klar gemacht und nix wie weg.

    Die anschließende Fahrt durch Ostkroatien Richtung Nordwesten entschädigte uns dann ausreichend für die Strapazen vom Vortag. Ich kann leider nicht genau sagen wo wir entlang fuhren, da ich mich ohne geoghrapischen Bezug hier voll und ganz auf mein Navi verlassen habe (kürzeste Strecke). Am Anfang waren wir noch im Front-/Grenzgebiet zu Serbien, man sah es an den Neubauten mit den teilweise zerstörten Häusern zwischendrin und den und den Einschüssen und Ortsbezeichnungen die allesamt auf "ac" endeten und denen ich glaubte diese vor ca. 25 Jahren auch in den Nachrichten schon gehört zu haben. Aber es kann auch sein, daß die für meine deutsch geprägten Ohren einfach alle nur gleich klingen.

    Irgendwo in Ostkroatien


    Wirklich schön war ein Schotterpaß im Naturpark Papuk/Jankovac, den ich vor der Reise gefunden und markiert habe.

    NP Jankovac






    Ca. 50 km von der slowenischen Grenze entfernt habe wir dann nochmal in Kroatien übernachtet. Restaurant/Gästehaus Prepelica in Prelog. Empfehlenswert!

    Guest House Prepelica




    Am nächsten Morgen ging es über Sowenien und Österreich wieder nachhause.

    Sonstiges
    Für die Reise hatten wir uns bereits in Deutschland mit ca. 100 Euro ungarischer Währung (Forint) und ca. 500 Euro rumänischer Währung (Lei) eingedeckt. Neben Barzahlungen haben wir in einigen Hotels und an einigen Tankstellen auch mit Kreditkarte bezahlt. Für die Durchfahrt durch Serbien hatte ich mir in Serbien einige Dinar besorgt und für Kroatien einige Kuna. Um nicht irgendwann doch mal in die Verlegenheit zu kommen nicht bezahlen zu können, habe ich halt immer gerne etwas Bargeld in der Tasche. Die Fremdwährungen haben wir bis auf die Kuna nahezu 100 % aufgebraucht. Noch vorhandenes Restgeld wurde vor Grenzübertritt in Sprit umgesetzt. Die Kuna gehen bei der nächsten Kroatien-Reise drauf.

    Wir hatten glücklicherweise keine Panne. Auch die bei solchen Fahrten bei uns übliche Reifenpanne blieb aus. Das von uns mitgeführte Werkzeug beschränkte sich auf ein Päckchen Reifenflickzeug und Werkzeug zum Radaus- und -einbau. Desweiteren haten wir ein Verbandpäckschen, zwei Warnwesten (im Koffer!) sowie einige Kabelbinder und Spanngurte dabei. Letztere hatten wir schon zur Genüge bei Reparaturen mit Erfolg verwenden können.

    Für all die von uns bereisten Länder reicht der deutsche Personalausweis aus. Dennoch empfehle ich, sofern vorhanden, auch den Reisepaß mitzunehmen. Zum einen weil man dann Ersatz hat falls der Perso mal verloren gehen sollte und weil man dann langwierigen Diskussionen mit schlecht informierten Polizisten im Grenzgebiet zur Ukraine aus dem Weg geht. Wir hatten solche gehabt. Sie waren unnötig und ärgerlich, wenn auch die Polizisten recht freundlich waren.

    Die gefahrene Route hatte ich im Vorfeld der Reise schon geplant. Die Tagesetappen und letztlich auch tatsächlich gefahrene Strecke hatten wir allerdings tagesaktuell vor Ort festgelegt. Hier zeigte sich wieder wie sinnvoll es ist trotz Navi auch eine gute Karte mitzuführen. Leider hatte ich vergessen meine Trackaufzeichnung einzuschalten, so daß ich für die gesamte Reise keine Trackaufzeichnung besitze. Auch daran sollte man denken!

    Eine Bemerkung zu Bahnübergängen:
    Meist steht dort ein Stop-Schild. Selbst für Rumänen, für die die Verkehrsregeln eher Empfehlungen als verbindliche Vorschrieften darstellen, haben diese Stop-Schilder scheinbar besondere Bedeutung. Selbst schwere LKW halten auf Nationalstraßen an, auch an verkrauteten Bahnstrecken, an denen offensichtlich die letzten 10 Jahre kein Zug mehr gekommen ist. Man tut gut dem Beispiel der Rumänen an dieser Stelle zu folgen.



    Resume
    Eine insgesamt interessante Reise was Land und Leute anbelangt. Wer allerdings zuhause schon drauf achtet, daß Recht und Ordnung eingehalten werden und alles in seinen gewohnten Bahnen verläuft, der sollte zuhause bleiben. Der ist dort -wie in den südosteuropäischen Länder allgemein- verkehrt. Ansonsten kann ich zu der Reise nur ermutigen. Es gibt einiges zu sehen und zu erfahren. Und wir haben nur einen kleinen Teil Rumäniens bereist, den gebirgigen Teil.

    Ich denke nicht, daß wir wieder nach Rumänien fahren werden, schlicht und einfach weil uns die Anfahrt zu weit war und wir in der Zeit die uns zum aktiven Fahren (mit Spaß) vermutlich verbleibt noch viele andere Länder und Regionen erleben und auch erfahren möchten. Mit einer etwas leichteren Enduro und weniger Gepäck ausgerüstet denke ich, daß Rumänien richtig Spaß macht. Abseits gelegene Strecken zum Endurofahren gibt es zur Genüge.Vielleicht mach ich sowas mal geführt mit einer Leihmaschine vor Ort. Wer weiß?

    Ich hoffe Interessierten einige Eindrücke unserer Reise vermitteln und noch Unentschlossenen einen kleinen Anstoß zur Entscheidung habe geben zu können.




    Fragen rund um die Reise beantworte ich gerne.

    Gruß Thomas

  8. Registriert seit
    05.10.2007
    Beiträge
    5.262

    Standard

    #8
    Toll den Bericht gelesen zu haben.
    Und ich bin froh, habe ich zwar serbien bereist, nicht aber die Hauptstadt!!!! Ichvhatte so ein Gefühl.... Und anders als du durfte ich neben unglaublicher Landschaft auch die sehr freundlichen Gesichter der Serben geniessen. Ich fürchte, du musstest eher unter dem Stadt- Land- Gefälle als der Nation leiden.
    Generell: ein Bericht könnte für mich kaum besser geschrieben sein! Immer subjektiv, nie verallgemeinernd, sehr genau beschrieben, man merkt, was euch wichtig war, wie ihr gereist seid- so kann man eure Erlebnisse und Beurteilungen ganz hervorragend einsortieren und für sich selbst gewichten.

    Vielen Dank nochmal fürs Schreiben!

  9. TomTom-Biker Gast

    Standard

    #9
    Es freut mich das zu hören, dann hab ich ja mal was richtig gemacht.

    Nein, im Ernst es ist für mich auch eine Art der Reflexion. Und das sollte man bei solchen Reisen auch machen. Sonst fährt man viele Kilometer ohne zu erfahren. Ich führe beispielsweise eine Reisetagebuch (eine Kladde mit Bleistift und Spitzer) in das ich mir wesentliche Dinge notiere. Es gibt soviel wundersames und wunderbares zu entdecken, wenn man nur die Augen aufmacht. Meine Meinung und meine Erfahrung. Aus besagtem Grunde werde ich den Bericht auch in meine Homepage aufnehmen.

    Nochmals vielen Dank meinerseits an alle, die mir im Vorfeld wertvolle Hinweise für die Reise gegeben haben.

    Gruß Thomas

  10. marvin59 Gast

    Standard

    #10


    Erstmal Danke für den tollen Reisebericht. Sowas hilft bei der Planung für die eigenen Reisen.
    Ende September machen wir ( 4 Arbeitskollegen mit Frauen ) auch eine Tour durch Nordrumänien.
    Für mich die erste so lange Tour. Deshalb wächst die Spannung von Tag zu Tag.

    Gruss


 
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