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Rumänien, März April 2012 (zwei Wochen)

Erstellt von young_yeti, 08.04.2012, 21:39 Uhr · 15 Antworten · 3.129 Aufrufe

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    Standard Rumänien, März April 2012 (zwei Wochen)

    #1
    23.03. Freitag, erster Tag 210km
    Nach der Arbeit am Vormittag habe ich kurz nach 12 Uhr Schluss, fahre nach Hause, treffe die letzten Vorbereitungen, ziehe mich um und starte auf die Reise.
    Eigentlich begann die Reise mit den Vorbereitungen schon im Januar, als ich meine BMW F650GS gekauft hatte, schon im Hinblick darauf, eine Motorradtour nach Rumänien zu unternehmen. Ein schönes rotes Motorrad, bereits mit einem Koffersatz und Tankrucksack ausgestattet; ich habe mir noch einen Topcasehalter anbauen lassen, damit ich meine roten Koffer auch weiterhin verwenden kann. Voll aufgepackt steht sie nun da, auf der Sitzbank ist noch eine Tasche mit Schlafsack, Zelt und Isomatte, was den Platz zum Sitzen schon ein wenig einschränkt. Aber trotz des Mehrgewichtes fährt sie sich recht handlich und problemlos.
    Über die Autobahn fahre ich von Luzern nach Zug und über den Hirzelpass dann zum Zürichsee. Ich mag nicht nur die Autobahn fahren, ausserdem habe ich ja heute noch viel Zeit, die Verladung auf den Autoreisezug ist er am Abend. Also fahre ich bald von der Autobahn wieder ab und über nette Landstrassen zwischen den Churfisten und dem Säntis-Massiv hindurch nach Wildhaus. Dort oben sind noch die Skilifte in Betrieb und ein paar wenig Skifahrer rutschen noch auf den letzten Schneeresten herum, direkt hinunter bis zur Strasse. Ich bin froh, dass der Winter nun hoffentlich endgültig dem Frühling Platz macht und fahre weiter. Zum Rasten ist es mir hier oben doch ein wenig zu kühl, wenn ich weiss, dass es unten, im Rheintal schöne 16°C Ein kleines Stück ber dem Talgrund pausiere ich bei einem kleinen Parkplatz.
    Bald darauf bin ich in Feldkirch und lungere ein wenig am Bahnhof herum; ich bin viel zu früh da und muss bis zur Abfahrt noch 4 Stunden herumbringen. An einer Tankstelle bekomme ich schon einmal die Vignette für die österreichischen Autobahnen. Auch wenn ich dort ja nur das kurze Stück von Wien bis zur ungarischen Grenze fahre, brauche ich dennoch so ein Pickerl. Für Ungarn habe ich die Autobahngebühr schon vor einiger Zeit übers Internet bezahlt und in Rumänien brauchen Zweiräder keine Rovinieta.
    Ich fahre noch ein paar Kilometer ein Bergtal hinauf und geniesse kurz - weil es dann schon recht kühl wird und ein unangenehmer Wind bläst - ein herrliches Farbspiel am abendlichen Himmel. Hoch stehen Venus und Jupiter am Abendhimmel über dem Säntis-Massiv; ich freue mich schon auf den dann hoffentlich auch klaren und viel dunkleren Nachthimmel in Rumänien.
    Schon im Dunklen lenke ich die BMW wieder zum Bahnhof zurück und gammle ein wenig im verlassenen, aber warmen und windstillen Wartesaal der Autoverladung. Kurz nach 21 Uhr darf ich dann als erster auf den Autozug. Ich muss mich ganz aufs Motorrad ducken, der Abstand zur Waggondecke ist nicht weit. Das Motorrad wird verzurrt und ich gehe in die Bahnhofswirtschaft, schaue mit einem Schweizer Jäger, der nach Ungarn fährt, ein wenig Kickboxen auf Eurosport und esse etwas. Pünktlich kommt der Zug ans Gleis und ich habe ein nettes kleines Schlafwagen-Einzelabteil im Untergeschoss des Doppeldeckers. Der Schaffner kommt, nimmt die Bestellung fürs Frühstück entgegen und dann geht die Fahrt auch schon los.

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    #2
    Samstag 24.3., zweiter Tag ca 660km (870)
    Was für ein Tag. Im Zug kann ich einigermassen dösen; ich lasse das Fenster auf, damit ich bei Zwischenhalten hinaussehen kann, dafür wird's halt ab und zu auch hell, aber das stört mich nicht wirklich. Um halb sieben kommt der Schaffner mit dem Frühstück und pünktlich um viertel nach Sieben erreichen wir Wien. Der Fahrzeugwagen wird auch recht zügig bereitgestellt und so bin ich kurz nach halb acht unterwegs durch Wien.
    Die Autobahn nach Ungarn ist gut ausgeschildert und so rolle ich bald der ersten Grenze entgegen. Ungarn ist wohl auch schon im Schengenraum; keine Kontrolle, nicht einmal anhalten muss man. Die Autobahnen in Ungarn sind durchwegs in einem sehr guten Zustand, man könnte auch problemlos schneller fahren als die 120, die mein Tacho meist anzeigt. Wie in Österreich auch führt die Reise erst einmal durch flaches Land, bevor kurz vor Budapest es nett und hügelig wird. Oberhalb der Autobahn prangt ein grosser Adler als Statue, an diesen erinnere ich mich noch von unserer Ungarn-Kletterreise mit der Alpenvereins-Jugendgruppe vor vielen Jahren.
    Budapest umfahre ich auf der Autobahn M0, einer Art Ringautobahn, die südlich um die Stadt herumführt. Es ist zwar ein Stück weiter, dafür spare ich mir die Fahrt mitten durch Budapest. Östlich von Budapest wird die Landschaft wieder sehr eintönig, flach, grosse Felder, die jetzt bereit sind oder gerade bereit gemacht werden für die Aussaat. So spule ich einfach Kilometer um Kilometer ab; alle ca. 100 km gibts eine Pause, entweder zum Tanken oder einfach so zum Entspannen. Wenn ich vom Motorrad absteige und mich in die Sonne setze, merke ich erst, wie warm es eigentlich ist. 18 bis 20 Grad zeigt das Fahrzeugthermometer, aber in der Sonne scheint es noch um einiges wärmer zu sein.
    Nach Debrecen kommt noch ein Stück Landstrasse, auf der teilweise die LKW schon für die Grenzabfertigung Schlange stehen. An der Grenze zeige ich kurz den Ausweis und dann bin ich auch schon in Rumänien.
    Durch Oradea zieht es sich ein wenig und danach bin ich erstaunt, wie schlecht die Strasse in Richtung Deva ist. Ich mag gleich noch ein wenig abseits der Hauptstrassen fahren und biege ab nach Lazareni und Holod und fahre dann auf ungeteerten Strassen weiter nach Suplacu de Tinca. Den Weiterweg finde ich nicht und muss nach dem Weg fragen und fahre dann eine kleine ungeteerte Strasse weiter, die über eine schöne Brücke führt und dann wieder auf eine geteerte Strasse nach Beius führt, wo ich eigentlich übernachten wollte.
    Beius gefällt mich nicht, es ist recht gross und zeigt mir nicht gleich ein schönes Zentrum, so fahre ich weiter, auch wenn dann die Pensionen nichtg mehr so häufig am Strassenrand stehen, wie in Baile Felix, dem Kurort gleich hinter Oradea. Schliesslich bekomme ich ein Zimmer einer Pension am Ortsrand von Stei und freue mich über den guten Start in den Urlaub.

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    #3
    Sonntag, 25.3., dritter Tag, ca 270 km (1140)
    Heute habe ich meine Geländefahrprüfung gemacht, scheint mir.
    Um halb sieben wache ich auf, mit Zeitdifferenz und der Sommerzeitumstellung heute Nacht ist es allerdings schon echt halb 9. Ich dusche, packe zusammen und frühstücke, das Frühstück ist im Zimmerpreis enthalten (das Omelett mit Käse ist gar nicht so schlecht). Dann komme ich gegen halb 10 weg und fahre von Lunca aus hinauf ins Gebirge. Es geht erst einmal hinauf auf 1160 m auf einen Pass, die Strasse ist aber recht gut, oben wird es aber schon recht frisch, stellenweise hat er nur 2°. Die Skipisten sind oben nicht mehr in Betrieb, aber es ist alles schon arg touristisch erschlossen dort, jetzt aber eher schon verlassen und öde. An der Strasse steht teilweise fast schon eine Pension neben der anderen.
    Schnee auf der Strasse liegt aber glücklicherweise nirgends mehr, aber dennoch bin ich froh, als es wieder hinunter geht nach Albac und weiter nach Campeni. Kurz vor Abrud versuche ich den in der Karte weiss (also kleine Strasse) eingezeichneten Weg über Rosia Montana zu nehmen, aber im Ort selbst ist dann Endstation. Auch die beiden Polizisten, die ich frage, meinen, der Weg geht dort nicht weiter und so fahre ich wieder zurück. Hinter Abrud fahre ich dann die in meiner Landkarte gelb markierte (mittelgrosse) Strasse nach Mogos.
    Mogos ist ein sehr verschlafener Ort, in einem Magazin Mixt bekomme ich einen Kaffee und will dann weiter über die kleine (weiss in meiner Landkarte) Strasse, die mit grossen Schildern ("Alba Iulia") angeschrieben ist. Allerdings ist diese Strasse bis zum 15. März gesperrt gewesen. Na gut, jetzt ist sie ja wieder offen. Ungeteert und steil geht es hinauf, schon bald jedoch liegt auf der Strasse Schnee; zuviel um hindurch zu fahren. Also drehe ich um. Als ich gerade an der Abzweigung meine Landkarte studiere fährt ein Auto mit einem orthodoxen Priester vorbei und hält an; ich frage nach dem Weg und sie sagen, ich müsste wieder zurück. Die Strasse im Tal weiter würde jedoch zu dem Kloster Ramet führen - von dort ist auf meiner Karte eine gelbe Strasse eingezeichnet. Der Priester meint, die Strasse dorthin könnte man gut fahren. Ich bedanke mich für die Hilfe und fahre auf gutem Weg das Tal weiter hinauf.
    Irgendwann steht an dieser Strasse ebenfalls das Schild "Gesperrt von 15. November bis 15. März", aber nachdem man ja angeblich fahren kann, fahre ich weiter. Bald wird mir klar, warum der Weg im Winter gesperrt ist, nass und aufgeweicht ist der Untergrund und ich komme teilweise nur im Schritttempo voran. Im ersten Gang muss ich immer mit Kupplung fahren; bei der BMW muss der Lüfter nachhelfen, die Motortemperatur herunterzuregeln. Irgendwann verlässt die Strasse den Talgrund und steigt steil aber trockener an. Hoch oben geht es über einen Hügel und dann wieder hinunter ins nächste Tal. Dort steht, seit langem wieder einmal, ein Wegweiser, der tatsächlich angibt "Aiud 40 km". OK, also bin ich zumindest einigermassen richtig. Auf Schotterstrassen mal besser, mal schlechter geht es voran, jetzt ohne nennenswerte Probleme, dafür aber stellenweise mit schöner Bergaussicht. Die Strasse wird immer besser und nach einer grossen Sendestation an der ich vorbeifahre, sind auch ab und zu andere Touristen zu sehen; meist grillen sie abseits der Strasse in kleinen Gruppen. Das kürzlich erlassene Verbot, abseits von offiziellen Feuerstellen zu grillen oder Feuer zu machen, interessiert hier niemand.
    10 km vor Aiud ist die Strasse geteert - mit dem ganzen Dreck darauf jedoch teilweise noch schlechter zu fahren als der trockene Schotter vorher und irgendwann ist die Strasse dann gut, sauber und wenig steil und ich geniesse es, hinunterzurollen nach Ajud. An der Tankstelle fülle ich den Tank wieder und dann kurve ich auf teilweise sehr guten, teilweise auch recht schlechten Landstrassen über Tejus nach Blaj und nach Copsa Mica und gleich darauf nach Axente, wo Freunde von mir wohnen. Radu ist schon wieder am Arbeiten im Hof, jetzt macht er die Regenleitungen, die er unterirdisch verlegen mag und hat dazu im Hof die Gräben ausgehoben. Sie haben einen wirklich süssen kleinen Welpen, "Bobby", der mir viel besser gefällt als der oft gefährlich kläffende "Teddy" an seiner Kette im Hühnerverschlag. Ein Kalb haben sie jetzt auch im Stall stehen, das wird dann wohl im Herbst geschlachtet, dafür ist das grosse schwarze Schwein nicht mehr da.
    Laurentiu und Radu versuchen ihren alten Motorroller flott zu machen, was nach einigem Hin und Her incl. Zündkerzenputzen etc. auch gelingt und so fahren wir (Lau auf dem Roller und ich auf der BMW) dann entlang dem Bach Visa über Wiesen und tief-sandige Wege. Das mit der Wüstenprüfung wäre jetzt also auch schon erledigt, auf Sand fahren ist aber kein echtes Vergnügen, weil das Vorderrad immer ganz andere Sachen macht, als man möchte. Wir fahren wieder zu ihrem Haus in Axente zurück und essen später dann zu abend. Normalerweise mache ich mir nicht viel aus Speck – aber der selbstgeräucherte Speck von dem schwarzen Schwein, das sie im Winter geschlachtet hatten, ist einfach köstlich.

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    #4
    Montag, 26.03. vierter Tag, ca. 250 km (1390)
    Nochmals Geländeprüfung mit Kraftakt.
    Ich habe recht gut geschlafen, dennoch werde ich beim Hellwerden wach und stehe mit den andern auf; Radu ist schon mit den Tieren beschäftigt, Ana kümmert sich ein wenig hektisch um die Kinder und den kleinen Laden, den sie seit einem Jahr führen. Ich möchte eigentlich auch recht früh los, auf eine Runde durch Transylvanien, aber vor dem Kaffee "darf" ich nicht weg. Dafür ist es beim Losfahren auch schon etwas wärmer.
    Die Strasse nach Sighisoara ist gut zu fahren, nur in Medias ist etwas Stau und Baustellen. In Sigisoara ist die Auffahrt zur Burg gesperrt, oder gegen 15 Lei wohl zu machen, nachdem ich die Burg schon kenne, bleibe ich heute unten. So sitze ich kurz im Park am Hermann-Oberth-Platz und fahre noch kurz auf den Stadtteilhügel gegenüber der Burg, aber dort ist leider keine freie Sicht für ein gutes Foto. Die Strasse in Richtung Brasov bringt mich dann weiter über Saschid nach Crit, wo eine kleine aber gute Strasse abzweigt in Richtung Fagasras, ich möchte die Strasse von Soars durch Barcut nach Bradeni fahren, die ich vor einigen Jahren gewandert bin und möchte dorthin schon über kleine Strassen kommen.
    Nach Mesendorf hört die Strasse aber auf; weiter geht nur ein Karrenweg. Am Waldrand führt ein recht guter, breiter Forstweg links den Berg hinauf, während geradeaus eher Fahrspuren weitergehen; ich entscheide mich für den Berg und fahre durch trockenes Laub recht problemlos den Forstweg hinauf, bis dieser nach einiger Strecke auf einmal an einem Platz endet, wo vermutlich Holz zum Abtransport bereitgemacht wird. Also alles wieder zurück und dann doch den Karrenweg entlang; das ist schon deutlich anspruchsvoller zu fahren als der Waldweg. Ich überhole einen Pferdekarren und frage die Insassen, und sie bestätigen mir, dass dies die Strasse nach Granari ist. Also gut, dann weiter. Durch den Wald ist es stellenweise feucht und ich freue mich als ich endlich den Waldrand erreiche.
    Dort gabelt sich der Weg allerdings, Deutliche, aber tief eingegrabene Fahrspuren leiten nach unten, nach links geht nur ein Wegspur und nach rechts ebenfalls nicht sehr deutlich eine Fahrspur durch Wiesen mit ein wenig schütterem Gebüsch. Ich fahre also hinunter, es geht zunächst noch ganz gut, aber stellenweise werden die Fahrrinnen in dem schmalen Weg schon sehr tief und ich traue mich nicht in den Rinnen zu fahren sondern fahre auf dem erhabenen Teil zwischen ihnen. Als ich einmal anhalten muss, kann ich mich nur ganz aussen mit den Füssen abstützen und dabei kippt das Motorrad auf die rechte Seite.
    So, das hätten wir jetzt auch mal. Ich zerre das liegende Gefährt mit dem Motor auf diesen "Steg" zwischen den Fahrspuren und so kann ich es gut wieder aufstellen. Nur der Spiegel ist eingeklappt, sonst ist nichts passiert. Ich fahre weiter nach unten, aber dort ist kein klarer Weiterweg zu erkennen, also suche ich mir eine besser zu fahrende Wiesenspur wieder hinauf. Oben sehe ich dann dass der Weg wohl doch irgendwo da unten laufen muss, fahre aber diesmal viel weiter rechts über Wiesenpfade hinunter und dann über einen Trampelpfad durch die trockenen Wiesen bis auf den Hügel, wo ich die "Strasse" jetzt vermute und - voila - da ist sie, bzw. zumindest ein breiterer Fahrweg und weiter unten dann ein Dorf.
    Bis dahin eht es gut, teilweise auch sehr tiefe Spurrillen, die ich aber zum Grossteil umfahren kann und bald bin ich dann in Granari. Von dort geht eine brauchbare Schotterstrasse, die später zur Teerstrasse wird, weiter und bald komme ich nach Soars. Die Strasse von dort nach Barcut habe ich nicht so weit geteert in Erinnerung, aber da täuscht mich wohl mein Eindruck. Wenige Kilometer vor Barcut wird es dann eine Schotterstrasse und geht so - nicht unbedingt zum schnell fahren geeignet - weiter bis kurz vor Bradeni. Von dort ist die Strasse zwar holprig, aber geteert und ohne viele grosse Schlaglöcher geht es weiter bis Seica Mare. Kleine Schlaglöcher in der Strasse oder holprige Stellen interessieren mich inzwischen nicht mehr so arg; da bin ich inzwischen durch die ungeteerten Strecken schon anderes gewöhnt und das Fahrwerk der GS darf mal tun, was dem Namen entspricht. Zurück in Axente gibt es etwas zu essen und dann fahren wir zu dritt (Lau auf dem Roller, Radu und ich auf der BMW) nach Schaal (Soala), wo die ganze Verwandschaft der Familie wohnt. Bei der Grossmutter gibt es einen Teller Suppe und danach besuchen wir noch den Onkel und dann die anderen Grosseltern; die Mutter von Radu spricht sogar ein wenig deutsch; allerdings wohnen im Ort wohl nur noch 3 „echte“ Sachsen. Jedoch wird hier in dieser Gegend in der Schule als Fremdsprache neben Englisch auch Deutsch gelehrt, so dass man oft jemand findet, der ein paar Brocken spricht.
    Beim Anbruch der Dämmerung fahren wir wieder zurück nach Axente.


    Dienstag, 27.03. fünfter Tag, ca. 320 km (1710)
    Kilometerfressen und frieren.
    Kurz bevor die Kinder sich zur Schule verabschieden werde ich wach. Um neun Uhr gibts dann Kaffee und Frühstück (Brot, Rhabarbermarmelade aus dem Garten und Käse) und bald darauf bin ich dann auf dem Weiterweg. Bis Sighisoara kenne ich die Strecke ja schon, dann geht es weg nach Nordosten, Richtung Gheorgheni. Bis dahin steigt die Strasse schon deutlich an und es wird kälter. Auf halber Höhe passiere ich kurz hinter dem Ort Sub Cetate einen Stausee, der noch einen dicken Eispanzer trägt und ganz oben, als ich dann endlich in das schöne Tal, in dem Gheorgheni liegt, sehen kann, zeigt das Thermometer nur noch 3°C.
    Es bläst ein sehr kalter Wind und so lasse ich bei Fotopausen auch gern den Helm auf. Bei der Fahrt hinunter in die Ebene wird es nur wenig wärmer, und gleich nach Gheorgheni steigt die Strasse wieder an, diesmal noch höher und in etwas wildere Landschaft. Steile Felswände grüssen von den Bergen ringsum und oben auf dem höchsten Punkt auf über 1200 m ist's nur noch 1°C „warm“, und immer noch windig. Hinunter geht es dann durch die Bicaz-Schlucht, die stellenweise schon eine eindrucksvolle Strasse ist; einmal geht die Strasse zwischen zwei hohen Felswänden hindurch – Fels, strasse, Fels, mehr ist nicht. Nach ein paar Ortschaften wird die Strasse mehr befahrener und besser und ich komme nach Piatra Neamt, wo ich mir erst einmal in einem kleinen Strassenrestaurant eine Ciorba de burta einverleibe. In der Stadt gefällt es mir nicht; es ist eine typische „Grossstadt“ mit Wohnblöcken und viel Beton und so fahre ich weiter, das Thermometer zeigt jetzt immerhin 10°C, das ist nicht warm aber ich friere auch nicht.
    Die weitere Strasse ist gross, teilweise vierspurig, führt aber fast vollständig durch Dörfer, so dass die Geschwindigkeit dann nahezu ständig auf 50 km/h beschränkt ist; so komme ich nicht schnell voran und bis Bacau geht das so weiter. Erst nach Bacau, wo sich keine Übernachtungsgelegenheit direkt anbietet, geht es oftmals mit freier Fahrt (100) voran und gleich hinter Adjud falle ich dann in ein Motel. Das Zimmer ist ok, das Badezimmer nuja, rumänisch. Dusche ohne Vorhang, aber immerhin kommt recht heisses Wasser, das tut gut. Später sitze ich im Motelrestaurant bei Bier und Schnitzel.

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    #5
    Mittwoch 28.03.12, sechster Tag, ca. 130 km (1840)
    Ich habs ja so wollen, könnt man sagen, oder: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.
    Nach dem Aufwachen schaue ich hinaus: es regnet, Nicht allzu stark aber doch merkbar. Nunja, dann kann ich heute einmal testen, inwiefern meine Ausrüstung tatsächlich wetterfest ist. Ich frühstücke noch einen Kaffee und ein Omelett mit Käse, wundere mich noch, wofür ein Leu extra auf der Rechnung ist (aber irgendwie ist mir das dann doch egal) dann montiere ich die Koffer und werfe mich dann in Schale. Über die sowieso schon unförmige Motorradkleidung samt Unterjacken- und Hosen kommen jetzt noch Überschuhe, Regenhose und Regenjacke. Bim Anziehen allein komme ich schon ins Schwitzen, aber dann sitze ich endlich auf dem Motorrad und fahre los. Die Temperatur (8°C) ist so sogar gut erträglich und der Regen ist auch nicht stärker geworden, manchmal hört er ganz auf und manchmal tröpfelt es noch etwas.
    Teilweise geht die Strasse so weiter wie gestern, also mit 50 km/h durch ein Dauer-Dorf auf einer vierspurigen Strasse schleichen, später, dann als es näher an Galati geht, darf man ab und zu auch mal schnell fahren. Vom vereinbarten Treffpunkt am Hotel Magnus aus rufe ich Marian an und kurz drauf schieben wir das Motorrad vor sein Appartement und bringen das Gepäck hinein.
    Jetzt sehe ich erstmals solch „blocuri“, diese überall in den Städten stehenden Wohnblöcke von innen. Die Bausubstanz ist schon einigermassen betagt aber mit der richtigen Einrichtung wird das schon ganz nett. Wohn- und Schlafzimmer hat Marian schon recht gut herrichten können, Badezimmer und Küche sind noch in einem recht erbärmlichen Zustand; dafür fehlt ihm momentan noch das Gled, um auch dort ordentlich zu renovieren. Wir laufen in die Stadt, am Fernsehturm vobei und sehen auf die Donau hinunter und gehen später noch eine Pizza essen und fahren dann mit dem Bus wieder zurück.
    Donnerstag, 29.03. siebter tag, 0km (1840)
    Gegen neun Uhr komm ich endlich aus den Federn, nach einem Frühstück sehen wir im Internet nach, ob das historische Schwimmbad in Galati schon fertig ist nach der Renovierung, finden aber hierzu keine brauchbaren Angaben. Marian und ich ziehen los, ein wenig die Stadt ansehen. Wir laufen am Ufer entlang zur Hafenverwaltung, in den Hafen hinein können wir leider nicht, dann laufen wir zum öffentlichen Schwimmbad, das aber immer noch nicht neu eröffnet ist. Es ist morgens noch recht kalt und zugig, daher kaufe ich mir noch eine warme Mütze, so etwas habe ich nicht dabei und vielleicht brauche ich das auch noch, wenn das Wetter nicht dauerhaft richtig schön bleiben sollte. Wir essen daheim dann die schon lange versprochene Mamaliga cu Branza si Smantana, lecker. Später sitzen wir ein wenig vor dem Fernseher und sehen einen Sender, der sich nur ums Angeln und Jagen dreht und Marian versucht mir, alle illegalen Fischereimethoden zu erklären, die er kennt. Später gibt es daheim noch Fasole (Bohneneintopf), Raki (Schnaps, von Marians Bekannten irgendwo privat gebrannt) und Bier und Marian versucht mir ein Spiel zu erklären, das so ähnlich ausschaut wie Go. So ganz durchschaue ich die Feinheiten und Kniffe in dem Spiel noch nicht, aber hier wird das wohl oft gespielt, auf dem Markt haben ein paar Verkäufer das auch miteinander gespielt.

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    #6
    Freitag, 30.03.12, achter Tag, ca. 50 km (1890)
    Morgens stehe ich nicht allzu spät auf, bei Marian gibt es noch Kaffee und Toast und dann ziehe ich mich um und lade das Motorrad wieder voll. Kurz darauf bin ich unterwegs, erst durch Galati, um noch einen Bancomat zu suchen. Bargeld habe ich auf der Reise fast keines dabei; nur einen „Notgroschen“ in Euro im Geldgürtel. In jedem grösseren Dorf kann man hier mit ec-Karte problemlos rumänische Lei abheben. Der erste Bancomat jagt mir jedoch erst einmal einen Schrecken ein, weil er irgendwas faselt von wegen „falsches Rechnungsdatum“, und mir kein Geld ausspucken mag. Beim zweiten klappt es dann und ich atme auf.
    Nördlich von Galati ist die Strasse recht gut, viel besser als ich sie in der Erinnerung von dem Minibus habe, mit dem ich bisher von Galait nach Baleni gefahren bin. Ich kann, wenn es frei ist, auch mit 100 gut fahren. In Baleni muss ich erst ein wenig suchen, bis ich das Haus von Costina wieder finde, dann schiebe ich das Motorrad auf die lehmige Einfahrt und Vasile hilft mir, es umzudrehen, damit ich später wieder wegfahren kann. Ich ziehe mich um und es gibt eine "Kleinigkeit" zu essen, Sarmale und Mamaliga, lecker! Dann kommt Jonela von der Schule, sie gibt sich jetzt wirklich Mühe und es geht deutlich aufwärts, sie kann jetzt lesen. Catalin kommt etwas später, auch er geht jetzt wohl regelmässig zur Schule, spielt dort Fussball und lernt auch Schreiben und rechnen. Es freut mich wirklich, dass sie wohl jetzt hoffentlich die Kurve kriegen, auch wenn es zu einem Hochschulabschluss nicht reichen wird. Etwas später gehe ich mit Catalin und Jonela ein wenig Tischtennissspielen, bald muss ich dann gegen die Dorfjugend reihum antreten, immerhin kann ich die deutsche Ehre ein wenig verteidigen, aber ich gewinne immer nur ganz knapp.
    Es tröpfelt ein wenig, und wir gehen heim, und spielen ein wenig. Dann wird es wieder trocken und Catalin möchte eine Runde mit dem Motorrad zu drehen, aber so ganz wohl ist ihm wohl nicht darauf.
    Zum Abendessen gibt es gebratene Würstchen und Spiegeleier aus dem eigenen Garten. Sie haben jetzt ca. 20 Hühner, 3 kleine Hunde und Catalin hat einen Hasen, der aber wohl auch irgendwann als Braten endet.Ein Verschlag für ein Schwein ist schon fertig, dort kommt demnächst ein Ferkel hinein, so können sie dann auch Reste bestens verwerten. Viele Familien auf dem Land pflegen so eine kleine Selbstversorgung; bezahlte Arbeit ist rar und zusammen mit Gemüse aus dem Garten kann dann schon ein guter Teil der Lebensmittel selbst erzeugt werden.


    Samstag, 31.03. neunter Tag, 0 km(1890)
    Wir stehen nicht so spät auf und nach einem kleinen Frühstück mit Spiegeleiern aus von den eigenen Hühnern und gebratener Wurst laufen Catalin und ich zum Markt, bei dem aber nicht wirklich viel los ist. Auf dem Rückweg gehen wir noch kurz in die Kirche (das "kurz" dauert dann etwas länger). In der Kirche sind Tische aufgestellt, auf denen Blumen, Kerzen, frische Brote und offene Weinflaschen stehen. Irgendwann während des bereits laufenden Gottesdienstes nehmen die Leute die Flaschen, die Brote und die Kerzen in die Hand, stellen es danach aber bald wieder ab. Kurz vor Ende des Gottesdienstes werden die Brote gestapelt und der Priester giesst den Wein zusammen in einen Plastikeimer, der später links vom Altarraum hingestellt wird. Der Gottesdienst ist zu Ende, die Tische werden weggeräumt und die Plastikfolie, die als Bodenschutz diente, wird ebenfalls herausgebracht.
    Dann warten wir zusammen mit einigen anderen Leuten auf irgendetwas, aber ich weiss nicht was. Es dauert lange, aber die Leute hier haben eine riesengrosse Geduld. Es sind fast nur alte Damen in der Kirche, ein paar junge Leute (Schülerinnen hauptsächlich) und noch ein oder zwei alte Herren. Man unterhält sich gedämpft, so dass es vielen wohl auch gar nicht langweilig werden kann. Nach über einer Stunde hat sich immer noch nichts weiter ereignet, aber Marian ist wohl inzwischen angekommen, und so gehen Costina und ich dann aus der Kirche und nach Hause (Catalin ist schon früher nach Hause um mit den Hausaufgaben weitermachen zu können). Heute war wohl wohl eine Kirchenfeier zum Andenken an die Verstorbenen , aber die genauen Riten der orthodoxen Kirche werde ich wohl so schnell nicht begreifen und verstehen.
    Nacheinander drehe ich mit den Kindern auf dem Motorrad eine kleine Runde durch das Dorf und dann werfen Vasile und Marian den aus Lehm gemauerten Grill im Garten an und bereiten leckeres Fleisch vor. Als dieses fertig ist, geht das grosse Umräumen im Haus los und irgendwann sitzen wir dann zu zehnt um den Tisch bei Grillfleisch, Brot, sauer eingelegten grünen Tomaten, Limo und Wein (wobei der Wein ganz gruselig nach Schimmel schmeckt, ich kann ihn echt fast nicht trinken, aber Vasile ist sehr stolz auf „seinen“ Wein).

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    #7
    Sonntag, 01.04., zehnter Tag (1890)
    Um halb 11 laufen Costina und ich zum Bus und wir fahren nach Galati. Einer der drei Brüder von Vasile möchte mich auch noch kennenlernen, und ich soll mir auch sein Appartement ansehen. Die Wohnung im 4. Stock eines typischen Blocks ist tatsächlich schön innen, auch hier wird das "Wohnzimmer" anscheinend nicht be-lebt, sondern dient eher repräsentativen Zwecken (das vierte Zimmer in Vasiles Haus ist ja auch schön eingerichtet, aber kalt und wird im Normalfall nicht betreten). Bad und Küche sind auf normaleuropäischem Niveau, kein Vergleich zum gammligen Altzustand bei Marian. Vasiles Bruder zeigt mir seine ganze Angelausrüstung, da haben wir wenigstens ein Thema, über das wir uns gut unterhalten können. Im Notfall hilft der GoogleTranslator oder (eher weniger) Mihail, der Sohn, dessen Englisch eher dürftig ist und nicht weiterhilft. Immerhin weiss ich jetzt, wo ich nötigenfalls eine Angellizenz für Rumänien beantragen müsste (bei der ANPA). Auch hier wird gleich gross aufgetischt, gebratenes Fleisch, Mamaliga, Knoblauchpürree und Schafskäse. Sehr lecker, besonders der Knoblauch hat es - wie auch beim grossen Essen bei Costina - sehr in sich.
    Mit dem Bus um 16 Uhr fahren wir wieder heim; kaum angekommen, muss ich gleich mit Catalin zur Bar, Tischtennisspielen. Gestern hatte ich ja gegen zwei ältere Jungs aus dem Dorf knapp gewinnen können, jetzt fordert mich ein alter, eher etwas unkoordiniert und fast betrunken wirkender "Penner" auf, gegen ihn ein Spiel zu machen - und ich gewinne ganz knapp; was ich mit Bewegung versuche, kompensiert er einfach mit Präzision. Ich bin echt überrascht und erstaunt und wir trinken einen Kaffee gemeinsam.
    Abends kocht Costina noch einmal, Fleisch, Mamaliga, Brot und Knoblauch; wir feiern vorgezogene Ostern (dort zwei Wochen vorgezogen, da rum.-orthodoxe Ostern eine Woche nach den katholischen Ostern stattfindet), da ich ja zu Ostern schon wieder auf der Heimreise sein werde. Mit Catalin übe ich weiter das kleine Einmaleins, die 2er und 3er-Reihe hat er so langsam drauf, ich hoffe er bleibt dran und lernt den Rest auch.


    Montag, 2.4., elfter Tag 420 km (2310)
    Weit und gemischt. Kilometer auf frischem Asphalt und durch Schlammlöcher.
    Zeitgleich mit den Kindern stehe ich auf und frühstücke. Als sie in die Schule unterwegs sind, packe ich meine Sachen fertig zusammen und kurz nach 9 Uhr komme auch ich weg. Ich möchte nach Norden, mal sehn, wie weit ich komme. Entlang der Grenze zu Moldawien möchte ich fahren und dann irgendwann (heute oder morgen) weiter zu den Moldauklöstern. Bis Barlad geht es fix, auch wenn es morgens noch kalt ist; auf dem geparkten Motorrad waren die Wassertropfen morgens fest gefroren, doch die Sonne bekommt schnell Kraft und die Temperaturen steigen auf 10 oder 12 Grad. Es weht aber immer ein Wind, der im Laufe des Tages stärker wird, mittags kann man noch draussen sitzen, später wird es viel zu unangenehm.
    Von Barlad bis Husi geht eine sehr gut ausgebaute Strasse, bei Rosiesti fahre ich von der Strasse ab, um auf kleinen Nebenstrassen ein Stück weiterzufahren. Zunächst ist es ein kleiner, netter Teerstreifen bis Vutcani, dann geht es auf einem Feldweg weiter, der von grossen Pfützen (eher kleinen Tümpeln) durchsetzt ist. Manche kann ich seitlich vorsichtig umfahren, der Untergrund ist sehr nass und aufgeweicht und bei zuviel Gas droht die Maschine seitlich wegzurutschen; bei ein paar Wasserlöchern bleibt mir nichts anderes übrig, als einfach hindurch zu fahren und zu hoffen, dass es darin keine grösseren und tieferen Schlammlöcher hat - es spritzt links und rechts und geht alles gut.
    Zu langsam darf man halt nicht fahren, damit die Maschine stabil ist, zu schnell lieber auch nicht, schon allein, um nicht alles vollzusauen. Der Feldweg führt bald über eine Brücke und dann bergauf, dann wird es trockener und ein eher fester Feld/Erdweg, den man gut fahren kann und so komme ich problemlos weiter nach Husi. Von dort fahre ich zur Moldawischen Grenze und dann auf der grossen Strasse nach Iasi. In Iasi gefällt es mir nicht, alles voll mit Baustellen und Umleitungen und nach einer kurzen Rast am Kulturpalast (der von aussen schon sehr eindrücklich ist, eher ein riesiges Schloss als ein Kulturpalast sozialistischer Art) fahre ich weiter; erst zu einem Grenzübergang und dann nahe der Modawischen Grenze weiter bis einige Kilometer vor Stefanesti. Dort fahre ich wieder ab um über kleine Strassen "abzukürzen". Herrliche Feldwege und Dörfer mit vielen freilaufenden Hausgeflügeln führen nach einiger Zeit zu einer recht neuen kleinen Teerstrasse die dann auf die Strasse nach Botosani führt.
    Eigentlich wollte ich hier Station machen, aber so richtig ansprechend ist die Stadt auf den ersten Blick nicht. Also ändere ich meine Reisepläne und beschliesse noch die paar Kilometer nach Suceacva oder kurz danach noch abzusitzen und dort dann zwei Nächte zu verbringen und die Moldauklöster ohne Gepäck anzufahren. In Suceava bietet sich auch erst einmal nichts direkt an - und die Stadt ist mir auch zu gross. Also entscheide ich mich bis Gura Humorului durchzuhalten und dort etwas zu suchen. Dieser Ort ist eines der touristischen Zentren der Region, dort sollte es sicher etwas geben. Schliesslich finde ich in einem grossen Hotel mitten im Ort ein (nicht ganz billiges) Zimmer (für knapp 50 Euro pro Nacht) und geniesse eine heisse Dusche, bevor ich etwas futtern gehe und dann in einer Bar Tagebuch schreiben kann und etwas mit der Heimat chatte.

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    #8
    Dienstag, 03.04., zwölfter Tag ca. 200km (2510)
    Klöstertour
    Nach dem späten Aufstehen (ich gammle vor dem Fernseher noch vor mich hin) fahre ich gegen 10 Uhr los, erst einmal zum Kloster Voronet, das hier von Gura Humorului wenige Kilometer entfernt liegt. Es ist dort noch wenig los, aber ist ist unangenehm kalt, sowohl draussen als auch in der Kirche. Auch wenn sonst nicht viel los ist, sind doch zwei Besuchergruppen da; anscheinend gibt es auch Führungen, aber wohl nur auf rumänisch. Ich fahre weiter, zum Kloster Moldovita. Die Kirche hier ist ebenso wie die andere auf der Innen- und Aussenseite bemalt; aussen ist jeweis auf der Nordseite allerdings die Farbe schon weitgehend duch Regen und Wetter weggewaschen, auf der anderen Seite sicherlich schon restauriert, aber in gutem Zustand. Das Geheimnis der Farben, wie diese über die Jahrhunderte ihre Farbkraft erhalten konnten, ist wohl bis heute nicht vollständig geklärt. Zum Teil liegt es wohl an den Bestandteilen der Farben, die mit mineralischen Farben (gemahlenem Lapislazuli etc.) versetzt sind. Innen sind die Kirchen immer etwas dunkel, und hunderte von Bildern mit diversen Heiligen und biblischen Szenen füllen die Wände. Fotografieren darf man in den Klöstern nur gegen Gebühr (die mit 6 oder 10 Lei nicht besonders hoch ist), aber das gilt nur für Aufnahmen ausserhalb der Kirche; in den Kirchen selbst darf man nicht fotografieren und mit meiner grossen Kamera versuche ich es auch erst gar nicht.
    Über einen Bergpass (Ciumarna, 1109m) fahre ich weiter zum Kloster Sucevita; eine grosse burgähnliche Anlage umschliesst das Kloster, in dem noch Nonnen wohnen und arbeiten; vermutlich zum grössten Teil in der touristischen Bewirtschaftung des Klosters. Auf einem Steinkreuz finde ich eine uralte Schrift, die wohl ähnlich dem kyrillischen ist (aber kyrillisch ist es wohl doch nicht).
    Über Land fahre ich wieder zurück zum Hotel, mich ein wenig aufzuwärmen; das Thermometer zeigt 4 Grad morgens und 12 Grad nachmittags; in den Bergen waren es nur 7. Nach einer Pause fahre ich noch einmal los, eine wunderschöne kurvige Stecke führt über dem Fluss Moldava nach Capu Campului, aber dort drehe ich dann auf einem immer kleiner werdenden Feldweg um, als sich dieser vor dem Fluss verliert. Ich mag noch rechtzeitig vor dem Dunkelwerden wieder im Hotel sein; bei Nacht fahren wäre mir dann doch zu unsicher.


    Mittwoch, 04.04. dreizehnter Tag, ca. 350 km (2860)
    Kilometerfressen auf Schlaglochpisten.
    Nicht zu spät stehe ich auf, dusche und geniesse das reichhaltige Frühstücksbuffet, allerdings ist auch hier der Import von West-Ware unübersehbar; die Butter kommt aus dem Allgäu. Ich finde es schade und erschreckend, dass in vielen Fällen ausländische Ware importiert wird, wobei die heimische Wirtschaft es nötig hätte, die eigenen Produkte zu verkaufen. Dann belade ich das Motorrad wieder, werfe mich in Schale(n) und fahre los. Bis Campolung ist nur der gewöhnliche rumänische Strassenwahnsinn (wenn ich mit knapp 60 im Ort fahre werde ich auch mal von nem Gefahrgutlastwagen überholt, und ähnliches).
    Auf der gut ausgebauten Strasse geht es weiter bis zu einem kleinen Pass auf 1096 m (Mestecanis). Danach zweigt die Strasse in Richtung Viseu de sus ab und wird gleich schlechter. Über den Prislop-Pass (auf 1416m) führt eine regelrechte Schlaglochpiste über gut 50 Kilometer. Obwohl ich wegen kleineren Löchern oder Unebenheiten im Belag normalerweise keine Kurven mehr fahre, bin ich hier im Dauerslalom um die grösseren Löcher. Dazu liegt noch einiges an Splitt auf dem Asphalt, so dass die Kurven auch eher verhalten zu nehmen sind. Oben auf der Passhöhe ist es empfindlich kalt, das Thermometer zeigt 3 bis 5°C an, und an wenigen Stellen liegt noch etwas Altschnee auf der Strasse, links und rechts der Fahrbahn hat es sowieso noch Schnee genug; das Schmelzwasser lässt auch die Schlaglöcher nicht mehr so gut erkennen und an ein paar Stellen weiss ich auch nicht, ob ich auf Teerflicken fahre oder auf Spuren alten, dreckig-schwarzen Schnees, auf dem zu fahren allerdings höchst rutschig wäre.
    Hinunter geht es noch ein wenig vorsichtiger als hinauf, und gut 3 Stunden nach Abfahrt komme ich nach Viseu de sus, zum Bahnhof der Wassertalbahn. Ein Freund, der hier vor zwei Jahren Station machte, war ganz angetan von dieser alten Museumsbahn, auf deren Strecke auch heute noch das Holz vom Oberlauf der Viser herabgebracht wird. Leider ist noch keine Saison, und der Bahnbetrieb läuft noch nicht. Also kann ich nur die alte abgestellte Lok ansehen; selbst das Bahnhofsrestaurant hat noch geschlossen und so bin ich recht bald wieder unterwegs.
    Die Strassen werden jetzt besser und bis Beclean geht es zügig voran. Danach weiche ich noch einmal für ein Stück auf kleine und noch kleinere Strassen aus; teilweise ungeteert, teilweise in sehr gutem Zustand und immer mit viel Freude zu fahren und so komme ich dann gegen halb fünf in Ludos an und finde im Hotel Sabis ein Zimmer. Ich stromere noch ein wenig durch den Ort, es ist jetzt angenehm warm, fast schon frühsommerlich.

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    #9
    Donnerstag, 05.04., vierzehnter Tag, ca. 100 km (2960)
    Kurz, aber knackig.
    Gemütlich stehe ich auf, ich habe keine Eile, draussen ist alles nass, aber es regnet nicht mehr; anscheinend hat es wohl nur einen kurzen Schauer gegeben. Nach dem Frühstück im Hotel ist auf der Strasse wieder alles trocken, und es ist angenehm warm - so brauche ich heute nicht allzuviele Schichten anlegen. Über Iernut und Tarnaveni fahre ich über kleine (in der Karte weisse) Strassen ein gutes Stück über Land. Teilweise ist es eine brauchbare Teerstrasse, dann ein längeres Stück trockener, ehemals recht schlammiger Feldweg (das ist an den festgebackenen, tiefen Fahrspuren gut zu erkennen, dass es hier bei Regen ganz gewiss keinen Spass macht) und am Ende kommt wieder ein längeres Stück perfekte Teerstrasse auf der die BMW mit Spass zügig rollen darf.
    Ich fahre nach Seica Mica, aber Michael Weiss, bei dem ich im letzten Frühjahr einmal übernachten durfte, ist nicht anwesend; auf seinem Grundstück steht die grosse Halle aus Holz jetzt und viele Bäume sind auch schon gepflanzt, da hat er wohl eine grosse Menge Arbeit hineingesteckt. Ich möchte die Strasse direkt nach Seica Mare nehmen; am Ortsende frage ich kurz Feldarbeiter nach dem Weg und mir wird bedeutet, diesen Feldweg dort nach rechts zu fahren und dann später hinauf in den Wald. Na ok. Der Feldweg lässt sich ganz gut fahren, ein paar feuchte Stellen machen es etwas rutschig und schon bald bin ich oben im Wald - wo sich die Fahrspur dann aber gänzlich verliert. Mehr nach Gefühl fahre ich durch den lichten Wald bis ich wieder auf Fahrspuren treffe und bald bin ich auf einem deutlichen Karrenweg, der hinunter ins Tal führt. Die Strecke ist für meine Begriffe schon sehr anspruchsvoll, das ABS regelt ständig nach und das Bergabfahren auf stellenweise feuchtem und lehmigen Untergrund ist ein wenig Eiertanz. Während beim Hinauffahren in den Wald ab und zu der Lüfter des Motors anspringen musste um zu kühlen, wird beim Bergabfahren eher mir selbst warm, das Bremsen, lenken und im Gleichgewicht halten der gepäckbeladenen Maschine ist doch recht anstrengend.
    Ohne Zwischenfälle komme ich in Seica Mare an, fahre nach Agerbiciu wo ich ersteinmal an einem Magazin Mixt anhalte und mir etwas zu trinken kaufe. Danach sind es nur noch wenige Kilomter nach Axente. Mit Radu und Nicu gehe ich später zum Angeln an der Visa, wir bleiben aber erfolglos und später sehen wir uns den alten sächsischen Friedhof noch an. Mit Radu sitze ich später noch beim Abendessen und wir reden über Rumänien damals und heute, und ob bzw. dass es wohl noch länger dauern wird, bis es hier tatsächlich für die Bevölkerung bergauf geht.


    Freitag, 06.04., fünfzehnter Tag, ca. 350 km (3310)
    Heimreise erster Teil
    Um kurz nach sieben stehe ich auf, bekomme dann bald einen heissen Kaffee, Brot, Smantana, Rhabarberkonfitüre und Wurst vorgesetzt und darf nicht ohne reichhaltiges Frühstück aufbrechen. Über die Ostkarpaten fahre ich auf mittelgrossen Strassen wieder nach Westen und komme gut voran, in einem Ort ist gerade Viehmarkt und ich bleibe kurz stehen und esse ein Mici (Hackfleischröllchen) vom Grill. Ein Ferkel für 300 Lei kann ich leider nicht transportieren - und fürchte, es wüde auch nicht so gut in bei mir daheim im Vorgarten aufgenommen.
    Dann geht es weiter, es ist warm, auch in den Bergen nicht unter 12 Grad, später wird es sogar richtig schön warm, bis 22 Grad. Am Himmel ist es mal blau, mal wolkig, aber es bleibt durchgehend trocken. Zwischen Arad und der ungarischen Grenze finde ich eine nette Pension und laufe noch ein Zeitlang durch den Ort, aber viel los ist hier nicht. Am Abend sitze ich bei einer Ciorba noch in einem kleinen Restaurant; draussen ist ein heftiges Gewitter aufgezogen; ich hoffe dass es morgen nicht so viel regnen wird, wie der Wetterbericht ankündigt.

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    #10
    Samstag, 07.04., sechzehnter Tag, ca. 500km (3810)
    Kurz nach acht wache ich auf, mache mich fertig und frühstücke das typisch rumänische Hotelfrühstück: Brot, Kaffee, Omelett (wahlweise mit Cascaval/Käse oder Schinken; meine Wahl ist Cascaval). Dann packe ich den Rest, Regenkleidung lege ich noch nicht an, das Wetter schaut recht gut aus und fahre los. Vergeblich versuche ich noch einen Rumänien-Aufkleber für das Motorrad zu bekommen; vermutlich sind die ganzen Andenkenstände nur in der Touristensaison da. Grenzübergang nach Ungarn ist ohne Wartezeit schnell erledigt und bald darauf bin ich auf der wieder langweiligen ungarischen Autobahn durchs flache Land. Mit 120/130 km/h komme ich gut voran und die Strecke bis Budapest geht recht schnell vorbei. Zwischen Budapest und Gjör muss ich tanken und trinke dann auch einen Kaffee, um mich wieder aufzuwärmen; das Wetter hat bisher gehalten, bewölkt, ab und zu auch mal ein blauer Fleck am Himmel, aber recht kühl. Bei 12°C und 120 km/h wird es nach einiger Zeit doch frisch und jetzt belebt ein heisser Kaffee wieder. Im Westen aber sind dunklere Wolken am Himmel und vorsichtshalber lege ich Regenvollschutz an (Jacke, Hose, Überschuhe) und bald nach der Abfahrt fängt es auch an, zu tröpfeln. Richtig fest regnet es auf der weiteren Fahrt nicht, aber doch beständig, so dass alles meist ein wenig nass ist. In Wien kenne ich mich ja gar nicht aus und fahre versehentlich mitten ins Zentrum und komme so wohl direkt am Stephansdom vorbei und taste mich nach meinem GPS-Gerät immer näher an den Westbahnhof heran.
    Direkt am Bahnhof gibt es wohl keine Motorradparkplätze, also stelle ich mich in eine Seitenstrasse und laufe ein wenig bis ich ein Cafe finde, in dem ich ein wenig Zeit verbringen kann - und lande prompt in einem "richtigen" Wiener Kaffeehaus. Wie schön! In einem Flügel des Kaffeehauses stehen ein paar Billardtische und gedämpft klingt das Klackern der Kugeln hinüber in den anderen Teil, in dem ich sitze, Kaffee trinke, einen superleckeren warmen Apfelstrudel vorgesetzt bekomme und in aller Ruhe Zeitung lesen kann. Später verbringe ich noch ein wenig Zeit in der ÖBB-Lounge bei Cola und Gummibärle-all-you-can-eat (weil ich mit Schlafwagen reise, darf ich die Annehmlichkeiten eines Erste-Klasse-Passagiers geniessen). Um viertel vor zehn abends fahre ich dann das Motorrad auf den Autozug; der Schlafwagen steht hier gleich bereit und so kann ich gleich mein Abteil beziehen, das diesmal die volle Höhe hat und kein Doppelstockwagen ist. Der Zug fährt ab und ich bin dankbar über einen schönen Urlaub und eine gute Zeit in Rumänien - und freue mich schon auf ein Wiedersehen mit meinen Freunden dort und mit dem Land.


    Sonntag, 08.04., siebzehnter Tag, 170 km (3980)
    Morgens fährt der Zug über den Arlberg – und draussen schneit es. Dick verschneit ist die Landschaft – und selbst noch beim Aussteigen in Feldkirch ist der Niederschlag nicht Regen, sondern Schnee. Nachdem ich das Motorrad vom Zug gefahren habe, werfe ich mich wieder in die wasserdichten Hüllen und fahre die 170 Kilometer über die C....r Autobahn, zum Zürisee, über den Hirzelpass und an Luzern vorbei wieder nach Hause. Nach so vielen Kilometern schlechten Strassen können mich jetzt ein wenig kalte Finger (trotz Griffheizung) und schlechte Sicht auch nicht mehr stören.


 
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