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Zeltwochenende in Dänemark

Erstellt von Svendura, 03.05.2012, 07:08 Uhr · 23 Antworten · 3.793 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    #11
    Danke für die vielen positiven Posts, ihr Lieben.
    Dänemark ist ein so kleines, unscheinbares Reiseland und kann
    trotzdem so viel Spaß machen. Und deshalb geht s auch gleich weiter...


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    #12
    Rund um den Ringkøbing Fjord

    Ganz sanft komme ich aus dem Tiefschlaf an die Oberfäche. Ich habe super geschlafen,
    aber jetzt wird mir eindeutig zu heiß. Die Sonne scheint strahlend hell und es ist brutig
    warm im Zelt.




    Meine Güte, schon halb neun. Jetzt aber los ins Waschhaus und auf dem Rückweg gleich die beiden
    Mohnbrötchen abholen, die ich gestern beim Einchecken bestellt habe. Die Frau in der Rezeption weiß
    sofort wer ich bin und reicht mit einem freundlichen Guten Morgen eine kleine braune Brötchentüte
    über den Tresen.

    Dazu bekomme ich noch eine kostenlose Landkarte der Umgebung, in die sie mit Kugelschreiber ein
    Kreuz zeichnet, das den Campingplatz markiert. "Du er her." fügt sie erklärend hinzu. Ich bedanke
    mich und gehe zurück zum Zelt, um zu frühstücken. Ich hänge den Schlafsack in die Sonne und setze
    mich mit der Isomatte ins Gras. Die dänischen Brötchen schmecken echt klasse. Ich mag sie sogar
    lieber als unsere zuhause.

    Welch ein herrliches Wetter. Ich hätte nicht gedacht, dass Dänemark im April schon so warm sein kann.
    Keine Wolke am strahlend blauen Himmel und sicher bekommen wir später 20°. Heute möchte ich
    eine Rundtour um den Ringkøbing Fjord fahren. Das sind ungefähr 100 km. Vom Camp aus fahre ich
    auf der schmalen Asphaltstraße weiter ins Vogelschutzgebiet hinein.

    Nach wenigen Kilometern erreiche ich Bork Havn, ein Fischerdorf mit einem malerischen kleinen Hafen,
    der an diesem Morgen gerade erwacht.



    Ein rostiger, alter Bagger steht auf einer Schute im Hafenbecken und baggert emsig die Hafenzufahrt frei.
    Ich sehe, dass es höchste Zeit wird, denn die Schaufel verschwindet keinen Meter tief im Wasser, bevor
    sie mit pechschwarzem Schlamm beladen triefend wieder an die Oberfläche kommt.





    An den Booten bereiten Fischer ihre Ausrüstung vor. Sie stapeln blaue Fischkisten mit der Aufschrift
    Dansk Fisk übereinander und legen auch andere Gegenstände bereit, die ich aber nicht zuordnen kann.



    Als um 11 Uhr der Hafenkiosk öffnet, hole ich mir für 10 Kronen einen Becher Kaffee, der gerade frisch
    durchgelaufen ist. Der Kaffee in Dänemark schmeckt wirklich total lecker. Guter Filterkaffee ohne
    irgendwelche Gimmicks, wie Latte, Moccacino, oder anderen Modekram, den ich bis heute nicht begriffen
    habe. Einfach Kaffee eben.

    Während ich draußen unter dem großen Sonnenschirm mit der Aufschrift Premier Is sitze und meinen
    Kaffee schlürfe, kommt ein alter Mann mit Hund und verschwindet im Kiosk. Der Hund wartet geduldig,
    bis sein Herr nach wenigen Augenblicken mit einer eiskalten Flasche Faxe wieder herauskommt. Er
    setzt sich in die Sonne und trinkt sein Bier. Die Flasche ist total beschlagen und nach einer Weile rinnen
    dicke Wassertropfen außen runter und hinterlassen eine Spur. Ich bekomme Durst. Das kriegt die
    Bierwerbung im Kino nicht besser hin.

    Erst am Mittag fahre ich weiter, halte aber noch im Ort bei SPAR an, um mir auch so ein Bier zu kaufen,
    auch wenn ich es erst abends am Zelt trinken kann. Werbung wirkt eben doch. Im Supermarkt
    entscheide ich mich allerdings für ein Tuborg Super Light, das nur 17 kcal mehr als Mineralwasser hat.



    Von Bork Havn aus fahre ich entgegen dem Uhrzeigersinn weiter um den Ringkøbing Fjord. Am
    schilfigen Ufer wird Rohr geschnitten, zu großen Bündeln Reet gebunden und zum Trocknen in die
    Sonne gelegt. Damit werden später einmal die teuren Reetdachhäuser auf Sylt und anderswo
    eingedeckt.



    Kurz darauf komme ich durch ein großes Naturreservat und Vogelschutzgebiet. Überall stehen Leute
    herum und glotzen durch ihre Ferngläser irgendwelche Vögel an. Wenn die wüssten, was Svenduras
    Definition von Naturschutzgebiet ist:

    Naturschutzgebiet, das. (n), (Abk. NSG): Hammergeiles Offroad Gelände, in
    dem man super Enduro fahren könnte, aber leider nicht darf. Mist.

    Schade, dass ich hier keine Runde drehen darf. Entäuscht, aber dafür umso entschlossener düse ich
    weiter und spiele wenigstens einmal La Cucaracha auf meiner Hupe. Hui, jetzt kommt aber Bewegung
    in die Vogelkolonie. Die Baumstreichler sind total aufgeregt und einige winken sogar zu mir rüber.
    Jetzt bloß die Karre nicht abwürgen.



    Mein nächster Halt ist Ringkøbing. Der Weg zum Hafen führt mich durch eine hochmoderne Automeile,
    wie ich sie in Deutschland noch nicht gesehen habe. Gerade als ich das Gefühl bekomme, mich verfahren
    zu haben, erreiche ich den Hafen, den ich aber weniger interessant finde, als den in Bork Havn. Alles ist
    frisch renoviert, es gibt viele neue Häuser und dazu ein Parkleitsystem zu den Großparkplätzen Nord
    und Süd.



    Ich halte mich nicht lange in Ringkøbing auf. Aus dem Grillimbiss am Hafen riecht es so verführerisch
    nach heißem Fett, dass ich Hunger bekomme und mir die Entrecotes einfallen, die im Camp
    auf mich warten. Ohne weitere Verzögerung mache ich mich auf dem schmalen Küstenstreifen
    zwischen Fjord und Nordsee auf den Weg zurück zum Zelt.

    Der Rückweg ist grottenlangweilig und kommt mir heute endlos vor. Vielleicht habe ich aber
    auch nur Hunger. Kilometer um Kilometer geht es stur geradeaus mit 94 km/h. Mehr als einmal
    werde ich recht zügig von Dänen überholt. Was ist bloß aus den guten alten 80 km/h geworden, die
    hier früher so penibel eingehalten wurden?



    Den Nachmittag verbringe ich sonnend und lesend am Zelt. Aber zuerst werfe ich den Kocher an, gieße
    etwas Biskin in die Titanpfanne und brate die Steaks, die ich in Varde gekauft habe. Die sind fast noch
    leckerer, als das Fleisch, das ich von Zuhause mitgebracht habe. Das Schild auf der Verpackung
    nennt als Herkunftsort Tyskland. Keine Ahnung, wo das genau liegt, aber es müsste irgendwo in
    der Nähe von Odense sein. Auf jeden Fall machen die dort erstklassiges Fleisch.

    Wird fortgesetzt...

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    #13
    .....wieder mal sehr sehr schön geschrieben, du Vogelschreck!!

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    #14
    Hallo Svenja, prima geschrieben. Klasse, mittendrin mal wieder aufgehört und der Rest.....
    Bin gespannt auf weiteres. Man hat das Gefühl, man war dabei und Hunger kriegt man beim Lesen permanent ebenfalls dann, wenn Du darüber schreibst , o.k., ich mache mir gegen den Hunger einen Cappu und hoffe, dass dann der Rest vom Bericht eingestellt ist. Freue mich auf die Fortsetzung.

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    #15
    Zitat Zitat von Svendura Beitrag anzeigen

    ... Die sind fast noch
    leckerer, als das Fleisch, das ich von Zuhause mitgebracht habe. Das Schild auf der Verpackung
    nennt als Herkunftsort Tyskland. Keine Ahnung, wo das genau liegt, aber es müsste irgendwo in
    der Nähe von Odense sein. Auf jeden Fall machen die dort erstklassiges Fleisch.

    Wird fortgesetzt...

    Der iss gut !

    Gruß Thomas

    PS: wann gehts denn weiter ...???

  6. Registriert seit
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    #16
    Moin Svenja,

    dein Bericht ist spannend zu lesen!
    Ich kenne Vieles aus eigener Erfahrung und es macht deshalb
    noch mehr Spaß deinen Reisebericht zu lesen.
    "Jeg elske Jytland" können wir sicher beide zustimmen.

    Bitte Fortsetzung!



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    #17
    Hi Svenja,

    Dir ist Dein Spaß an der Tour deutlich an und zwischen den Zeilen abzulesen! Klasse, wünsche Dir weiterhin viel Spaß dabei! Als jemand, der im Großraum Flensburg und damit an der Grenze zu Dänemark großgeworden ist, ist mir dieses Land mit seinen Reizen alles andere als unbekannt, kann von daher die Freude und Begeisterung gut teilen. Es geht alles einen Zacken ruhiger und entspannter von dannen...

    Einen kleinen Tipp möchte ich Dir aber wohl mit auf den Weg geben: wenn z.B. das Fleisch auf Deinem Grill den Herkunftsort "Tyskland" ausweist, nun ja, *räusper* dann heißt das letztlich, dass Du importiertes Essen grillst... und zwar aus Deutschland... denn Tyskland ist nichts Anderes als die dänische Bezeichnung für Deutschland...

    Doch nix für ungut, genieße weiterhin die Tour, gönne Dir auch einen Hot Dog mit "Pölser", denn die knallroten Würstchen sind die einzig wahren Hot Dogs!

    So long, Tom

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    #18
    Rückreise nach Kiel

    Das Gras auf der großen Wiese ist an diesem Morgen noch nass von Tau und beinahe
    unberührt. Nur von einem holländischen Wohnmobil führen zwei Spuren zum Waschhaus
    und genau dahin bin ich auch unterwegs.


    Das Thermometer an der Rezeption zeigt 8° C an und ich bin froh, dass die Waschräume
    auf Vesterlund Camping mollig warm beheizt sind.

    An den Waschbecken steht man Schulter an Schulter nebeneinander, was ich echt hasse,
    weil ich es nicht mag, wenn mir jemand morgens beim Schminken und Stylen zusieht. Aber
    zum Glück gibt es auch eine Einzelwaschkabine.

    Beim Abbrechen des Lagers lasse ich mir Zeit. Zuerst krabbele ich ins Zelt und lasse die
    Luft aus der Therm-A-Rest, bevor ich den Schlafsack in seinen Beutel stopfe, dann die
    Isomatte aufrolle und beides in dem roten Rack Pack verschwindet. Der Rest meiner spärlichen
    Ausrüstung passt auch noch ganz bequem hinein, oder verschwindet im Tankrucksack.



    Das Zelt wische ich gründlich sauber, damit ich es in drei Wochen auf dem Weg nach
    Irland wieder trocken auspacken kann. Es dauert eine knappe Stunde, bis alles sorgfältig
    verstaut und die KLX startklar ist. Ich starte den Motor und freue mich über das leise Säuseln,
    das sicher niemanden stören wird. Manchmal nervt mich der fehlende Sound, aber meistens
    finde ich es klasse, dass die KLX so unauffällig und sympathisch leise läuft.



    Langsam rolle ich über die nasse Wiese, fahre durch die automatische Schranke und
    parke die Maschine vor der Rezeption. 150 DKK zahle ich für die beiden Nächte und
    zwei Brötchen. Das sind circa 20 €. Nein, billig ist Zelten nicht mehr, aber es ist sein Geld wert.

    Bei strahlendem Sonnenschein fahre ich auf der schnurgeraden Reichsstraße 11 zurück
    nach Süden. Der stramme Ostwind nervt heute besonders, auch wenn ich ihm das gute
    Wetter zu verdanken habe. Obwohl es schnurgeradeaus geht, fahre ich ständig in
    Schräglage und wenn ein Laster entgegen kommt, gibt es jedesmal einen heftigen
    Schlag gegen den Helm.



    Nach einer guten Stunde erreiche ich Ribe und nehme im Kreisel die Ausfahrt zur Ortsmitte.
    Ribe ist wirklich schön und hat eine sehenswerte kleine Altstadt. Genüsslich schlendere ich
    durch die Fußgängerzone. Welch ein schöner Frühlingsmorgen das ist. Der 1. Mai ist in
    Dänemark kein Feiertag und die Geschäfte sind geöffnet.



    Ganz in der Nähe gibt es Førtex, ein großes Kaufhaus mit einer erstklassigen Bäckerei.
    Ich hole mir am Tresen einen Kaffee und ein Brötchen dazu und setze mich an einen
    freien Tisch. Ist es nicht wunderbar, bei strahlendem Sonnenschein mit dem Motorrad
    auf Tour zu sein, unterwegs zu frühstücken und einfach nur das Leben zu genießen?
    Oh, ich liebe es.



    Für die Rückreise durch Dänemark habe ich auf der Karte die grün markierten,
    landschaftlich schönen Strecken herausgesucht, doch mehr als ein paar Alleebäume
    links und rechts geben sie nicht her. Doch das ist eben Dänemark, man fährt kaum wegen
    der interessanten Motorradstrecken hierher, sondern wegen der friedlichen Gelassenheit,
    die dieses schöne Land und seine überaus sympathischen Bewohner ausstrahlen. (05/2012)

    Danke fürs Mitlesen und für die netten Kommentar, über die ich mich sehr gefreut habe.
    Den kleinen Reisebericht habe ich zuerst hier im GS-Forum gepostet und ihn jetzt mit
    einigen ergänzenden Skizzen und Zeichnungen auch auf meine Svendura Seite gestellt.



    PS: Die Erfahrungen zum Salewa Denali III fasse ich gerade zusammen und mache daraus
    ein extra Posting.

  9. Registriert seit
    17.01.2007
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    #19
    Zitat Zitat von Svendura Beitrag anzeigen

    Hey Svenja,

    den Aufkleber am linken Lenkerende hast du hoffentlich NICHT extra für Dänemark angebracht, ODER???

    Toller Bericht & viel Spass in Irland - wir freu´n uns schon auf den Bericht und deine Bilder!!!

  10. Registriert seit
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    #20
    Zitat Zitat von greatsouthwest Beitrag anzeigen
    Einen kleinen Tipp möchte ich Dir aber wohl mit auf den Weg geben: wenn z.B. das Fleisch auf Deinem Grill den Herkunftsort "Tyskland" ausweist, nun ja, *räusper* dann heißt das letztlich, dass Du importiertes Essen grillst... und zwar aus Deutschland... denn Tyskland ist nichts Anderes als die dänische Bezeichnung für Deutschland...
    Ich glaub da bist Du etwas auf Svenjas trockenem Humor reingefallen :-)

    @Svenja: Im Juni werde ich ja auf dem Weg zur Fähre nach Hirthals auch eine ganze Ecke durch Dänemark fahren. Kannst Du mir da eine gute Route empfehlen? Beim letzten mal bin ich von Hirtshals nach Hause einfach über die Autobahn gebrettert. Jetzt hab ich auf dem Hinweg schon viel Zeit und könnte mir ja Dänemark genauer ansehen...

    Gruß
    Christian


 
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