Gewitter - Was tun auf dem Krad?

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krude

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An die Physiker unter uns, wie gefährlich ist es eigentlich bei Gewitter auf dem Motorrad? Im Auto soll man ja geschützt sein vor Blitzschlägen, aber wie sieht das unterm Helm aus, kann mir nicht vorstellen, dass der Blitz nicht vom 200kg Metallstück unter uns wie magisch angezogen wird...

Gruss
Stephan


...weils draussen donnert und ich gleich los muss...
 
E

elendiir

Gast
Servus Stephan,

wenn in den Motorradfahrer ein Blitz einschlägt, wars das. Ein Kunststoffhelm kann keinen Faraday`schen Käfig bilden, und wenn Du einen so dicht um den Kopf hättest, wärs das auch. Es würde Dich einfach von deiner Q brurzeln.
Allerdings sind die Chancen eines Einschlages relativ gering, solange der Motorradfahrer nicht die höchste Erhebung in der näheren Umgebung ist.


Der Herr ADAC meint dazu:

"Blitzeinschläge ohne Folgen

Auto- und Zweiradfahrer im Sommergewitter

Blitz-Entladungen - seit jeher ein beeindruckendes, aber auch furchteinflößendes Naturspektakel. Mit dem Aufkommen von Ganzstahl-Autokarosserien vor gut 100 Jahren gab es zumindest für Autofahrer Entwarnung. Warum das so ist, das sollten Sie hier vor dem nächsten Gewitter schon einmal in aller Ruhe studieren...

Der "Faradaysche Käfig"
Bei Blitzentladungen entstehen Spannungen bis zu einigen hundert Millionen Volt mit Strömen zwischen 10.000 und 20.000 Ampere (Haushalts-Stromnetze sind auf maximal 15 - 25 Ampere bei 250 Volt Spannung ausgelegt). Also: Höchste Gefahr für den Menschen außerhalb seines mit Blitzableitern gesicherten Hauses? Für Fußgänger oder Zweiradfahrer ja, die Insassen von Autos haben es aber, bei Beachtung einiger Verhaltensregeln, deutlich besser.

Die wissenschaftliche Begründung hierfür verdanken wir dem Engländer Faraday. Dieser war schon lange vor der Erfindung des Automobils darauf gekommen, dass der Aufenthalt innerhalb eines Blechgehäuses, das aber auch die Gitterstruktur eines "Käfigs" haben kann, beim Blitzeinschlag unbedenklich ist, und zwar solange, wie eine Berührung des Metalls von Innen ausgeschlossen wird. Wer dies "live" erleben will, kann es im Deutschen Museum in München tun (und sich anschließend das Original des allerersten Autos, des "Benz Patent-Motorwagens" ansehen, der, als motorisierte offene Holzkutsche, keinesfalls als "blitzgeschützt" gelten kann).

Limousinen
Im Regelfall sitzen wir in Autos mit einer geschlossenen Blechkarosserie. die dann auch ganz exakt dem beschriebenen "Käfig"-Prinzip entspricht. Demnach: Alles ganz gefahrlos? Einige Dinge sollte man schon beachten: Als Parkplatz während eines Gewitters keine gegenüber der Umgebung erhöhte Punkte aussuchen, Fenster und Schiebedach schließen, alle Antennen, soweit möglich, einziehen (könnte im Fall des Falles kritisch für die angeschlossenen elektronischen Geräte und deren Verkabelung sein), das Handy nicht benutzen bzw. von der Antenne trennen. Im Innenraum sollte man keine Metallteile, die mit der Karosserie in Verbindung stehen, berühren, was bei der heutzutage üblichen Kunststoffauskleidung kaum ein Problem darstellen dürfte.

Wenn nun, was in der Praxis aber extrem selten vorkommt, ein Blitz tatsächlich einschlägt, dann sind für die Insassen, verursacht durch die Blend- und Knallwirkung, Schreckreaktionen denkbar. Für das Auto läuft es unter Umständen nicht ganz so gut ab: Bei Versuchen in Hochspannungs-Labors ("echte" Blitzautos sind offenbar wirklich nicht aufzutreiben) konnte man Brandspuren am Lack (punktförmig an den Ein- und Austrittsstellen) sowie quer über die Reifenflanken (entsprechend dem Blitz-Verlauf zum Erdboden) feststellen.

Kunststoff-Karosserien
Eine Aluminium-Außenhaut oder eine Kunststoff-Beplankung auf einem Metall-Gerippe (gängiges Konstruktions-Prinzip bei Freizeitmobilen, aber auch an früheren Modellen des Renault Espace und beim "Trabbi") wirken ebenfalls wie ein "Faradayscher Käfig". Kritisch wären allenfalls reine Kunststoff-Gehäuse, die aber im Fahrzeugbau kaum, allenfalls als Einzel-Bauteile (Alkoven bei Gewitter meiden!) vorkommen.

Und ohne festes Dach?
Erste Maßnahme, auch wenn der Hinweis überflüssig klingt: Cabrio-Verdeck schließen. Dann allerdings funktioniert auch hier das Prinzip des Herrn Faraday: In nahezu jeder Verdeck-Konstruktion befinden sich zur Querversteifung "Spriegel" (Stangen) aus Metall, die einen Einschlag über Karosserie und Reifen zum Boden ableiten. Auch Windschutzscheibenrahmen, Überrollbügel, Verdeck-Mechanik wirken hier vorteilhaft mit.

Dies belegen auch Labor-Simulationen: Demnach sind Brandspuren im Verdeckstoff nicht immer auszuschließen, für die als Insassen ausgewählten Versuchspuppen waren die Folgen aber völlig unbedenklich. Meldungen, dass es im realen Unwettergeschehen für Cabrio-Passagiere einmal schlimm ausgegangen wäre, existieren folgerichtig auch nicht.

Zweiradfahrer
Hier gibt es nur eine Empfehlung (wie allgemein für Fußgänger auch): Exponierte Stellen und die Nähe zu hohen Objekten (Bäume, Masten) meiden, nach Möglichkeit unter Brücken o.ä. Schutz suchen, Abstand von der Maschine halten, im freien Feld eine "Kauerstellung" einnehmen.

Fazit
Gefährlich für motorisierte Verkehrsteilnehmer sind bei Gewitter vorrangig schlechte Sicht, Hagelschauer, Windböen, Aquaplaning, abgerissene Äste und andere Hindernisse auf der Fahrbahn. Auch die Statistiken nennen regelmäßig als "Blitzopfer" Fußgänger, Wanderer, Sportler, Arbeiter in Außenbereichen, aber eben keine motorisierten Verkehrsteilnehmer. Trotzdem ist es ganz gut zu wissen, wie Blitzschläge auf Fahrzeuge wirken und was man beachten sollte."
 
FlyingCircus

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Entschuldigung, habe mich schon wieder abgeregt. Diese populärwissenschaftlichen (das hat so viel mit Wissenschaft zu tun wie eine Kuh beim Springreiten) geistigen Durchfälle a la Bublath (sprich: Blabla) sind manchmal lustig aber meistens gefährlich.

Ein Blitz ist die sichtbare Form einer elektrischen Entladung. Diese wird weder "angezogen", noch "sucht" sie irgendwas. Auch nicht Wege und erst recht nicht "den kürzesten Weg". Der Verlauf eines Blitzes ist nicht vorherseh- und damit nicht vorhersagbar - BASTA! Er hält sich auch nicht an wohlmeinende Empfehlungen des ADAC. Auch Statistiken interessieren den gemeinen Blitz nicht. Und wäre es so, würde er sich bestimmt vor Freude knisternd den nächsten "motorisierten Verkehrsteilnehmer" suchen, aus Frackigkeit gegenüber der Statistik.

Bei Gewitter zu Fuß, auf'm Fahrrad oder Moped unter die Brücke oder in ein Haus! Übrigens umfliegt man nicht nur die aktiven Zellen eines CB, sondern auch weiträumig seine Außenstruktur. Hagel und Blitze treten nämlich sehr gerne an den Rändern einer solchen Gewitterwolke auf. Man sollte doch meinen, daß ein Blitzeinschlag in - oder besser auf - ein Luftfahrzeug nichts ausmachen, weil "Faradayischer Käfig" - oder? Schließlich ist das Ding doch aus elektrisch leitendem Material - Aluminium?
Erstens werden gerne die Antennen weggebruzzelt und zweitens sorgt das entstehende elektrische Feld für Zerstörung.

Lange Rede kurzer Sinn, der ADAC sondert mal wieder seine geistige Diarrhoe ab - raus aus dem Gewitter, rein in einen Schutzraum - fertig.

Grüße
Gert
 
AMGaida

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Schön gesagt, Gert. :D

Ich habe mal von einem Fall in der MOTORRAD gelesen, wo der Fahrer vom Blitz getroffen wurde und daraufhin gestürzt ist. Neben Verbrennungen 2. - 3. Grades ist der Arme durch Sturzverletzungen auch noch Querschnitt gelähmt. Seit ich das gelesen habe (ich hatte damals noch kein Motorrad) wusste ich, dass ich niemals im Gewitter fahren werde. :eek:
 
hixtert

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Auf der SS340 2 km nördlich von Sorioco am Comer See vor fünf Jahren.
Damals schlug ein Blitz wenige Meter von uns entfernt in die Stahlkonstruktion
der Brücke, auf der wir gerade waren. Schon der Knall konnte einen fast vom
Mopped reißen. Die elektrische Spannung in der Luft war überdeutlich zu
spüren. Wenn einem von uns der Blitz in den Helm geschlagen wäre, hätten
die anderen ihn bei Wienerwald in Zahlung geben können :D
 
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krude

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Vielen Dank für die fleissigen Antworten, jetzt weiss ich, dass ich schiss haben kann vorm Gewitter auf dem Krad.

Gruss
Stephan
 
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