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Autonomes Fahren

Erstellt von ZerberusGS, 16.08.2015, 14:17 Uhr · 85 Antworten · 5.367 Aufrufe

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    Standard Autonomes Fahren

    #1
    Hallo Gemeinde !

    Hier eine etwas verspätete Sonntagspredigt, die auf keinen Fall belehren, sondern zum Nachdenken anregen soll.

    Meiner einer war erst vor einer Weile auf einem Fachidiotentreffen - Symposium - zum Thema Autonome Fahrzeuge / Autonomes fahren. Mein Fazit der nicht immer fesselnden Vorträge :

    Autonomes Fahren ist, zumindest schon im Labor und auf den Teststrecken der Hersteller, schon ein ganzes Stück weiter als ich dachte.

    So schön so gut. Aber wartet ...

    Besonders ist mir der Vortrag in Erinnerung, um den es um den Ausblick in die gar nicht so ferne Zukunft des Autonomen Fahrens ging. Wo ich natürlich mal wieder unangenehm auffiel.

    Die Vision die in dem Vortrag beschworen wurde, klang auf den ersten Blick verlockend.

    Person X besteigt ein Fahrzeug und befiehlt diesem von A nach B zu fahren. Da es in dieser Vision nicht mehr vorgesehen ist, das der Fahrer in das Geschehen eingreift, erfüllt das Fz. dem Fahrer diesen Wunsch Autonom.
    Voll vernetzt mit Zilliarden voll vernetzter Sensoren - sogar von der Einbeziehung der Fähigkeiten von Smartdust war schon die Rede - erledigt das Fz. den Fahrauftrag schnell, sicher und Energieeffizienz. Person X erreicht entspannt das Fahrziel und konnte unterwegs arbeiten oder sich in Social Networks tummeln - HOORAY !
    Da Fahrzeuge und Environment voll vernetzt sind und ständig miteinander kommunizieren, ist das Unfallrisiko gleich null, Staus gehören der Vergangenheit an und es werden für den Fahrauftrag nur die absolut nötigen Ressourcen verbraucht.

    Da saß ich nun, inmitten einer Menge wirklich kluger Leute mit einer Vision. Ihre Augen leuchteten und alle waren so ergriffen, das Sie den Vortrag im ersten Moment nicht mal mit dem verdienten Applaus honorierten. Ein Defätist, der ehe sehr nachdenklich dasaß, nutzte die günstigen Gelegenheit natürlich für einen Zwischenruf.
    "Und was ist mit Motorrädern ?"

    Genauso gut hätte ich bei einem päpstlichen Konzil rufen können : Wann gibt es endlich gratis Kondome für die noch in die Wege zu leitenden Orgien nach dem Konzil ?

    In den Augen der ganzen klugen Leute mit der Vision, stand nichts als blankes Entsetzen, während sie ihre Köpfe drehten und ich meine 5 Sekunden (zweifelhaften) Ruhm bekam. Vom Podium, wo man sich erst mal von diesem Schock erholen musste, schallte es schließlich einigermaßen konsterniert :
    " Motooorräder ? "
    " Yup ! Motorräder ! "
    Auf dem Podium sah man sich Verständnislos an und überlegte, wie man mit diesem ganz offensichtlich geistig schwer zurückgebliebenem Unikum aus dem Auditorium umgehen soll. Auf dem Podium wurde sich geräuspert, getuschelt und dann bekam ich meine Antwort :
    " Motorräder im klassischen Sinn, haben in unserer Studie keine Rolle gespielt."
    "Warum nicht ? " Ich konnte mir diese Frage einfach nicht verkneifen, weil ich furchtbar gerne Mopped fahre.
    Auf dem Podium wurde wieder getuschelt, dann kam : "Wir haben Motorräder nicht mit in unsere Studie einbezogen, weil sie keinen Platz im vollautomatisierten Verkehr mehr haben."

    Auf dem anschließenden Plausch an Stehtischen, wo ich gemieden wurden wie ein Leprakranker mit Ebola und einer roten Aids schleifen, gesellte sich dann doch eins der Mitglieder der Studiengruppe zu mir. Aus purem Mitleid wie ich vermute. Er zeigte mir auf seinem Tablett die Studie eine Fahrzeuges, das aussah wie ein Riesenjojo mit umlaufendem Reifen. Er versuchte mich damit zu trösten, das dieses kreiselstabilisierte Beförderungsmittel für eine Person, einem Motorrad ja immerhin irgendwie nahe kam - seiner Meinung nach.

    Abschließend nur noch dieses. Beim Erstellen der Studie, befragten die Ausführenden zahlreiche politische Entscheidungsträger. So wie ich es verstanden habe, schwebt den meisten politischen Entscheidungsträgern volltautomatisierter Verkehr vor, der in seiner Endstufe, Eingriffe der Fahrer einfach nicht mehr vorsieht. Weswegen man, ohne schlechtes Gewissen von einer Transportvision sprechen kann. Menschen und Güter sollen unfallfrei, sicher, und ressourcenschonend transportiert werden. PUNKT !

    Für alle die jetzt Müde lächeln : Der von der EU vorgesehene Zwang Neufahrzeuge Fahrzeug zu vernetzen, ist ein erster unerlässlicher Schritt in diese Richtung. Die Einführung von Unfalldatenspeichern und der Zwang das jeden Neuwagen mit einen Internetanschluss auszustatten, ist in den USA beschlossene Sache. In Japan sind GPS gesteuerte Eingriffe ins Motormanagement bereits Alltag. Der Streit wem die von neueren Fahrzeugen produzierten Daten gehören, Hersteller oder Besitzer, wird gerade zu Gunsten der Hersteller entschieden.

    Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber ich sehe und höre. Ich denke Oldtimer und Motorräder, werden in absehbarer Zeit aus dem Straßenbild verschwinden. Vielleicht wird es noch Motorräder geben. Aber mal ehrlich, wie viel Spaß kann man auf einem Zweirad haben, das einem keine Eingriffe mehr ins Geschehen erlaubt ?

    Und für alle die jetzt tönen, " Das wird nie so kommen !" nur so viel. Unter Fachleuten gibt es keine Diskussion mehr darüber, wer besser, schneller, rationeller und sicherer agiert und reagiert: Mensch oder Elektronik.

    Meine einzige Hoffnung ist, das die Hersteller von Autos den Prozess verzögern. In noch weitergehenden Visionen, teilen sich einige wenige Monopolisten das aufkommende Transportvolumen mit ihren Flotten von autonomen On-Demand Transportmitteln.

    Die Kutscher und Pferdebesitzer von anno dazumal, hatten wenigstens den Vorteil das die Zukunft laut knatternd auf sie zukam und sie auf die unübersehbaren Gefahren hinweisen konnten. Auf uns rollte die Zukunft lautlos zu und mit ihr geht das nicht zu toppende Totschlagargument nahezu unfehlbarer Sicherheit einher.

    ABER ! Ich bin mir sicher das es einen Aufstand von uns geben wird !! Und wir uns mir aller Kraft dagegen stemmen werden - SPLAT ! - Summsummsumm ....

    Ramen !

    Deprimierten Sonntag noch ...

    Euer Padre ZerberusGS

  2. Registriert seit
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    #2
    Oha! War da nicht erst Letztens ein Bericht über ein "gehacktes" Auto? Da brauch ich ja keine Minute, um meine Verschwörungsneurose zu füttern. . .

    Wird sicher lustig zu sehen wie die Vollautomatisierten Kisten auf ein nicht geplantes, zwischen den Reihen durchwischendes Motorrad reagieren. Der Spaß in meiner Rente ist gerettet.

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    #3
    Bei unserer Infrastruktur hier auf dem Land wird das so schnell nicht kommen!!!!
    Bei uns funktioniert nicht mal ein Handy (gleich welcher Anbieter)!!!
    Die Straßen sind so schlecht das mittlerweile fast alle suvs bzw. Geländewagen fahren!! Ist Realität mitten in Deutschland!
    Also von daher - hier kannst du noch mopedfahren

    MFG.

  4. Registriert seit
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    #4
    Ich weiss ja nicht auf was für komischen Veranstaltungen du dich herumtreibst, aber bis diese "Visionen" real werden, wird es noch eine Weile dauern.

    Zunächst muss einmal die Haftungsfrage geklärt werden. Wer ist schuld, wenn ein autonomes Fahrzeug einen Unfall baut. Jetzt wird Google kommen und sagen das sie bisher nur passiv in Unfälle verwickelt wurden, aber Softwarefehler hat es immer schon gegeben und sie haben auch früher schon Menschenleben gekostet.

    Als nächstes kommt die Logistik der Umstellung. Es wird keinen Umstieg von heute auf Morgen geben, weil das keiner bezahlen kann/will/wird. Also muss es eine Übergangsphase geben, in der ein gemischter Verkehr umgesetzt werden muss. Es müsste sichergestellt werden das der autonome Verkehr seine stärken voll und ganz ausspielen kann, das geht allerdings nur durch eine Trennung der Fahrspuren. Und jetzt ratet mal wie lange sich die RS6, Passats und sonstigen "Vertreterfahrzeuge" sich davon beeindrucken lassen werden das sie dort nicht fahren dürfen und mit dem Argument "ich habe einen Tempomaten mit Abstandsfunktion" das System durcheinanderbringen.

    Dann kommt die Umrüstung bestehender Infrastruktur noch auf den Plan. Wer sich nur auf GPS verlässt ist noch nie durch den Gotthard gefahren. Es müssten also zusätzliche Signale/Sensoren auf den Strassen verbaut werden. Das ist allerdings nur für Hauptverkehrsachsen rentabel. Nebenstrecken würden ignoriert und dementsprechend für die autonomen Fahrzeuge irrelevant.

    Als letzes noch das Thema Effizienz. Wenn die Strecken Effizient und Rohstoffsparend geplant werden sollen, dann bleiben solche schönen Strecken wie der Gotthard Pass den Motorradfahrern und nicht autonomen Fahrern vorbehalten...
    Also JA! Seht zu das ihr die autonomen Fahrzeuge vorantreibt! Alles wird besser! Vor allem muss ich mich dann nicht mit Flachlandtirolern mehr herumstreiten, die meinen auf der Geraden alles zu geben um dann in der Spitzkehre stehen zu bleiben.

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    #5
    Denke nicht, dass es um Landstraßen geht. Aber auf Mehrspurigen Straßen kommen wir auf Dauer nicht daran vorbei, fürchte ich.

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    #6
    Ich glaube auch nicht, dass diese Version weit hergeholt ist. Wenn mir einer vor 30 Jahren erzählt hätte, du wirst irgendwann immer und fast überall per Telefon zu einem finanzierbaren Preis erreichbar sein, dem hätte ich einen Vogel gezeigt. Ans Internet garnicht zu denken. Ich kann mir das in nicht all zu ferner Zukunft schon vorstellen. Ich schätze in 10-15 Jahren.

    Gruß,
    maxquer

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    #7
    Was ineffizienteres als autonomes Fahren gibt es ja wohl kaum. Sollen sie lieber die Forschungsgelder in den Ausbau des ÖPNV stecken. Da kann ich heute auch schon ankommen ohne selbst zu fahren. Bei weitem nicht so luxuriös wie in dem mit einer Person besetzten Mittelklassewagen, aber dafür viiieeel preiswerter und ressourcenschonender. Niemand, außer natürlich der Industrie, braucht autonome Fahrzeuge. Aber wenn ich als Motorradfahrer da Sand im Getriebe sein kann, gern

  8. Registriert seit
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    #8
    Nun, autonnomes Fahren wird sich wohl zuerst im Bereich der Transporte entwickeln - Stichwort auch "Platooning", d.h. LKWs fahren in geringen Abständen um die Luftwiderstände weiter zu reduzieren, diese Technik kann dann durchaus auch in PKW einzug halten, und genutzt werden, wenn ich/Man einfach von A nach B (ge)fahren (werden) will, man muß aber nicht.

    daß das dann das Ende der Motorräder sein wird - ich glaube es nicht, denn genauso wie - nichtsystemintegrierte - Motorräder wird es auch weiterhin den Individiualverkehr bestehend aus Fußgängern, Radfahreren, Müttern mit Kinderwägen bzw. mit Kleinkindern mit Rädern geben - und diese beiden Verkehrsformen wird man nicht überall 100% voneinander Trennen können, d.h. die Systeme müssen dann auch damit umgehen können - also warum auch nicht mit Motorrädern...

    aber ich glaube gern, daß diese Form des Individualverkehrs derzeit kein Bestandteil der Überlegungen und Visionen ist

    Fairerweise sollte man aber auch an die Vorteile der Systeme denken, den Unfälle durch "Fehlfunktionen" des "System Mensch" dürften dann deutlich weniger werden,

    ob das erstrebenswert ist und und wie weit man bereit ist, auf seine Individuelle Freiheit zugunsten der Sicherheit zu verzichten steht aber m.M.n. auf einem anderen Blatt

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    #9
    Zitat Zitat von Zörnie Beitrag anzeigen
    Was ineffizienteres als autonomes Fahren gibt es ja wohl kaum. (...)
    Doch. Den nicht-autonomen Individualverkehr.

  10. Registriert seit
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    Standard

    #10
    Erste Versuche mit Motorrädern gibt es aber doch schon!20150727_100646.jpg


 
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