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Begegnungen

Erstellt von AmperTiger, 27.11.2010, 18:46 Uhr · 83 Antworten · 12.577 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    Standard Begegnungen

    #1
    Es ist Winter und wir haben Zeit, so möchte ich mal ein Thema eröffnen, in dem es um Begegnungen mit Menschen geht, die wir alle schon auf Motorradreisen gehabt haben und die (Vorraussetzung) etwas Besonderes waren oder die unser Herz berührt haben.
    Nicht jetzt große oder gar abenteuerliche Dinge, sondern ich denke da eher an die kleinen, leisen Begegnungen, an die wir noch nach Jahren denken.
    Menschen die wir vorher nicht kannten und die wir vielleicht auch danach nie wieder gesehen haben.

    Ich möchte den Anfang machen, mit einer kleinen Geschichte aus Schottland im Jahr 2006.
    Vorausschickend möchte ich erwähnen, dass mein TT Navi die Karte nicht richtig anzeigte und dementsprechend nicht navigierte.
    So sah ich mich genötigt, die Hotline zu belästigen, die mir einen kostenpflichtigen Download empfahl um das Problem zu beseitigen.
    Untergekommen waren wir in Jedburgh, ein kleines Kaff ohne nennenswerte Infrastruktur, also in die nächstgrößere Ortschaft Galashiels gedüst und mich zu Adam durchgefragt, ein kleiner Laden, der PC und Zubehör vertickt.
    Adam ist ein Endvierziger mit einem schottisch-rauhem Charakter und Aussehen. So bischen Typ aus der Camelwerbung von früher...
    also rein in den Laden, kurz vorgestellt und mein Begehr mitgeteilt. Pc mit Internetanschluß und Möglichkeit zum download. nach mehrmaligem vergeblichen Download, vielen Telefonaten wurde Adam neugierig (ich war schon 2,5 Std in seinem Laden) und fragte ob er helfen könne. So setzte er sich zu mir, telefonierte mit der englischen Hotline; ich mit der deutschen. Er loadede down, fluchte, versuchte es erneut.
    Es klappte schließlich und wir kamen ins Gespräch.
    Er erzählte, dass er früher von Glasgow aus zur See gefahren sein, dann längere Zeit ein Pub geführt hatte, ich erzählte von meinem Job, dem Leben in D und was ich so über dieses und jenes dachte.
    Ein gutes Gespräch würde man sagen....zwischenzeitlich war Ladenschluß erreicht, ich hatte schon gezahlt und wir fanden kein Ende...er sagte, er müsse kurz zuhause anrufen und ich ging in den Supermarkt ggü und kaufte zwei Sixpack Bier. Das hat ihn irgendwie beeindruckt, wie er später sagte.
    so ging es weiter, er erzählte von Schottland, der Haßliebe zu England, dem Leben in seiner Jugend. Es war dunkel geworden, ich hatte meiner Frau schon 3 sms geschickt, dass es spät werden würde....und er hatte zum zweiten Mal seine Freundin am Apparat, die nicht glaubte, dass er sich mit einem German (den er nichtmal kannte) so lange unterhielt.
    Da saßen wir, 2 Männer aus verschiedenen Ländern, die der Zufall zusammengeführt hatte mit völlig unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensläufen, auf umgestülpten Kartons mit Kopierpapier mitten im Laden, vor uns mittlerweile 4 leere Dosen und kamen vom Hundertsten ins Tausendste.
    Der Ladenschluß war schon 3...nein 4 Std her. Er befragte mich zur Triumph, die vor dem Laden stand und wieso ein German denn keine BMW fahren würde....(er kannte sich mit Motorrädern überhaupt nicht aus )
    als schließlich das Bier getrunken war, der Supermarkt war schon lange zu, Mitternacht schon lange vorbei, kamen wir müdigkeitsbedingt zum Ende, verabschiedeten uns wie alte Freunde.......ein bemerkenswerter Abend
    Adam ein Mensch, der mir im Gedächtnis bleibt.

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    #2
    Sehr schön Tiger. Sowas kenne ich auch.

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    #3
    Zitat Zitat von Quhpilot Beitrag anzeigen
    Sowas kenne ich auch.
    Erzähl doch Jürgen

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    #4
    Lass doch erst mal die Anderen hier...........ich hab soviele Story´s, die
    haben zwar was mit "Begegnungen" zu tun, aber selten mit Mopped. Durch
    meinen Job halt.

    ................da waren zwei Weißrussen mit selbstgebranntem Wodka auf dem
    Parkplatz eines Restaurants kurz vor Warschau......


    ................oder der Gemüsebauer in der Wildnis der nordportugiesischen Pampa.................

    ................ein altes Mütterchen das selbstgebrannten Kartoffelschnaps am
    Straßenrand verkaufte in einem Kaff zwischen Bukarest und der Republik Moldau...........


    ..........in der spanischen Lamancha bei den Windmühlen des Don Quichotte
    zwei Tramperinnen aus Rostock..........

    ....................auf dem Felsen von Gibraltar einen schottischen Arzt auf
    Europareise................

    ...........aktuell vor drei Wochen.............hatte ich auf der Arbeit eine
    Silo-Explosion in Bosnien-Herzegowina, in Rakovica-Ilidza, bei Sarajewo,
    da hat mich ein Staplerfahrer mitgenommen zu seiner Schwiegermutter
    die ein kleines Restaurant betreibt..........um dem verhungernden Fahrer
    ein lecker Gulasch zu kochen, ich war ja eine Woche lahmgelegt durch
    die Havarie...........

    wenn ich anfange Tiger dann wird das ein abendfüllender Vortrag.
    Daher: Erst mal lesen was die Anderen so erlebt haben. Ist mir lieber.

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    #5
    Zitat Zitat von Quhpilot Beitrag anzeigen
    ..........in der spanischen Lamancha bei den Windmühlen des Don Quichotte
    zwei Tramperinnen aus Rostock..........


    ja?
    und weiter??????


  6. Registriert seit
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    #6
    .......no coment........

  7. Registriert seit
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    #7
    woher hab ich gewußt, dass die Nachfrage nach DER Geschichte kommt?

    weiter im Text....wer hat so ne Geschichte??

  8. Registriert seit
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    #8
    Oh, ein schöner Fred, nur zum fröhlichen Schnacken und nicht zum hacken. Da fällt mir auch noch genug zu ein.

  9. Registriert seit
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    #9
    Es geht hier um einen ganzen Tag und ich erzähle, was im Vorfeld dabei so alles passieren kann!
    Dabei ging es um eine Benefizfahrt in einem bayerischen Ort vor ein paar Jahren, in deren Ausgang
    meine damalige Freundin die Leidtragende war und ich natürlich mittendrin steckte!

    Die Geschichte aus der Sicht meiner damaligen Freundin Bärbel!

    Also ... ich bin zurück von der heutigen Benefizfahrt. War ein gigantisches Ereignis! für mich zumindest, bin noch nie mit mehreren hundert Mopeds in einer Reihe gefahren, es ging richtig zügig, war nichts mit hinterher schleichen! Mit dem offiziellen Segen der Polizei über rote Ampeln und ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, die Polizei und Feuerwehren der Umgebung haben reichlich Seitenstraßen gesperrt damit wir nicht mit Querverkehr zu kämpfen hatten selbst auf den Bundesstraßen wurde Streckenweise extra für uns abgeriegelt. Verirrte Autofahrer die uns entgegenkamen machten meistens freiwillig Platz und standen mit Warnblinker am Straßenrand bis wir vorbei waren |-D :-D hatten wohl Angst.. so viele Rocker auf einmal :-D ....

    Alles super :-) , Wetter hat auch gepasst..


    Nur leider nach ca 2 Std, knapp 170 km perfekter Tour, nur noch knapp 1 km vor dem Ziel, einem Biergarten ... ein Unfall und wer war mitten drin Blöde Frage .. wer wohl...ich natürlich . .. Nach einer längeren super schönen kurvenreichen freien Strecke war eine Kuppe und dahinter hatten sich jede Menge Mopeds gestaut ... ich stand als letzte im Stau und somit direkt auf der Abschussliste des Nachfolgenden nicht so langsam fahrenden 8-| er hat sich verbremst, ist gestürzt und sein Moped ist weiter gerutscht, mir in mein Moped rein und hat mich direkt in den Graben katapultiert, zwei weitere Fahrer konnten nicht mehr ausweichen, sind in das liegende Motorrad gefahren und ebenfalls gestürzt. ... insgesamt 4 Mopeds und 4 Fahrer beschädigt......


    Mir fehlt soweit nicht viel.. nur kann ich jetzt länger keinen Mini mehr tragen [-( . Mir ist die Maschine aufs rechte Bein gefallen, aber keine Brüche nur jede Menge Prellungen und blaue Flecken und beide Handgelenke gestaucht, dass Rechte etwas massiv. Was dem Moped fehlt, weiss ich noch nicht, wurde per Anhänger abtransportiert, zusammen mit den anderen Maschinen. Die lädierten Fahrer haben sich von anderen als Sozius mitnehmen lassen....


    Danke Dir James für's heimbringen 8-) und dass Du ausnahmsweise langsam gefahren bist :-p |-D |-D


    Also bei der nächsten Benefizfahrt, zahle ich meinen Obulus und fahre nicht mit!! Die Fahrt war zwar insgesamt echt super alles perfekt organisiert aber das Ende war ja wirklich mit Knalleffekt!


    GLG

    Bärbel
    ... die vorläufig freiwillig erst mal kein Moped mehr fährt...


    Die Geschichte aus meiner Sicht und die Folgen!

    Tja, und wer hatte Schuld, nein, nicht die Schweizer, der James natürlich.
    Wollten mir doch tatsächlich die Bullen die Schuld für den Unfall geben,
    nur weil ich kein Schutzblech am Motorrad hatte und die wahren Übeltäter ihr Mund nicht aufmachten.
    Bis die das gefressen hatten, dass ein Schutzblech kein sicherheitsrelevantes Teil ist und dies meine Sache sei, wenn an meinem Motorrad kein Schutzblech sei und ich meine Gründe dafür hätte.
    Allerdings fuhr ich ja vor dem Unfall und das konnte einer bestätigen und somit war ich aus dem Schneider.
    Ich sah ja noch im Rückspiegel, wie Bärbel in den Graben katapultiert wurde und hielt auch gleich an, lief zurück, um zu sehen was ihr passiert war und suchte auch gleich den vermuteten Unfallverursacher.
    Aber da stellte sich doch jeder blöd, selbst die, die es gesehen hatten.
    So richtig echte Bikersolidarität eben?
    Mit 4 Polizisten und entsprechender Spurensicherung, bei der es lange dauerte bis auch einer endlich das Maul aufmachte, weil ich einen Teil der Verkleidungsscheibe des Verursachers im Rahmenheck von Bärbels Motorrad fand und der Schuldige schließlich dadurch ermittelt werden konnte!
    Bärbel hatte das Motorrad von einem Bekannten geliehen und die Polizei setzte sich erst richtig in Bewegung, als sie den Namen im KFZ-Schein lasen!
    Mein Fazit:
    Das muss ich nicht mehr haben, es grenzte sowieso an ein Wunder, dass es keine Schwerverletzte gab. Wenn zwischen 300-400 Motorradfahrer im Pulk mit einer Geschwindigkeit von teilweise über 100 km/h fahren und einige dabei auch noch Überholmanöver starten, dann ist das für mich unverantwortlich.
    Ich bin bestimmt kein Blümchenpflücker und es hat auch Spaß gemacht, aber für mich war es offensichtlich, da muss etwas passieren.
    Trotz allem, Bärbel hat verdammtes Glück im Unglück gehabt.
    Gott sei Dank.
    Ich habe Bärbel noch nachhause gefahren und dann noch ins Krankenhaus, sicherheitshalber und natürlich dauerte das am Sonntag etwas länger und zwischenzeitlich wurde es stockdunkel und als ich dann nachhause fuhr, musste ich auf der Autobahn auf Reserve schalten.
    Ich wusste,dass ich noch etwa 30 Kilometer fahren kann und das reicht normal bis zur nächsten mir bekannten Tankstelle.
    Natürlich reicht an so einen Tag der Sprit keine 30 Kilometer und so blieb ich auf der Autobahn liegen, ca.7km von der Tankstelle entfernt, die sich in einem angrenzenden Ort befand. In ca.3 Kilometern ist ein Parkplatz mit WC und das ist meine einzige Chance mitten in der Nacht und so schob ich mein Motorrad eben zu diesem Parkplatz.
    Völlig durchschwitzt fragte ich das erste Auto wegen Benzinkanister und natürlich ohne Erfolg.
    Ein neuer BMW X5 fuhr in den Parkplatz und natürlich hatte auch dieser keinen Kanister, außerdem war es ein Diesel.
    In einem dritten Auto wusste die Insassen nicht so richtig, ob sie einen hätten oder nicht, bzw. wollten nicht helfen!
    Plötzlich tauchte der Fahrer des BMW X5 vor mir auf und bot mir seine Hilfe an, mich zur nächsten Tankstelle zu fahren, um mir Sprit zu fassen und mit einem Taxi zurück zu fahren.
    Dies nahm ich natürlich dankend an, außerdem war es ja auch nicht mehr sehr weit.
    Unterwegs musste ich natürlich über mein Missgeschick erzählen und auch über den ganzen Tag und siehe da,
    das Pärchen fuhr mich, nachdem ich den Sprit geordert hatte, auch wieder zurück.
    Was doch immerhin mehr als eine halbe Stunde
    Zeitverlust war, wir mussten ja noch bis zur nächsten Ausfahrt und wieder zurück fahren!
    Am Parkplatz angekommen, half mir der gute Mann meine ganzen Utensilien aus dem Kofferraum zu räumen und ich bedankte mich natürlich überschwänglich.
    Er fragte noch,ob auch das Motorrad jetzt ohne Probleme anspringt und sie jetzt weiterfahren könnten.
    Danke, passt schon alles, erwiderte ich und suchte meinen Zündschlüssel, den ich aber nicht fand.
    Der muss noch im Auto sein, schoss es mir blitzartig durch den Kopf, das eben am anfahren war.
    Ja, Leute, ich hab den Weltrekord auf 100 Meter geknackt und das mit Motorradstiefeln und Motorradklamotten.
    Ich konnte das Auto tatsächlich noch erreichen und an die Heckscheibe schlagen, das Gott seis gedankt, bei dem Auto
    ja kein Problem war. Es wurde angehalten und tatsächlich befand sich mein Schlüssel noch im Auto, der wahrscheinlich,
    als ich nach meiner Geldbörse suchte, herausgerutscht war.
    Ich mag gar nicht daran denken, wenn ich das Auto nicht mehr erreicht hätte.

    Ich habe noch ein paar Hammer auf Lager!

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    Standard

    #10
    Anfang September 2010, Nordwesten von Sardinien, ich mit meiner Hypermotard auf der schnellen abendlichen Runde nach der Tour mit Freundin auf der GS. Ich stehe in einer kleinen Parkbucht oberhalb ganz vieler Kehren, die ich zuvor hochgejagt bin und rauche eine Zigarette. Kurz bevor diese zuende geraucht war, höre ich das Bollern eines großen V2, der ordentlich getreten wurde, aus dem Tal hochkommen. Zigarette brav ausgetreten, Helm auf, Handschuhe an und draufgesetzt, da kommt er auch schon um die Ecke, der Sarde auf seiner KTM 950 SM und jagt mit Vollgas im Wheely die letzte Gerade an mir vorbei. Aha, da möchte jemand spielen, den Gefallen tue ich ihm doch gern. Hinterher.

    Wir fahren recht zügig einige km hintereinander. An einer Kreuzung muss ich links auf eine Strecke, die ich gut kennen. Er biegt auch dort hin ab, fährt aber recht langsam, also überhole ich und gebe richtig Gas. Er rast mir hinterher und es entwickelt sich ein munteres Rennen, das dann über insgesamt ca. 20 km ging bis hinunter ins Tal in die Stadt, mal der eine vorn, dann der andere. Als alle Kurven vorbei waren und die lange Gerade in die Stadt führte, fuhr ich neben ihn und grinste ihn an und es gab erst einmal high five. Dann ließ ich mich zurückfallen, um die Strecke noch einmal hoch zu fahren, was ich auch tat.

    Oben angekommen stellte ich mich wieder hin um wieder eine zu rauchen, war ja schließlich spannend, als ich den großen V2 erneut hörte. Er kam auch noch einmal hoch und und bog zu mir ab. Dann entspann sich eine sehr lustige Unterhaltung, denn er sprach weder Deutsch noch Englisch und wirklich Italienisch kann ich auch nicht. Aber irgendwie haben wir uns sehr gut verstanden und ich habe sogar die Tourentips verstanden, die er mir gab.

    Einige Tage später mussten wir nach Hause und standen mit dem Hänger an der Einfahrt zum Hafen, als es plötzlich laut und wild hupte. Aus dem Hafen gefahren kam ein großer LKW und grinsend und winkend saß da mein "Gegner" aus den Bergen am Steuer, der gerade von einer Fähre fuhr. Das fand ich sehr nett und würde mich freuen, ihn mal wieder zufällig zu treffen


 
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