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mein Wunsch an den Scheinheiligen...

Erstellt von agustagerd, 21.12.2012, 20:07 Uhr · 42 Antworten · 3.121 Aufrufe

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    #41
    Schau nur, es schneit.
    Es schneit wirklich an Heiligabend.Die Flocken, wieso machen die keinen Lärm, sind doch so groß, als ob sie die Stadt unter Wasser setzen würden. Die Flocken, wie helles, warmes Wasser, durch das sich langsam rudernd, als würde die Welt gleich stehen bleiben, die Zeit stehen bleiben, Menschen bewegen, mit roten Gesichtern. Und kleine Kinder, die seit Tagen nicht mehr ruhig schlafen können, wegen des Schnees, wegen Weihnachten, wegen des Snowboards, das sie so gerne hätten, aber Angst haben, dass sie einen blöden Schlitten bekommen.

    Gleich ist Heiligabend. Was für ein altes Wort, eines, das es gar nicht mehr geben sollte, es gibt doch so wenig, was heilig ist. Dieser Abend vielleicht schon. Dieser miese Abend. Ich habe ja alles versucht. Alles versuchte ich schon. Bei Freunden war ich und wir haben getan, als sei es ein Abend wie alle. Haben gelärmt gegen etwas Fahles, etwas Peinliches, das keiner aussprach, und dann bin ich weggegangen von den Freunden. Allein die Straßen entlang, und habe in die Häuser gesehen, die Lichter gesehen, und wollte garnicht mehr laufen, mich nicht mehr bewegen, so weh tat es in mir. Und wusste nicht, warum. Ich bin weggefahren, in heiße Länder, habe Touristen belächelt, die Plastikbäume in den Sand steckten.

    Doch auch da kam die Nacht und ein Sehnen, nach was nur. Wegfahren hilft nicht. Zu Hause bleiben ist wunderbar. Lass die anderen ohne Familie doch mit überteuerten Tickets nach Rio reisen. Daheim ist es warm, da ist der Computer, man kann Sushi essen. Kann man nicht. Weil alles geschlossen ist. Weißt du, ich könnte jetzt rausgehen, in einen Club gehen, wo all die Einsamen gegen die Traurigkeit antanzen, antrinken. Ich könnte mich in ihnen sehen, könnte sehen, wie ich in einem Club stehe und auf Weihnachten scheiße.
    Aber es würde nicht helfen, nichts hilft in dieser verdammten Nacht. Verstehst du mich? Die Glocken, jetzt gehen die Glocken los. Die Katholiken greifen an, ich möchte verächtlich den Mund verziehen. Die Idioten belächeln, die in die Kirche gehen, sich ein Märchen anhören in schlecht geheiztem Gemäuer. Aber ich schließe nur die Augen und höre den Glocken zu. Jeder Schlag hallt in mir, füllt mich aus. Bis ich keine Luft mehr bekomme, bis ich schreien möchte, weglaufen vor diesen Glocken, denn sie werden immer lauter und schlagen in meinem Körper wie gegen Wände aus Eis. Dann ist Ruhe, und ich weiß, was jetzt passiert, in tausend Wohnungen.
    Was soll passieren? Kinder fallen über die Geschenke her, reißen das Papier auf, die Geschenke auf, kaputt. Das Essen ist angebrannt, vielleicht brennt später auch noch die Gardine. Lüg nicht, lüg dich nicht an. Was passiert, ist Heimat. Zu wissen, wo man hingehört. Ist Ruhe. Und wenn es auch nur die Idee von diesen Dingen ist. Zu Hause bleiben ist GROSSARTIG! Ich werde etwas essen, zu Bett gehen, es kommen gute Filme an Heiligabend. Morgen ist der erste Weihnachtstag und alles schläft, satt von Liebe, vom Braten, von der Erschöpfung.

    Egal warum, kein Mensch ist morgen auf der Straße. Allein werde ich sein und denken, irgend was denken, und es wird vorbeigehen. Freunde werden mich fragen, irgend wann, wenn sie sich wieder der Welt zuwenden, wie es denn war an Weihnachten. Und ich werde lächeln und sagen, weißt du, ich bin froh, dass ich den ganzen Zirkus nicht mitmachen muss. Ich habe Fernsehen geschaut, viel geschlafen, ich habe mich gepflegt, mir ging es gut, danke. Und sie werden neidisch sein. Klar werden sie neidisch sein, nach all der Hektik, die sie hatten. Ich befürchte, das wird mir nicht helfen.

  2. X-Moderator
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    #42
    immer schön zu hören wenn jemand seine innere Mitte findet


  3. Registriert seit
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    #43
    Zitat Zitat von Topas Beitrag anzeigen
    immer schön zu hören wenn jemand seine innere Mitte findet
    Und sei es mit Schnee


 
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