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Im Land der Skipetaren...

Erstellt von AmperTiger, 19.06.2016, 18:56 Uhr · 43 Antworten · 5.320 Aufrufe

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    Standard Im Land der Skipetaren...

    #1
    oder Pleiten, Pech und Blödheit.
    Quellennachweis (nicht für die Blödheit, sondern den Threadtitel) -> https://de.wikipedia.org/wiki/Orient...der_Skipetaren

    Aber von Anfang an. Chris/Q-otti vom Echinger Stammtisch möchte nach Albanien und ich möchte mit. Wie das bei Männern so ist, die Modalitäten sind fix geklärt, ein Termin steht auch recht schnell, es kann losgehen.
    Leider war ich beruflich stark eingespannt (u.a. noch die beiden letzten Tage vorm Urlaub ein Termin in Bonn) was sich im Laufe der Reise auch rächen sollte. Will sagen, die Vorbereitung war bei mir mehrfach unterbrochen, aufgeschoben.
    Ich hatte mir beim I-Net-Fuzzi neue TKC bestellt, die in der Größe auf einmal erst nach 1,5 Wochen geliefert werden konnten, mein Reifenmontierer konnte die Woche zuvor, in der Abreisewoche dann nicht mehr, so wurde kurz entschlossen entschieden, die Reifen mitzunehmen und "unten" in Albanien montieren zu lassen. Natürlich wollte ich die Reise mit meiner heißgeliebten und zuverlässigen MZ unternehmen.
    Zwei Wochen Schotter wir kommen.

    ich bin zu Chris gefahren



    alles fertig montiert für die Abreise. Sieht zwar wuchtig aus, ist aber mit mir drauf wohl immer noch leichter, als eine 12er GS ohne Gepäck.



    und von dort aus hatten wir uns für jeden Tag so 250 - 300km vorgenommen, Freitag ab und Sonntag früh auf die Fähre in Venedig, die uns nach Igoumenitsa bringen sollte. Das Navi lotste uns über "kurvenreiche Strecke" über teils geteerte Feldwege bis nach Österreich, wo wir den ersten Halt einlegten. Es sollte bis zum Staller Sattel gehen am ersten Tag, wo wir dann auf der italienischen Seite in ein Wellnesshotel einkehrten und ein fantastisches Abendessen genossen und ich mir eine Massage der verspannten Extremitäten gönnte....





    wegen der montierten Reifen konnte ich leider den Ständer der MZ nicht ausklappen und lehnte sich halt einfach an



    am nächsten Tag ging es bei Regen weiter über kleinste Straßen Richtung Venedig. Dort passierte dann das, was ich im Untertitel als Blödheit (nämlich meine) ankündigte. Ich fuhr Chris (der das Navi hatte) hinterher und wir hatten ausgemacht, im nächste Cafe einen leckeren Cappu zu uns zu nehmen. In einem oberitalienischen Dorf, Chris vor mir, vor ihm ein Auto und davor ein Fußgänger der die Straße überqueren wollte. Den Fußgänger hab ich garnicht gesehen. Das Auto bremst aber schon gute 10 m vor dem Fußgänger, weil es links unangekündigt in eine kleine Einfahrt wollte Chris bremste und ich? ich Depp schau in der Sekunde nach links ins Cafe. Als ich nach vorne sah, stand vor mit alles und ich bin Chris trotz Vollbremsung hinten draufgeknallt, Anfängerdeppenfehler. Ich falle nach rechts, nur leider war ich schon so langsam, dass ich nicht vom Moped wegkam, blieb mit dem Fuß unterm Motorrad und der stechende Schmerz verhieß nichts gutes. Erst dachte ich die Reise endet hier, hatte starke Schmerzen im Knöchel und Großzehengrundgelenk. Nachdem ich aber alles bewegen konnte, wenn auch sehr schmerzhaft, entschloß ich mich weiterzufahren. Allerdings mußte der rechte vordere Blinker und der linke Spiegel (an Chris Koffer abgebrochen) dran glauben. Blöderweise verwendet MZ das Yamahasystem, linker Spiegel Rechtsgewinde. rechter Spiegel Linksgewinde. Links die Aufnahme abgebrochen, das Glas aber ganz und rechts das Glas kaputt. Nun lassen sich bei den Billigspiegel Gläser ja nicht tauschen, ohne diese zu zerstören. Also entschlossen wir uns den rechten Spiegelarm zu verwenden und das Linke Glas samt Gehäuse aufzusetzen. In die Rückwand des Gehäuses ein Fenster gesägt (danke Leatherman) damit man an die Kontermutter kam und einfach das linke Gehäuse auf den rechten Arm gesetzt.







    während Chris sich nen Cappu gönnte und meinen Spiegel reparierte, hab ich den Fuß im Brunnen gekühlt, ich wollte weiterfahren, unbedingt. Allerdings begann der Fuß anzuschwellen, die Kühlung sollte helfen, dass ich wieder in den Endurostiefel kam.
    Da bemerkte ich, dass die Trittfläche der Fußbremse plattgedrückt war, also Essig die nächsten km mit hinten bremsen (es sollte aber noch schlimmer kommen)
    Wir fuhren weiter und der Regen sollte uns bis in die Ebene vor Venedig begleiten, auf dem Weg den Berg runter, die Straßen glatt wie Seife rutschte Chris in einer Kurve auch noch weg, aber davon zeugt nur ein Kratzer in seinem Alukoffer, mehr war nicht passiert.

    Wir mieteten uns einen wohncontainer auf dem Camping direkt neben dem Fährhafen und ertränkte meine "Freude" und die Schmerzen in zwei Bier.

    am nächsten Tag ging die Fähre, ich parkte AM Hafenbüro (die Reifen und der Ständer )



    und wir hatten eine ereignislose überfahrt.



    am nächsten Tag gegen Mittag liefen wir in Igoumenitsa ein und nach dem tanken sollte es gleich Richtung Albanien gehen. Endlich.
    Beim Überholvorgang merkte ich plötzlich, dass die eh recht überschaubare Motorleistung der MZ nicht mal mehr zum überholen langte und als ich die Kupplung zog. blockierte augenblicklich das Hinterrad und da stand ich nun mit rauchender Bremse und war noch nicht mal auf albanischem Hoheitsgebiet. Das ganze mit Wasser abgekühlt und den Schaden begutachtet. Hm, sollte der Sturz vor 150km die Ursache sein? ich kann es mir nicht vorstellen, noch dazu bemerkte ich kurz vor dem Überholen ein metallisches Klonk, als wäre ich über etwas drübergefahren.



    Bremsdruckstange am Bremszylinder gelöst, die Bremse entspannt und weiter gefahren, ich wollte mich abends in Gyrokaster im Hotel drum kümmern.

    Auf dem Weg nach Gyrokaster haben wir dann noch einen Abstecher zum sog. Blue Eye gemacht einem tiefen Loch im Boden aus dem in der Sekunde zwischen 7 und 8 cbm Wasser an der Oberfläche kommen.bekommt einen Besuchstip, auch weil die Anfahrt dahin, die ersten KM auf Nichtasphalt waren.

    das blaue Auge



    wir beim regenerieren





    tolle Tiere



    die Anfahrt zum Wasserloch



    am Hotel angekommen, mußte ich leider feststellen, dass ich nach der Blockade der Bremse den vorderen Teil des Bremsbelages verloren hatte. komplett Belag samt Trägerplatte alles weg :shock: komisch nur weil die Haltestifte und die hintere Hälfte des Bremsbelage noch da waren. Technisch kann ich mir den Verlust überhaupt nicht erklären.

    Gyrokaster hat ne tolle kleine Altstadt und am Hang ggü der Burganlage ein paar sehr alte Herrenhäuser, die zum Weltkulturerbe gehören (glaub ich)



    im Anschluß dazu gabs ein Beruhigungsbier (ich konnte wegen der Schmerzen im Fuß kaum laufen und mußte feststellen, dass ich mir bei der Bremsenaktion die Turnschuhe, die ich außen dran gebunden hatte am Auspuff verschmurgelt hatte so überstand ich den Rest des Urlaubs auf Flipflops)



    am nächsten Tag suchten wir uns erstmal einen Gomista, der uns die TKC aufziehen sollte und hatten auch bald einen gefunden, ich wollte den lästigen Seitenbalast endlich loswerden.



    nun konnte endlich das Abenteuer beginnen......oder waren wir schon mittendrin?

    wir starteten von Gyrokaster erst Richtung Norden auf der HAuptstraße um dann auf die SH 75 nach Osten und Süden abzudrehen. Wir fuhren erst Richtung Permet, als es anfing zu regnen und sind dann nach osten immer noch auf der SH75 Richtung Barmash gefahren, wo wir dann mitten in der Pampa, wir hatte die Schnauze vom Wetter da schon ziemlich voll, einen schönen großen Bauernbetrieb entdeckten, der für seine tollen Hütten und den selbstgezüchteten Fisch bekannt ist. Hier mein zweiter Tip!

    außen



    und innen


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    Standard

    #2
    Die Taverne ist ein kleines Tierparadies nahe der Griechischen Grenze und bietet sehr ursprünglich die Möglichkeit ins Land einzutauchen





    abends haben wir dann nur was leichtes zu uns genommen (mir schlugen die ganzen Ibuprofen auf den Magen) ...war auch garnicht lustig





    auf dem weiteren Weg nach Korca haben wir hier eigentlich wegen der Optik kurz gehalten und ein türkischer Mokka mußte sein. türkischer Mokka,weil der Strom ausgefallen war und wir deshalb keinen Espresso bekamen


    übrigens der Bär an der Hauswand ist echt (ausgestopft)



    im Anschluß ging es in ein Seitental, wo wir eine alte Kirche besichtigten und am Friedhof den Toten aufs Dach stiegen (klingt pietätlos, aber manche Gräber sind so verfallen und zugewachsen, dass man es erst mitbekommt, wenn man drauf steht)


    wir sind dann an einen Stausee Rezervuari Vithkuqit, gefahren und haben dort auf einer kleinen Landzunge unsere Zelte aufgestellt. Abends gabs Tütenfutter und Regen gratis, in der Nacht wegen der extrem lauten Frösche Ohrenstopfen







    unser "Campingplatz"



    am morgen dann wenigstens Sonne



    in Korca wußte Chris ne tolle Bäckerei, dort haben wir uns eingedeckt und sind anschließend eine kleine extrem gewundene und steile Straße hoch zum Berg über Korca (das letzte Stück auf Privatgrund ist mal kein schlechter Einstieg in den Endurourlaub. wer den nicht schafft, kann gleich wieder heimfahren )



    die Straße, die dort hochführt, im Hintergrund Korca


    weiter wollten wir zum Ohridsee, der zur Hälfte auf der albanischen und zur Hälfte auf der mazedonischen Seite lag. Da Chris die albanische Seite schon kannte, sind wir kurzentschlossen von Korca aus, über die SH 79 nach Mazedonien eingereise und an den Prespasee gefahren.



    ein Cappu (aus der Tüte :z ) und weiter gings auf der sehr sehr geilen kleinen Verbindungsstraße durch den Nationalpark Galichica vom Prespasee zum Ohridsee rüber. gleich ein kleines Apartment in der Altstadt von Ohrid gefunden
    blick auf den Ohridsee von Osten



    abends im Stechschritt durch die Altstadt (wie ein muslimisches Ehepaar, Chris immer voraus, ich hinterher humpelnd)




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    #3
    Am nächsten Tag sind wir von Ohrid wieder rüber nach Albanien Richtung Librazdh und haben auch das erste Mal Schotter gesehen (nicht nur schlechte Straßen)





    hier hat mich Chris gleich mal auf einen Eselspfad gelockt, der schließlich in einen Fußweg mündete, wo wir anhielten.





    Als ich weiterfahren wollte, ging die MZ einfach aus. Hier sollte sich das zweite Versäumnis rächen, nach den Reifen. Vor einigen Wochen hatten die Kabel des Zündschlosses einen Bruch, den ich zwar reparierte (Ersatz dauert halt, da nicht mehr produziert) und da standen wir in der Pampa...Regen zog auf und die Kiste wollte nicht. Sicherung rausgeflogen stellte sich schnell raus.



    Aus einem Stück gefundenem Kupferdraht bog und klopfte Chris dann einen U-Haken der als Sicherungsersatz herhalten sollte.



    zu uns gesellte sich ein gut angezogener junger Mann um die 30, der sich als Lehrer vorstellte, er würde in dem Dorf wohnen. Er lehrt Geschichte und offensichtlich hatte er Zeit. Bedauerte auf NAchfrage, dass es in seinem Land so wenige Lehrer für Fremdsprachen gäbe, vordringlich Englisch und Deutsch.

    Die MZ startete lief auch, starb jedoch mit Mördergestank nach verbranntem Gummi wieder ab. Also nochmal und diesmal dann alle Kabel des Zündschlosses freigelegt und einzeln neu abisoliert.

    neugierig beäuft von der männlichen Dorfjugend




    und am Folgetag ging es dann auch gleich in die Drynschlucht







    da war dann bis zur Bachdurchfahrt alles dabei





    weiter gings







    nach dem Schotter wartete auf dem Weg nach Peshkopi wieder echt schicker Asphalt und das macht dann ja auch Spaß, besondern mit TKC bergab ohne Hinterradbremse.....also immer schön rollen lassen.

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    #4
    Klasse! Bitte weiter!

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    #5
    Jo .

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    #6
    Schöner Beitrag. Danke.

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    #7
    Wir sind dann weiter nach Norden, östlich von Teth liegt der Parku Kombetar Lugina e Valbones, da wollten wir hin und dort wild zelten. Die STraße in den Park wurde erst kürzlich asphaliert und an der Straße entstehen einige sehr schöne Unterkunftsmöglichkeiten. Da das Wetter mal wieder schlecht zu werden drohte, haben wir an einem Holzpavillon, der als Lokal diente gefragt, ob sie uns einige ihrer Hütten vermieten. Leider waren sie schon belegt, aber sie gestatteten uns das Zelten auf ihrem Grund.

    die Schlucht in den Park



    unser Platz



    Chris beim Füße verkühlen



    Abendstimmung im Pavillon



    nach einer kalten Nacht, haben wir uns dann am nächsten Tag in Richtung Shkoder aufgemacht. Dort im GrandHotel aufgeschlagen und dann überlegt, was wir abends machen. Chris hatte einen Beitrag gesehen über ein Landgut, dass die alte albanische Küche wieder aufleben lassen möchte, Slowfood, regional eingekauft, nach alten Rezepten. Da wollten wir hin. Nur leider sind es von Shkoder aus 30km und es hatte zu regnen begonnen.
    Ganz reicher Touri haben wir uns dann entschlossen, ein Taxi zu nehmen, den Fahrer zu überreden auf uns dort zu warten und uns dann wieder mit zurück zu nehmen. Gesagt getan.





    Es folgte ein X-Gänge Menü, das wirklich nicht nur reichhaltig, sondern ausgesprochen gut war. alles dabei von Wurst und Käse, Fleisch vom Rind, Schwein, Ziege und Schaf. das ganze gebraten und gegrillt, dazu viel Gemüse und natürlich Feigen und Früchte.







    zuviel alles zu fotografieren, dann die Nachspeise Teil 1



    Teil 2



    Teil 3



    Das Wetter war echt schlecht, es regnete den ganzen Nachmittag, die ganze Nacht hindurch, so dass wir uns entschlossen, die Strecke nach Teth sausen zu lassen, es hätte keinen Sinn gemacht, wir machten uns also Richtung Süden auf, wo es besser sein sollte.

    wir gaben also ins Navi "kürzeste" Strecke ein und das erwies sich nach kürzester Zeit als echter Fehler was für ein Baaaatz


    hinter einem Hof ging es über Müll und neben einem .......... durch ein Bächlein und dann weiter





    einige Sackgassen haben wir auch erwischt





    wir haben dann eine schöne Strecke ausgemacht und was folgte waren 16km extrem steinig, teils glitschig aber echt Enduro.

    alles keine 30 km von Shkoder entfernt Richtung Kruja









    es endete dann mit dieser Auffahrt, die nicht jeder ohne Umfaller meisterte





    Danach folgt eine fantastische Strecke, die in den Alpen sofort überlaufen wäre.


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    #8
    Dein Termin in Bonn hat sich nur gerächt, weil du die Tour verschwiegen hast...
    Wäre sonst mitgekommen

    Klasse Bericht

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    #9
    Schöner Bericht.



    Meinen geschwollenen Fuß bekam ich nicht mehr in den Stiefel. Aber dafür war das Wetter bei uns besser. . .

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    #10
    Wenn zwei durchs Land der Skipetaren reisen, frag ich mich nur wer Kara Ben Nemsi und wer wohl Hadschi Halef Omar war.

    Toller Bericht bis hier her.

    Gruß Thomas


 
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