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Türkei Reisebericht 2012

Erstellt von Christoph Lipjes, 10.02.2013, 22:18 Uhr · 26 Antworten · 9.499 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    Standard Türkei Reisebericht 2012

    #1
    Hallo zusammen,

    unser Reisebericht über unsere Tour zum Ararat ist jetzt einigermaßen fertig. Wer Interesse hat, zu lesen, der kann ja mal hier schauen:

    http://stammtisch-biker.de/board6-re...-reisebericht/

    Gruß
    Christoph

  2. GSATraveler Gast

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    #2
    Hi Christoph, würde den Bericht sehr gerne lesen, leider habe ich die Zutrittsrechte nicht zum Stammtisch.
    Gruss Rolf.

  3. Registriert seit
    03.07.2012
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    23

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    #3
    Hi Christoph, mir geht es auch so... Kein Zugriff. Gibt es noch eine andere Möglichkeit an den Bericht zu kommen?

    Gruss Jan

  4. Registriert seit
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    #4
    Mhh leider Stelle ihn doch auch bei uns rein.

  5. Registriert seit
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    #5
    Gesagt getan

    Türkei Reisebericht

    So jetzt fange ich auch noch an Euch mit unserem Reisebericht zu quälen. Mal sehen wie hier die Reaktion so ist. Vielleicht schreibe ich dann weiter. Falls Ihr also Interesse an dem Bericht habt, schreibt mal wie er so zu lesen ist. Schade, Fotos sind wohl nicht so schön einzufügen.

    Viel Spass
    Christoph

    Teil1


    Vorbereitung / Planung


    Lang lang ist es her, da kam mir die Idee mit dem Moped bis zum Ararat zu fahren. Das war
    kurz nach dem Studium. Viel Zeit, wenig Geld. Wie das üblicherweise so ist.
    Tja, kaum 30 Jahre später wird der Traum war.

    Zwischendurch war ich unzählige mal mit dem Flieger in der Türkei. Wir haben uns ein Auto
    geliehen, sind hauptsächlich durch den Westen gekurvt. Mit Freunden entlang des
    Schwarzen Meeres bis nach Georgien. Einmal waren wir auch mit dem Mietmoped 10
    Tage rund um Antalya unterwegs. Schon das war schön. Aber immer fehlte da
    etwas. Jetzt weiß ich auch was. Mit dem eigenen Moped hinfahren und zwar nicht
    nur in den Westen, sondern bis tief in den Osten.


    Neben vielen "Wenn" und "Aber" gab es immer einen wichtigen
    Punkt: Alleine macht es nicht viel Spaß. Also ein paar Freunde gefragt und nach
    kaum zwei Jahren geht es los. Regelmäßig, ein Mal im Jahr, treffen wir uns mit ein paar "Jungs", wobei ich mit
    52 Jahren das "Küken" bin. Irgendwann hat Thomas gemeint, wir könnten
    uns ja auch "Runzelrocker" nennen. Tja und dann planten die
    "Runzelrocker" auch schon die Tour in die Türkei. Ursprünglich
    wollten wir zu viert los. Alle mehr oder weniger in jeder Menge Arbeit
    eingebunden. Daher auch die lange Vorbereitung, denn da mussten doch einige
    "Chefs" bearbeitet werden. Als Rentner im Vorruhestand hatte der
    Schwager es wohl am einfachsten. Denn er musste nur den Chef zu Hause
    überzeugen. Thomas und Dieter, beide selbständig, haben da schon mehr Probleme.
    Leider war es dann tatsächlich so, das bei Dieter zu viel Arbeit anfiel. Schön
    für den Betrieb, schlecht für die Tour. Thomas konnte die Arbeit gut verteilen.
    Zum Glück für mich ist mein Chef früher selbst Motorrad gefahren und konnte
    sich so für die Tour und meine lange Abwesenheit, immerhin gute fünf Wochen,
    erwärmen. Trotzdem habe ich immer wieder mal nachgefragt und als dann konkret
    wurde, war alles kein Problem mehr. Zu Hause kam zum Glück auch bei mir
    Zustimmung. Also waren die wichtigsten Rahmenbedingungen schon mal geklärt.


    Trotzdem haben wir nichts übereilt und fast zwei Jahre mehr oder weniger intensiv
    geplant. Dabei war natürlich die Anfahrt ein großes Thema. Und wie fahren wir
    in der Türkei. Letztendlich ging es darum, was können wir auslassen, ohne etwas
    zu verpassen? Eins kann ich schon jetzt verraten. Das klappt nicht. Dafür ist
    die Türkei zu geschichtsträchtig, hat zu viele geographische Eigenheiten.
    Einfach zu viele Hot Spots. Jetzt, im Nachhinein, würde ich die Tour anders
    planen, aber das sagt sich hinterher ja immer leicht.


    Zum Glück gibt es ja entsprechende Software und so haben wir rege hin und her gemailt,
    Touren vorgeschlagen, umgeworfen, verändert und und und. Campen
    haben wir übrigens schnell verworfen. Das lohnt bei den Preisen für Hotels und
    Pensionen in der Türkei nicht. Hotels haben wir nur zweimal vorab gebucht.
    Einmal kurz vor der Schweizer Grenze, denn hier wollten wir uns mit Thomas
    treffen und einmal in Italien kurz vor Ancona. Warum erst an der Schweizer
    Grenze treffen? Der Schwager kommt aus Ostfriesland, Thomas aus der Eifel und
    ich aus dem Ruhrgebiet. Der Schwager und ich wollten es locker auf Nebenstraßen
    angehen lassen, Thomas konnte erst später starten.


    Was habe ich das Internet gequält. Tagelang habe ich jeden Artikel über Motoradfahren in
    der Türkei gesucht, gelesen und mit unserer Tour verglichen. Besonders unsicher
    war ich mir mit dem Osten. Selbst meine Frau meinte, dort sei es unsicher. Zum
    Glück haben wir uns weder von Berichten noch persönlichen Erzählungen beeinflussen
    lassen. Als Touristen bleibt man vielleicht auch eher an der Oberfläche des
    Landes und taucht nicht in die inneren Konflikte des Gastlandes ein.


    Wir haben uns vorab den Lonely Planet "Türkei" nicht nur angeschaut, sondern
    meiner war gespickt von kleinen Zetteln mit Pensionen und alles wirklich
    wichtige war gelb gemarkert. Diese Infos nutzten wir kurz bevor wir den
    entsprechenden Ort erreicht haben. Da der Lonely Planet aber leider etwas älter
    war, stimmten oft die Hotels und Pensionen nicht mehr. Also teilweise einfach
    rein in die Stadt/Ort und nach dem sprichwörtlich ersten Eindruck entschieden.
    Manchmal hat uns aber auch unser Navi weitergeholfen. Hilfreich war es auch
    einfach mal die Leute fragen.


    Genau am 28. April 2012 um 07:28 Uhr sollte es eigentlich losgehen. Warum die Uhrzeit?
    Während unserer Treffen hat der Schwager immer wieder gefragt, wann es denn
    losgehen würde. Irgendeiner meinte nach der zehnten Nachfrage dann, am
    28.04.2012 um 07:28 Uhr auf dem Marktplatz in Daun. Tja, ist dann aus
    verschiedenen Gründen doch anders geworden. Die Fähre wurde einen Tag zu früh
    gebucht. Also einen Tag früher losfahren. Da waren wir allerdings nicht
    wirklich traurig drum.


    Etwas traurig war ich natürlich schon meine liebste Frau und unseren Hund hier in
    Deutschland zu lassen. Aber wir hatten ja letztendlich viel Zeit darüber zu
    sprechen. Und soooo lange ist es schleißlich auch nicht


    Was ich mir nicht so vorgestellt habe, mir aber wichtig war: direkt von zu Hause losfahren
    und nicht mit dem Zug oder dem Hänger. Beides hatten wir auch in der Planung,
    aber zum Glück verworfen. Schon die Hinfahrt hat mich mit dem
    "Erfahren" darin bestätigt. Einerseits wären die Alternativen nur
    geringfügig schneller gewesen, anderseits habe ich gemerkt, wie weit die Türkei
    weg ist. Von daher waren auch die vielen Kilometer auf den unterschiedlichen
    Autobahnen nicht vergeudete Zeit. Mit mehr Zeit hätten wir wohl andere Straßen
    genommen. Die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa ist ein guter Kompromiss
    zwischen der Anfahrt über den Balkan und eben einer Fähre. Klasse wäre auch die
    Fähre von Venedig bis Çesme gewesen. Leider wurde diese Verbindung eingestellt.

    Bei mehr Zeit wäre sicherlich auch die Fahrt über schöne Straßen durch den Balkan eine
    Alternative gewesen. Dann hätten wir bei Nutzung von Nebenstraßen aber
    sicherlich ein paar Tage länger bis in die Türkei benötigt.
    So oder so kann man zwischen vier und fünf Tagen Fahrzeit bis in die Türkei rechnen.

    - - - Aktualisiert - - -

    zweiter Teil



    Kleine Tourbeschreibung


    Hier unsere Reiseroute:
    Also für mich geht es in Duisburg los. Wir wollten uns in der Nähe der Schweizer
    Grenze treffen. Daher haben wir ein nettes kleines Hotel, Hotel Hirschen in
    Velmlingen, gebucht. Die letzte Chance Spargel zu essen, denn wenn wir zurück
    sind, ist die Spargelsaison leider vorbei. Thomas Startet erst nachmittags in
    der Eifel und der Schwager ist aus Friesland schon einen Tag vorher zu mir
    gekommen. Wir starten morgens um 07:28 Uhr...

    Weiter bis Riccione. Auch dort hatten wir vorab ein Hotel gebucht. Zwischen Duisburg
    und Ancona liegen langweilige Autobahnkilometer. Am nächsten Tag schlappe 120 km bis zur Fähre. Dort bis Igoumenica ausspannen und dann knappe 800 km bis zur türkischen Grenze. Zur Unterstützung der
    griechischen Wirtschaft wollen wir einmal in Griechenland übernachten.

    Erster Stopp die Halbinsel Gelibolu, dann Troja. Weiter nach Bergama. Da der Schwager
    nicht mitfährt, wir uns aber in Eĝirdir treffen wollen, ändern wir unsere Route
    und fahren Richtung Kalkan an der Südküste. Ein Zwischenstopp, der sich als ein
    echtes Highlight herausstellte ist der Bafa See.

    In Kalkan übernachten wir zweimal und machen eine kleine Rundtour ins Taurusgebirge.
    Weiter geht es über Elmali nach Igirdir und treffen tatsächlich abends um sechs
    Uhr endlich den Schwager. Auch hier zwei Übernachtungen, denn Hans Georg ist
    ganz schön geschlaucht.

    Zu dritt fahren wir über Konya nach Kappadokien. Hier ein absolutes Muss zwei
    Nächte zu bleiben und die Gegend zu erkunden. Weiter zum Nemrut Daghi. Da die
    Strecke doch zu lange ist, ein kurzer Zwischenstopp in Malatya. Nach dem Nemrut
    über den Atatürk Stausee nach Şanliurfa. Am nächsten Tag ein kurzer Abstecher
    nach Harran und dann nach Mardin. Zwei Nächte bleiben wir hier, erholen uns ein
    wenig und schauen uns die wichtigsten Hot Spots der Gegend an.

    Weiter geht's Richtung Van See. Wir schauen uns Hasankeyv an und übernachten in
    Tatavan. Von dort entlang des Van Sees nach Dogubayazit. Wir sind am Ziel. Der
    Ararat ist vom Hotel zu sehen. Der Rückweg führt uns nach Kars. Hier
    unfreiwillig zwei Nächte, da mich der Durchfall umhaut. Durch das Gebirge am
    Schwarzen Meer zum Sumela Kloster. Dann am Schwarzen Meer über mehrere
    Zwischenstopps bis nach Hatusa. Am nächsten Tag Richtung Norden nach Sinop. Die
    schönste Küstenstraße bis Amasra und dann über Amasya nach Iznik. Wir bleiben
    im Norden und fahren nach Erdek, dem Touriort der 80ger in der Türkei. In Edremit
    an der Westküste schließt sich der Kreis in der Türkei. Von dort geht es mit
    kleinen Abweichungen bei der Übernachtungen wieder nach Hause.


    Jetzt könnte Schluss sein mit der Reisebeschreibung, aber es gibt noch viel zu
    erzählen, und daher ist doch kein Schluss an dieser Stelle.

    Gruss Christoph

    - - - Aktualisiert - - -

    Es geht los 27.04 und 28.04.

    3. Teil

    [Christoph]
    Tja, wie so oft weiß man am Morgen nicht was der Abend so bringt. Wir sind
    gegen 21:00 Uhr im netten Hotel "zum Hirschen" angekommen, aber davor
    war die Anfahrt wirklich ganz anders als erwartet.

    Wo bin ich?

    Eigentlich wähnte ich mich schon halb in der Türkei, na ja zumindest fast in
    der Schweiz, unserem ersten Etappenziel. Jetzt fahre ich durch die grüne Eifel,
    bin gerade in Daun angekommen und trinke meinen ersten Kaffee bei Thomas, den
    wir eigentlich erst an der schweizerischen Grenze treffen wollten.Was ist passiert?

    Also erstens hat der Schwager seinen Reisepass zwar eingescannt (als Kopie) und
    zweitens hat er dann den Pass genau daneben liegen lassen. Morgens um fünf kam er dann auf die Idee mit seiner Frau einen Tausch, Reisepass gegen Kuss, auf halber Strecke zwischen Heimat und Duisburg durchzuführen. Der
    Austausch hat geklappt. Um 08:30 Uhr war er dann schon wieder da und nach einem
    guten Frühstück sind wir dann frohen Mutes auf die Bahn um die ersten Kilometer
    hinter uns zu bringen. Durch den etwas späteren Aufbruch haben wir die Staus
    rund um Köln vermieden. Soweit die guten Nachrichten.

    Kurz vor Ahrweiler auf der A61 kam dann der Wink zu einer kleinen Pause auf einer
    Raststätte. Dachte ich. Aber weit gefehlt. Die Lichtmaschine an der
    italienischen Zicke lud nicht mehr. Für alle die sich nicht so mit dieser Moto
    Guzzi auskennen, es ist ein etwas älterer Tourer aus dem Jahre 1984, solider
    Motor, aber die Elektrik!! Das weiß ich leider nur zu gut aus eigener
    Erfahrung. Jahrelang bin ich auch Guzzi gefahren. Alles außer der Elektrik war
    kein Problem. Die meldete sich dafür allerdings regelmäßig. Genauso wie der
    Schwager hatte ich die gesamte Elektronik modernisiert, aber auch die besten
    Absichten helfen nicht immer. Nach kaum einer Stunde war klar. Fehler nicht
    gefunden, so kann der Schwager nicht weiter fahren. Zum Glück hatte der
    "hauseigene" Schrauber gerade Zeit und ist mal eben drei Stunden aus
    Ostfriesland runter gekommen und hat eine neue Lichtmaschine mitgebracht. Das
    ist mal Service.
    Leider haben sich dann, hoffentlich nur vorübergehend, unsere Wege an dieser Stelle getrennt. Der
    Schwager fuhr dem Schrauber entgegen und ich nach Daun. Ab Ahrweiler bin ich
    dann durch das nette Ahrtal gefahren. Am frühen Nachmittag parkte ich dann vor
    Thomas Haus. Nicht nur ich war erstaunt.
    Wenn alles gut geht, treffen wir uns in der Schweiz wieder mit dem Schwager,
    spätestens aber an der Fähre.

    Ab 16:00 Uhr dann mit ein paar kleinen Ausnahmen nur noch Autobahn. Erst über die
    A62 bis Pirmasens, dann bis Landau über die Landstraße. Sogar in Frankreich
    waren wir noch. War halt die kürzeste Strecke über die A35. Bei Sinsheim
    überqueren wir den Rhein und weiter geht es über die A5 bis wir diese bei Neuenburg
    am Rhein verlassen. Es dämmert schon als wir über die B3 bis Welmlingen fahren.
    Um kurz nach 21:00 Uhr haben wir den Landgasthof "Zum Hirschen" in
    dem wir noch von zu Hause drei Zimmer gebucht haben, in der Nähe der Schweizer
    Grenze erreicht.

    [Thomas] 27.4.12 - Der Wahnsinn hat begonnen!

    Unglaublich, dass ich tatsächlich für fünf Wochen in die Türkei fahre. Seit zwei Jahren
    steigt die Vorfreude darauf täglich an und heute geht es endlich los. Leider zunächst
    einmal mit der schlechten Nachricht, dass der Schwager erst mal weiter an
    seiner "alten Dame" schrauben muss, weil sie sich scheinbar für diese
    Strapaze noch nicht gerüstet fühlt. Aber eine echte Guzzi gibt nicht auf und
    kommt nach. Aber jetzt auf nach Lörrach, dem ersten Etappenziel.

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    22.08.2008
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    Standard

    #6
    4. Teil
    Durch die Alpen 28.04.2012/29.04.2012


    [Christoph] Der nächste Tag ist nicht weiter erwähnenswert. 700 km Autobahn. Wir bleiben in der Schweiz auf der A2 und fahren am Vierwaldstätter See vorbei, der glitzernd im Sonnenlicht zu unserer linken liegt. Das Interessanteste war der Stau vor dem Gotthard Tunnel und die neue Erfahrung, wie in Italien das Autobahnticket mit der Karte bezahlt werden muss, wenn man kein italienisch versteht und ich das Ticket in den falschen Schlitz schiebe. Zum Glück gab es noch ein zweites Ticket. Das hatte den schönen Vorteil, dass wir nur einmal für zwei Mopeds bezahlen mussten. Bei Chiasso streifen wir kurz den Comer See. Wie oft bin ich hier lang gefahren und habe mir in Mandello Ersatzteile für meine Mille GT gekauft und dabei natürlich am schönen See mein Zelt aufgebaut. Viele schöne Touren kommen mir dabei wieder in den Sinn. Soviel schöner, als Kilometer um Kilometer auf der Autobahn abzureißen. Denn viel mehr fällt mir dabei nicht ein. Die A9 und später die A1 und A14 sind nicht gerade für die Kurven berühmt. Um ca. 18:00 Uhr kommen wir in Riccione an und Dank Navi finden wir das Hotel. Die Mopeds werden tief in eine Einfahrt gestellt. Ein Auto wird davor gestellt und wir beziehen unsere Zimmer.
    Ach so, die Pizza in einem typischen Lokal in dem touristisch durchgestylten Riccione war wirklich gut.
    29.04.2012
    Das Hotel war OK und bot ein gutes Frühstück. Was auch ein Problem war. Wir haben uns beim Frühstück verquatscht und konnten so nicht noch schnell durch die Berge nach Ancona, sondern mussten mal schnell die Autobahn nehmen. Vor der Abfahrt noch die Kofferreorganisation durchgeführt. Hier, in Italien, ist es schon richtig schön warm und daher alle warmen Sachen tief in die Koffer vergraben. 113 km, von Riccione bis Ancona zur Fähre. Nach dem gestrigen Tag also durchaus Entspannung.
    Schon interessant wie locker in Italien die Grenzen des Möglichen auf der Autobahn getestet werden. Auf der heutigen Tour mussten wir wegen einem kleinen Zeitproblem, wie oben beschrieben, mal wieder die Autobahn nutzen. Diese war von Riccione bis Ancona durchgehend Baustelle. Das heißt, fast nur 90 km/h. Ganz schlecht bei der Zeitplanung. Aber, in fremden Ländern soll man sich ja immer auf die kundigen Einheimischen verlassen. Die wissen am besten Bescheid. Folglich haben wir uns der allgemeinen Verkehrssituation angeschlossen. Aus diesem Grund waren wir auch pünktlich vor Schließung des "Check In" am Schalter der Fährlinie.
    Von da an war alles ganz entspannt. In Ancona haben wir noch das Ticket für den Schwager hinterlegt, denn Thomas hatte für uns drei zuvor die Fähre gebucht. Hans Georg musste daher nur noch für sich extra bezahlen, sobald er nach kommen kann. Die Dame an dem Schalter war sehr nett, sprach zu unserer Überraschung fließend Deutsch und so war alles kein Problem. Ich muss zugeben, dass ich mal wieder etwas gedrängt habe. Thomas dagegen war total cool. Das Ergebnis; wir haben schön lange vor der Fähre gewartet, bis auch der letzte LKW aufgefahren war und kamen dann als Letzte in den Genuss aufzufahren.
    Dafür haben wir vor der Fähre vier ältere italienische Herren getroffen, jeder geschätzte 70, die mit Ihren Rollern eine gute Woche durch Griechenland touren. Es ist auch im Alter möglich noch mit Freunden eine Tour zu machen. Sie wollten unbedingt die griechischen Frauen kennen lernen. Die eigenen Frauen wollten nicht mit. Das ist doch mal was. So soll es uns auch mal gehen. Also doch: „Born to be Wild“.
    Was macht der Schwager? Er bastelt und wir werden uns sicherlich in der Türkei treffen. Bis dahin hatten sich wahre Abgründe bei der Reparatur der italienischen Zicke, Moto Guzzi, aufgetan. Zwischenzeitlich ging wohl nichts mehr und der Schwager ist gemütlich mit den gelben Engeln von Süddeutschland wieder nach Friesland zurück gefahren. Sozusagen zurück auf "Start". Hier wurde fleißig die Elektrik ausgetauscht und schon ging es für den Schwager wieder los. Wir waren da schon ein paar Kilometer weiter. Er hält uns auf dem Laufenden J.
    [Thomas] Na super. Jetzt spielt auch noch das Wetter mit. Um 9.00 Uhr morgens schon 20 Grad und blauer Himmel und Sonnenschein. Weiter geht's Richtung Italy. Gut dass wir Motorrad fahren, sonst wäre ich im Stau vor dem Gotthard-Tunnel verrückt geworden. Autos standen für zwei Stunden in der sengender Hitze im Stau aber das stellte für uns kein Hindernis dar. Ab durch die Mitte hieß die Devise und so mache auch diese Passage Spaß. Aber dann in Italien fragte ich mich: Wie kann man nur so langweilige Autobahnen bauen. 100e km nur geradeaus. Zum Glück leben hier auch nur Anarchisten und so vertrieben wir uns die Langeweile mit permanenter Tempolimitüberschreitung.
    Nach 1100 km heute mal ein Tag zum Entspannen. Nur schlappe 100 km und wir entern die Fähre nach Igoumenitsa, das heißt 18 Stunden Entspannung pur. Optimal für die Gesäßmuskulatur. Seltsamerweise sind wir sogar zu früh am Hafen und haben noch etwas Zeit mit einer italienischen Rentnergang Freundschaft zu schließen, die mit ihren 4 alten Vespas auf dem Weg nach Griechenland sind um die dortige Damenwellt zu erkunden. Und das bei einem Durchschnittsalter von 70 Jahren. Das lässt hoffen.

    - - - Aktualisiert - - -
    jungs.jpg

    HAllo zusammen,

    wer Lust hat Bilder zu schauen, schaut bitte auf www.ttt.2012.de. Hier ist der Ursprung unseres Reiseberichtes. Über die Zeitleiste kann man zu jedem Tag scrollen, links oder rechts. Leider funktionieren die Links zu den weiteren Bilder nicht mehr, da Thomas die Ordner wohl gelöscht hat. Aber zumindest die kleinen Bilder an jedem Tourtag lassen sich durch anklicken vergrößern. Wenn ich Zeit habe werde ich die Bilder auch hier einzubinden.

    Gruß

    Christoph

    - - - Aktualisiert - - -

    Teil 5

    [Christoph] Nach dem wir etwa eine Stunde warten mussten um vom Schiff zu kommen, die LKW's kamen nicht raus, ging’s ab durch Griechenland. Vorher noch ein nettes Frühstück in Igoumenitsa. Die Straßen sind noch leer. Natürlich war ich nach der kurzen Nacht wieder zu nervös. Oder ich bin immer noch nicht lässig genug. Schon eine Stunde vor der Ankunft hatte ich alles gepackt und es konnte losgehen, Aber die Fähre fährt langsam in die Bucht von Igoumenitsa ein. Wir schnuppern die noch kühle Luft Griechenlands und ich möchte endlich los.
    Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das jemals sagen würde: Da haben die Griechen den ersten Preis beim Bau von schönen Autobahnen gewonnen. Noch nie habe ich so eine tolle Autobahn befahren. Die E90 ist neu und hat Kurven ohne Ende. Einfach Klasse. Die ersten geschätzten 350 km geht es durch das Pindos Gebirge. Wir kurven mit lockeren 130 km/h auf dieser tollen Autobahn. Nur kurz unterbrochen von Mautstellen, bei denen wir pro Moped 1,40 € bezahlen. Nichts, wenn man den Gegenwert bedenkt. Die Autobahn ist nicht gerade überfüllt, genauer gesagt fast leer. Erst bei Thessaloniki wird sie etwas voller. Aber eng wird es noch lange nicht. Bei Egnatsia verlassen wir kurz die Autobahn. Thomas muss tanken, biegt aber nach der Ausfahrt nach rechts ab. Eine Tankstelle finden wir nicht, dafür aber die Nationalstraße 6. Und die hat Kurven ohne Ende. Sie führt parallel zur Autobahn, die wir manchmal tief unter uns entdecken können. Vor Metsovo fahren wir wieder auf. Keine Tankstelle, aber eine tolle Unterbrechung der Autobahnfahrt.
    berge.jpg
    An einer Mautstelle fahre ich schon weiter, als mir Thomas über unseren Funk erzählt, neben ihm habe gerade noch ein GS Fahrer angehalten und er komme ein Stück mit. Irgendwann fahren wir kurz von der Autobahn ab um zu tanken. In einem kleinen Dorf finden wir eine BP Tanke und begrüßen uns erst einmal richtig.
    Das ging ungefähr so:
    "Hallo ich bin Klaus".
    "Und ich bin Christoph".
    "Christoph , der aus dem GS Forum?"
    Unglaublich! Und wie kommt Klaus darauf? Wir haben uns beide im GS Forum über unsere jeweiligen Türkei Touren ausgetauscht und mal locker verabredet. Die Mailadressen und Telefonnummern wurden ausgetauscht. Aber das wir uns wirklich treffen und dann noch mitten auf der Autobahn, hätte ich nie gedacht.
    Wir fahren eine Weile zusammen und unterhalten uns via Funk. Ja ja, die Technik ist schon was Tolles. Klaus wollte aber dann doch heute noch in die Türkei einreisen, wir wollen uns etwas mehr Zeit lassen, da wir auch schon den ganzen Tag unterwegs waren. Also haben wir uns bei Komotini wieder getrennt. Gute Fahrt und wahrscheinlich sehen wir uns bald wieder.
    karl.jpg
    Zwischendurch bin ich heftig ins Schwitzen gekommen. Zum einem, weil es in der Tiefebene doch schon schön warm ist und weil Mopeds anschieben anscheinend ein neues Hobby von mir wird. Und eine Adventure ist schon ein schöner Brocken. Wie kann man auch alle Lampen und und und anlassen. Gut das Thomas nicht alleine fährt.
    Wir finden dank des Navis schnell ein Hotel in der Nähe der Autobahn in der letzten größeren Stadt Griechenlands in Komotini. Nicht weit von der Autobahn in einem Gewerbegebiet. Freundlich werden wir begrüßt und haben die freie Wahl der Zimmer. Wir merken es ist Vorsaison, denn augenscheinlich sind wir fast die einzigen Gäste. Riesige Zimmer, Internetzugang, was wollen wir mehr. Essen wollen wir und ein leckeres griechisches Bier ist jetzt angesagt.
    [Schwager] Kein eigener Kommentar, aber Schwager ist guter Dinge doch noch nachzukommen. Wir drücken die Daumen, das morgen die Reparatur klappt und er durchstarten kann.
    [Thomas] Da wollten wir so viel tun auf der Fähre aber irgendwie verging die Zeit wie auf der Titanic. Abba Haaaptsach gudd gess. Und dann die letzte Etappe auf dem Weg in die Türkei. Und was für eine. Eine Autobahn wie ich sie noch nicht gesehen habe. Neu, ohne jegliche Bodenwellen geschweige denn Schlaglöcher schraubt sie sich im Achterbahnstil durch die Bergrücken. Nur das Looping fehlte. Immer wieder werden wir von erfrischend kühlen, schwarzen Tunneleinfahrten verschluckt. Über dem Highway kräuselt sich eine wunderschöne, kurvige Panoramastraße immer wieder hin und her, rauf und runter. Auch diese genießen wir für einige Kilometer. Ganz oben von den Gipfeln blenden uns weiße Schneefelder. Bei einem Tankstopp erfahren wir, dass sich hier das einzige und beachtlich große Skigebiet Griechenlands befindet. Wahrscheinlich ist es auch das südlichste in Europa. Jedenfalls in dieser Landschaft macht Motorradfahren selbst auf der Autobahn Spaß.
    Am Abend sind wir fast an der türkischen Grenze, beschließen aber, diese erst morgen zu überqueren und die Nacht als kleines Dankeschön in Griechenland zu verbringen. In unserem 4* Hotel für 45€ inklusive Frühstück sind wir die einzigen Gäste und dinieren in einem riesigen Speisesaal frischen Griechischen Salat mit Schafskäse und hervorragend mariniertes Kalbssteak vom Grill.

  7. Registriert seit
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    Standard

    #7
    Nu, Christoph, mach mal schee weiter. Da kommen Erinnerungen auf!

    LG
    Elke

  8. Registriert seit
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    #8
    Teil 6
    An der türkischen Grenze 01.05.2012


    [Christoph] Nach kaum 100 km waren wir heute schnell an der Grenze zur Türkei. Nicht nur Griechenland, auch die Türkei empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein. Zunächst müssen wir über eine Brücke. Kurz davor wollen wir uns aufstellen, mit der türkischen Fahne im Rücken um auch ein tolles Foto von unserer Einreise in die Türkei zu machen. Trotz größtem logistischem Aufwand, ist es uns nicht gelungen direkt an der Grenze ein Foto von uns zweien auf dem Mopeds zu machen. Die Soldaten passen auf Ihre Grenze auf wie die Schießhunde. Sie kommen auf uns zu gelaufen und drängen uns weiter zu fahren. Ein Foto von der Grenze ist nicht gewünscht. So kann Thomas noch schnell ein Foto von unseren Motorrädern machen, während ich die Soldaten in ein Gespräch zu verwickeln suche.
    einreise.jpg
    Wir waren gegen 12:00 Uhr an der Grenze. Da wir so früh kamen, war nicht viel los. Wir konnten uns zwischen drei kurzen Wartereihen eine aussuchen. Die ersten Begrüßungsworte kamen mir noch etwas holperig über die Lippen. Neben dem Duty Free Shop konnten wir die Zusatzversicherung kaufen. Ein Geldautomat war auch direkt dabei. Die Türken sind schon praktisch veranlagt. Die Haftpflichtversicherung kostet 28€. Witzigerweise wurde die Karte durch ein Servicebüro einer großen deutschen Versicherung ausgestellt. Gerade bei dieser hatte ich vorher gefragt, ob wir nicht schon in Deutschland eine Versicherung für die Türkei abschlissen konnten. Das wurde mir aber zu Hause glatt weg verneint. Und hier an der Grenze geht es? Komische Welt. Der ADAC, bei dem ich schon etliche Jahre Mitglied bin, bietet diese Versicherung nicht an. Auch der erweiterte Rückkehrservice für Mensch und Maschine gilt nur in Europa. Tja und wie alle wissen endet Europa an den Dardanellen und Asien beginnt.
    Schnell waren wir über die Grenze und steuerten die Halbinsel Gallipoli an. Übrigens, das Moped wird im Pass eingetragen und man kommt ohne Austragung auch nicht wieder aus dem Land raus. Das wird auf der Tour noch für einen von uns von besonderer Bedeutung werden.
    Über zunächst eher schlechte D110 ging es dann weiter. Erst als wir bei Kesan auf die D550 abbiegen, wird die Straße besser. Vor Gelibolu biegen wir ab. Wir wollten eigentlich auf eine kleine Straße abbiegen, doch wir haben uns kurz die quirlige Innenstadt angeschaut, es war Markttag. Aber einkaufen wollten wir jetzt noch nicht. Kurz nach Gelibolu sind wir dann doch von der Hauptstraße abgebogen, um über kleine Straßen durch die kleinen Dörfer Tayfur, Yolagzi, Kumköy Richtung Süden zu fahren. Die Straße ist klein , etwas holperig und uns begegnen mehr Traktoren als Autos. Wir fahren durch eine sanft geschwungenen Landschaft. Die Felder links und rechts der Straße sind grün und hier wird angebaut was das Zeug hält.
    In einem der ersten Dörfer, die wir in der Türkei durchfuhren, machten wir gleich mal an einem Teehaus halt. Wie nicht anders zu erwarten, waren nur Männer anwesend. Nachdem wir mit der Karte unsere weiteren Pläne kundgetan hatten, einige Ratschläge bekamen, wollten wir bezahlen und fahren. Fahren ging, bezahlen durften wir allerdings nicht. Der erste Tee mit den Bauern im Dorf, war das erste Gastgeschenk der Türkei an uns. Çok Teschekür.
    Beeindruckend die Schlachtfelder auf der Halbinsel. Eine schöne leicht hügelige Landschaft ist heute der Gelibolu Yarimadasi Nationalpark. Gute Ackerböden, schöne Pinienwälder, man mag gar nicht glauben wie viele Menschen hier verwundet und gestorben sind. Auf Umwegen haben wir uns den nationalen Gedenkstätten dieser geschichtsträchtigen Halbinsel genähert. Ziel war das zentrale Gedenk-museum. Leider war es geschlossen. Montags haben alle Museen geschlossen, so auch dieses. Wir haben es dann als Ausgangspunkt zum Besuch einer Reihe von verschiedenen Gedenkstätten genutzt. Eine kleine, super neue Einbahnstraße führt 18 km entlang verschiedener Gedenkstätten für die erbitterten Gegner von 1915. Rechts und Links der Straße finden sich Friedhöfe verschiedener Nationen. Hier liegen Australier, Neuseeländer, Engländer und Franzosen und hier liegen viele türkische Soldaten.
    Die Schlacht von Gallipoli wurde während des Ersten Weltkriegs auf der türkischen Halbinsel Gallipoli ausgetragen. Die Entente-Mächte wollten in einer gemeinsamen Operation die Halbinsel besetzen und sie als Ausgangsbasis für die Eroberung der osmanischen Hauptstadt Istanbul nutzen. Der Versuch scheiterte jedoch. Beide Seiten verloren schätzungsweise 250.000 Mann, was der Hälfte der zum Einsatz gekommenen Soldaten entspricht. Die gigantischen Mahnmale, die die Türken dort ihren Helden aber auch den Gegnern gebaut haben, sind in jedem Fall ergreifend und einen Besuch wert. Der spätere Staatsgründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, legte hier den Grundstein zum Volkshelden. Ein Ausspruch lautete angeblich von ihm: "Ihr zieht nicht in die Schlacht um zu siegen, sondern um zu sterben". Da stirbt man doch als gemeiner Soldat noch einmal so gerne.
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    Schön die spontane Begegnung mit Özgür, einem türkisch/deutschen Motorradfahrer der sein Land erkundet, wenn er Zeit hat. Wir stehen gerade vor einem blühenden Rapsfeld und fühlen uns ein wenig nach Deutschland versetzt, haben wir doch überhaupt nicht mit einem solchen Feld gerechnet, als ein Motorradfahrer neben unseren Mopeds anhält. Er lebt in Izmir von Übersetzungen und wenn er wieder genug Geld verdient hat, schwingt er sich auf sein Moped und lernt das Land kennen. Özgür ist die gleiche Tour wie wir gefahren. In 70 Tagen. So viele Freunde, soviel zu sehen. Das wär‘s noch. Die türkische Variante an Motorradkleidung ist ebenfalls bemerkenswert. Da müssen wir uns erst dran gewöhnen.
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    Weiter ging es dann in den Süden der Halbinsel. Nach einem kleinen Snack in Kilitbahir, setzten wir dann nach Çanakale über. In Kilitbahir und Çanakale befinden sich runde Befestigungsanlagen, die als Sperrwerk für die Meerenge dienen sollten. Das Bollwerk wurde 1492 errichtet und verfügt über imposante Rundtürme in deren Nähe wir unseren Snack verzehren und auch die Anlegestelle ist nicht weit. Thomas findet schnell eine einfache Lokanta mit leckeren Fisch. Mir steht eher der Sinn nach Köfte und so gehe ich ein paar Meter weiter und bestelle mir eine leckere Portion. Die ältere Dame ist ganz angetan von meinen rudimentären Türkischkenntnissen und als ich sie auch noch bei der Verabschiedung "These" (Tante) nenne, ist sie hin und weg. Ich setze mich gleich zu Thomas und es ist gar kein Problem, das ich hier meine Köfte verzerre. Wir bekommen noch eingelegtes Gemüse zum Probieren und der Begriff "Schärfe" bekommt für uns eine ganz neue Bedeutung. Hölle Hölle. Die Überfahrt dauert nur knappe zehn Minuten und schon bei der Annäherung fallen uns die vielen Straßencafés auf. Çanakale ist wirklich lebendig, aber wir wollten ja noch bis vor die Tore von Troja. Also zirkeln wir durch die Innenstadt und finden auch schnell die richtige Ausfallstraße. Nach etwa einer Stunde über D 550 und einer kurzen Stichstraße war dies auch geschafft. Wir nehmen die erste Pension im kleinen Ort Tevikiye vor den Toren Trojas und bei einem kühlen Bier, entstehen diese Zeilen. Prost.
    [Thomas] Yahoo!!! Der erste Milestone ist geschafft. Wir sind in der Türkei angekommen. Grenzübertritt war zwar easy aber wie immer machten wir gleich die Bekanntschaft mit einem Türkischen Grenzbeamten, der uns nicht erlaubte, unser geplantes Grenzübertrittsfoto zu machen. Dafür hatten wir schon wieder 28 Grad und strahlend blauen Himmel. Schnell noch die Haftpflichtversicherung für 28€ gekauft (denn entgegen der landläufigen Meinung ist diese für die Türkei nicht in der Grünen Versicherungskarte enthalten – zumindest nicht bei allen Gesellschaften) und schon waren wir über die Grenze und steuerten die Halbinsel Gallipoli an, auf der im Jahre 1915 über 130.000 Soldaten aus Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland und der Türkei (als Verteidiger) ihr Leben ließen und weit über ein halbe Million verletzt wurden. Die gigantischen Mahnmale, die die Türken dort ihren Helden aber auch denen der Gegner gebaut haben sind in jedem Fall ergreifend und einen Besuch wert. Auf der Weiterfahrt hatten wir noch eine witzige Begegnung mit Özgür, einem deutschstämmigen Türken aus Pforzheim, der jetzt in Izmir lebt, spontan anhielt, uns in der Türkei willkommen hieß und wertvolle Tipps gab.

    - - - Aktualisiert - - -

    Teil 7
    [Christoph] Heute Morgen um 08:00 Uhr erst einmal Troja anschauen. Neben dem Pferd waren wir zu dieser frühen Stunde fast alleine. Wie hätten es fast geschafft, aber es kamen dann doch noch zwei Reisegruppen aus dem Großraum Asien hinzu. Wir sind nicht die großen "Steinegucker", aber es gibt natürlich historische Stätte, die muss man gesehen haben. Gerade der Westen der Türkei ist quasi gespickt von diesen historischen Monumenten.
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    Das antike Troja beherrschte seit der Bronzezeit den Zugang zum Schwarzen Meer. Damals konnten die Schiffe noch nicht gegen den Wind kreuzen und mussten daher im Hafen der Festung auf günstige Winde warten. Oberhalb des Hafens lag Troja auf einem 15m hohen Burghügel. Nicht nur die Liegegebühren auch die Schutzzölle und die Lotsendienste machten Troja reich. Berühmt wurde Troja nicht, wie viele glauben mögen, wegen des gleichnamigen Films mit Brad Pitt als Achilles, sondern wegen der Dichtung Ilias von Homer, auf der der Film basiert. Homer beschrieb nur einen kurzen Ausschnitt des über zehnjährigen Krieges zwischen den Griechen und dem Stadtstaat Troja. Uns Deutschen ist natürlich die Entdeckung Trojas durch Schliemann im Gedächtnis geblieben. Er entdeckte nach eigenen Angaben am 31.Mai 1873 in 8 m Tiefe den Schatz des Priamos bestehend aus einem Schild, Dolchen, zwei kleinen Kelchen aus Gold und diversen anderen Gegenständen. Alles hätte er natürlich dem damals osmanischen Staat aushändigen müssen, bewahrte sie aber zunächst in seiner Hütte auf, bevor er sie außer Landes bringen ließ.
    Eben neben dieser Hütte haben wir ein Zimmer gefunden und Essen eine Kleinigkeit zu Abend. Mir verschlägt es ein wenig den Appetit, denn für eine kleine Schale Reis fünf türkische Lira zu zahlen ist schon Nepp. Na ja, wir sind eben mitten in einer Touristenattraktion und dafür müssen wir blechen. Am Morgen, vor der Abfahrt, merken wir wovon der Laden lebt. Wir sind nur Beiwerk. In kurzen Abständen halten hier die Busse und die Touristen erhalten die Gelegenheit sich zu erfrischen. Und natürlich noch das eine oder andere Souvenir zu kaufen.
    Gegen 10:00 Uhr brechen wir auf und fahren zurück zur bekannten D 550. Bis Ayvacik war es eher langweilig. Die Straßen waren gut, aber gerade. Wir durchquerten die ersten Ausläufer der Kasdagi Berge. Weiter ging es über schöne Straßen Richtung Yeshilyourt. Einem kleinen Dörfchen, welches seinen Namen auf Grund der verbauten gelben Steine erhalten hat. Hier steigen wir am Dorfplatz ab, und schauen uns zunächst das Dörfchen an. Vor ein paar Jahren war ich schon einmal hier. Es gab ein großes, schickes Hotel und eben den Dorfplatz mit einer alten griechischen Kirche, die zur Moschee umgebaut wurde, ein paar Einkaufsmöglichkeiten und sonst nichts. Heute sind die Einwohner aufgewacht. An einigen Stellen werden die Häuser zu Pensionen oder kleinen Pensionen umgebaut. Wir kehren zum Dorfplatz zurück und machen es uns im Schatten der Bäume auf einen kleinen Snack und natürlich Çay bequem. Hier kann man es aushalten, denn es ist schon Anfang Mai zur Mittagszeit ordentlich warm.
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    Die anschließende Strecke ist gerade und wir fahren entlang der Bucht von Edremit immer auf der D 550 bei Ayvalik verlassen. Auch hier möchte ich Thomas die Altstadt zeigen, finde sie aber vor lauter neuen Häusern nicht mehr. So kurven wir bis auf die Halbinsel und wieder zurück und trinken mal wieder Tee in einem kleinen Restaurant. Nach diesem kurzen Abstecher über eher langweilige Straßen, fahren wir ein kurzes Stück zurück und vor dem Dörfchen Kerem geht es auf einer schönen, kurvigen Straße durch Kiefern und Pinienwälder Richtung Bergama. Irgendwann sehen wir aus der Ferne schon den Burgberg Bergamas. In Bergama haben wir eine wirkliche hübsche Pension, das Akropolis Guest House, gefunden und nach einem Bummel durch die Stadt in einem Restaurant lecker gegessen. Der Pensionswirt spielt nette Musik, wir können die Mopeds in der Einfahrt parken, das Tor wird geschlossen und wir sind auf einer Ruheinsel in der Stadt.
    Nach einem heißen Tag war der Pool meiner. Klasse, im Prinzip von der Zimmer Tür direkt in den Pool springen. Klaus, hat sich dank unserem Tipp hier auch einquartiert. Abends noch ein, zwei Bier im Garten. Das ist Urlaub. Natürlich arbeiten wir an der Homepage. Der Internetzugang ist, wie fast überall in der Türkei, frei. Auch in kleineren Dörfern kommen wir ins Netz. Hier ist die Türkei weit vorne.
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    [Thomas] Schlau wie Christoph nun mal ist, hatten wir unser Quartier am Abend zuvor in einer kleinen Pension gleich vor den Toren Trojas bezogen und konnten schon um 8 Uhr am Morgen völlig alleine und ungestört unseren Rundgang durch die Ruinen beginnen. Kurze Zeit später spuckten 20 Busse ihren schnatternden Inhalt in die Steinwüste und wir waren froh rechtzeitig das Feld räumen zu können. Vorher wurden wir aber noch von einigen Touristen aus Densborn (Eifel) angesprochen, die kaum glauben konnten, so fern der Heimat einen Biker aus Daun zu treffen, der auch noch die ganze Strecke hier her selbst gefahren ist. Weiter ging es zu einem kleinen, ursprünglichen aber hübsch herausgeputzten Bergdorf zum Mittagssnack. Am Abend erreichten wir dann Bergama, das frühere Pergamon. Wurde hier nicht das berühmte Pergamon-Papier erfunden? :-)

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    #9
    Teil 7
    von Bergama bis zum Bafa See 03.05.2012

    [Christoph] Heute ging es früh um 08:00 Uhr zur Akropolis auf den Berg. Wir waren zu früh, die Tore waren noch nicht offen. Typisch deutsch!
    Stimmt so aber auch nicht. Der Schlüssel für die Kette war wohl verschwunden und ein Ersatzschlüssel wurde erst besorgt. Dann waren wir, nach einem kleinen Rennen gegen 150 ccm Mopeds mit den Angestellten die Ersten, die in aller Ruhe ohne andere Touristen die alten Steine schauen konnten. Am Eingang ist alles auf den Touristenansturm vorbereitet. Das Ticket muss man zwar noch am Schalter kaufen, aber der Einlass ist dann vollelektronisch. Zur Sicherheit schaut aber noch ein Angestellter, ob die Touristen, so wie ich, es auch checken, das Ticket richtig unter das Lesegerät zu halten. Wir sind dank unserer Mopeds die Ersten. Die Seilbahn, die sonst die Touristen bringt ist noch nicht in Betrieb und Busse haben es noch nicht bis oben geschafft. Selbst die Souvenirverkäufer sind noch entspannt und lassen uns in Ruhe.
    Das antike Pergamon zeigt gelungen die Mischung einer gewachsenen Stadt mit einer geplanten Stadt. Erste Besiedelungen fanden schon im 6. und 7. Jahrhundert v.Chr. statt. Philetairos formte die archaische Siedlung zu geplanten und befestigten Stadt. Durch viele Eroberungen seines ehemaligen Herren Lysimachos unter Alexander dem Großen verfügte er über einen prallvollen Geldbeutel und konnte so auch den Umbau der Stadt vorantreiben. Angeblich nannte er 90 Talente, ein Talent = 20 kg, Silber sein eigen. Er und sein Nachfolger Attalos I umgaben die Oberburg, die obere Agora und Teile der Wohnbebauung mit einer soliden Mauer. Die Stadt wuchs und so wurden die Straßen verbreitet. Pergamon wurde monumentaler. Später wollte man den Athener auf dem Gebiet der Kunst und Kultur Paroli bieten und es Pergamon entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kulturzentren des Hellinismus. Namensgebend war die Stadt für das Pergament, das einer bereits antiken Legende zufolge dort erfunden wurde. Tja Thomas, da hast Du doch richtig vermutet. Die Friese hatte ich vor Jahren schon in Berlin gesehen und war natürlich gespannt auf die Wirklichkeit. Was den Ausblick angeht, die „Griechen“ wussten schon, wo sie ihre Heiligtümer und Städte bauen mussten.
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    Nach einem gemütlichen Frühstück sind wir dann um 11:30 Uhr zusammen mit Klaus los zum Bafasee. Ein kleiner Umweg in das schöne Eski Foça war auch noch drin. Allerdings kamen vorher noch an einem beeindruckenden Industriekomplex vorbei. Nun kenne ich ja schon eine Menge Industrieanlagen. Komme selber aus dem Ruhrgebiet und habe nach der Ausbildung und während der Semesterferien des Öfteren auch bei den großen Industrieunternehmen gearbeitet. Das ist jetzt auch schon wieder locker 20 Jahre her, aber selbst zu dieser Zeit hatte ich nicht so viel "Feinstaub" zwischen den Zähnen, wie in den 10 Minuten in denen wir dort vorbei mussten. Da können die Filterhersteller noch den einen oder anderen Euro verdienen. Wir biegen also vor Sehit Kemal auf die kleine 35.79 ab. Zum Glück sind wir nach wenigen Kilometern wieder am Meer und schon geht es wieder los. Wir stehen mehr als das wir fahren. Ein Motiv jagt das andere.
    Foça hat mir gut gefallen. Nicht so viel Hektik, aber auch nicht langweilig. Außerdem soll man von hieraus noch die Möglichkeit haben, die im Mittelmeer seltenen Mönchsrobben zu beobachten. Vielleicht das nächste Mal. Natürlich machen wir hier eine Pause. Wir setzen uns in der Nähe des Hafens in einen Teegarten und werden freundlich nicht nur mit Çay bedient. Klasse fand ich die mobilen Buch second-hand Läden. Hier werden in großen abschließbaren Schränken diverse Bücher angeboten. Da ich noch ein wenig von der Stadt sehen möchte, schlendere ich über den zentralen Platz zur Einkaufszone und erstehe ein paar wirklich leckere Teigwaren in einer Feinbäckerei. Ein älterer Mann kommt mit einem Fahrrad vorbei. Nicht weiter erwähnenswert, aber das er einen langen Zopf hat, ist doch in der Türkei eher selten. Das Städtchen liegt nicht weit von Izmir entfernt und diese Stadt ist in der Türkei für die Weltoffenheit bekannt. Vielleicht färbt ja schon einiges in die nähere Umgebung ab.
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    Viel zu schnell finden wir uns auf der D550 Richtung Izmir wieder. Bei Izmir trennten wir uns dann von Klaus. Er wollte es gemütlicher angehen lassen und hatte sich vorgenommen, mehr im Westen der Türkei zu fahren. Später schreibt er uns von einem wunderbaren Hotel auf der Halbinsel vor Izmir. Wir wollen natürlich nicht mitten durch die Großstadt.
    Witzig finde ich immer die Ortseingangsschilder. Hier steht die Einwohnerzahl auf dem Schild. Ich vermute mal, schon beim Aufhängen des Schildes stimmt die Zahl nicht mehr. Izmir soll ungefähr 3,5 Millionen Einwohner haben. Kann ich nicht glauben. Die Autobahn rund um Izmir ist wie jede Autobahn der Welt nur nicht so befahren. Sie zerschneidet Izmir und es ist unglaublich, was hier gebaut wird. Ein Hochhaus neben dem anderen. Wer da wohl wohnt. So viele Menschen können doch gar nicht in der Türkei leben. Die Hochhäuser sollen die Landflucht in die Städte aufnehmen. Wenn ich mir aber so die Landbevölkerung und deren finanziellen Spielraum ansehe, möchte ich doch stark bezweifeln, das ausgerechnet sie es sind, die in die Hochhäuser einziehen. Sie werden wohl eher in die zahlreichen Gecekondus der Großstädte ziehen. Ein Gecekondu ist die Bezeichnung für einen nicht geplanten Stadtteil, mit primitiven Unterkünften am Rande einer Großstadt. Sie sind jedoch kein Slum. Es gibt eine einfache Grundversorgung mit Strom, Wasser und natürlich kleinen Läden. Manchmal stiftet ein ehemaliger reichgewordener Bewohner eine Moschee. Übersetzt bedeutet es so viel wie „über Nacht gebaut“. Hier siedeln sich meist Bewohner aus dem gleichen Heimatort oder -gegend an. Aber trotzdem wird überall neu gebaut. Alte Siedlungen werden platt gemacht. Hochhäuser entstehen. Dazwischen allenthalben Müllberge.
    Wir müssen unbedingt noch herausbekommen, wie man für die Benutzung der Autobahn bezahlt. Die Versuche haben irgendwie nicht geklappt. Na ja, es gibt Schlimmeres. Auch nach der offiziellen Autobahn ähneln die Straßen weiterhin eben Solchen. Da muss man schon aufpassen, dass man nicht die Ausfahrt verpasst. Bis Belevi bleiben wir auf der E7 und biegen dann Richtung Selçuk ab. Mal wieder befinden wir uns auf der D 550. Haben die nur die eine Bundesstraße? Vor Germeçik biegen wir dann auf die D 525 ab. Diese zieht sich schnurrgerade durch die Landschaft. Erst in der Nähe des Bafa Sees wird es wieder kurviger. Wir folgen dem Ufer des Sees. Vor Ilbira biegen wir ganz scharf links in eine kleine Straße ab. Sie führt uns zu unserem heutigen Tagesziel Kapikiri.
    Der Weg bis zum Bafa See wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht zwei Dinge passiert wären. Erstens wurde eine Straße neu gebaut. Ist jetzt nicht so selten hier in der Türkei, aber bei dicksten Staubfahnen lassen es sich manche LKW Fahrer nicht nehmen auch hier zu überholen. Der andere wird schon bremsen, wenn es eng wird. Und Mopedfahrer sind eh nicht wichtig.
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    Das Zweite war die wunderschöne Umgebung am Bafasee. Die tollen Gesteinsformationen mit dem Licht, waren einfach Klasse. Thomas hat sich komplett vergessen und ein Foto nach dem anderen gemacht. Zunächst sondiere ich schon einmal die Pensionen in dem Ort. Dieser ist einzigartig. Man muss Eintritt zahlen. Warum Eintritt? Nicht wegen der neuen Häuser, aber diese liegen mitten zwischen dem antiken Herakleia. Das Schulgebäude steht auf der Agora. Der Athenatempel ragt noch zwischen der "modernen" Wohnbebauung heraus. Kühe finden zwischen den Stadtmauern ihren Stall, ebenso wie hier die Gärten der Bewohner angelegt sind.
    Am Ortseingang warte ich dann und halte meine Kamera bereit um ein wenig die Einfahrt von Thomas in den Ort zu filmen. Irgendwann schaltet die Kamera dann auf Sparbetrieb. Ich ziehe meine Jacke aus und setzte mich auf einen Baumstamm. Nichts passiert. Na ja, vielleicht ist etwas passiert. Vielleicht ist die Gummikuh von Thomas mit einer realen Kuh zusammen gestoßen. Also Jacke wieder an und zurück. Tatsächlich begegnen mir einige Bauern, die gerade ihre Kühe in den Stall treiben. Man grüßt freundlich. Ein paar Kilometer zurück sehe Thomas fast auf der Straße liegen, da er die beste Position für ein einzigartiges Foto sucht. Die Sorgen waren also zum Glück umsonst. jetzt kann ich mich auch nicht mehr halten und knie bald ebenfalls nieder vor dieser Landschaft.
    Wir kommen in der netten Pension Pelikan mit wunderbaren Blick auf den See unter. Und was für ein Blick. Bei einem Bier beobachten wir den Sonnenuntergang und wieder glüht der Chip im Fotoapparat. Schön ist es hier und schön soll es bleiben, denn rund um den See dürfen keine Hotels gebaut werden. Einzig Pensionen sind erlaubt. Rund herum lädt die Landschaft zum Wandern ein. Hier soll es mehr als 200 verschiedene Vogelarten geben. Also ein Ziel für die Hobbyornithologen. Die Gneisbrocken gehören zum Latmosgebirge und das kleine Gebirge ist ebenfalls gut zu erwandern. Hier werde ich beim nächsten Mal länger bleiben. Dann werde ich das gute Olivenöl aus natürlicher Produktion genießen.
    [Thomas] Nach der guten Erfahrung mit frühen Besichtigungen besteigen wir heute Morgen die Akropolis von Pergamon und sind schon vor der Einlasskontrolle da. Nachdem die endlich den Schlüssel für das Tor gefunden haben, dürfen wir die Anlage als erste für den heutigen Tag betreten. Beeindruckt bin ich von der Aussicht und den noch in seinen Dimensionen zu erahnenden und teilweise gut erhaltenen Bauwerken. Auf der Weiterfahrt habe ich Zeit die Eindrücke zu verarbeiten. Wahnsinn, diese Gigantomanie früherer Herrscher. Wirklich nur früherer Herrscher? Da fallen mir plötzlich auch viele heutige ein, die sich ungeniert Denkmäler setzen. Bevor ich mit dem Sortieren meiner Gedanken fertig bin, verfliegen die Gedanken als wir auf einer beeindruckenden Küstenstraße entlang fahren, die immer wieder faszinierende Blicke auf die Küste freigibt.
    Weiter geht es um den Bafa-See der früher einmal zum Meer gehörte und erst nach dessen Rückzug zum See wurde. Eine ehemals kleine Straße, die durch unberührte Natur um den See herumführt wird inzwischen zur 4-spurigen Autobahn ausgebaut. Naturschützer scheint es hier noch nicht zu geben. Direkt hinter dem See biegen wir ab und folgen seinem Ufer. Auf der rechten Seite liegt das gigantische Fünf-Finger-Gebirge, dass in schroffen Felsformationen teilweise bis 1500 m aufragt. Im Licht der Abendsonne bieten sich immer wieder grandiose Aussichten und hinter jeder Kurve halte ich an um Fotos zu schießen. Nach 10 km erreichen wir unser heutiges Etappenziel das Pelikan Guest House in Kapikiri (früher Heraklia), auf dessen Terrasse wir zum Abschluss des Abends bei einem kühlen Bier einen grandiosen Sonn

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    #10
    Teil 8

    Entlang der Westküste 04.05.2012


    [Christoph] Heute sind wir nach einem ausgezeichneten Frühstück auf der Terrasse der Pension Richtung Kalkan aufgebrochen. Zurück auf der Hauptstraße ging es weiter wie es gestern dort aufgehört hatte. In einer kilometerlangen Baustelle. Wir geben nicht auf und folgen der D525 bis Milas. Hier biegen wir auf die D330 ein. Die Straßen sind ab hier zumindest keine Baustelle mehr. Nur wir sind nicht mehr mit dem Zustand unserer Mopeds einverstanden. Auch wenn jetzt einige sagen, das Moped muss so richtig schön dreckig sein, wenn man unterwegs ist, fanden wir, das auch saubere Mopeds gut aussehen können. Also ab zur Tanke und Kosmetik machen lassen. Für 5TL, etwa 2,50 €, war die Welt wieder in Ordnung. Zumindest bis zur nächsten Baustelle. Bei Yatagan biegen wir mal wieder auf die geliebte D550 ein und fahren Richtung Gökova. Hier sind wir schon wieder ganz dicht an der Südwestküste des Mittelmeeres. Bis Fethiye bleiben wir auf der D400. Manchmal blitzt das Meer zwischen den Bäumen zu unserer rechten auf. Durch den bekanntesten Strand der Türkei, Ölüdeniz, ist das Gebiet hier touristisch perfekt erschlossen. Obwohl wir nur den Rand der Stadt streifen, sehen wir überall Touriläden, Cafés und Kneipen. Wir halten uns hier nicht auf sondern suchen uns unseren Weg. Zum Glück haben wir ein Navi, die Beschilderung zu dem besonderen Ort, den ich Thomas zeigen möchte ist rudimentär. Es ist ein Abstecher zum alten griechischen verlassenen Dorf Kayaköyü dem früheren Livissi. Nach dem türkischen Befreiungskrieg wurden die hier lebenden Griechen auf den Peleponnes umgesiedelt. Es entstand eine Geisterstadt. 1957 vernichtete ein großes Erdbeben die restlichen Gebäude. Heute ist es dank der Nähe zu den Touristenorten Fethiye und Ölüdeniz zu einem Tagesausflugziel geworden. Mehrmals überholen wir Quads, die ebenfalls auf dem Weg zu dem Dorf sind. Zunächst biegen wir kurz vor dem "Dorfkern" rechts auf eine kleine Straße ab und fahren an kleinen grünen Feldern vorbei auf den gegenüberliegenden Berghang. Hier stehen schon mehrere neue Häuser, die wohl von wohlhabenden Einwohnern erbaut wurden. Als die Straße zu einem Feldweg wird kehren wir um und fahren durch das Tal zum eigentlichen Dorf. An der Hauptstraße gibt es schon einige einfache Restaurants und Souvenirläden. Alles ist ein bisschen alternativ angehaucht. Auch die ersten Boutiquehotels warten jetzt auf die ersten Gäste. Boutiquehotels nennt man in der der Türkei Hotels die oft in antiken, restaurierten Gebäuden eröffnet werden. Meist sehr liebevoll gepflegt verfügen sie oft nur über einen kleinen Garten.
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    [Thomas] Nach einem ausgiebigen Frühstück mussten wir diesen herrlichen Ort Heraklia leider viel zu früh wieder verlassen. In dieser unberührten Natur und Landschaft hätte ich es noch ein paar Tage ausgehalten. Aber der Berg (Ararat) ruft und wir müssen weiter. Immer wieder geht es über tolle Motorradstrecken langsam Richtung Mittelmeer. Mitten im Nirgendwo stehen wir plötzlich vor einer verlassenen Geisterstadt. 100e, unbewohnte und teilweise verfallene Gebäude schmiegen sich an einen steilen Hang und überblicken eine weite Ebene. Hier haben früher Griechen gewohnt, bis sie Anfang der 1900 aus der Türkei vertrieben wurden. Inzwischen hat sich hier eine zunächst eine Künstlerkolonie (na ja eher ein Haufen Aussteiger) niedergelassen, betreibt kleinere Gastronomiebetriebe und profitiert von den Touristen, die sich diese Geisterstadt ansehen wollen. Aber auch neuere, große und schöne Wohnhäuser haben sich auf dem gegenüberliegenden Berghang angesiedelt, die teilweise als Ferienhaus aber auch dauerhaft bewohnt werden.
    [Christoph] Kurz vor dem Dorf überholt uns noch ein Verrückter Mopedfahrer auf einer V-Strom. Russisches Kennzeichen. Oleg steigt ab, grinst breit und erzählt, das er vor vier Tagen in Moskau los ist und in Ölüdeniz eine Runde Paragleiten will. Super Location dafür. Keine Ahnung, aber hat er einen guten Reifen vorgelegt. In eine paar Tagen will er dann über Georgien zurück. Kurz E-Mails ausgetauscht und weg isser.
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    Zuerst über große Straßen, dann aber auch kleine Straßen nutzend fahren wir parallel zum Taurusgebirge Richtung Kalkan. Hinter Ugrulu biegen wir in eine Solche ein. Wir fahren parallel zur D400. Welch ein Glück, keine LKW's. Kurz getankt und schon geht es weiter. Wir sind dem Taurusgebirge zum Greifen nah.
    Zwischendurch wird natürlich immer wieder fotografiert. Da wir immer wieder unterschiedliche Motive schön finden, hält mal der Eine mal der Andere zu einem kleinen Fotostop. So geht es eine Weile. Irgendwann fahre ich vor und halte bei einem schönen Punkt um Thomas zu filmen. Aber der kommt nicht. Die Kamera fährt wieder in den Sparmodus, geht schließlich ganz aus und immer noch kein Thomas. Ich ziehe wieder die Jacke aus, weil es immer wärmer wird und immer noch kein Thomas. Das gleiche habe ich doch erst vorgestern erlebt. Dieses Mal fahre ich nicht zurück, vermute ich doch, das mal wieder eine Fotosession angesagt ist. Stimmt auch, nur unter anderen Vorzeichen. Nach einer halben Stunde kommt er dann angefahren. Natürlich habe ich ihn nicht gefilmt, da ich mittlerweile gemütlich im Gras sitze.
    Was war passiert? Thomas hält an und will fotografieren. So weit so gut. Dumm nur wenn, er vergisst den Seitenständer heraus zuklappen. Da fällt auch mal eine Adventure um. Nur wie wieder aufzurichten? Thomas erzählt von der Technik ein Moped aufzurichten. Hat nur dummerweise nicht geklappt. Für einen alleine ist so ein Brocken mit Koffern doch etwas zu schwer. Aber ein Junge aus der Eifel weiß sich zu helfen. Koffer abgebaut und dann wie aus dem Lehrbuch aufgestellt. Tja und das hat dann doch erheblich länger gedauert. Schade wäre ich doch zurück gefahren, das hätte ich gerne gefilmt.
    In Kalkan angekommen, erkenne ich kaum noch etwas wieder. Alles zu gebaut. Mit meiner Frau war ich vor ca. zehn Jahren schon einmal hier. Eine gemütliche kleine Stadt. Kalkan heißt wörtlich übersetzt "Steinbutt" und man kann sich vorstellen warum sich hier viele Fischer angesiedelt haben. Es wurde bis 1923 von Griechen bewohnt. Diese mussten dann aber auf Grund des Vertrages von Lousanne die Türkei verlassen. Die Hänge waren noch nicht zu gebaut. Aber das Hotel Papermoon, in dem wir auch damals gut untergekommen sind, haben wir gefunden.
    Abends gehen wir natürlich in die Stadt und das tolle Restaurant von damals ist jetzt ein ganz feines Restaurant mit einigen Auszeichnungen geworden. Kalkan ist jetzt perfekt auf gehübscht. Die alten, gut restaurierten Häuser griechischen Stils beherbergen meist Läden für jeden Geldbeutel. Vielleicht wird ja bald ein englischer Bürgermeister gewählt. In den letzten Jahren haben sich hier viele Engländer eingerichtet und natürlich sind die Grundstückspreise rapide gestiegen. Beim Spaziergang durch den Ort können wir die Zahl der Restaurants schon fast nicht mehr zählen.
    [Thomas] Die Fahrt führt jetzt hinunter in eine Ebene und plötzlich ragt vor uns das über 3000 m hohe Taurusgebirge auf, dessen Gipfel teilweise noch mit Schnee bedeckt sind. Der Kontrast zu dem sonnenbeschienenen blauen Himmel ist einfach atemberaubend. Jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer bis zu unserem nächsten Ziel: Kalkan, einem ehemals verschlafenen Fischerort an der Küste, der von überwiegend englischen Touristen wachgeküsst wurde. Zum Glück hat sich der ursprüngliche Flair des Dorfkerns durch die artgerechte Sanierung der alten Gebäude weitgehend erhalten und die vielen Restaurants bieten von ihren Dachterrassen einen schönen Blick auf die Altstadt. In einem 20*-Restaurant nehmen wir unser Abendessen ein. Die Bevormundung der vier um uns herumschleichenden Kellner passt so gar nicht zu meiner mentalen Verfassung und ich muss mich zurückhalten um keinen Lachanfall zu bekommen als einer der Boys Christoph die Serviette über den Schoß legt. Ich ziehe deshalb vor es schnell selbst zu tun. Das Essen allerdings war Spitze.
    Und was macht der Schwager? Schwager schreibt nicht. Also schreiben wir: Er ist unterwegs. Der verrückte Hund ist die Nacht durchgefahren und schaut sich Italien von der Fähre aus an. Wir werden uns also bald wieder treffen.


 
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