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USA - Rund um Grand Canyon Teil 1

Erstellt von monthy, 04.08.2009, 22:53 Uhr · 37 Antworten · 7.976 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    Standard 3. Teil USA - Rund um Grand Canyon

    #11
    Death Valley Tag (mit Cabrio)
    Nun denn, heute lecker gefrühstückt (Buffet im Harrah`s – so einfach ist das manchmal).
    Nachdem wir 102 Unterschriften geleistet haben, gab es dann im Parkhaus der Autovermietung die freie Wahl. Der Chrysler Sebring convertible passt und steht uns auch gut. Dach zu, Dach auf und los geht es. Las Vegas zieht sich doch ganz schön in die Länge… Egal, Sonne 34 Grad, Musik, Wind in den Haaren und eine schöne Frau an meiner Seite (ja, meine) PERFEKT!




    In Death Valley ziehen wir an einem Parkplatz das Ticket aus einem Automaten. Der Weg zum Dantes View windet sich stetig den Berg hoch. Ein tolles Panorama! über das Tal.


    Im Tal selber, Dach zu und Aircondition an. Wir bewundern die verkrusteten und salzigen Erdschollen am Devil`s golf course.



    Humor haben sie ja, die Amis. Wenn ich sonst die Golfplätze in Amiland sehe, dann haben sie anscheinend für den Teufel wohl nicht viel übrig. Obwohl, in Anbetracht früherer Präsidenten? Hatten die nicht mal Bush als Präsident? Inzwischen haben wir satte 40 Grad – eine trockene und stehende Hitze scheucht uns immer wieder in das Auto und im Sommer werden es sogar 55 Grad – unvorstellbar! In Badwater, der tiefste Punkt der USA (nach der Politik der letzten Jahre), Fotosession.



    Natürlich ein Spaziergang auf der Salzstraße. Warum, trotz der Hitze, dort immer noch ein Tümpel ist, kann ich mir nicht erklären. Wir fahren die 70 Meilen bis zum Talende weiter, nur Salzboden in der Senke – sonst nichts. Nach dem Tal, Dach auf, Musik an und wir rollen gemütlich nach Vegas zurück. Übrigens, kein Ami hat gehupt oder gedrängelt. Abends essen wir im Tobias Keith (countrystyle) einen leckeren Burger und genehmigen uns einen riesigen Cocktail. Die Theorie, dass aufgrund der Größe, dafür kaum Alkohol im Getränk sein kann, erwies sich als grundlegend falsch. Irgendwie schaffen wir es dann doch noch zu packen und fallen früh ins Bett.

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    Standard 4 Teil USA - Rund um Grand Canyon

    #12
    1. Motorradtag
    Juhu, schnell und reichlich gefrühstückt – bei dem Buffet geht es auch gar nicht anders und auf zu Eaglerider BMW. Unser Taxifahrer findet zuerst die Strasse und dann Eaglerider nicht. Er muss anrufen – hätte er was gesagt, wir haben doch das Navi dabei, zu spät. Vor uns ist ein Paar aus den USA, die die gleiche Erfahrung gerade gemacht haben. Ich glaube, dass die beiden nahezu die einzigen waren, die außer uns, richtige Motorradsachen in dieser Woche getragen haben. Vor den beiden steht Tim. Ja, Tim ist schon eine Erwähnung wert. Wir befinden uns in einem akkurat gestylten Verkaufsraum von BMW – kein Staubkorn ist zu sehen. Tim würde aber bei seiner Bearbeitungsgeschwindigkeit keinen Staub aufwirbeln. Asche zu Asche und Staub wird wieder Tim – er ist ein wenig älter und kennt das Alphabet auf der Tastatur nicht so genau. Nicht missverstehen, Tim ist freundlich und nett, aber wir wollen heute noch 480 km fahren. In den 1,5 Stunden des Lauerns und Hoffens, überlege ich mir als typisch Deutscher, wie man das hier ratzfatz optimieren könnte. Weder die Moped, noch Unterlagen sind vorbereitet. Dann die Frage, ob wir einen Topcase haben möchten? Wir sind misstrauisch und fragen nach, ob es ein Problem wäre. Yes, No- ähem die Trägerplatte müsste noch montiert werden. Oh NO, we`re a little bit in hurry. No problem, wir haben ja unseren Rollsack vorsorglich dabei. Nun bekommen wir die Schlüssel in die Hand und lassen Tim mit seinen Papieren mal alleine. Im Nu ist das Navi (war in Old Germany vormontiert) befestigt und sauber das Stromkabel verlegt. Der Ram-Mount für die Kamera braucht schon etwas mehr Zeit, weil die Schrauben so lang sind.;-) Kristina packt inzwischen die Koffer und den Rollsack. Noch 102 Unterschriften…. Und bitte, bitte, sagt nie jemand wieder zu mir nur in Deutschland gäbe es eine Bürokratie.
    Wir sitzen auf den Mopeds. Kristina hat die niedrigere Sitzbank geordert, sodass sie gleich perfekt zurecht kommt. Las Vegas zieht sich wiiiieeeeedeeeer und es ist sehr, sehr heiß!. Wir haben zwar extra Sommeranzüge und Motocrosshelme mit Sonnenbrille an, aber schon nach wenigen Meilen läuft mir der Schweiß herunter. Das Navi macht klaglos und effizient seinen Dienst und lotst uns Richtung Hoover Dam in die Berge. Wir hoffen, nein, wir erwarten dort erträglichere Temperaturen. Es geht bergauf und wir stehen am Hoover Dam erstmal im Stau. Zu meiner Überraschung gibt es kurz vor dem Damm einen Sicherheitscheck für ausgewählte Fahrzeuge. Wir rollen weiter und sehen kurz vor dem Damm den Bau einer neuen Brücke.

    Das ist schon sehr beeindruckend. Auf die nähere Besichtigung verzichten wir, aufgrund der fortgeschrittenen Stunde, und hangeln uns weiter bergauf. Abkühlung? Fehlanzeige! Wir fahren durch interessante hügelige Landschaften mit grandiosen Fernblicken. Die Halbwertzeit der Freude sinkt, so wie uns die Hitze zusetzt. Ohne unsere Trinkrucksäcke wäre das unerträglich. Kristina gibt mir Tage später sogar recht, dass ich auf die Anschaffung bei ihr bestanden habe – sie gibt MIR Recht! Ha, Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir freuen uns hier zu sein, obwohl wir dauernd das Gefühl habe, dass verschiedene starke Heißluftföns uns gezielt anblasen. Dann die ersten dunklen Wolken… kein Problem, it never rains in california. Wir sind aber gerade in Arizona angekommen und die Wolke weiß das. Mein Navi aber nicht, (die Straßenlandkarte ist schon in Las Vegas aus dem Kartenfach gerutscht) es zeigt andauernd keine Straße mehr auffindbar an. Zugegebenermaßen brauche ich weitere 1,5 Tage bis ich endlich verstehe, was passiert ist. Der Schlaumeier zu Hause, also ich, hat nur die Nevadakarte auf das Zumo übertragen – nix Arizona und nix Utah! Selbst eine Wolke ist also schlauer als ich – die hat sich inzwischen entschlossen uns ein wenig abzukühlen. Herrlich, die Tropfen sind zwar recht groß und bei Treffern im Gesicht kommen die dazu gehörigen Zuckungen der Gesichtsmuskeln dazu, aber es ist ja warm genug. Allerdings währt das alles recht kurz und die heftigen Böen von der Seite nehmen zu. Wir müssen dem Tribut zollen und fahren langsamer. Was Kristina wohl fühlt? Fährt erst 1,5 Jahre, gehört zur defensiven Fraktion, hat zu Hause die kleine 650 GS und kämpft jetzt bei diesen Winden mit der 1200 GS…. Ich hatte nachher den Eindruck, dass ich mir deutlich mehr Gedanken dazu gemacht habe, als es sie es getan hat. Besser so, als anders herum. Das Spiel mit dem Wind und Regen wiederholt sich noch mehrmals an diesem Tag. Der Wind treibt die Dornenbüsche, wie im Western, über die Straße und kleine Windhosen entstehen in unserem Blickfeld – beeindruckend. Die Windhosen beschleunigen auf unmerkliche Weise die Mopeds wieder und wir landen in Kingman, wo wir vorsorglich tanken…. wollen. Ich verzweifel an der Zapfsäule und bitte um Hilfe beim Tankwart. Der letzte Fehler, war das schlichte Hochklappen der Rüsselhalterung – na, da muss man drauf kommen. Hochgefühl kommt auf – wir fahren auf der Route 66. Bekannte Bilder aus Büchern und Reisemagazinen tauchen auf und wir fühlen uns sauwohl.

    Uns kommen hier deutlich mehr Motorradfahrer, natürlich fast alle Harleys, entgegen. Der Gruß ist übrigens obligatorisch und wie es sich für die freundlichen Amis gehört, wird jeder gegrüßt – egal, ob Roller, Dreirad oder Fremdfabrikat – nur lässig muss es sein. Unterwegs überholen wir ein Trupp Harleys, ca. 25 Stück. Vorne weg ein Pickup mit dem gelben großen Schild: Attention convoy. Ähem, wir schmunzeln noch heute darüber. Betreutes Wohnen mag ja sinnvoll sein, aber betreutes Fahren in dieser Dimension – das ist zumindest nicht unser Traum vom Urlaub. Der Hintern zwickt und zwackt und fordert eine Pause ein. Nach etwas Zureden lässt er sich überzeugen noch bis zum Grand Cavern durchzuhalten. Interessant, wie Fotos in Reiseberichten ein Bild von einer Lokalität entstehen lassen, die man vor Ort kaum wieder findet. Das ist in diesem Fall zwar nicht tragisch, da der Ort/Raststätte auf seine Weise Charme entfaltet. Ich muss nun Kristina erstmal mein Lob (und meine Erleichterung) für das gute Handling der 1200 GS aussprechen. Im Vergleich zu Deutschland fährt sie erheblich flotter – was ihrer Aussage nach vor allem durch das deutlich ruhiger Drehverhalten des Motors begünstigt wird.
    Seligman steht zu 100 % im Zeichen der Route 66 – ein schöner Ort mit vielen Kuriositäten am Straßenrand – vierrädig, zweirädig und zweibeinige…. Schräg und sympathisch. Aber wir wollen weiter. Die folgende Strecke ist der für uns schönste Teil der Route 66, schmal, hügelig und leer. Wir folgen kurz dem Interstate Highway und nehmen die erste Ausfahrt nach Williams. Williams ist ein Teil der Route 66 und hat ein Speedlimit von 15 Meilen – da fällst Du ja fast um. So bleibt aber ein wenig Muße die Häuser zu bewundern, die aus einer anderen Zeit zu stammen. Es wird nun auffallend kühler und das Navi zeigt uns inzwischen auch satte 2.000 Höhenmeter an. Der Anstieg fiel überhaupt nicht auf, nur das es hier wunderbar grün ist und es endlich Wälder gibt. Die Freude wird getrübt durch ein 60 Meilen langes Stück geradeaus – kein Ort – keine Raststätte und es wird zunehmend kühler. Auch unsere bereits bekannte Wolke gesellt sich wieder zu uns. Die Musik aus dem I-Phone verkürzt die Zeit wohltuend.
    Um ca. 18 Uhr sind wir endlich da – ein erster Blick in den Grand Canyon. WOW! Das Gefühl kann kein Bild wiedergeben. Unser Zimmer in der Bright Angel Lodge ist rustikal und hat sehr viel Charme, u.a. eine alte Badewanne auf Füßen stehend. Unser Essen haben wir redlich verdient und als Bonus schütten wir ein paar Bier in der Bar hinterher.



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    Standard 5 Teil USA - Rund um Grand Canyon

    #13
    2. Motorradtag Grand Canyon
    Als Ausgleich haben wir heute wenige Motorrad KM vor uns. Dennoch stehen wir allerdings schon um halb fünf auf und finden einen schönen Platz am Rande des Canyons – wo wir sogar ganz für uns sind. Wir inhalieren die majestätische Ruhe, die das Lichtspiel der Steinformationen beim legendären Sonnenaufgang untermalt.



    Wenn das jemand malen würde, würde ich Kitsch dazu sagen. Es ist einfach zu gigantisch, was die Natur hier in unvorstellbaren Zeitspannen geschaffen hat. Welche unbedeutende Rollen spielen wir in diesen Zeitspannen und warum nehmen wir uns dann so wichtig, bzw. wie wichtig sind die vermeintlichen Alltagssorgen? Zeit zum Nachdenken.



    Nachdenken macht hungrig – bin halt einfach gestrickt – und so wandern wir nach 4,5 Stunden zum Frühstück. Von den Eindrücken und dem reichhaltigen Frühstück erschlagen, halten wir ein kleines Nickerchen. Frisch und munter nehmen wir den Shuttle zum Mathers point. Es ist sehr voll geworden. Übergewichtige Amerikaner und Horden von Asiaten, alle bewaffnet mit Kleinstfotoapperaten – die aber immer mehrere Minuten zum auslösen brauchen, kreuzen unseren Weg. Die Fluchtgedanken werden beschleunigt, als die bekannte Wolke uns in den Menschenmassen entdeckt.

    Als Strafe für das gestrige mehrfache Entkommen hagelt es diesmal und stürmt. Der Regen kommt quer, sodass selbst der Baum als Zuflucht nicht wirklich hilft. Also marschieren wir weiter und die Wolke zollt Respekt und stellt den Regen wegen Wirkungslosigkeit vorerst ein. Zu früh gefreut, denn um vier machen wir uns auf dem Weg zum Flughafen um unseren gebuchten Helikopterflug anzutreten. Die Wolke hat inzwischen das Gewitter als Verstärkung gerufen und wir sehen unseren Flug schon baden gehen. Flug gecancelt? „Ja, an sich schon – sind Sie denn morgen noch da?“ No. Ich drücke auf die Tränendüse und erzähle mit stockender, sichtbar bewegter Stimme, dass ich schon vor 19 Jahren den Flug wegen Nebels nicht machen konnte. Irgendwie wurde es ihr wohl zuviel und wir müssen uns das Einweisungsvideo anschauen und dürfen warten. Das Wetter bessert sich schlagartig und nun geht es schnell – wirklich schnell. Kaum die Helme weg und schwups sitzen wir alleine in einem Heli – Kristina vorne.




    Die Sonne kommt durch....






    und wir haben ein unvergessliches Erlebnis. Nach der Landung geht es zack, zack aus der Maschine und wir sind voll mit Glückshormonen – was für ein Tag!


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    Standard 6 Teil USA - Rund um Grand Canyon

    #14
    3. Motorradtag Monument Valley
    05.45 aufstehen – komisch, im Urlaub fällt das nie schwer. Ich fahre nun mit meiner Maschine tanken – der Tanktest gestern auf dem Rückweg mit Kristinas Maschine hatte reibungslos funktioniert, dass muss ich ausnutzen. Interessanterweise hatten wir bis zum letzten Tankstopp nie wieder Probleme. Man tippt die gewünschte Zahlungsweise ein oder schiebt direkt die Kreditkarte in den Schlitz. Man nimmt den Rüssel ab und wählt dann die gewünschte Spritsorte und der Tank füllt sich. Ich hatte bei meiner nagelneuen 1200 einen dicken roten Ring und mir fiel auf, dass sich der Tank schnell und einfach füllen ließ. Kein mehrfaches und wohldosiertes Auffüllen, um die letzte Luft aus dem Tank zu bekommen. Wohldosiert ging meist eh nicht – die Zapfpistolen bei den Amis sind wohl eher auf Monstertanks von Monstertrucks ausgelegt als auf filigrane Tanks von Mopeds.
    Es ist recht kühl, kein Wunder bei 2100 Meter Höhe und um diese Uhrzeit. Das frühe Aufstehen lohnt sich – zuerst überquert ein riesiger Hirsch die Straße, den ich bedingt durch Schatten und der überbordenden Phantasie meinerseits erst für einen Elch gehalten habe. Dann jede Menge Rehe an und auf der Straße. So geht das auf unserem Weg morgens weiter – es ist wunderschön.





    Wir fahren zum Osteingang und halten in Desert View – ein unbedingtes MUSS. Selbst schon etwas abgestumpft verschlägt es uns die Sprache – der schönste Blick in den Canyon!





    Unsere berühmte Wolke braut sich zusammen und nimmt uns jeden Sonnenstrahl – überhaupt ist das Wetter am Grand Canyon extrem wechselhaft. Wir gleiten elegant in die Ebene nach Cameron und frühstücken. Falls ich es noch nicht erwähnt hatte, BREAKFAST in America muss man groß schreiben. Riesige Portionen, deren Schwerpunkt in der Regel 2 – 3 Eier sind, die je nach Wunsch Rühr-, Spiegelei oder sonst wie zubereitet werden. Dazu braunen Toast, Bacon, oder Bratkartoffeln mit einer Art braunem Bohnenmus. Das hört sich zwar nicht verlockend an und sieht übrigens auch nicht verlockend aus – aber ich habe immer alles bis auf den letzten mikroskopisch kleinen Krümel gegessen. Der Kaffee ist besser, als ich ihn in Erinnerung hatte und man bekommt jederzeit frisch nachgeschenkt. Von der Aufmerksamkeit und der besonderen Freundlichkeit, nicht Höflichkeit, der Bedienungen könnte sich viele Möchtegern-Kellner in Old Germany mal eine Scheibe abschneiden. Jedes Frühstück ist schon ein GUTE-Laune-Punkt auf der Tagesskala. Dank der 105 PS rollt die GS auch nach dem Frühstück noch mit uns mühelos durch die nun eher gleichförmige und tendenziell unattraktive Landschaft. Wenig grün, viel Stein – kaum Orte, logisch. 20 Meilen vor Kayenta ist es pechschwarz und es blitzt im 10-Sekundentakt auf der Straße, der wir nun folgen. Unsere Wolke versperrt uns mit ihren Beistand, dem Gewitter, den Weg. Es sieht furchteinflößend aus. Wir machen Pause und warten eine halbe Stunde. Der Wolke wird langweilig und es klart langsam auf. Die Straße ist noch ordentlich nass und es sieht noch düster aus. Wir glauben schon es geschafft zu haben, da zeigt unsere Wolke ihren hinterlistigen Charakter (wahrscheinlich eine weibliche Wolke oder Verwandtschaft beim Finanzamt) und erwischt uns – aber wie! Platzregen, die Tropfen schmerzen im Gesicht. Ruckzuck läuft mir das Wasser von oben in meine Stiefel und den Nacken runter. Die Schultern sind dank des luftigen Sommeranzug und Mikrofasershirt schon klitschnass. Dazu kommt noch der Temperatursturz von 10 Grad. Die Wolke hat wohl noch etwas Nachholbedarf und hat noch ihren Bruder, den Hagel, als Beistand geholt. Die Hagelkörner sind überraschend groß und mir fallen die Horrormeldungen über tennisballgroße Hagelkörner ein. Na danke, mir reichen die hier schon. Ein Hagelkorn trifft mich am rechten Oberarm, direkt auf dem Muskel (böse Zunge behaupten, das wäre nicht möglich) und das schmerzt. Kristina geht es kaum besser – die fährt wie der Teufel vorneweg. Kopf runter, Körper einfalten und GAS. Speedlimit interessiert nicht. Das Wasser steht in Sekunden zentimeterhoch auf der Straße. 75 Meilen und sie wird immer schneller – ich sehe kaum was und bleibe mühevoll dran. Schau an, meine Frau die Raserin. Es muss nur kühl oder nass sein.
    So heftig es uns erwischt hat, so plötzlich waren wir auch durch. Es wird wieder warm und dank des Fahrtwinds sind wir Minuten später schon wieder trocken.

    Monument Valley ist schon aus der Ferne betrachtet sehr beeindruckend.



    und für 5 $ Cash auch aus der Nähe...



    Monument Valley ist Indianerreservat und gehört daher auch nicht zu den Nationalparks. Es ist bezeichnend, dass die Umgebung kein fruchtbares Land ist, das gehörte zum System der Weißen. Umso erfreulicher, dass diesmal die Indianer davon profitieren. Die Westernkulisse und wir auf unseren „Pferden“ - da wird der Gang schwerer, die Schritte breiter und Du erwartest John Wayne um die Ecke kommen. „Hey Guys, was für ein Motorrad fahrt Ihr?“ ist die Standardfrage für ein wenig Smalltalk. „Wo wollt Ihr hin und woher kommt Ihr“ letztere Frage im doppelten Sinne gehören mit zum Repertoire. Allerdings sind das jeweils nur die Rahmenbedingungen für ein Gespräch. Es liegt an uns, das Gespräch teilweise zu vertiefen. Einfach mal fragen, „fährst Du auch?“ und man staunt, wieviel Amis BMW oder Goldwing fahren. Ok, es sind die älteren und die K 1200 RT ist dort ganz oben auf der Liste. Aber die „Jungs“ sind ja noch älter als ich und wenn ich mit an die 70 noch aktiv fahre - na besser als auf dem Sofa hocken. Wir treffen auch die zwei Biker Jim & Dane wieder, die schon Nachbarn in der Bright Angel Lodge waren. Beide begeisterte Triumph Sprint ST Fahrer(in) - sind ja irgendwie schöne Mopeds. Ich ringe lange mit mir, ob ich die Offroadstrecke durch Monument Valley fahre. Man sieht zwar meines Erachtens nicht mehr, aber hätte doch was. Kristina will lieber nicht und wäre aber bereit zu warten. Aber dann das fiese Schild „10 Meilen“. Wenn es regnet, laufe ich ja schon schneller. Ein kurzer Blick - tatsächlich, die fahren alle so langsam und dann noch die Jeeps mit Biertischaufsatz. Auf jeden Jeep kommt so ein Maximum an Touristen, beschallt vom Fahrer. Ballermann-Feeling.



    Unter diesen Umständen wäre in Deutschland jeder Schweinetransport sofort verboten worden - aber wem es gefällt.
    Auf der Fahrt nach Page fahren wir unserer Wolke immer wieder gerade so davon. Heute bleiben wir, trotz der drohenden Niederlage auf der Hinfahrt, gegenüber unserer Wolke moralischer Punktsieger. Wir durchqueren die typische klischeehafte Westerngegend mit bizarren Gesteinsschichten. Der Spruch, es könnte stundenlang so weiter gehen, trifft hier nicht nur zu - es ist auch so.
    Dennoch freuen wir uns um halb fünf in Page zu sein. Wir wollen in der Nähe vom Lake Powell übernachten, am besten sogar an der Promenade. Vergiss es…. Die Stadt geht gar nicht bis an das Ufer, sie ist erst in den sechziger beim Bau des Staudamms aus den ursprünglichen Unterkünften der Bauarbeiter entstanden.- Wir haben immer noch europäische Vorstellungen - Amiland ist eben anders und deshalb sind wir ja auch hier. Um unser Reisebudget oder Reiseapotheke zu entlasten, machen wir einen Bogen um die teuer oder kaschemmenmäßigen Motels und quartieren uns in der Travellodge ein. Zum Essen folgen wir der Empfehlung des Baedecker und finden in DAM Burger & Bar erstklassiges Essen und auch für amerikanische Verhältnisse eine super freundliche Bedienung. In der Nacht kommt unser Zimmernachbar aus dem oberen Stockwerk wohl nach Hause und scheint dauernd hin und her trampeln zu müssen. Leichtbauweise hat auch Nachteile - egal, wir sind hundemüde und schlafen in Nanosekunden wieder ein.

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    Standard 7. Teil USA - Rund um Grand Canyon

    #15
    4. Motorradtag Bryce Canyon
    Wieder um sieben on the road und wir rollen die weitläufigen Kurven zum Lake Powell runter. Unten eine unasphaltierte Strasse, die zum See führt. Das Hinweisschild BEACH lässt bei mir, wahrscheinlich war ich noch im Halbschlaf, feinen, weißen Sand, knackige Mädels, und Liegestühle mit Sonnenschirmen vor meinem geistigen Auge auftauchen. Die Realität ist hart, wirklich hart. Nackter Stein bis zum Wasser.





    Es sind interessante Steinformationen und das Wasser sieht sehr klar aus, aber nix Sand oder geschweige denn etwas grün. Ich drehe mit der 1200 GS eine schnelle Runde und will mich ein wenig austoben. Im Vergleich zu meiner geliebten 1150 merkt man, trotz Gepäck, sehr schnell, dass die 1200 über mehr Power verfügt. Begünstigt durch die Straßenbereifung komme ich schnell in den Drift. Bisher habe ich den Drift eher vermieden, da nach Drift = Sturz folgt, aber hier habe ich das Gefühl das Ausbrechen gut kontrollieren zu können. Kristina beschränkt sich darauf ihre Maschine schlichtweg zurück zu fahren. Nach einer Weile wird auch Ihr das Geholper zu viel und sie steht in den Rasten. Man sieht, dass ihr Endurotraining schon wirkt - nicht mehr lange und wir werden gemeinsam die Asphaltstraßen meiden können. Schon auf der Route 66 gab es laut Karte einige „Abkürzungen“, die nach ungeteerter Straße aussahen und mich gereizt hätten.
    Weiter geht es und nach den üblichen zig Meilen geradeaus, kommt ein leichter Gebirgszug in Sicht. Die Amis haben eine schöne Sitte - sie stellen Verkehrsschilder für die empfohlene Geschwindigkeit auf. Mein Spaß ist es, die Geschwindigkeitsdifferenz zum IST in die Höhe zu treiben. Erfreulicherweise kann Kristina mit meiner kurzzeitigen Abwesenheit dabei gut leben - ich will nicht behaupten, dass sie erleichtert ist, aber sie nimmt mir meine Sprints auch nicht krumm. Der Blick in die folgende Tiefebene ist mal wieder ein Kracher, endlos weit, vereinzelte Ortschaften, in der Ferne ein einsamer Truck und rechts von uns eine weitere Gebirgskette - da wollen wir hin. Der Marble Canyon lädt zum Stopp ein. Hier sieht man sehr gut, wie ein Fluss sich anfängt in die Steinlandschaft hinein zu fräsen.



    Der elegante Brückenbau aus Stahl erinnert schon ein wenig an Frankreich.



    Wir cruisen durch eine wunderschöne, zunehmend grüner werdende Landschaft. Beindruckende Felswände, vorwiegend rot, durchzogen mit helleren, teilweise weißen Gesteinsschichten. Riesige Findlinge liegen auch auf der abgewandten Straßenseite. Na, wenn die über die Straße kullern, möchte ich nicht gerade unterwegs sein. Etliche Meilen vor Jakob Lake, endlich Kurven, Kurven, enge Kurven. Ich drehe am Gas und plötzlich taucht vor mir der Truck als Wand auf. Der steht ja fast…
    Kurze gerade und die 105 PS springen förmlich an der langen Wand vorbei. Tiefflug, wo sind die Fußrasten? Die Schräglage reicht nicht, „Schisser“, denkt ein Teil von mir. „He, immerhin waren die Stiefel seitlich auf dem Asphalt“ sagt die besonnenere Stimme. Recht hat sie… An der Kreuzung oben angekommen, sind wir auf satte 2.400 Meter Höhe - das ist ja ein Ding. Klammheimlich klettert man unmerklich eine Höhendifferenz von 1.400 Meter hoch. Von den letzten Kurven mal abgesehen, fiel das auch nicht auf. Nun aber frühstücken . Wir setzen uns an die urige Theke und haben so richtiges Trapperfeeling. Mal wieder ein Hochgefühl - alles passt! Wir kaufen für die Kids u.a. zwei echte Navajo-Friedenspfeifen, auf dass sie ihr Leben lang friedlich und freundschaftlich verbunden bleiben - ob es hilft? Plötzlich steht ein Biker neben uns, mit dem ich schon Smalltalk bei der Ankunft hatte. Sein Kumpel fährt eine 1150 GS und dort ist das Ölschauglas heraus gefallen. Unglaublich, aber wahr. Ich wühle in meiner (typisch deutsch) Kleinstreparaturkiste und kann ihm nur ein widerstandsfähiges Textilklebeband anbieten. Er hat ebenso Zweifel an der Haltbarkeit des Bandes und laut Telefonat mit BMW, soll er das Ölschauglas einkleben und mit Dichtmasse einschmieren. Er bedankt sich außerordentlich höflich für die Zeit, die ich mir genommen habe und quatscht nun jeden Autofahrer (dort oben waren nur Pickups) an. Er wird fündig und ich widme mich meinem Frühstück. Bei der Abfahrt kommt er nochmals auf mich zu und erklärt mir genau sein Problem, weil ich ja 1150 GS fahre. Leider hat sich in Deutschland bestätigt, dass dieser Fehler auch bei anderen vereinzelt aufgetreten ist, s. Link
    Nun denn, ich bin zwar nach wie vor kein Fan der 1200 GS, zu viel Kunststoff, dem Motor fehlt die „gefühlte“ Behäbigkeit, aber in diesen Momenten erkennt man an, dass der Fortschritt nicht aufzuhalten ist und ganz sicher dafür andere Fehler konzipiert. Mit anderen Worten, dass Schauglas wird ganz sicher nicht mein Problem hier. Ernsthaft habe ich mir nie Gedanken um mögliche Pannen etc. gemacht. Schon auf meinem Gewaltritt nach Riga in 5 Tagen hin- und zurück, war das keinen Gedankenwert. Ich bin mit der ersten 1150 GS in Ungarn Tiefsand, die Alpen rauf und runter und bis nach Gibraltar etc. gefahren. Nie hatte ich das Gefühl, dass meine Dicke mich mal im Stich lassen könnte. Das ist halt BMW-Feeling (für mich). Nun, genug der Lobhudelei, Ihr wisst ja, wenn man den Sonnenschein zu lange lobt, regnet es unerwartet und bezahlt werde ich auch nicht von BMW - im Gegenteil - siehe Inspektionskosten.
    Wir schwingen uns nun wieder bergab und es tröpfelt. Die einzige Wolke - weit & breit! Wir schwingen schneller und bleiben trocken. Vor uns fahren nun zwei Einzylinder - die böllern ganz ordentlich - nix Lärmschutz. Zugegebenermaßen fällt das aber hier auch nicht so auf - erstens wohnt hier kaum jemand und zweitens böllert eh immer was. Harleys, Pickups, Mustangs (die ohne Fell) oder Trucks. Mit unseren BMWs gelten wir wohl als brandgefährlich, weil uns ja keiner kommen hört. Nachdem wir im Rückspiegel entdeckt wurden, geben die beiden alles. Bedenklich sehen wir das Fahrwerk sich verwinden und den Fahrer akrobatische Leistungen vollbringen, um die Balance zu halten. Wir bleiben dahinter, schon weil das Tempolimit markant überschritten wurde.
    In Kanab wird getankt. Ein R 90 Fahrer ist sehr stolz auf seine betagte BMW und kann offensichtlich mit unserem neumodischen „Kram“ nichts anfangen. Schon faszinierend, wie viele BMW hier fahren.
    Wir fahren durch ein Hochtal/ebene und genießen das satte Grün der Wiesen.

    Im Red Rock Canyon wird es dunkel und die berühmt leuchtenden Steinformationen stellen sich nicht ein. Unserem Staunen tut das keinen Abbruch - der nun einsetzende Regen schon. Nun kommen wir zu Mathe: je niedriger die Temperatur und höher die Luftfeuchtigkeit um wieviel erhöht sich dann die Fahrgeschwindigkeit eines Motorrades? Antwort: Überproportional! Doch der Regen ist stinkefaul und tröpfelt lieber an Ort und Stelle noch was herum. In der Lodge waren keine Zimmer mehr frei, also genehmigen wir uns ein teures Zimmer im neuen Best Western, welches zur Übergabe um 16 Uhr noch nicht mal sauber ist. Wir ziehen sofort wieder los und bestaunen im Bryce Canyon die absolut unglaublichen bizarren Felsformationen,

    während es im Hintergrund blitzt und donnert. Hatten die an der Rezeption nicht gesagt, bei Gewitter zwingend im Auto oder in der Hütte bleiben? Fasziniert und mutig fahren wir weiter in den Park hinein. Dabei entdecken wir vereinzelte Bäume, die zerspalten und verkohlt den Wegesrand „zieren“. Uups… Am Fare Viewpoint schiebt sich dann die heimtückische Regen- und Gewitterfront zwischen Hotel und uns. Wir warten ab, bis es etwas heller aussieht und kommen dank der Regenkombis recht trocken im Hotel an - gerade rechtzeitig. Im Rubys Restaurant spürt man den Touristeneinschlag -


    alles hektischer, weniger freundlich (aber höflich). Kein Wunder, stehen doch Busladungen von Touristen vor der Tür und begehren abgefüttert zu werden. Timing ist alles. Wir ergänzen unsere Einkäufe für die Lieben daheim und zugegebenermaßen auch für mich. Ein Edelstahl-Flachmann ist nun mein - quasi als Ergänzung der Butterbrotdose für die Arbeit.

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    Standard 8. Teil USA - Rund um Grand Canyon

    #16
    5. Motorradtag: ZION-Nationalark und Mojavewüste
    Heute morgen sind wir noch eine Stunde „früher“ aufgestanden, damit wir die Zeitverschiebung vor Ort ausgleichen. Somit sind wir wieder vor den meisten anderen unterwegs und haben die leere Straße im Bryce Canyon für uns allein. Doch zuerst die Überraschung - Eis auf den Motorrädern!


    Knappe 37 Grad Fahrenheit, was in etwas 0 Grad C entspricht. Zum Glück hat meine bessere Hälfte (in diesem Fall schon) durch den „öffne den Fenster - Kältetest“ im Vorfeld heraus gefunden, dass es sehr kalt sei. Daher waren wir warm angezogen, lange Unterhosen und langärmelige Hemden aus Microfaser, sowie der alte geliebte schäbig aussehende Fleecepulli erfüllten artig ihre Pflicht. Das Gesicht vereist, trotz Endurobrille, aber die Heizgriffe und die schöne Landschaft erwärmen uns.



    Langsam, aber stetig schrauben wir uns auf 2.782 Meter hoch....



    Die Natural Bridge ist für mich aber der wahre Höhepunkt im Park.



    Da wir immer noch nahezu alleine unterwegs sind, drehe ich in den Kurven kräftig am Gas und Kurven gibt es dort viele. Zwei Stunde später fahren wir aus dem wunderschönen Park heraus und friieeeeereen uns Mount Carmel entgegen. Diesmal leuchten die steinigen Gebilde Im Red Rock Canyon in ihren unterschiedlichen Rottönen und bringen die Landschaft gut zur Geltung.




    Die Bisonherde auf einer Weide wurde von Kristina nicht als solche wahrgenommen. Wahrscheinlich zitterten die Sehnerven vor Kälte. Mehr als die Sehnerven muss bei dem entgegenkommenden Harley-Fahrer gezittert haben - er fuhr im T-Shirt, ohne Helm und ohne Brille - die Bedeutung von cool wird wieder nach ihrem Ursprung definiert. Beim reichhaltigen und daher ausgiebigen Frühstück beobachten wir die Zunahme der Biker, die aus dem ZION-Nationalpark kommend und nur mit T-Shirt fahren. Kristina macht nun, den „guck in die Sonne-Wärme-Test“ und wir entledigen uns der langen Unterwäsche, samt Fleecepulli. Eine sehr gute Entscheidung, denn es wird sehr schnell warm. Dann eine Bisonherde, die majestätisch, wie im Film die Weide parallel zur Fahrtrichtung quert. Wir halten die Luft und die Motorräder an. Gigantischer Anblick!



    Auch die Amis halten, scheint ebenso kein alltäglicher Anblick mehr zu sein, obwohl die Bestände sich ja deutlich erholt haben. Der Parkranger am Eingang des Zion Nationalparks ist mega gut gelaunt - wir auch! Dieser Park ist majestätisch, erhaben und strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus. Die schmale Straße führt an gewaltigen Felswänden vorbei, die durchfurcht sind von Längs- und Querrillen.


    Die Natur und der liebe Gott haben hier mächtig angegeben, RESPEKT!
    Die Gelassenheit, die ja schon eh vorhanden war, durchdringt alle Emotionsschichten. Der Gashahn wird geschlossen und im knappen Schritttempo und mit vielen Ah-, Oh-und „schau mal da“-Pausen durchqueren wir den Park.



    Die nächste Tunneldurchfahrt entpuppt sich als sehr, sehr, langer und sehr dunkler Tunnel. Zum Glück hatte ich die Hinweisschilder diesmal ernst genommen und meine Sonnenbrille abgenommen. Kristina kann ja jede Art von Tunnels überhaupt nichts abgewinnen und reagiert da manchmal schon etwas klaustrophobisch. Daher ist es ihre Rettung, dass nach einigen von hunderten Metern der Tunnel von Felsdurchbrüchen beleuchtet wird, welche dann auch einen sehr kurzen aber atemberaubenden Blick auf die Steilwände gegenüber zulassen. Obwohl wir beide es abgrundtief ablehnen, mit Touristen-Sammelbehältern zu fahren, überlegen wir ernsthaft uns doch in den für Fahrzeuge gesperrten Park fahren zu lassen. Die Hitze und unsere Motorradklamotten sprechen letztendlich dagegen.




    Auch der schönste Park ist irgendwann einmal zu Ende und wir fahren etwas schwermütig weiter.



    Es lebe der Ignorant und das nächste Abenteuer wartet schon im Snow Canyon auf uns. Über Tomberque geht es auf die Interstate 15, die wir aber gleich bei der 1. Ausfahrt wieder verlassen. An der Kopfstraße geht es links nach Harrisburg (nicht DAS Harrisburg) oder rechts über die Kleinstraßen. Die Kleinstraße entpuppt als unbefestigter, staubiger Weg, also genau das richtige für mich. Allerdings mache ich mir Gedanken über die Leidensfähigkeit von Kristina, die abgesehen von dem kurzen Schlammtraining Ende März auf einer 100 KG-Maschine, noch gar keine Offroaderfahrung mitbringt. Der Weg wird bergauf holpriger und ich stelle mich daher lieber in die Rasten. Kristina bleibt nun deutlicher zurück. An der nächsten Kreuzung steht ein Wegweiser zum nächsten Ort, 24 Meilen. Kurze Frage, “Umdrehen?“ „Ne, noch geht es - vielleicht sind es ja keine kompletten ungeteerten 24 Meilen“ Ok, und so fahren wir bei nun 90 Grad F (34 ° C) die Berge rauf & runter. Als aber auf einer Bergspitze der Weg sich endlos lang durch die Landschaft schlängelt - ist Schluss.


    Mein Camelback ist leer und erleichtert die Entscheidung. Zurück fährt sie mit abgeschaltetem ABS und auch im Stehen. Sieht gut aus - ich denke, da werde ich noch schöne Offroadtouren mit ihr vor mir haben.


    Wieder auf die I 15, die schwarz geteert ist und die Luft flimmert. Ächz! In St. Georges fahren wir an die Tanke, füllen die Camelbacks auf und uns auf. Wir trinken jeder erstmal eine Limo, bzw. Cola. Dabei beobachte ich einen Tankvorgang eines gasgetriebenen PKW`s. Sowas macht also auch vor Amiland nicht halt. Plötzlich kommt Bewegung in die Nebenstrasse. Ein uralter Pickup, mit dem Noah schon zur Arche gefahren ist, fährt mit Schwung den Berg hoch - im Schlepptau ein reichlich überdimensionierter Wohntrailer. Der Pickup prustet, stöhnt, klappert und …… verreckt! Geistesgegenwärtig lenkt der Fahrer den Wagen an den Bordstein und lässt das eingeschlagene Vorderrad gegen den Bordstein rollen. Für einen Moment hängt das Vorderrad in der Luft und überlegt sich, ob es doch noch auf den Bordstein will, bleibt dann aber erfreulicherweise hängen. Noah steigt aus, allerdings sieht der Kerl aus, wie Noah nach der Sintflut - ungewaschen, ohne Hemd (igitt - ich muss dringend abnehmen) und betrachtet verärgert die Situation. Als wir dann losfahren und weiter unten die Straße kreuzen, hoffen wir inständig, dass die Kupplung nicht schon von Achilles bei Troja im Einsatz war. Vor dem Ortsausgang kommen wir an einem dekadenten „Resort“ vorbei. Eine in sich geschlossene Wohnsiedlung für Besserverdienende mit runden Mauer und Torwächter. Also, ein Art Ghetto für Reiche. Es muss merkwürdig sein, so zu leben. Der Parkranger am Snow Canyon fragt uns ernsthaft und etwas verunsichert, ob wir das ok finden, wenn wir nur die Hälfte des Eintritts zahlen, da wir kein Auto dabei haben. Wir finden es absolut ok. Uns fiel auch schon früher auf, dass wir nie den PKW-Beitrag zahlen mussten, sondern meist als Fußgänger bewertet wurden, was die Eintrittspreise in den Parks erheblich ermäßigt. Der Park ist urig. Sanddünen, staubiger, feiner roter Sand gibt einem das Gefühl in der Wüste zu sein.


    der Tag geht weiter....




  7. Registriert seit
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    Standard 9. Teil USA - Rund um Grand Canyon

    #17
    5. Tag - Fortsetzung:

    Die Temperatur tut das übrige. Rote Felsen, wie im Red Rock Canyon, Gesteinsschichten wie im Bryce Canyon, versteinerte Sanddünen und nahezu leer. Es ist Sonntag und niemand hier? Wir ziehen auch weiter und fahren nach Veyo und finden dort zuerst die Abzweigung nicht. Der Ort ist sehr überschaubar und wir drehen. Von Norden kommend entdecken wir das Hinweisschild nach Gunlock. Naja, sah ja auch so aus, als wenn man da zu den letzten Häusern im Ort fahren würde. Hinter den Häusern geht die Straße aber weiter und ist sehr schmal, kurvig, hügelig und macht einfach sehr viel Spaß. Vor Gunlock sehen wir einen kleinen See, wo anscheinend die Dorfjugend badet, bzw. ihre Session abhält, wie man wohl heute sagen würde. Gunlock ist klein und eher unauffällig, wenn da nicht noch die Ranch gewesen wäre, direkt aus dem Bilderbuch entsprungen. Großes schickes Farmhaus, mehrere Nebengebäude, dazu satte grüne Wiesen mit einem blitzblanken weißen Zaum umrandet. Hier könnte ich bleiben! Im weiteren Verlauf schlängelt sich der flache Bach immer an der Straße lang. Wir sehen Familien mit ihren Pickups und dem obligatorischen Riesengrill den Sonntag genießen. Idyllisch - wenn jetzt noch Opa Walton um die Ecke kommt, würde mich das auch nicht mehr wundern. Im folgenden Indianerreservat knickt die Straße nach rechts ab - so steht es aber nicht auf der Karte. Dank dem Kompass und dem Tracking im Navi bin ich sehr schnell wieder sicher auf der richtigen Straße zu sein. Laut meinen Aufzeichnungen fängt 8 Meilen vor Littlefield die Mojavewüste an - gefühlte 50 Meilen. Grumpelige Kakteen, selbst halb vertrocknet und eine trostlose monotone Landschaft „zieren“ den Weg.
    Die Temperatur erreicht nun 100 ° F (40 ° C).



    Es ist nicht zum aushalten. Mir läuft ein Tropfen am Schienbein herunter, nicht Regen, sondern Schweiß. In Littlefield gibt es ein schönes Hotel (mit Golfplatz und allem drum & dran) zu kaufen, sonst nichts. Ich frage einen älteren (ja, noch älter) Mann, der mir klar macht, dass wir wieder auf die verhasste I 15 weitere 10 Meilen fahren müssen - nach Mesquite. Er will dann noch alles weitere von mir wissen, zum Glück ziept ihn seine Frau an der Jacke und zeigt auf meine tapfere, in der Sonne bratende Frau. Da Mesquite in Nevada liegt, greift mein Navi wieder voll umfänglich in das Geschehen wieder ein und um 16:30 steuern wir das Best Western an (17:30 nach Utah-Zeit). Wir sind erledigt. Kristina stürmt das Zimmer und hechtet zur Klimaanlage und ich kümmere mich heldenhaft und opferbereit um das Gepäck. Duschen kann so herrlich sein! Essen aber auch - nur das ist hier Fehlanzeige. Der Chinese hat geschlossen, die Steak & Bar hat geschlossen, Pizza nur zum mitnehmen. Wir gehen zu KFC und holen uns dann bei Arby`s Wasser, Bier und Chips. Da am Pool kein Alkohol mitgenommen werden darf, füllen wir das Bier in die Wasserflaschen - sieht aus wie Apfelschorle. Dafür kommt das Wasser in die Camelbags. Der von Palmen gesäumte Pool ist nach so einem Tag wundervoll, herrlich - einfach schön. Zunehmend bevölkert sich das Hotel und der Pool. Unverständlich, dass die Amis den HOT SPA, bei dieser immer noch sehr ausgeprägten Wärme, nutzen. Wenn wir die Zeitverschiebung mal unberücksichtigt lassen, sind wir heute 10,5 Stunden mit den Bikes gefahren, haben 65 ° F(35 °C) Temperaturunterschied und ca. 2.000 Meter Höhenunterschied hinter uns gebracht. Dazu die faszinierenden Eindrücke der drei Parks und der tollen Landschaft. Die hübsche Frau an meiner Seite war auch den ganzen Tag dabei. Das Leben meint es manchmal gut mit einem.






  8. Registriert seit
    10.08.2008
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    Standard

    #18
    Hallo Monthy
    wenn ich mich recht entsinne kennen wir uns von dem GS-treffen im westerwald?????
    Aber jetzt mal was anderes:sehr schön zu lesen aber wie sehen ich den die dazugehörigen Bilder
    Grüße M&A und Edda die KUH
    www.picasaweb.google.de/klara.bauernfeind

  9. Registriert seit
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    494

    Standard Bilderrätsel

    #19
    Zitat Zitat von Edda Beitrag anzeigen
    Hallo Monthy
    wenn ich mich recht entsinne kennen wir uns von dem GS-treffen im westerwald?????
    Aber jetzt mal was anderes:sehr schön zu lesen aber wie sehen ich den die dazugehörigen Bilder
    Grüße M&A und Edda die KUH
    www.picasaweb.google.de/klara.bauernfeind
    Hallo,

    ja, wir kennen uns. Leider gar nicht, da das Einstellen der Bilder immer wieder misslingt, trotz etlicher Versuche auch über Picasa.

    Du kannst den Bericht (4 MB) direkt per Mail bekommen oder ich kann Dir den Zugang zu Picasa geben - ohne Text.

  10. Registriert seit
    10.08.2008
    Beiträge
    2.346

    Standard jo!!!

    #20
    Hallo Monthy
    Dann hau mal rein mit dem Zugang;per PN????
    Oder mache nächstes Jahr beim Treffen ein Diavortrag
    Grüße M&A und Edda


 
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