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weniger Schmerzensgeld ohne Schutzkleidung

Erstellt von Zörnie, 02.10.2009, 10:02 Uhr · 63 Antworten · 6.727 Aufrufe

  1. Registriert seit
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    #21
    Unter uns hier gibt es sicher wenige die auf Schutzkleidung verzichten, in südlichern Ländern ist dies (Foto) Standart...

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    #22
    Hallo,

    dann hake ich doch mal nach.

    Allgemein:
    Spielen wir doch mal den Fall mit einem Halbschalenhelm durch. Also:
    1.) Rocker auf klappernder Harley mit Vorkriegstechnik wird vom Bock gefahren, der hat natürlich wie 98 % der Fahrer seines Typs eine Halbschale auf, Integralhelm geht ja gar nicht in der Konstellation. Auto nimmt Vorfahrt, glasklar, Haftung eigentlich 100 %. Leider bremst er zuerst mit dem Kinn, den Rest überlasse ich eurer Vorstellung => Voller Schadensersatz für das neue Gesicht, da ja fast alle so rum fahren.
    2.) Genau der gleiche Unfall, nur ein BMW-Fahrer auf BMW S 1000 RR, ebenfalls Halbschale. Sind wir uns einig, dass ca. 98 % der BMW S 1000 RR - Fahrer einen Integralhelm tragen oder zumindest einen (hoffentlich geschlossenen) Klapphelm aus den GS-Zeiten? Logische Folge dieses Urteil. Der bekommt ein Kürzung, weil es das nicht tat, was die überwiegende Mehrheit zu tun pflegt, um sich über gesetzliche Bestimmungen hinweg zu schützen.

    Zur Begründung wird dann wikipedia zitiert: http://de.wikipedia.org/wiki/Motorradhelm

    "Man unterscheidet folgende Bauarten:
    Integralhelme (auch Vollvisierhelme) mit fester Kinnpartie – bieten den besten Schutz.
    Klapphelme, bei denen sich die Kinnpartie hochklappen lässt – wobei die Sicherheit im Vergleich zu Integralhelmen minimal geringer oder genauso gut ist. Außerdem erleichtern Klapphelme das Abnehmen des Helmes nach einem Unfall. Zudem sind sie bei Brillenträgern sehr beliebt.
    Enduro/Motocross-Helme mit fester Kinnpartie (größerer Abstand als beim Integralhelm, meistens ohne Visier)
    Jethelme mit tiefgezogenem Visier, aber ohne Kinnpartie.
    Halbschalenhelme (auch die sog. Braincap)
    Die beiden letztgenannten Bauarten schützen Gesicht und Kinn bei einem Unfall nicht."

    Für alle Befürworter des Urteils... merkt ihr was?

    @ Jonni
    Um die Frage, ob der Schädiger per se für den Schaden haftet, geht es nicht.
    Richtig, im Ausgangsbeitrag ging es aber auch ausschließlich darum, ob wegen Stoffhose weniger rauskommen darf. Das Oberlandesgericht hat ausdrücklich schadensersatzmindernd diesen Umstand zu lasten des Motorradfahrers berücksichtigt, ich darf aus dem Urteil zitieren:
    "Schließlich ist auch in gewissem Umfang - wie bereits in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat erörtert - ein Mitverschulden des Klägers insoweit anzunehmen, als er an den Beinen keine Schutzkleidung getragen hat, sondern lediglich mit einer Stoffhose bekleidet war. ...Vorliegend hat der Kläger auf das Tragen einer Schutzkleidung ausgerechnet an den Beinen (Kopf und Oberkörper waren hinreichend geschützt), also dort, wo die Verletzungsgefahr am Größten ist, verzichtet. Es kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass jedenfalls ein nicht unerheblicher Teil der am linken Bein erlittenen Verletzungen wie Prellungen und Riss-wunden, die eine umfangreiche chirurgische Wundversorgung erforderten, nicht eingetreten wären, wenn der Kläger auch an den Beinen eine Schutzbekleidung getragen hätte."

    @ Phil
    das ein schmerzensgeld hoeher ausgefallen waere, mit schutzkleidung, das wage ich zu bezweifeln
    Deine Meinung teile ich nicht. Das OLG hat sich nicht wenig Mühe gegeben, seine Meinung zum Thema Mitverschulden zu Papier zu bringen. Wenn es nur darum gegangen wäre, dem Kläger das zuzusprechen, was er letztlich bekam, hätte sich das OLG die Ausführungen zum Mitverschulden schlicht sparen können und darauf hinweisen können, dass die bereits bezahlten 14.000.- € auch ausreichend bei voller Haftung ohne Kürzung sind. Ganz klar, es ging dem OLG darum, ein Zeichen zu setzen und Stellung zum Thema Kürzung wegen unzureichender Kleidung zu setzen.

    Bei dieser Gelegenheit... ist nun eigentlich der Betreiber einer Fahrschule in der (Mit-) haftung, wenn er ein 16-jähriges Mädel beim Mopedführerschein ohne Vollschutz fahren läßt, wenn was passiert... kommt doch sicher ständig vor (das Fahren lassen ohne Vollschutz meine ich).

    der klaeger hat schlicht zu hoch gepokert. 25.000.- plus 180.000.- sind ein wenig an der realitaet vorbei wenn man sich die unfallfolgen ansieht.
    100 % Zustimmung, pokert man zu hoch, ist die "Türe oftmals zu". Allerdings ergeben sich die 180.000.- €, die das OLG nennt, nur dadurch, dass 2 grundlegende Fehler bei der Berechnung gemacht wurden.
    1.) Es heißt im Urteil:
    "Ausgehend von der vom Kläger für angemessen erachteten monatlichen Rente von 250,00 € würde dies bereits bei einer Lebenserwartung von lediglich 70 Jahren ein Gesamtschmerzensgeld von nahezu 180,000,00 € ergeben..."
    Jeder kann nachrechnen, 250.- € im Monat = 3000.- € / Jahr heißt 60 Jahre lang zahlen, damit aufaddiert 180.000.- € rauskommen. wenn man nun wie vom OLG erfolgt eine Lebenserwartung von "lediglich 70 Jahren" ansetzen würde, drüfte der Kläger zum Zeitpunkt der Entscheidung erst 10 Jahre ale gewesen sein. Wie alt der KLäger ist steht im urteil nicht. Aber der Unfall war im September 2005. Rente wollte er ab August 2008. Er müßte ca. 9 Jahre alt gewesen sein, damit das mit der Lebenserwartung hinhaut, sorry, das ist einfach nur falsch und peinlich, was die drei Herren beim OLG da berechnet haben.
    2.) Noch grotesker wird es aber jetzt:
    Wieder ein Zitat aus dem urteil nur eine Zeile drüber:
    "Unabhängig von alledem wäre bei einer Schmerzensgeldrente darauf zu achten, dass der Kapitalbetrag in Addition mit dem kapitalisierten Rentenbetrag ein Gesamtschmerzensgeld ergibt, das in einer Größenordnung annähernd einem lediglich als Einmalbetrag ausgezahlten Schmerzensgeld entspricht (Slizyk, S. 102). "
    Genau so ist es, nur weiß das OLG anscheinend nicht, wie man kapitalisiert. Der Faktor läuft meist auf den 16 - 18 fachen Jahresbetrag raus, hier somit für die Schmerzensgeldrente 48.000 - 54.000.- €. Zzgl. der geforderten Einmalzahlung von 25.000.- € freilich für die Verletzungen im Vergleich zu anderen Entscheidungen viel zu viel, da bleibst bei meiner Zustimmung.

    dann lass es aber jammer nicht rum wenn es im falle eines unfalles weit mehr weh tut als es sein muesste. das dir bei einem unverschuldeten unfall ein ausgleich zusteht, das stelle ich nicht in abrede.
    1.) Was soll ich lassen? Ich sitze auf der Leitung
    2.) Im Falle eines Unfalles... Habe ich schon hinter mir, Lombok 1995 auf einem Roller, ca. 50 - 60 km/h. Tat weh, man sieht auch noch ein wenig, wenn man weiß wo man bei mir hinschauen muss .
    3.) Einen wirklichen Ausgleich gibt es bei schweren Verletzungen sowie so nicht, leider. Ich bin sofort bereit, die doppelte Versicherungsprämie zu bezahlen, wenn die Mehreinnahmen dazu verwendet werden würden, die Schmerzensgeldbeträge zu verzehnfachen. Mit den doppelten Einnahmen könnte man aber rechnerisch die Schmerzensgeldbeträge sogar verfünfundzwanzigfachen !!!!. Denn der Anteil der Ausgaben für Schmerzensgeldzahlungen macht nur 4 % des Beitragsvolumens aus, der Rest geht für interne Verwaltungskosten, Tahlungen für Blech, Verdienstentgang usw. drauf.

    nicht das ich es ihm nicht goenne aber irgendwo muss man auch mal den ball im dorf lassen.
    100 % Zustimmung, siehe oben, wobei es schon etwas mehr als 14.000 hätten sein dürfen.

    ach uebrigens .. revision ist nicht zugelassen .. nur so am rande.
    Darf ich aus meinem Beitrag zitieren:
    "Das OLG hat die Revision nicht zugelassen, weil es wohl nicht gemerkt hat, dass es letztlich von der Rechtssprechung des BGH aus dem jahre 1979 abgewichen ist. Gleichwohl bleibt dem Kläger die Möglichkeit einer sogenannten Nichtzulassungsbeschwerde zum BGH."

    Die Nichtzulassungsbeschwerde ist in § 544 ZPO geregelt, siehe hier:
    http://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__544.html
    Da die Beschwer des Klägers auf über 20.000.- € festgelegt wurde, ist die Nichtzulassungsbeschwerde auch nicht durch § 26 Nr. 8 EGZPO ausgeschlossen, siehe hier:
    http://www.gesetze-im-internet.de/zpoeg/__26.html
    Anzumerken ist übrigens noch, dass Das OLG gegen den Kläger mit einem betrag in Höhe von 180.000.- € bzgl. der Schmerzensgeldrente argumentiert hat, dann aber den Streitwert für den entsprechenden Klageantrag des Klägers auf nur 15.000.- € festgesetzt hat. Was nun?

    @LGW
    Natürlich ist schon Motorrad fahren an sich gefährlich, aber hier stellt sich doch irgendwo eine Abwägungsfrage - denn Fahrrad fahren in der Stadt halte ich für NOCH gefährlicher, und da ist auch keine Schutzkleidung vorgeschrieben.
    Andererseits zahlt (fast) keine Unfallversicherung, wenn man beim Skateboarden ohne Knie- und Ellenbogenschützer ein paar Knochen zertrümmert.
    Fahrrad in der Stadt... Gutes Beispiel
    Unfallversicherung zahlt nicht?!? Wie kommst denn da drauf? Das ist schlicht und einfach falsch. Ich habe mal nach einem beliebigen Unfallversicherungsbedingungswerk gegoogelt, siehe hier:
    http://www.mertens-tauchreisen.de/im...10187_0204.pdf
    Das sind absolute Standardbedingungen: Wo steht da was von darf nicht zahlen?
    Ziffer 3 betrifft Vorerkarnkungen, passt nicht
    Ziffer 5 enthält eine Liste, passt aber auch nicht
    Ziffer 8 sind Obliegenheiten nach dem Versicherungsfall
    Alles andere passt eh nicht.

    @ Martin
    Wenn jemand meint seine Dummheit, keine Schutzkleidung tragen, muss auch noch mit einem Aufschlag belohnt werden, sorry kein Verständnis.
    Eine Kürzung ist was ziemlich anderes als ein Aufschlag. Klar, Personen, die eine andere Ansicht als die eigene vertreten sind dumm. Das ist eine optimale Diskussionsgrundlage. Ich halte dich doch auch nicht für dumm, weil du mit Schutzkleidung fährst, höchstens für wenig tolerant, wenn du andere der Dummheit bezichtigst, die ohne fahren.

    @ Topgun
    in südlichern Ländern ist dies (Foto) Standart...
    Es reicht, wenn du westlich fährst. In Frankreich kannst du Motorradpolizisten treffen, die fahren kurzärmelig. Oder nimm diesen hier im Bürokratenamerika:



    So, Schluß jetzt, fürs erste . Bitte versteht das rechtliche Zeugs nicht als Besserwisserei, aber es wird so viel unzutreffendes geschrieben, da kann ab und zu ein Hinweis nicht schaden.

  3. Registriert seit
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    #23
    Zitat Zitat von Christian S Beitrag anzeigen

    So, Schluß jetzt, fürs erste . Bitte versteht das rechtliche Zeugs nicht als Besserwisserei, aber es wird so viel unzutreffendes geschrieben, da kann ab und zu ein Hinweis nicht schaden.

    Echt gut dargestellt und hast Dir viel Mühe gegeben... Chapeau

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    #24
    Zitat Zitat von Di@k Beitrag anzeigen
    Echt gut dargestellt und hast Dir viel Mühe gegeben... Chapeau
    Hallo,

    danke für das Lob, ich hatte grad Lust zum Schreiben, dazu Kopfhörer drauf, guter Sound.

  5. Registriert seit
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    #25
    Zitat Zitat von Christian S Beitrag anzeigen
    1.) Was soll ich lassen? Ich sitze auf der Leitung
    2.) Im Falle eines Unfalles... Habe ich schon hinter mir, Lombok 1995 auf einem Roller, ca. 50 - 60 km/h. Tat weh, man sieht auch noch ein wenig, wenn man weiß wo man bei mir hinschauen muss .
    zu 1.) ich meinte, wenn es dich ohne ausreichende schutzkleidung im falle eines
    unfalles mehr weh tut, als es unbedingt sein muss, dann sollst du halt nicht
    jammern. ich weiss das war eigentlich unnoetig zu erwaehnen.

    zu 2.) dann weisst du eh was ich mein.

    der harley und der klapphelmfahrer...

    ein braincap, und hier gehe ich ausnahmsweise mal mit dem gesetzgeber
    kondom, ist kein ausreichend schuetzender helm. hier kann und sollte man
    auch ueberlegen ob jemand der bewusst auf vorgeschriebenen schutz
    verzichtet in vollem umfang entschaedigt werden muss.

    bei hose, jacke, handschuhe ... tja. es ist nicht vorgeschrieben und so
    ist es jedem freigestellt. wenn jemand das risiko zu tragen bereit ist, so
    wird er eben trotzdem zu entschaedigen sein. abstriche wuerde ich aus
    meinem rechtsverstaendnis nicht machen wollen.

    aber vielleicht hast du recht, ich sollte mir die entscheidung wirklich noch
    einmal durchlesen und auch den teil, wo auf den von dir zitierten part
    eingegangen wird.

    trotz allem .. 14.000 finde ich trotzdem fuer den geschilderten fall in keiner
    weise untertrieben. aber das ist natuerlich ansichtssache.

  6. Registriert seit
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    Standard Schutzkleidung

    #26
    Tach !

    Es ist ein seit ewigen Zeiten anerkanntes Rechtsprinzip, daß die Schuld eines Schadensverursachers "gekürzt" werden kann durch ein Mitverschulden dessen, der geschädigt worden ist.

    Ich persönlich bin der Meinung, daß ein solches Mitverschulden durchaus vorliegt, wenn jemand ohne vollständige Schutzbekleidung aufs Moped steigt. Erzliberal, wie ich nunmal bin, liegt es mir fern, nach neuen Vorschriften zu rufen, die über die Helmpflicht hinausgehen - aber wenn jemand in jeans fahren will, bitteschön, dann möge er auch diese Konsequenzen tragen, wenn er sich in fahrlässiger Art und Weise die Haut abziehen lässt. Auch dann, wenn dieser Häutung eine Unfallverursachung durch einen anderen vorangegangen ist.

    Im Mai am Gardasee habe ich dort auch die italienischen Motorradpolizisten in Jethelm, kurzem Hemd, Stoffhose und Schaftstiefeln auf ihren Boxer-RTs patrouillieren sehen - das die italienische Polizei insofern Scheisse baut, ist für mich kein Argument.

    Für mich ist auch die Hitze kein Argument. Ich habe eine Mowhak II - Kombi (Jacke & Hose), die zwar sauschwer ist, aber durch verschließbare Ventilationsöffnungen bis ca. 30 Grad sehr angenehm auf dem Motorrad ist - erst über 30 Grad wirds "schweißtreibend", aber das isses ja so oft nicht. Das ist eine Leistung für eine Kombi aus dem unteren Preissegment - die Jacke kostete ca. 220 €, die Hose etwa einen Hunni weniger. Mit den Innenfuttern ist sie auch bis etwa Gefrierpunkt ohne sonderliche Unterbekleidung (Pulli, normales t-shirt, normale Unterhose, dicke Socken) angenehm fahrbar.

    Wer Wert auf noch bessere Klimatisierung legt, wird in einem Preissegment etwas darüber mit Sicherheit (!) auch fündig - Stichwort: Sommerkombi.

    Wer ohne vollständige, geeignete Schutzbekleidung: Jacke, Hose, Stiefel, Handschuhe, Helm, Nierengurt - Motorrad fährt, der handelt in meinen Augen nicht nur grob fahrlässig, sondern regelrecht dumm. Wie gesagt: ich bin ein toleranter Mensch, ich habe nichts gegen Dummheiten anderer Menschen einzuwenden. Nur mögen sie die Konsequenzen dieser Dummheiten selbst tragen, so wie man auch von mir erwartet, die Konsequenzen meiner eigenen Dummheiten auch selbst zu tragen.

    Das trifft gerade auch auf Boxer-Fahrer zu, wo aufgrund der Führung der Krümmer weit draussen m.E. eine erhöhte Gefahr besteht, bei einem Sturz ohne Schutzbekleidung von den Krümmern regelrecht gebraten zu werden - nämlich insbesondere dann, wenn das Bein aus irgendwelchen Gründen vor die Zylinderköpfe gerät. Den ZyKo auf ein mit jeans oder gar garnicht bekleideten Unterschenkel zu bekommen, stelle ich mir auch nicht sehr prickelnd vor, wenn der Unterschenkel dann auf der anderen Seite noch über den Asphalt geschreddert wird: unten gehäutet, oben gebraten. Ja - sacht mal: habt Ihr sie noch alle ???

    Tut mir leid - wer so ein Risiko für ein "halbstarkes": ich will selbst entscheiden, was ich anziehe - eingeht, ist für mich von seiner Intelligenz her ziemlich disqualifiziert, und wenn er hauptberuflich Mathematikprofessor sein sollte.

    Gruß

    Kroni

  7. Registriert seit
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    #27
    Hallo,

    ich schrieb, Schluß jetzt fürs erste, also auf in eine kleine nächste Runde.

    @ Phil
    aber vielleicht hast du recht, ich sollte mir die entscheidung wirklich noch einmal durchlesen und auch den teil, wo auf den von dir zitierten part eingegangen wird
    Auch wenn es nicht so aussieht, ums Recht haben geht es mir wirklich nicht, ernsthaft. Sehr freue ich mich aber, wenn sich jemand mit einem Beitrag Mühe gibt, kritisch ist und in eine Diskussion einsteigt. Schick mir deine e-mail per PN, dann lasse ich dir nächste Woche die Entscheidung des BGH aus dem Jahr 1979 zukommen, dann wird ev. noch mehr verständlich, warum ich die Entscheidung des OLG nicht nachvollziehen kann. Leider scheint diese alte Entscheidung nicht im www zu finden sein.

    @ Kroni:
    Es ist ein seit ewigen Zeiten anerkanntes Rechtsprinzip, daß die Schuld eines Schadensverursachers "gekürzt" werden kann durch ein Mitverschulden dessen, der geschädigt worden ist.
    Ja, geregelt in § 254 BGB. Mitverschulden gibt es ständig, aber eben in der Regel nicht bei Dingen, die nicht verboten sein. Helm und Gurt sind geregelt und gefordert, sonst nichts. Wenn alle Autofahrer einen Helm tragen würden (ok, wäre schon etwas unüblich ) würden sicher mehr Menschen noch leben, als wenn alle Motorradfahrer eine perfekte Schutzkleidung tragen würden. Ein Helm im Auto wäre sogar leichter auszuhalten wg. Klimaanlage als Superschutz auf dem Moped bei 35 Grad.

    Wer ohne vollständige, geeignete Schutzbekleidung: Jacke, Hose, Stiefel, Handschuhe, Helm, Nierengurt - Motorrad fährt, der handelt in meinen Augen nicht nur grob fahrlässig, sondern regelrecht dumm. Wie gesagt: ich bin ein toleranter Mensch, ich habe nichts gegen Dummheiten anderer Menschen einzuwenden. Nur mögen sie die Konsequenzen dieser Dummheiten selbst tragen, so wie man auch von mir erwartet, die Konsequenzen meiner eigenen Dummheiten auch selbst zu tragen. ...Tut mir leid - wer so ein Risiko für ein "halbstarkes": ich will selbst entscheiden, was ich anziehe - eingeht, ist für mich von seiner Intelligenz her ziemlich disqualifiziert, und wenn er hauptberuflich Mathematikprofessor sein sollte.
    Was andere anders tun als du für richtig hältst ist dumm? Ok, wußte ich bisher nicht. Zum Mathematikprofessor habe ich es übrigens nicht gebracht. Aber nimms nicht so ernst. Du wirst sehen, mit deiner Einstellung wirst du bald auch Menschen mit deiner Grundeinstellung treffen (nur eben auf einem anderen Level), die finden das was du tust für dumm und grob fahrlässig (z.B Mopedfahren an sich, auch mit Schutzkleidung!!!), und dann sollst du nach deren Ansicht bitte auch die Konsequenzen selbst tragen. Und dann? . Gibt es da nicht eine Geschichte von der Katze und dem Schwanz?

  8. Registriert seit
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    #28
    Zitat Zitat von Kroni Beitrag anzeigen
    Es ist ein seit ewigen Zeiten anerkanntes Rechtsprinzip, daß die Schuld eines Schadensverursachers "gekürzt" werden kann durch ein Mitverschulden dessen, der geschädigt worden ist.
    ein moppedfahrer, der vom krad geholt wird, also eine 100% unfallverursacher
    haftung vom pkw lenker ausgeht (mal angenommen), hat in dem fall in keiner
    weise mitschuld. du kannst nicht die kleidung als merkmal einer schuld heran
    ziehen. sonst kriegt einer mit polo klamotten weniger als mit streetguard und
    einer mit crossstiefeln mehr als mit louis 0815 schlappen. das geht nicht.

    wenn man deine argumentation weiter fuehrt darf kein kradfahrer entschaedigt
    werden, denn kradfahren ist per se gefaehrlich, wer sich in gefahr begibt,
    kommt eben darin um.

    Ich persönlich bin der Meinung, daß ein solches Mitverschulden durchaus vorliegt, wenn jemand ohne vollständige Schutzbekleidung aufs Moped steigt. Erzliberal, wie ich nunmal bin, liegt es mir fern, nach neuen Vorschriften zu rufen, die über die Helmpflicht hinausgehen - aber wenn jemand in jeans fahren will, bitteschön, dann möge er auch diese Konsequenzen tragen, wenn er sich in fahrlässiger Art und Weise die Haut abziehen lässt. Auch dann,
    wenn dieser Häutung eine Unfallverursachung durch einen anderen vorangegangen ist.
    und wenn dir nun jemand in den sack tritt oder auf der wiesn die fratze auf
    links krempelt? dann weiss man auch, in den sack treten tut weh aber es
    gibt eierbecher und auf der wiesn kann sowas eben passieren, normales
    lebensrisiko.

    nein, man kann nich sagen, wer sich nicht in allen lebenslagen in watte packt
    wird entschaedigt und der rest kriegt nix.

    Wer ohne vollständige, geeignete Schutzbekleidung: Jacke, Hose, Stiefel, Handschuhe, Helm, Nierengurt - Motorrad fährt, der handelt in meinen Augen nicht nur grob fahrlässig, sondern regelrecht dumm. Wie gesagt: ich bin ein
    und fuer diese dummheit wird er mit schmerzen belohnt. das heisst aber
    nicht, das man diese dann wie freiwild abraeumen darf.

    toleranter Mensch, ich habe nichts gegen Dummheiten anderer Menschen einzuwenden. Nur mögen sie die Konsequenzen dieser Dummheiten selbst tragen, so wie man auch von mir erwartet, die Konsequenzen meiner eigenen Dummheiten auch selbst zu tragen.
    die konsequenzen werden sie auch tragen. aber es darf erwartet werden,
    dass man nicht abgechossen wird. wie du auch erwartest, dass man dir
    nicht in den sack tritt. das risiko bleibt aber.

    Das trifft gerade auch auf Boxer-Fahrer zu, wo aufgrund der Führung der Krümmer weit draussen m.E. eine erhöhte Gefahr besteht, bei einem Sturz ohne Schutzbekleidung von den Krümmern regelrecht gebraten zu werden - nämlich insbesondere dann, wenn das Bein aus irgendwelchen Gründen vor die Zylinderköpfe gerät. Den ZyKo auf ein mit jeans oder gar garnicht bekleideten Unterschenkel zu bekommen, stelle ich mir auch nicht sehr prickelnd vor, wenn der Unterschenkel dann auf der anderen Seite noch über den Asphalt geschreddert wird: unten gehäutet, oben gebraten. Ja - sacht mal: habt Ihr sie noch alle ???
    und wenn dir deine streetguard dann froehlich schmilzt oder zerreisst und
    deine haxen mus sind ... dann kriegst du genau nichts weil du auch eine
    lederkombi haettest tragen koennen. und komm nicht mit zaubergoretex
    das besser waere als leder. du kannst versuchen schaeden zu minimieren
    aber du kannst sie nicht ausschliessen. vor allem aber musst du davon
    ausgehen, dass eine regelung von schutzkleidung das schlechteste ist,
    was passieren koennte.

  9. Registriert seit
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    Standard

    #29
    Zitat Zitat von Kroni Beitrag anzeigen
    Wer ohne vollständige, geeignete Schutzbekleidung: Jacke, Hose, Stiefel, Handschuhe, Helm, Nierengurt - Motorrad fährt, der handelt in meinen Augen nicht nur grob fahrlässig, sondern regelrecht dumm.
    sorry wenn ich hier noch mal nachhake .. haelt sich das maerchen vom
    nierengurt immer noch? bitte was genau verspricht man sich denn von
    diesem unsinnigen fetzen stoff/neopren/leder?

    ich krieg immer die motten wenn ich einen bermuda, badelatschen, helm und
    nierengurt indianer auf der strasse sehe. nierengurt ... wenn man nicht grad
    kachetisch ist...

  10. Registriert seit
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    Standard Nierengurt

    #30
    Nahmdt nochmal !

    Zum Thema Nierengurt möchte ich anmerken, daß er in meiner obigen Aufstellung der Schutzbekleidung das "schwächste" Glied ist - er dient m.E. nicht zum Schutz gegen äusseren Verletzungen, sondern vor allem gegen Verdunstungskälte im Nierenbereich. Die früher oft vertretene These vom "Zusammenhalten der Organe" mag vielleicht für die früher üblichen ledernen Nierengurte gegolten haben, aber keineswegs für die heutigen Plastefetzen mit den Klettverschlüssen.

    Warum es so ist, kann ich nicht erklären - aber wohl jeder Motorradfahrer weiß es: am Rücken sammelt sich in der warmen Jahreszeit der Schweiß, und verdunstet allmählich. Insbesondere wenn man die Durchlüftungsmöglichkeiten nutzt, die moderne Motorradklamotten so bieten, zieht ein beträchtliches Lüftchen durch - man verstärkt das zuweilen auch, indem man auf ruhiger Strecke einen Arm, meist ja wohl den Linken, so in den Wind hält, daß der Fahrwind in die Jacke zieht - sie kann sich dann vom Rücken regelrecht abheben, ein äusserst angenehmes Gefühl an heissen Tagen.

    Aber: die Verdunstung am Rücken gefährdet die Nieren - diese Organe sind äusserst kälteempfindlich, und deswegen im "Nierenfett" gelagert (das auch mechanisch dämpfende Funktionen hat). Dieses Nierenfett ist bei den Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Man weiß das normalerweise nicht, wie stark es ausgeprägt ist - ein unterentwickeltes Nierenfett wird meist erst dann diagnostiziert, wenn es zu Funktionsstörungen der Nieren gekommen ist. Jede einzelene Verkühlung der Nieren kann zu irreparabelen Schäden führen, wenn sie regelmässig erfolgen, kann man sich die Nieren regelrecht ruinieren. Dieser Prozeß geht normalerweise recht langsam vor sich - aber ein durchschnittliches Motorradfahrerleben reicht völlig. Ich pflege immer zu sagen: die Nierengurtmuffel von heute sind die Dialysepatienten von morgen. Man merkt es erst, wenn es zu spät ist, um noch etwas gegen das Sterben der Nieren zu tun. Anders als die Leber, die sich nach beträchtlichen Überbeanspruchen nahezu vollständig, funktional vollständig regenerieren kann, ist jeder gestorbene Nierenzelle unersetzbar. Selbst im Hirn gibt es eine Reserve an "grauen Zellen", die beim Absterben von Hirnzellen aktiviert werden - weswegen auch Menschen mit schweren Hirnverletzungen mitunter erstaunliche Regenerationschancen haben, sofern das Stammhirn nicht verletzt wurde. Aber bei den Nieren ist es nunmal nicht der Fall.

    Die Verdunstungen, die weiter oben stattfinden, im Bereich der Lungen, ist insofern irrelevant - die Lungen sind weitaus weniger kälteempfindlich, durch sie wird ja auch im Winter eiskalte Luft hindurchgepumpt.

    Gerade im (Hoch-)Sommer ist der Nierengurt daher meiner Meinung nach unverzichtbar - eher in der kälteren Jahreszeit, wenn man sowieso Innenfutter und Pulli trägt, und kaum ins Schwitzen kommt, kann man ihn weglassen.

    Der Nierengurt verhindert diese Verdunstung bzw. verlangsamt sie sehr stark, indem er das t-shirt (oder was man unter ihm so trägt), eng an den Körper presst - es findet kaum ein Gasaustausch statt.

    Wer von Verdunstungskälte - auf der übrigens die gesamte Kälte- und Klimatechnik vom Kühlschrank bis zur Klima im Auto beruht - keinen rechten Begriff hat, der möge sich mal die tönernen Weinkühler vor Augen halten, die lediglich gewässert werden, und dann stundenlang eine Weinflasche kühl halten können.

    Ich selbst habe im Hochsommer, in der Badesaison, wenn ich zum See fahre, ein "waschmaschinenreifes" Küchentuch dabei. In den See getunkt, leicht ausgewrungen, wird die Wasserflasche darin eingepackt, und in den Halbschatten gelegt. Man braucht etwas Übung, um rauszukriegen, wie sehr man das Tuch auswringen muß, und wie stark die Sonneneinstrahlung sein muß, um ein optimales Kühlergebnis zu produzieren - aber so kann man eine pisswarme Flasche Wasser mit pisswarmem Baggersee-Wasser in ca. anderthalb Stunden auf angenehm kühle Trinktemperatur bringen.

    Dies nur zur Verdeutlichung dessen, was Verdunstungskälte bewirken kann - wie stark dieser physikalische Effekt ist.

    Gruß

    Kroni

    PS: Über Schutzbekleidung im übrigen diskutiere ich nicht mehr. Ich bin der Meinung, die Krankenkassen sollten endlich von der gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch machen, Schutzbekleidungsmuffeln teilweise, sagen wir mal, mit 2-3 Monatsgehältern zu den Heilungskosten heranzuziehen, wenn sie sich aus Dummheit die Haut vom Leibe haben ziehen lassen.


 
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