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Motorradfahren und Angst

Erstellt von Toccaphonic, 25.08.2011, 15:15 Uhr · 32 Antworten · 8.036 Aufrufe

  1. Registriert seit
    09.07.2011
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    Standard Motorradfahren und Angst

    #1
    Hallo Biker,

    Bezugnehmend auf einen Beitrag von Calenberger an anderer Stelle, stelle ich folgenden Beitrag zur Diskussion.

    LG Dimitri

    Lieber Andreas,

    "Motorradfahren, Angst und wie gehe ich damit um" ist auch für mich ein wichtiges Thema. Auch ich habe in meiner kurzen Laufbahn (noch kein Jahr) als Biker schon 3 Bike-Unfallstellen gesehen und bin auf der Autobahn schon 2 Stühlen (!) ausgewichen. Trotzdem fahre ich weiter mit großem Spaß.
    Ich stelle mir nicht so sehr die Frage, ob ich fahren sollte. Für mich ist klar, dass ich fahren WILL!!!

    Obwohl ich mir meiner Ängste sehr bewusst bin, lese ich Unfallstatistiken und Unfallstories mit großem Interesse. Interessanterweise steigern sie meine Angst nicht, sondern machen mich sicherer, denn ich lerne aus den Fehlern anderer. Ich denke dann nicht so sehr "Uh, das kann mir auch passieren!", sondern "Das passiert mir schonmal nicht mehr!". Damit meine ich natürlich nicht die uns allen bekannten tragischen Fälle. Vieles haben wir jedoch in der Hand, glaube ich.

    Zur Angst: Alles ist ein Gift in der entsprechenden Dosis. Angst kann für uns alle sehr gesund sein. Je nach Intensität Deines Angstempfindens kann sie Dich veranlassen, nicht mehr auf's Bike zu steigen. Das ist zweifellos sehr gesund, da Biker ein 20-fach höheres Risiko als ein PKW-Fahrer haben, bei einem Unfall tödlich zu verunglücken. Angst kann Dich auch veranlassen, vorsichtig ein Spitzenmotorrad in Topzustand und in bester Schutzkleidung zu fahren, Deine fahrerischen Fähigkeiten und Deine Gefahrenfrüherkennung ständig zu verbessern. Auch dann ist sie sehr gesund! Wenn sie Dich jedoch verkrampft fahren lässt, dann wird Angst ein sehr gefährliches Gift.
    Auch Verdrängung kann gut oder in entsprechender Dosis ein Gift sein.

    Mir ist wie jedem von uns klar, dass es keine 100%-ige Sicherheit gibt. Aber immerhin kann ich Risikofaktoren einteilen in solche, die ich beeinflussen kann und in die anderen. Ich halte nichts vom verbreiteten Fatalismus der Art: "Es gibt keine totale Sicherheit, also ist gleich alles egal!" Meine Herangehensweise ist: Ich beeinflusse was ich kann und akzeptiere, was ich nicht beeinflussen kann. Ich verstoße auch gegen Regeln und Prinzipien, wenn ich mich sonst in Gefahr brächte. So erstelle ich mein ganz eigenes Risikoprofil nach bestem Wissen und Gewissen. Total sicher wird's so nicht, aber ein 20-fach höheres Sterberisiko habe ich so auch nicht mehr. Mir reicht das, um Angst, Spaß und Verdrängung in ein Verhältnis zu bringen, das
    mir Motorradfahren zu einem super schönen Hobby macht.

    Vielleicht war hier das Eine oder Andere drin, was Dir weiter hilft. War'n Versuch! :-)

    LG
    Dimitri

  2. Lisbeth Gast

    Standard

    #2
    angst ist einer der ältesten mechanismen. das hirn hat das vor urzeiten entwickelt, um das lebewesen zu schützen. dabei wird nicht mehr viel gedacht oder überlegt, im gegenteil, es soll ja schnell gehen und denken dauert, sondern mit hilfe von viel adrenalin werden automatismen abgespult. das hat bestimmt bei säbelzahntigern prima funktioniert, aber heute und vor allem auf einem motorrad kann das fatale wenn nicht letale folgen haben. angst lähmt das hirn.
    daher meine meinung: mit angst sollte man nicht fahren, wohl aber mit respekt und vorsicht.

  3. Registriert seit
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    Standard

    #3
    Ich verwende "Angst" im weitesten Wortsinn. Darum sprechen wir von der selben Sache, denke ich.

  4. Registriert seit
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    Standard

    #4
    Zitat Zitat von Lisbeth Beitrag anzeigen
    angst lähmt das hirn.
    daher meine meinung: mit angst sollte man nicht fahren, wohl aber mit respekt und vorsicht.
    Da ich deiner These absolut nicht zustimmen kann, halte ich auch deine Schlussfolgerung für grundfalsch.
    Erst ein Übermass an Angst lähmt. So, wie ein Übermass an Mut unvorsichtig macht. Ganz normale Angst schärft die Wahrnehmung, kann Reflexe beschleunigen und kann Überschreitungen der eigenen Grenzen eindämmen. Kann, nicht muss. Da stimme ich dem Threadstarter zu- es kommt auf die Dosis an. Der furchtlose Ritter kann genauso gefährlich werden wie der Schisser. Und zwischen beiden leben Tausende Menschen mit durchaus vorhandener Angst. Wenn dich deine Angst tatsächlich lähmt, dann stimme ich zu, dass ein anderes Hobby besser wäre. Wenn aber nur die Motorradwahl und Art der Bekleidung sowie der Grad an Aggressivität undoder Speed sich verändert, muss ich sagen: na und? Ich selbst habe durchaus Angst, einmal jemand umzunieten. Ich habe genug Tote gesehen, ich möchte keinen produzieren. Ich habe Angst vor Schmerz. Und allzu schräg mag ich es nicht in Kurven. Die Fussrasten kratzen schon mal, aber die knie schleifen nur, wennich besoffen stolpere
    Na und? Im Notfall habe ich noch Reserven, die ich mir trotz oder wegen der Angst antrainiert habe und die ich abrufen kann. Meine Ängste lähmen mich nicht. Sie machen den aus mir, der ich bin!

  5. Registriert seit
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    Beiträge
    4.888

    Standard

    #5
    Warum stürzt sich ein Bengel mit dem Dreirad oder dem Skateboard den
    Berg runter ? Er kennt keine Angst. Erst wenn er Aua hat dann wächst
    dieses Gefühl.

    Wir alten Säcke haben schon viel Aua erlebt im Leben. Wer hat hier die
    schöne Signatur ? "Älter werden ist nix für Angsthasen" Da ist was dran.

    Und Angstzustände gehören behandelt. Wenn man nicht kurz nach der Angst
    wieder zum normalen Zustand zurückfindet dann ist was faul. Dann braucht
    man Hilfe. Und auf garkeinen Fall sollte man Motorrad fahren wenn man ständig
    vor irgendwas Angst hat.

  6. Registriert seit
    23.07.2007
    Beiträge
    5.159

    Standard

    #6
    Vielleicht helfen auch ein paar ältere Statements. klick

  7. Registriert seit
    05.10.2007
    Beiträge
    5.262

    Standard

    #7
    Angst und Angstzustand haben soviel miteinander zu tun wie ein Niesen mit Lungenentzündung! Das eine ist alltäglich, das andere eine Krankheit. Und wenn das wieder als korinthen......ei angesehen wird, tuts mir leid. Ich hab die Begriffe nicht erfunden
    Gegenfrage: Wie soll man denn bittesehr Angst überwinden lernen, wenn man alles meidet, was Angst macht?

  8. Registriert seit
    16.04.2009
    Beiträge
    378

    Standard

    #8
    ...ich bin im Juni dieses Jahres in der Nähe vom Bozen auf meiner 1200er mit 90 Km/h in einer Kurve geradeausgefahren und wachte im CT des dortigen Krankenhauses auf.
    Inzwischen habe ich mit meiner "neuen" die 1000der Inspektion machen lassen. Mir ist nach diesen 1000 Km aufgefallen, das auf den Reifen noch 1cm breite "Angststreifen" sind.
    Angst habe ich eigentlich nicht mehr als vor dem Unfall.....
    Oder spielt sich das im Unterbewussten ab?

  9. Registriert seit
    13.08.2010
    Beiträge
    6.388

    Standard

    #9
    Ganz so einfach ist es vielleicht auch nicht. In seinem Buch "Die obere Hälfte des Motorrades" erklärt Bernt Spiegel, dass es beim Motorradfahren notwendig ist, eine Reihe von in Jahrtausenden antrainierte Reflexe zu besiegen. Er nennt da ein Beispiel: Der Mensch hat ein sehr gut ausgeklügeltes Gleichgewichtsorgan, sonst wäre aufrecht gehen gar nicht so einfach. Sowohl beim Reiten als auch beim Laufen ist es nicht erforderlich, sich stärker als ca. 15 Grad zur Seite zu neigen. Neigt man sich stärker, springt ein Notmechanismus an, der den Körper gegensteuern lässt, damit er nicht umfällt. Beim Motorradfahren ist es aber nicht nur aus Geschwindigkeits- sondern auch aus Sicherheitsgründen erforderlich, Schräglagen zu beherrschen, die weit größer sind als 15 Grad. Wenn es einem Menschen nicht gelingt, die dabei einsetzende Angst vorm Umfallen zu besiegen, dann kann er auf Dauer nicht sinnvoll Motorrad fahren - und er wird dabei auch kein gutes Gefühl haben.

    Beim Tauchen ist es ähnlich. Man schwimmt da in 30 Metern Tiefe durchs Wasser, über einem steht eine Wassersäule lang wie zwei Omnibusse. Der Mensch gehört da nicht hin, und ein ganzer Rucksack voller Präzisionstechnik ist erforderlich, damit er in diesem fremden Medium nicht sofort stirbt. Es ist eine mentale Frage, ob man damit klar kommt oder nicht. Und da sowohl Tauchen als auch Motorradfahren überwiegend Freizeitbeschäftigungen sind, die man freiwillig macht, folgt daraus, dass Leute, die das Gefühl der potenziellen Gefahr nicht ertragen, diese Tätigkeit nicht ausführen sollten.

    In diesem Zusammenhang führt es auch nicht weiter, andere Leute mit irgendwelchen Risikoeinschätzungen auf seine Seite ziehen zu wollen: Wenn man Angst davor hat, auf 250 kg Stahl und Gummi mit 100 in eine Kurve zu stechen, dann sollte man es schlicht und einfach lassen.

  10. Registriert seit
    24.08.2011
    Beiträge
    420

    Standard

    #10
    Wer Angst hat beim Motorradfahren sollte aufhoeren!
    Sicherlich ist Motorradfahren gefaehrlich und jede Fahrt kann die Letzte sein.
    Angst nein.Respekt ja...


 
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