Ich weiß das sehr wohl. Weißt Du aber auch, dass jede Medaille 2 Seiten hat? Ich habe (bisher) 44 Jahre lang weniger verdient als meine Klassenkameraden. Auch nach dem Studium. Meine Krankenversicherung sieht so aus: Das Land RLP übernimmt 50% der ambulanten, der stationären, der Medikamenten und zahnärztlichen Kosten. Für den Rest zahle ich bei der Debeka etwas über 500 Euro monatlich von meinem Nettogehalt. Als die Kinder noch im Haus waren und meine Frau nicht gearbeitet hat, habe ich für die auch eigene Beiträge bezahlt, das waren zeitweise fast 1000 Euro monatlich. Das ist nicht so, dass wie in der richtigen Welt wenn einer arbeitet, die ganze Familie ohne Aufpreis mitversichert ist. Renten- und Arbeitslosenversicherung bin ich bei Dir, das ist wirklich großzügig. Dafür hättest Du Dich aber auch entscheiden können, wirf mir das nicht vor, dass Du andere Entscheidungen getroffen hast als ich. Für den Arbeitgeber sind Beamte günstiger als Angestellte.
In meinem ganz besonderen Fall halte ich mal dagegen, dass ich sehr lange Schichtdienst machen musste. Also wenn andere feierten oder ihre Freunde einluden, war ich im Dienst und das dauert nicht lange, bis sich Dein soziales Umfeld verringert. Du wirst eingeladen und kannst nicht kommen, weil Du Dienst hast und man nicht immer tauschen kann. Nach dem dritten Mal wirst Du nicht mehr eingeladen, weil Du doch nicht kommst und wenn Du einlädst, kommen auch nicht mehr alle. Ich konnte auch nie Dienstags in die Singstunde gehen, Mittwochs in Fußball und Donnerstag zur Feuerwehr, das hat nur sehr hakelig funktioniert. Dafür konnte ich an den freien Tagen Behördengänge und Einkäufe tagsüber erledigen und gaaanz viel Motorrad fahren.
Dafür gabs kaum Wochenendausflüge mit den Kindern, als Ausgleich Einsätze auch über Weihnachten in Brokdorf, Startbahn West, Wackersdorf usw., beim Flugunglück in Ramstein war ich dabei und hab noch so manche andere belastende Situation wegstecken müssen.
Heutzutage musst Du Dich damit herumplagen, dass sich das Verhalten gegenüber staatlichen Stellen geändert hat. Jeder hat ein Handy und nicht jeder zeigt das komplett, was aufgenommen wurde.
Ich habe immer eine Leistung für das Gehalt gebracht, welches man mir ausgezahlt hat. Deswegen schäme ich mich auch nicht dafür, in 82 Tagen mit 1500 Euro im Monat weniger in Ruhestand zu gehen und meine Krankenversicherung weiterhin von meinem Netto zu bezahlen.
Ich sehe die Problematik, der sich Rentner gegenüber sehen. Denen hilft es aber nicht, wenn man den Beamten etwas wegnimmt, denen hilft es, wenn man ihnen mehr lässt. Unser Land hat wie ich es beschrieben habe, kein Einnahmen-, aber ein Ausgabenproblem. Sicherlich können wir darüber reden, ob es bei den öffentlichen Arbeitgebern für jede Stelle eine Beamtin sein muss, oder es auch eine Angestellte tun würde. Dann hätte man aber wieder ein Kostenproblem, denn dann können die Länder, der Bund und die Kommunen nicht einfach die Besoldung festlegen, sondern sie müssten verhandeln. Wie das ausgehen kann, sieht man ja wenn die Müllabfuhr streikt oder Zulassungsstelle, Einwohneramt und einige weitere Stellen keinen Publikumsverkehr akzeptieren.
Gleichwohl gäbe es einige Ideen, wie man staatliche Aufgaben und Ausgaben reformieren müsste oder könnte.
Aber einfach Steuern erheben wirds nicht sein. Über 60% von erarbeitetem Geld für den Staat einziehen ist einfach übergriffig, weil man sich nicht dagegen wehren kann. Alle Parteien machen das so und auch wenn andere, die bisher zum Glück noch so gut wie keinen Einfluss hatten dran kämen (hoffentlich nicht!) wird sich das nicht ändern. Es kam bisher noch keiner auf die Idee die Sektsteuer aufzuheben, die der Kaiser für seine Flotte eingeführt hatte.