Der Baikalsee, gelegen im südlichen Teil Ostsibiriens in Russland, ist ein Naturwunder von weltweitem Rang. Mit einer maximalen Tiefe von 1.642 Metern gilt er als der tiefste See der Erde – ein gewaltiger, blauer Abgrund, der mehr als ein Fünftel der gesamten Süßwasserreserven unseres Planeten birgt.
Sein Alter wird auf etwa 25 Millionen Jahre geschätzt, womit er nicht nur der tiefste, sondern auch einer der ältesten Seen der Welt ist. Die Entstehung verdankt er einer gigantischen tektonischen Bruchzone, die sich bis heute langsam ausdehnt. Dieses einzigartige geologische Umfeld hat eine unvergleichliche Artenvielfalt hervorgebracht: Rund zwei Drittel der über 3.500 bekannten Pflanzen- und Tierarten im Baikalsee kommen nirgendwo sonst auf der Erde vor – darunter die berühmte Baikalrobbe, die einzige ausschließlich im Süßwasser lebende Robbenart.
Im Winter verwandelt sich der See in eine bizarre, glitzernde Eislandschaft. Die Oberfläche gefriert bis zu zwei Meter dick, durchzogen von tiefblauen Rissen und klaren Eisschollen, die wie Glas wirken. Im Sommer dagegen erstrahlt er in einem satten Blaugrün, und das Wasser ist so klar, dass man an manchen Stellen bis zu 40 Meter in die Tiefe blicken kann.
Neben seiner ökologischen Bedeutung ist der Baikalsee auch kulturell und spirituell von großer Bedeutung. Für die Burjaten, ein einheimisches sibirisches Volk, ist er seit Jahrhunderten ein heiliger Ort – ein „Meer“ voller Legenden, Mythen und Geschichten über Geister, die seine Tiefen bewachen.
Der Baikalsee ist nicht nur ein geographisches Superlativ, sondern auch ein lebendiges Archiv der Naturgeschichte – ein Ort, an dem Zeit, Tiefe und Leben auf einzigartige Weise miteinander verwoben sind.