Merz und sein Stadtbild.
Der Unmut ist viel Kleiner als die Zustimmung. Denn er sprach aus was viele denken. Wieder zeigt sich einmal die Diskrepanz zwischen medialer Aufregung und der Lebensrealität der Bürger.
Der Fokus auf berechtigten "Stadtbild-Debatten" oder semantische Feinheiten wird oft als Ablenkungsmanöver wahrgenommen. Es ist mittlerweile nur noch schwer zu ertragen: Während Deutschland bei seinen staatlichen Kernaufgaben – Infrastruktur, Bahn, Bundeswehr – sehenden Auges gegen die Wand fährt, stürzt sich die mediale und politische Elize mit Vorliebe auf Nebenkriegsschauplätze, die sogenannten „Talking Classes“, die harmlose Äußerungen sezieren.
Es wirkt fast so, als würde eine lautstarke Minderheit gezielt Lawinen aus „Stadtbild-Debatten“ lostreten, um das fundamentale politische Versagen darunter zu begraben.
Friedrich Merz Strategie zielt darauf ab, genau jene "schweigende Mehrheit" anzusprechen, die eine Rückkehr zur Sachpolitik und zu pragmatischen Lösungen fordert, anstatt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren. Diese moralisch aufgeladene Debatten wirken immer öfter wie ein Luxusproblem einer urbanen Elite. Zu sehen auch nächste Woche beim Thema Lifestyle Teilzeitgesetz.
Das Dilemma ist hausgemacht: Eine ideologisch getriebene Politik, initiiert von Minderheiten und getragen von einem verfehlten Moralismus, wird zur absoluten Deutungshoheit erhoben. Wo Argumente fehlen, wird heute einfach lautstarke Leere gesetzt.
Was dabei völlig verkannt wird: Weite Teile der Gesellschaft haben diese Heuchelei längst durchschaut. Die Menschen sind in ihrer Meinungsbildung oft schon viel weiter als die belehrende Politik.
In Deutschlands Nachbarstaaten wird ohne, bzw. weniger Hysterie besonnen und klar die Öffentlichkeit unterrichtet. Blicke über den Tellerrand hinaus sind förderlich.