Rund um den Balkan - 17 Tage - 16 Länder - 7000 kurvige Kilometer

Diskutiere Rund um den Balkan - 17 Tage - 16 Länder - 7000 kurvige Kilometer im Touren- & Reiseberichte Forum im Bereich Unterwegs; "Eigentlich" plane ich das schon seit 2017. "Ecken Europas". Im Hinterkopf der Traum Seidenstraße. Damals noch mit F650GS Dakar. Mit einem...
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
"Eigentlich" plane ich das schon seit 2017. "Ecken Europas". Im Hinterkopf der Traum Seidenstraße.
Damals noch mit F650GS Dakar. Mit einem "Testlauf" 2017 rund um die Hohe Tatra.
Lohnt es sich zu warten, bis es in der Ukraine ruhiger wird? Waldkarpaten sehen auf den Karten und live vom Osten der Slowakei aus verlockend aus...

Dann kam Corona, eine R1150GS und dieses Jahr eine "neue Alte" 2008er R 1200 GSA.
Meine alte 1150er hat mich ein paar mal stehen gelassen, die mußte deswegen zuhause bleiben.

Und ein TomTom rider 550, der meine altes zumo 390 ablösen sollte und zu dem ich in den 17 Tagen eine echte Hassliebe entwickelt habe...
Die Tracks sind deswegen lückenhaft, oft rekonstruiert aus blasser Erinnerung, Koordinaten von Hotels, Nachrichten, exif-Koordinaten in den Fotos.

Aber die Kurven waren geil 😎🏍.Ebenso die Landschaften ⛰🌲🌍.
Leider nicht immer in den Tracks und Fotos zu sehen. Selber fahren ist trotzdem besser.

Balkan-Track-overview_02.png Balkan-Track-topo_02.png

Planung und Nacharbeit meiner Touren erfolgen bei mir seit Jahren mit QMapShack. Das Layer-Konzept und die GPX-Anbindung sind einfach genial.
Die topographische Darstellung extra kostet nur ein paar Mausklicks.
Die Rekonstruktion der vom TomTom versauten Tracklogs schon mehrere Nächte...

Wie Ihr seht, hat es mich weniger an die Küsten gezogen, sondern eher in die Berge, da wo die Kurven sind.
Romänische Schwarzmeerküste und die griechische Insel Korfu spannen zusammen mit meiner Heimat im Nordosten Bayerns, keine 15 km vom böhmischen Eger aka Cheb entfernt, das Dreieck des Plans.

Und keine Frage:
Diese Tour ist ignoranter Tiefflug durch eine interessante Welt - so nah und doch so unerwartet.
Man könnte dieses Dreick mit einem Kurven-Navi und etwas Neugier für Land und Leute auch gut auf ein ganzes Jahr verteilen.
Oder gleich auswandern ... 🙊

Unterwegs:
  • DE - CZ - SK - HU
  • Rumänien, Bulgarien
  • Griechenland (incl. Korfu),
  • Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina
  • KR, HU, AT, CZ, DE
hab' ich mich verzählt?
OK, Korfu ist keine extra Land, und ohne die doppelt besuchten sind es noch 12 verschiedene echte Länder.

Los ging es auf's Gradewohl.

OK, ich hab' ca 500 km auf meine GSA gefahren, nachdem ich die mit unklarer Vorgeschichte und 8 Jahren Standzeit gekauft und zum Laufen gebracht hatte, um ein gutes Gefühl aufzubauen.

Mit 65 tkm war die GSA grad mal gut eingefahren.
Öle, Kerzen, Ventildeckeldichtung, Kraftstoffpumpe und TÜV sind frisch.
Und hab' mir kurz vorher noch einen Satz Conti TKC 70 aufziehen lassen. Bereu' ich nicht.
Täten mindestens die halbe Tour noch mal halten.
Werden als 80-20 gehandelt, aber ich würd' sie eher 85-40 bewerten. Details folgen.

Reiskrankenversicherung, Schutzbrief, Reisepass und eine PIN für die Kreditkarte - zusätzlich zur normalen EC-Karte - beruhigen das Gewissen.
Besser haben als brauchen...
Ein paar €ronen gut verteilt, daß es zumindest für eine Zugfahrt nach Hause reichen würde.
Eine Liste mit Telefonnummern und Internet-Accounts, ein Tablet für QMapShack, ein altes Handy als Reserve.

Eine Biwak-Hängematte mit Tarp, Schlafsack und Iso-Matte als "Plan B", falls booking.com versagen sollte.
Die Alukoffer voll Werkzeug, Wechselwäsche, Schuhen und anderem Plan-B-Zeugs.
Spoiler: Eigentlich hätt' das Top-Case gereicht.
Aber so eine eingestaubte, voll aufgerödelte, vertouratechte GSA macht optisch schon was her 😉
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Es begann bei einem Bio-Kartoffelbauer-Kollegen, eine knappe Stunde von Zuhaus.
Wir hatten uns bei lecker 🍻 aus seinem Hofladen verratscht.

"Du kannst bei mir auf dem Sofa pennen, oder bei meinen rumänsichen Saisonarbeitern, da ist ein richtiges Bett frei. Prima Leute."

Neugier und Bequemlichkeit zogen mich zu einem letzten Bier und Nachtruhe zu den Rumänen.
"Motorrad hier? Romania toll mit Motorrad. Transalpina!!! mußt Du fahren !!!!!" 🍻🍻.

Mein innerer Geograph war verwirrt.
Die Zuordnung der Süd-Karpaten zu den Alpen stammt wohl schon aus der Römerzeit.
Alpen war quasi wohl alles, was "mare nostrum" von den "Barbaren" trennt und höher ist, als Cäsar spucken kann...
Findet man jedenfalls vor Ort noch oft. Wir sparen uns westliche Besserwisserei und Definitionsallmacht.

Ein bisschen Touri-Web-Rechereche, und Graf Dracula klebt wie :poop: auf der Tour.
Schloss Bran will ich sehen. Und liegt ja in den Karpaten nahe und kurvenhoffend östlich der Transalpina.

Eine zoom-Stufe raus, und das Schwarze Meer leuchtet auf der Karte.
Boah.... nehm' ich mit?

Aber wo endet die Schwarzmeerküste eigentlich?
Türkei? Bosporus? krieg ich das noch mit rein?
Einen Schritt näher an der Seidenstraße 😍

Eine Runde lebt von Rund, also zurück dann doch eher am Mittelmeer entlang, wo Teutonia sich regelmäßig grillt?

Bei der Abfahrt sah der Plan so aus:
  • mehr Viereck als Dreieck
  • ... mit Istanbul als Süd-Ost-Ziel
  • per Kartenblick und Mausklick
    Vermeidung der übelsten Schnellstraßen,
    gelegentlich Einbindung interessant leuchtender Bergstrecken
    tendentiell eher an den Küsten entlang
  • grob über den 👍 ca 7000 km, 70er Schnitt, 12,5 Tage x 8 Stunden
  • ... also fahrbar in 14 Tagen?❓
Balkan-plan_002.png

Was blieb, war das ❓.
Der Weg ist das Ziel. Details entscheiden sich "beim Bau".
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
"eigentlich" wollte ich schon am Freitag, 28. August los - nach der letzten gesellschaftlichen Verpflichtung am Abend vorher.
Aber als Bauer lernt man, daß Arbeit gerne mal liegen bleibt, die man liegen läßt.
Und Zeugs, das nicht gesät ist, auch nicht wächst.

Also noch den Klee in die Erde, damit der wachsen kann, während ich toure.
3 Schlepper unter's Vordach, direkt an der örtlichen Spaziergängerautobahn.
Zu dreckig? wem das stört, der darf sie gerne waschen 😂
Hätt' ich bloß geahnt .... aber nein, nicht spoilern 🙊

Start wurde dann Dienstag, 1. Sept, also 4 Tage später.
Ich glaube, bis ich am Montag die Koffer an die GSA geschraubt und den Schlafsack aus dem Keller gekramt hab, haben die mir's zuhaus' nicht wirklich geglaubt 🤣...

Blick ich gen Rumänien, ist das mehr Osten als Süden. Und Osten heißt bei mir eigentlich "Erzgebirge". In die Tatra fuhr ich 2017 über den Sudetenbogen, entlang der tschechischen Nordgrenze.

Aber zum Glück war bei meiner GSA aus LU nur ein Schlüssel dabei. Nachschlüssel sind schon geordert, liegen beim Freundlichen Schisslbauer in SAD. 80 km gen Süden. Nehm' ich nocht mit auf die Tour, man weiß ja nie....

Damit steig' ich ganz anders in die CZ ein. Über Waldmünchen - Taus (Domazlice).
Südlich von Pilsen. Ganz andere Landschaft als im Norden.

Das TomTom zeigt seine 💪.
Schon von zu Hause nach SAD merk' ich, daß es all meine "geheimen" Kurven kennt, aber auch noch einige dem Garmin bisher entgangene. Also lass ich es gewähren.
Routenübertragung hat eh' nicht geklappt, aber das ist ein anderer Thread.

Zlin in der Slowakei als Tagesziel. Oder Olmütz vor der Grenze, oder etwas südlich davon.
Tabor als Zwischenziel ist fast schon redundant. Ich lass es erst mal stehen, damit ich gut zwischen Prag und Budweis komme. 30 km vorher nehm' ich es raus und laß das Navi entscheiden, wie es am besten um das Stadtgebiet rum zirkelt.

Ich bin begeistert.
Ich bin die Gegend schon mehrmals mal gefahren, mit Plan am PC und Garmin zumo 390 für die Feinverkurvung.
Aber was das TomTom ohne große Intervention an Kurven und Landschaft findet, ist nochmal eine andere Liga.

OK, aus meinem Ziel von 65 ... 70 km/h Schnitt wurden eher 60.
Und es zieht mich auch gelegentlich in Ortsdurchfahren. Aber entweder wirklich malerisch schön, oder nach prüfendem Blick auf die Karte so gelegen, daß es einfach den Preis für die Kurven davor und danach wert ist.

Balkan-bohem-moravia__002.png

Ich dacht' immer, Mähren wär' östlich der Schwelle eine flache Agrarwüste.
Quatsch, nur sehr wenig davon. Und TomTom weiß scheints, das zu umgehen.
20260901_174314-gmp.jpg

Zlin als Tagesziel wird sportlich.
Und die Zuverlässigleit von booking.com gen Osten will erst noch ergründet werden.

Meine booking.com Strategie hat sich heute perfekt bewährt:
  • suche eine ländliche Gegend
  • sortiere Preis aufsteigend
  • ignoriere Camping-Stellplätze und Schlafsääle
  • in den nächsten 5 Treffern wirst Du fündig
  • Pampas ist besser als Stadtnah
  • Den Rest erledigt die Nachsaison
Treffer:
Restaurace Obůrka - penzion, týdenní menu | restaurace-oburka.cz
Abendessen auf der Veranda. Naturpark zum Relaxen ca 10 m entfernt.
Übernachtung mit Frühstück so billig, daß ich gar nicht nach schauen möchte.
Qualität: imho perfekt.

20260902_084255-gmp.jpg
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Tag 2: Slowakei

OK, ja, es gibt ein klein wenig langweiliges Flachland in Mähren, aber das Tracklog zeigt, daß das Navi einen guten Job macht, da eine recht enge Stelle durch zu finden.

Grad als ich dachte, das war schon das Ende der Fahnenstange, ging's über die Grenze in die Slowakei.

20260902_122926-gmp.jpg

Wieder Landschaft und Kurven in die Vollen 🤪

Eigentlich dacht' ich, ich war da schon.
Hohe Tatra - kannst nicht rein fahren, nur außen rum.
Niedere Tatra - gibts ein paar geile Schotterstrecken durch- that's it?

20260902_144347-gmp.jpg
Vergiss es - noch südlicher gibts Zivilisation, die haben sich Straßen in die Berge gebaut - Mit Kurven, weil die Berge halt so sind... und das TomTom findet die ... zumindest wenn die grobe Richtung passt 👍

Luftlinie zur nächsten Übernachtung: knapp 300 km
Schnellste Autobahnroute (über Bratislava) > 500 km
Meine Kurvenroute (bitte erspart mir die Rekonstruktion der verlorenen Details) auch ~ 500 km
Selbst mit QMapShack wir es schwierig, diese Route des TomTom mit einer überschaubaren Zahl von Stützpunkten zu rekonstruieren.

Balkan-slovakia-gmp.png

Fahrerlebnis? 😎😎😎😎😎
Mit Worten nicht zu beschreiben.

Mein Gefühl meinte, ich würde im Zickzack durch die Berge kreuzen um alles mit zu nehmen, was aussieht wie eine Kurve. Das (rekonstruierte) Log sagt: nein, das war alles durchaus zielführend. Wenn Du Zeit mit bringst, um Kreise und Schleifen zu drehen, kannst Du hier noch 10 x so viel Kurven ernten.

Und auch hier wieder - ein Tagesabschluss mit Restaurant, Nachtlager, das keine (vernünftigen) Wünsche offen läßt und perfektes Frühstück als Start für die nächsten 500+ km
Contesa | Reštaurácia a Penzión

Es gibt hier Stadt und Burg, deren Namen und Geschichte möglicherweise an meine Vorfahren erinnert.
Aber wenn ich über den Daumen die Renovierungskosten abschätz', halt' ich den Ball lieber flach ...🙈

20260903_071122-gmp.jpg
 

Anhänge

wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
aber gerne Doch ☺

Tag 3: Puszta und Transsilvanien

Balkan-HU.png

Der Tag begann, wie die beiden vorherigen endeten: jeder Hügel noch schönere Kurven als der davor - die Eskalation der Endorphine schien grenzenlos 😵😂😎🤩.
OK, am Morgen hatte es etwas geregnet, um halb 9 waren die Straßen in den Wäldern noch feucht.
Aber der Asphalt griffig, die Nassperformance der TKC 70 legendär, die Kurven sanft und der Fahrer noch am Aufwärmen.

Doch was seh ich da?
Ja, auch die tolle Gegend und eine schöne Abfahrt vor mir
20260903_084344-gmp.jpg

Aber was ist das? An meinem Lenker, links neben meiner rechten Hand?
So 'ne graue Dose mit irgendeiner braungelben Brühe drin 😨🥵🤬
Ich wußte, da war noch was auf der to-do: Bremsflüssigkeit :wallbash:

Die GSA stand 8 Jahre, und der letzte Freundliche Eintrag im Serviceheft ist von 2012 oder so.
Beim Freundlichen Schisslbauer habe ich noch eine Diskussion mitbekommen, ob man von einem Kundenbike jetzt die BFl wechseln müsse, wenn der Kunde sagt, die wäre erst ein Jahr alt, aber der letzte schriftliche Beleg schon 2 Jahre zurück ist. 🧐

OK, bisher war mir an der Bremse nichts negativ aufgefallen. Gut, die Beläge greifen zunächst etwas weich, packen aber dann bei beherztem Griff ordentlich zu. Von den TRW-Sintern auf meiner 1150er bin ich ruppigeres gewohnt. Aber Fading durch nasse BFl hat damit ja nix zu tun.

700 m Gefälle auf 3,5 km ist jetzt noch keine alpine Herausforderung. Also grad recht um die BFl zu testen?

Balkan-uhorna-track_002.png

Nun denn, ich hab' den Rest der slowakischen Karpaten sauber überstanden.
Spoiler: es wurde später heißer und heftiger, aber die BFl hat sauber durchgehalten.

In Košice, im Flusstal des Hornád, habe ich einen Vorgeschmack bekommen auf den Rest des Tages: endlose Weiten. Kann man mögen, muß man nicht.

Meine Augen wandern da schon immer am Horizont entlang. Sind das schon die Waldkarpaten in der Ukraine?
Ein Blick in die Karte hätte offenbart: Nein, sind sie nicht.

20260903_095537-gmp.jpg

Vielleicht eher was für 🚴‍♀️ oder 🥾 - oder 🏍 mit geruhsamer Geisteshaltung, ohne straffes Tagesziel.
Aber selbst an der Straßenböschung, wo das Panorama oben entstand, kann man mit passendem Blick auch auf die Schnelle zarte Schönheiten finden:

20260903_095236-gmp.jpg

Auch der zoom im Navi zeigt, daß die Tour da in die Berge rein geht, und nicht in die Ukraine.
Na dann, weiter :motoradsmiley:

oops - die Schilder sehen so anders aus, und was sind das für komische Wörter?
Ah, wir sind in Ungarn. Die haben auch eine kleine Ecke Karpaten. Für eine halbe Stunde aber dann schon das einzige Fahrvergnügen im Osten dieses Landes.

Es geht noch mal zurück in die Slowakei und dann etwas markanter nach Ungarn - aber auch nur mit leichtem Gas weg nehmen an der Grenze wie es im Schengen-Raum sein sollte.

20260903_110259-gmp.jpg

Ich weiß nicht, was die Menschen treibt, die so von der Puszta schwärmen.
Wahrscheinlich alte Fernsehschnulzen von längst vergangenen Zeiten...
Ich seh' nur Agrarwüste.
Aber vielleicht bin ich ja berufsmäßig vorbelastet, oder zu hektisch unterwegs?

Die Stecke besteht aus endlosen Straßendörfern. Nur jeweils eine Reihe Häuser, dahinter Garten, dahinter Mais, Sonnenblumen (meist grad in Ernte), bearbeitete Stoppelfelder.
Dazwischen kurze, meist schnurgerade Ketten von Schlaglöchern, gelegentlich garniert mit Spuren von Asphalt. Nein, auch keine ordentlichen geschotterten Feldwege.
Am Anfang ganz lustig, aber lange hält der Spaß nicht an. Der Schnitt pendelt sich auf 45 km/h ein.

Irgendwo auf der Kreuzung kommt mir ein dicker Case 🚜 entgegen. Vielleicht 500 PS, vielleicht auch mehr. A bisserl flach - so kleine Reifen? Quatsch, Kettenlaufwerk.
Aber was hat der hinten dran? Rungenwagen für Langholztransport? Ladegitter Für Stroh? Beides macht an so einem Boliden wenig Sinn. Beim Vorbeifahren erschließt sich dem Blick: Das sind Grubberzinken in dem Gitter. Das wird wohl hydraulisch auseinandergefaltelt, runter geklappt und abgesenkt. Schätze mal kaum weniger als 20 m Arbeitsbreite. Kannte ich in dieser Dimension bisher nur von Erzählungen aus Australien. Aber Ungarn ist vor unserer Haustür. Und über den Karpaten, in der Ukraine, ist noch viel mehr davon. Und dagegen sollen wir konkurrieren? Ich danke Gott, daß ich schon so alt bin.

Noch während ich über Agrarstrukturen sinniere, öffnet sich wieder ein Blick auf Gebirge im Osten:
Diesmal dürften das aber wirklich die ukrainischen Waldkarpaten sein.
Die lasssen mich nicht los....

20260903_112929-gmp.jpg

Von Olcsvá nach Olcsvaapáti führt die Route über eine Fähre über den Fluß Szamos. Sagt das Navi, alle Karten und Routenplaner. Vor Ort nur eine alte schon fast festegrostete Schranke. Keine Fähre zu sehen. Wie regelmäßiger Betrieb sieht das nicht aus.
Die Umleitung des Navis sieht gerader und schneller aus. Pha, und die Schlaglöcher erst! Ein Drittel der Fahrbahn ist komplett einen halben Meter abgesackt. Für einspurigen Betrieb reicht der Rest, aber wenn ein LKW entgegen kommt, muß das Moped in den asphaltierten Graben.

Abenteuer - ja. Strecke - nein.
Ich liebäugle mit Zulassung von Mautstrecken im Navi - aber auch damit und "schnelle Strecke" ändert sich wenig am Verlauf.
Ein Navi kann Strecken wählen, aber keine bauen 🤷‍♂️

Und wenn Rumänien jetzt noch schlimmer wird?
... bei so niedrigen Erwartungen kann's ja nur noch besser werden:

Jeodch - wer IN Transsylvanien geheimnisvolle Landschaften sucht, der wird zunächst auch enttäuscht sein. Diese Wälder gibt es - aber eher UM das eigentliche Flachland, welches sich von der ungarischen Puszta zunächst wenig unterscheidet - siehe das Panorama unten.

Zumindest sind die Dörfer weniger, kürzer, weiter voneinander entfernt.
Der Straßenzustand ist spürbar besser als in Ungarn, und Motorräder sind mautfrei.
Die Routen führen oft durch die Flur, hinter den Feldern vorbei. Für einen Landwirt zumindest beruflich interessant, auch wenn's nach dem 37. Sonnenblumendrescher wieder eintönig wird. Auch hier dominieren große industrielle Strukturen. Alle paar km ein relativ neu scheinendes großes Getreidelager, und große, modern scheinende Landmaschinenwerkstätten. Mastanlagen, wohl für Schweine, teils neu, teils noch im Bau, die ich in die Richtung hundertaussend Plätze schätzen würde.

Gastronomie erscheint mir nahe am Totalausfall. Oder gut getarnt, und mir fehlen die richtigen Wörter, nach denen ich am Straßenrand suchen soll? Ich schlage mich also mit Grundversorgung aus Supermarkt und Tanke bis Klausenburg durch. Selbst da im Vorstadtbereich: Fehlanzeige. Auch Google weiß nicht mehr. Lediglich im Zentrum ein paar teure Restaurants mit grenzwertigem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich buch' mir bei italienischen Abendessen ein Motel mit 24-h-Rezeption in Sebes, dem Einstieg in die Transalpina, und gib mir im Dunkeln noch ein paar km Autobahn bis da hin.
Casa Cerbului1, Sebeş, Alba - What to expect (updated)

Nicht schön, aber billig und OK, die nette Frau an der Rezeption verkauft mir noch ein Feierabendbier.
Abendessen hatte ich schon, Frühstück kommt aus dem Tankrucksack, Kaffe gibts umsonst. Zielgruppe LKW-Fahrer.
Trotz der Lage an der Schnellstraße bleibt es nachts überraschend ruhig.
Erst ab 6:00 rollen die LKW wieder. oops, ja, und wir haben eine andere Zeitzone...

Und die legendären Wälder Transsylvaniens sind auf dem Panorama schon rundum zu erkennen:

20260904_075217-gmp.jpg
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Tag 4: Über die Route 67 zu Graf Dracula

Balkan-transalpina.png

Ist die Nummerierung der Transalpina als "67c" Zufall, Glücksgriff oder bewußter Werbegag?
Keine Ahnung....
Aber wenn ich mich nicht irre, ist die vielbesungene "Route 66" in U$-Land quasi kurvenfrei, wenn man von allfälligen Vertikalkurven aka Bodenwellen absieht.
Insofern ist die rumänische Route 67 aka Transalpina für 🏍 allemal ein Fortschritt.

20260904_080500-gmp.jpg

Jedenfalls bin ich früh dran mit dem Einstieg, und am Anfang noch recht unbehelligt von 🏍-Kollegen und Safety-🚗

Im Norden ist die Transalpina mittelgebirglich geprägt, mit grünen, dunklen Wädern und feuchten, tief eingeprägten Tälern.

20260904_095210-gmp.jpg

Auf einem Zwischengipfel am Ende dieses Abschnitts gibt es einen kleinen Motorradtreff.
Es ist noch recht ruhig, die meisten Buden heizen grad erst den Grill an.
Meine Cam speichert 9:14, aber wir haben osteuropäische Sommerzeit, es ist also schon 10:14.

20260904_091404-gmp.jpg

Der Wechsel zu kahlem Hochgebirgscharakter erfolgt recht schroff.
Das obere Bild ist von 9:52, keine zehn Minuten später ist die Baumgrenze überschritten und die Landschaft komplett offen.

20260904_095951-gmp.jpg

20260904_100040-gmp.jpg

Ich hab' die Höhen aus dem Track per DEM rekonstruiert.
Der Anstieg erfolgt in diesen 10 min von < 1500 auf > 2000 Höhenmeter

transalpina-DEM.jpg

Die Transalpina bietet keine engen Serpentinen mit dichten Abfolgen von Haarnadelkurven, wie die Anspielung des Namens auf Hochalpen vielleicht erwarten ließe.
Die Steigung fügt sich recht gut gestreckt in die Landschaft ein.
Die Strecke fährt sich flott und mühelos.
Es bleibt genügend Zeit, Aug' und Sinn in die Schönheit der Landschaft schweifen zu lassen.
Aber eben wirklich 140 km kurvige km am Stück, perfekt nach meinem Motto:
"wenn man 5 min lang schneller fahren kann als 120, dann lief in der Tourenplanung was schief".

-----------

Für den späten Nachmittag ist Dracula auf dem Plan. Das Schloss Bran liegt wieder auf der Nordseite der Südkarpaten, wo ich am Morgen begonnen hatte.

Das Navi wollte mit freier Kurvennavigation gleich wieder quer über den Berg.
Ich hab' erst beim Nacharbeiten gesehen, daß es vielleicht in die Transfagarasan wollte, quasi die östlich parallele Schwester der Transalpina, die sich mit ihr um den Titel der schönsten Motorradstraße der Karpaten zankt.

Ich hatte in meinem ursprünglichen Plan eher eine diagonale Querung vorgesehen, und hab' deshalb einen extra waypoint gesetzt.
Wo? keine Ahnung... Dokumentation und Nachvollziehbarkeit ist nun wirklich nicht die Stärke des TomTom...
Tatsächlich hat es mich dann recht lange eher parallel im südlichen Vorgebirge fahren lassen - Strafe muß schließlich sein. Vielleicht gibt es ja wirklich nicht genug Kurven in der Diagonale - oder zuviele davon in den Dorfstrukturen an den tiefen Flanken.

Die Navigationsphilophien von "voraus planen" und "laß das Navi machen und genieß einfach nur" prallen aufeinander ... aber das war ja ein anderer Faden:
Wie kriege ich eine *.gpx-Route als Route in ein TomTom Rider 550?

Ja, auch hier wieder lange Ortsdurchfahrten, 45er Schnitt.
Aber im Gegensatz zu den Tiefebenen viel interessanter. Natur, Wirtschaft, Sozialstruktur.

Der absolute Kontrast zu den Agrarfabriken. Kleine Subsistenzwirtschaften, Traktoren die anmuten wie Spielzeug aus dem letzten Jahrtausend. Rinder- und Pferdegespanne auf der Straße, weidende Kühe, Schafe, Ziegen, und die allgegenwärtigen verwildernden Hunde, welche die Straße selbstverständlich als Bestandteil ihres Lebensraumes belegen.

Dazwischen wieder Villenviertel, dicke Autos, Werbetafeln von Medizin, Kommerz, High-Tech.
Rumänien scheint mir im ganzen Balkan das Land mit den stärksten Kontrasten. 100 Jahre zurück und 50 Jahre in die Zukunft liegen oft keine 500 m auseinander.

Und man lernt die alten Fahrschulweisheiten zu schätzen: Anhalten in halber Sichtweite.
Wenn man in der Transalpina die engen Kehren vermisst hat - in den Dörfern findet man sie.
Mit jeder Art von Überraschung dahinter.

Der Adrenalinkick war eine Haarnadel, bergauf, mit Schlaglöchern und einem Meter abfallendem / abgebrochenem Bankett an der Kurvenaußenseite. Ich peile souverän die Ideallinie zwischen diesen Widrigkeiten an. Dieweil von oben - bisher versteckt hinter einer betonierten Leitwand - ein Betonmischer hervorspringt - die sind ja nicht gerade für Spurtreue berühmt, wenn sich die Trommel im Kreuz dreht. Ich spür' in den Augen des Fahrers, daß er genau die selbe Idealline im Blick hat wie ich. Aber halt von oben, und so um die 50 x mehr Masse unter'm Hintern.
"Normative Kraft des Faktischen" kriegt plötzlich eine sehr unmittelbare Bedeutung.
Zwischen die Schlaglöcher durch bremsen, um mit Schrittgeschwindigkeit aus dem abgebrochenen Bankett auf den Randstreifen zu rollen testet die Reflexe - zum Denken ist die Zeit zu knapp.
Ja, auch Bescheidenheit will gelegentlich wieder trainiert werden. Morgen mehr dazu.


Irgendwann muß mich mein Navi dann doch wieder durch die Karpaten lassen, um zu Dracula im Norden zu kommen. Auch wenn es keine gehypte Strecke ist, und vielleicht die kahlen weiten Höhen der Transalpina fehlen - hundert km unendlicher Kurvenfolgen in weitgehend einsamer Landschaft sind allemal drin.

-----------------------

Auch wenn die Stories dahinter kaum kontroverser sein könnten - der Touri-Tam-Tam um Dracula erinnert mich stark an den bayerischen Kult von Neuschwanstein und König Ludwig.

Schon 50 km vorher, noch in der Einsamkeit der Berge, zeigen erste Hinweisschilder auf Elemente und Wirkungsorte des sagenhaften Ungeheuers.

Da gibt es einen Dracula-Felsen ...

20260904_164723-gmp.jpg

... eine Dracula-Schlucht (deren Passage auch ohne Schauergeschichten im Kopf ein echtes Erlebnis ist)

20260904_162854-gmp.jpg

... und wer brav durch hält, kommt am Ende auch am Dracula-Schloss an:

20260904_172136-gmp.jpg

Und genauso wie es sich für einen ordentlichen bayerischen Wallfahrtsort gehört, gibts am Fuße dazu auch einen Jahrmarkt mit angemessenem Devotionalienhandel.
Vielleicht treff' ich ja mit meinen Enkeln den Punkt zwischen Kindergarten und Pubertät, wo sie so was echt reizt. Für mich alleine? Danke...

20260904_172746-gmp.jpg

Zum Glück gibts auch Koffeindealer, italienischer Provenienz, die mir mit einem leckeren Cappucino meinen Koffeinspiegel wieder auf fahrfähiges Mindestmaß heben.

Den Abend über quer ich nochmals die Ebene, aber schon in 500 m Höhenlage, in einer landschaftlich reizvolleren Ecke.

Mein Nachtquartier - an der Schwelle zur nächsten Karpatenquerung - erreich' ich schon im Dunkeln:
Pixel Guesthouse – Pixel Resort
Rein materiell ist alles perfekt. Sauber, ordentlich, gut PIN-gesichert zugesperrt.
Service per What'sApp.
Allein, die Seele hungert: "self-check-in" - der Mensch ist eigentlich schon fast nicht mehr im Konzept.

Funktioniert nicht reibungslos, aber Gott sei Dank sind Handy-Akku, Hartnäckigkeit, kleinster gemeinsamer sprachlicher Nenner, Roaming und Datenvolumen noch im grünen Bereich.
Zwar widerwillig, gibt mir der Betreiber dann zu später Stunde doch noch die Infos die ich brauche.
Zimmernummer, Schlüsselstandort und ähnlich sekundären Kleinkram...
Tarp, Schlafsack und Hängematte von Plan B können auf dem Moped bleiben.
... und sülzt am nächsten Tag per WhatsApp wieder um eine Top-Booking-Bewertung ... :ohnmacht:

OK, das balkanesische Türschließsystem hat mich 2 Stunden gekostet, um deutsche Zimmernachbarn zu finden, die es mir erklärt haben. Zu spät fürs Abendessen, grad noch rechtzeitig für ein gnädiges Gute-Nacht-🍺 zur Sperrstunde im örtlichen Spitzenrestaurant.
Wenn man's öfter macht oder länger da ist, kommt man sicher gut klar damit.
Für den täglich wechselnden Vagabunden bleibt es eine Herausforderung.

Dafür hab' ich mir von den Landsmännern, die zur Hochzeit einer rumänsichen Arbeitskollegin angefahren waren, ein paar weltmännische Planungshilfen abgeholt.
  • Ukraine, in 2026, allein, unter Zeitdruck, ohne Kultur- und Sprachkenntnisse, noch vor jeder Balkan-Erfahrung, wäre wohl wirklich nicht die beste Entscheidung gewesen.
    Trotzdem, die Waldkarpaten sind herrlich (es sprachen Skifahrer) und bleiben auf dem Wunschzettel.
  • "Türkei ist sch💩"
    nicht daß ich derartigen Rat für bare Münze nähme, aber es reicht, nochmal drüber nachzudenken.
    Ich habe mich auf die Kurvigkeit des TomTom eingelassen - und bereue es nicht.
    Der Preis ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit eher bei 45 km/h als bei den anfänglich angesetzten 65. Und die Kurven brauch mehr km zwischen zwei Eckpunkten.
    Wenn ich mein Zeitlimit von "2 Wochen plus wenige Tage" nicht reissen will, und nicht stumpfsinnig auf der Autobahn zurück donnern will, dann muß der Bosporus von der Liste 😢
  • Warna und Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste sind Touri-Höllen.
    Teutonen-Grill, quasi. Unter TUI-Hoheit.
    Kann man sich mal anschauen, aber wird man als Individualist nicht lieben.
  • Bansko als Ski-Ressort in Bulgarien ist eine Reise wert und liegt eh' auf meiner Strecke nach Griechenland
ja, der Abend hat sich gelohnt.
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Tag 5: Zehenspitzen im Schwarzen Meer

Von Secuiesc steige ich des Morgens das dritte Mal in die rumänsichen Karpaten ein.
Die rote Linie im Höhenprofil bei ca 440 km markiert den Ort.
Extrem-Fetischisten mögen den Rückgang der Höhenmeter von Transalpina (ca km 120) zu Dracula-Anreise (ca km 330) bis zur dritten Querung (ca km 480) bekriteln.
Der Kurvigkeit und dem Fahrvergnügen tut's (erst mal) keinen Abbruch.
Zum einen messen sich Berge eh' an der relativen Höhe, und die ist bei der letzten Karpaten-Querung zur Tiefebene nahe auf Meereshöhe gar nicht mal so schlecht.
Zum Anderen korrelieren Kurven vielleicht ein bisschen mit Bergigkeit, aber nicht absolut.

Balkan-to-Constantia-profile.png

Jedenfalls, der Fahrspaß war weiterhin OATG (muß ich jetzt dazu Übersetzung anbieten?), bis....
... ja, bis nun mal das im Leben wohl immer unvermeidliche passierte 😓

Nach der Kurve Auto mit Warnblinker. Anhalten - kein Problem, übersichtlich, alles safe.
Aus der nächsten Kurve tritt ein Polizist heraus und winkt den kleinen Stau - so an die 10.. 15 Fahrzeuge - zurück. Fotografiert die damit frei gewordene Strecke.
Muß ich das verstehen? nicht gleich, später: ja.

Eine Kollegin von ihm spricht mit den Fahrern vorne im Stau.
"accident" ... so weit überschneiden sich die mir bekannten Sprachen, daß mich das nicht wundert.
Ich erwische einen mit Englisch-Kenntnissen:
"Accident - Two people have died. It may take a long time, until we may pass".
Traurig, aber leider wohl nicht mehr zu ändern.

Ich erinnere mich an die Erlebnisse und Adrenalin-Kicks der vergangenen Tage.
An den Betonmischer in der Kurve.
An meine fast schon verdrängten Schutzengel-Test-Stunts früherer Jahre, und die meiner Söhne...
Die Mischung der Neurotransmitter in meinem Hirn verschiebt sich spürbar.
Der Genuss der Kurven will nicht wirklich anhalten.

"...may take a long time..." führt die Finger zum Navi. Funktionieren. Umleitung berechnen.
Habe ich in Ungarn an der Nicht-Fähre schon geübt, ohne daß Menschen dafür sterben mußten.
Kaum fertig, bewegt sich die Kolonne: Die Polizei hat die Strecke recht zügig wieder frei gegeben.

Links ein paar belämmert - sorry, stoisch - drein blickende Gäule, eingespannt in einen malträtierten Holzwagen.
Rechts Brennholz auf dem Bankett. Könnte auf dem Wagen gelegen haben.
Danach eine Abdeckplane, die schamlos erkennen läßt, was darunter verborgen sein sollte.
Der Herr sei seiner/ihrer Seele gnädig.
Eine zweite Plane habe ich nicht gefunden, aber auch nicht wirklich gesucht.
Ein Dacia Duster in der rechten Böschung, als wollte er gen Himmel starten.
Was genau passiert ist? Ich weiß es nicht.
Schnelle Zukunft gegen langsame Vergangenheit? Könnte so gewesen sein.

Nach einer halben Stunde tuckelnder Fahrt sind die Neurotransmitter wieder aus dem roten Bereich.
Der Safety-Margin in den Kurven bleibt.
Der grüne Bereich ist noch weit entfernt.

Die Reifenreibung und die Schräglage sind nicht die Grenze, wenn Du nicht weißt, was dahinter kommt.
Du hast es in der Fahrschule gelernt. Du verstehst die Physik dahinter.
Du weißt es. Also glaub' es auch.

--------------------

Aus den Karpaten raus finde ich - auf der Suche nach Linderung für drückende Blase - ein eurpäisches was-auch-immer-Schießmichtot-Projekt. Ein bißchen Ökologie hab' ich als Agraringenieur gelernt, Profi bin ich nicht.
Muß ich das verstehen? Will ich das verstehen?
Oder geht es nur darum, Brüssel Geld aus den Taschen zu leiern?
So viele Fragen, die man im Schnelldurchflug durch die Lande nicht vorschnell bewerten sollte...

20260905_101536-gmp.jpg

Auf das Donaudelta war ich echt neugierig.
So viele tolle geile Natur?
Die Realität - wieder mal - ernüchternd:
Wasser trifft auf Land,
Mensch versucht 🤑

20260905_162610-gmp.jpg

Der Versuch, einen halblegalen vorzeitigen Zugang zum Meer zu finden, scheiterte zwischen kasernengleich umzäuntem Biosphärendingsbums mit Überwachungskamera und Google-kartiertem Weg, der in frisch gepflügtem Acker endete.
Ich war mit meiner 125er MZ schon im Kartoffelacker unterwegs, und mit der 1150er (mit "guten" alten Metzeler Tourance) auf besätem Feld.
Aber frisch geackert fahr ich da nur auf John Deere, Fendt oder Deutz rein.

20260905_171013-gmp.jpg

Da war sie wieder: die berüchtigte "normative Kraft des Faktischen":
"s'is so, weil's so is' wie 's is'"...

Schwarzmeerküste von Norden nach Süden:
  • Odessa
  • ukrainische Küste unbekannter Zugänglichkeit
  • moldawische Küste unbekannter Zugänglichkeit
  • rumänisches Donaudelta mit ohne jeder Zugänglichkeit zum Meer
  • Constantia
Als ich in Constantia ankomm, ist es schon seeehr dunkel.

Mein Nachtlager, die "Vila Asya Constanta"
Vila Asya Constanța
erwartet mich schon wieder mit fast den selben "self-check-in"-WhatsApp-Nachrichten wie am Tag zuvor. Jedoch - vor Ort lächelt mir ein Mensch aus der offenen Tür und heißt mich willkommen.
Was ein freundlich lächelnder Mensch doch für einen Unterschied macht....
Vielleicht wußte er auch besser als ich, daß sein "check-in"-Prozess noch verbesserungsfähig ist.
Und vor allem das "check-out"... aber egal, nach mir die Sintflut, und Frühstück gibts auch an der Tanke.

Der Restaurant-Tip war jedenfalls gut:

20260905_210226-png.jpg

... und dermaßen gestärkt, setze ich mir die Krone des Sieges der ersten Etappe auf mein Haupt ....
äh'm, sorry, meine Zehen:
Schwazmeerküste ☺😅🤣

20260905_220039-gmp.jpg

Was danach kam, ist nur unvollständig dokumentiert - vor allem ohne Fotos.
Zartbesaitete Jungfräuleins mögen jetzt bitte nicht weiter lesen 😇.

Badehose liegt noch in irgend einem Seitenkoffer.
Handy-Zeit 22:00 heißt 23:00 Ortszeit.
Stockfinsterheit deckt aberhunderte leere Strandkörbe um mich herum.
Die hell erleuchtete Strandpromenade strahlt aus der Ferne dazwischen durch.

Also ab in die Fluten .... die Endorphine kommen aber schon so gar nicht langsam wieder ins Lot.
Das mit dem Schwimmen gegen die brechenden Wellen muß ich noch üben.
Tageslicht wäre da vielleicht gar nicht schlecht.

Zurück ans Ufer wankend - Fibromyalgie und 2000 km auf dem Moped fordern ihren Tribut - seh' ich Licht aus einer Bude hinter den Strandkörben. Ein Mensch zieht sich vom Strand dahin zurück.
Ein Bademeister?
Froh, daß er des nachts keinen Selbstmörder protokollieren muß?
Für einen teutonsichen Exhibitionisten im Dunkeln gibts kein Protokoll?
Ich hab' ihn nicht gefragt. Müde und glücklich falle ich in mein Bett.
 
Zuletzt bearbeitet:
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Tag 6: Am Schwarzen Meer nach Süden zum Strandbiwak

Balkan-toBiwak-gmp.png

Geh' ich in Constantia früh noch mal an den Strand?
Ach was, das Meer ist ja groß.
Erst mal Strecke an der Küste entlang und Frühstück unterwegs.

Das Tomtom nervt. hängt, Neuberechnung erst nach 3 Kreuzungen, erratisch springende Richtungen. Abstürze und Neustarts.
Ich hatte beim Planen am Abend schon komische Effekte rund um die Grenze zu BU bei Limaru, Vama Veche und Varna. Entfernungsangaben sprangen von realistischen 65 auf tausende km, "kürzeste Strecke" ging plötzlich über Moldawien ins ukrainische Odessa und dort mit der Fähre in die Türkei; oder "keine Route möglich".
Ich vermute einen üblen Bug in den Kartendaten, der bei jeder Neuberechnung das Teil in die Knie zwingt.

Mit dem Handy im Kartenfach navigiere ich um den Hafen gen Süden.
Beim Frühstück an der Tanke im Tomtom als neues Ziel per Satellitenbild eines der "Planetendörfer" nördlich von Mangalia gesetzt.
Befreit von den "verhexten waypoints", tut das Navi wieder, wozu es gebaut wurde.

Bei Jupiter - da schien im Luftbild der Strand am breitesten:
War klar, daß das eine Touri-Hölle sein wird, aber wir haben ja Nachsaison.

20260906_105302-gmp.jpg

Obwohl schon 12:00 Ortszeit, kann man jetzt nicht von Überfüllung reden.
Der Sand ist feinkieselig, aber angenehm zu gehen.
Ich versuch' mich gegen die Brandung, ist anstrengend.

Neben mir ein paar Jungs sind schon ein Stück weiter.
Ein Bademeister mit Trillerpfeife kommt gerannt und weist sie zurück.
Nein, so habe ich mir das nicht vorgestellt.

20260906_105242-gmp.jpg

Vorbei an Venus und Saturn, roll ich eine Stunde später weiter gen Bulgarien.
Die alten Grenzanlagen stehen noch. Gelegentlich desinteressierte oder auch freundlich grüßende Beamte.
In BU fällt zunächst die kyrillsche Schrift auf. Nachdem zwei der drei "bösen Dörfer" hinter uns liegen, läßt sich das Navi auch wieder mit Ziel in Bulgarien benutzen. Ich setze Burgas, die südliche der beiden Touri-Zentren. Die Kurvigkeit will ins Landesinnere, also noch ein waypoint an die Küste.

Von Shabla nach Kariya geht es wieder nah an den Strand - das Meer im Blick voraus.
Dort angekommen, finde ich eine verlassen wirkende, wohl alte Badestelle, mit einem einzelnen Auto
und verlockendem Blick nach unten:

20260906_124101-gmp.jpg

Der Strand hat große Kiesel, teilweise scharf gebrochen.
Spürbare Schnitte, zwar nicht blutend, schmerzen in den Sohlen.
Algen, angeschwemmter Müll und Rost vergangener Glorie trüben den Blick.
Ganz nett für eine Stunde, aber für den Rest des Tages oder gar die Nacht noch nicht.

20260906_124614-gmp.jpg

Am frühen Nachmittag erreiche ich Kavarna.
Ein imposanter Felsen lockt. Das Navi streit sich mit mir um den besten Weg da hin.
Der Strand ist touristisch erschlossen, laut wikipedia gar künstlich aufgeschüttet.
Klar, Investment verlangt nach Return 🤑.

20260906_135126-gmp.jpg

Hinter dem großen Kalkfelsen wird es einsamer, aber steinig.
Der Weg endet an einem eingewachsenen Wohnwagen.
Ein Mensch scheint sich vor meinem Handy in den Felsen zu verkriechen.
Die kleine Einsamkeit ist schon besetzt.

20260906_140943-gmp.jpg

Unterwegs Sprit und Kaffe fassen - Wasser könnte noch bis Abend reichen - was für ein Fehler... .
Rund um Warna verdichten sich die Touri-Seelen-Silos, bis die Straße dann wieder landeinwärts zieht

Gibts hinter den Feldern links Strand?
Als das Meer wieder vorne in den Blick kommt, finde ich am Ortseingang von Byala eine Sitzbank, um in Ruhe per Satellitenbild dieser Frage nachzugehen.

Doch ein redseliger Italiener mit Fahrrad winkt mich und radebrecht mich freundlich penetrant zu.
Und beantwortet meine Frage: "bester strand ever" 😍.
Nur schwer zu erreichen. 6 km Fußmarsch durch miserable Feldwege.
Er ist mit einem Jeep unten, aber zum Einkaufen hat er das Fahhrad.
Er scheint Vertrauen in meine Enduro zu haben, daß ich damit die Strecke schaffe.
Es gibt einen kurzen, schlechten, steilen Weg.
Und einen langen, noch schlechteren, aber nicht ganz so steilen Weg. Oder so.

Ich finde den Strand in google maps, mit Fußweg.
Das Navi kennt ihn nicht. Auch keinen Weg da hin.
Also in Natura selber nachschauen. Am Anfang schlechter Feldweg.
Die Fahrspuren werden immer tiefer, bei leichtem Gefälle ist der feinkörnige Sand über Strecken tief ausgespült.

Die Jeeps und Dusters weichen aus, suchen sich neue Spuren, bilden neue Rinnen.
Die Abschnitte, wo halbwegs ebene 30 cm für ein Moped bleiben, werden kürzer.
Die Gefälle sind kurz, lt. Tracklog 16°, also ca 30 %. Aber wahrscheinlich in Abschnitten noch deutlich steiler. Die tiefen Spuren kreuzen sich wie ein Rangierbahnhof.
Am Hang kommen Querrinne, Schrägrinnen und Schlaglöcher dazu.

Das Auge sagt, das überlebts Du nicht 😱.
Die TKC 70 greifen braf in die Flanken und klettern aus den Rinnen wieder raus als wär nix gewesen.
Zum Anhalten im Fluge 😵 ist es eh zu spät 🥵. Also bin ich schon da 🤓.

boahh, ey.... weiter "Goldsand", aber nur dünnst besiedelt 👍
Auf dem weichen Sand macht der Kampf gegen die Wellenbrecher richtig Spaß 🏊‍♂️

20260906_175542-gmp.jpg

Will ich mir hier ein Hotel suchen und abends noch mal runter fahren?
Diese Strecke 2x? 🤔 In dunkler Nacht zurück??? 🤔🤔🤔
Ich bleib da.

Mein Plan B ist noch auf dem Moped.
Der Wind ist angenehm warm, lt. wetter.com soll die tiefste Temperatur in der Nacht auf 22 °C fallen -
angenehme Schlafzimmerwerte...

Die wenigen stabilen Baumpaare ohne Unterholz für eine Hängematte sind schon besetzt.
Ah, darum hat meine Junior einen Klappspaten an seiner 650er...
Also Iso-Matte in den Sand und Tarp nur locker gegen Tau und als Windschutz gespannt.

20260906_175611-gmp.jpg

Brotzeit hab' ich noch im Tankrucksack, und Wasser ... ??? f'...Wasser? . grad noch ein halber Liter.
Ich versuche einen Nachbarn zu fragen, ob man hier irgendwann Wasser fassen könnte.
Wir reden lange aneinander vorbei, bis zum "voda?" "Voda!" 💧 🙏
Dankend nehme ich die geschenkte Plastikflasche an. Was bich doch für ein Freiluft-Dilettant...

Ich treffe meinen Italiener und muß sein Zuhause besuchen.
Ah, ein paar 100 m weiter wären genug Kiefern im 🌴-Hängematten-🌴-Abstand gewesen.
Ein Kumpel spricht Englisch und beruhigt mich: das Schwarze Meer hat quasi keinen Tidenhub.
Und ja, die Handyversorgung, sonst recht gut in der Gegend, reißt an der Hangkante ab.

OK, für eine Nacht bleib' ich jetzt an meinem Liegeplatz.
Gegen Mitternacht beginne ich zu frösteln, und meine Knochen zu jammern.
Es ist an der See wohl doch kälter, und feucht, und der Klang der Brandung wie Sturmwind zuhause läßt die Seele noch mal extra frieren.

Gegen 2:00 hole ich mir die Skiunterwäsche aus dem Seitenkoffer und wickle mich in das Tarp. Natürlich habe ich weder gelesen noch im Hellen geprobt, wie das mit dem Cocon auf dem Werbefoto funktionieren sollte.
Dutzende Male haben sich Schlafsack und Cocon beim Drehen verheddert und wurden neu gewickelt.

Die Nacht will nicht enden.
Die Rückwand des Großen Wagens, meine Uhr am ✨ Himmel, scheint sich fest gefressen zu haben. Erholsamer Schlaf geht anders 🤭.

Der Sonnenaufgang weckt und entschädigt mich 🤩

20260907_054558-gmp.jpg 20260907_062637-gmp.jpg

Durchfroren und übermüdet verwerfe den Plan auf ein Morgenbad und fahre um halb acht EEST los,
sobald das Tageslicht für die Cross-Strecke reicht.
.... nicht ohne ein letztes Panorama mit zu nehmen:

20260907_062731-gmp.jpg

Das waren jetzt an diesem Tag nur 250 km.
Klar, ich hätte in der Zeit - zügig cruisend, ohne Badepausen - schon fast am Bosporus sein können.
Aber ich bereu's - nicht. Nur das mit dem Campen, das muß ich noch lernen.
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Tag 7: Quer durch Bulgarien zum Skiressort Bansko

Balkan-BU-Burgas-scs-gmp.png

Für den Tag habe ich mich an die Tips der Landsmänner in Rumänien erinnert.
Türkei ist endgültig von der Liste.
Ich habe früh vom Strand weg die südliche Touristenmetropole Burgas noch als Ziel im Navi gelassen und das zentralgelegene Gebirge namens Balkan zunächst mal küstennah überquert.

Wieder auf Seelelvel, habe ich dann Bansko als Ziel gesetzt und das Navi kurvenreich ins Landsesinnere gewähren lassen. Wenn ich mir das im Nachhinein so anschau, war das kein schlechter Job. Klar, der Balkan(Gebirge) hätte mehr Kurven gehabt, aber nur in Nord-Süd-Passagen. Quer zu meinem Plan. Das hätte mich viel Zeit gekostet, ist aber ein Grund, Bulgarien auf der Wunschliste zu belassen.

Von allen besuchten Balkanländern ist Bulgarien irgendwie das spießigste.
Nicht ganz so schlimm wie Deutschland, aber bei weitem nicht so chaotisch wie Rumänien.
Ortschaften und Straßen sind ordentlich.

Und in jedem Dorf steht an der Bushaltestelle, Post oder dem Dorfladen ein Kaffeeautomat ☕☺
Nach dem schlechten Schlaf im Biwak ein Lebenselexir.
Trotzdem mußte ich immer wieder mal Pausen einlegen für einen Power-Nap, um fahrfähig zu bleiben.
Für diesen Zustand war die Strecke zu den ersten 3/4 eigentlich perfekt: niemals langweilig, aber auch nicht zu herausfordernd.

Lesson learned: Entweder müßte ich das Campen noch lernen, oder die Tagesetappen halbieren, wenn ich auf Hotels verzichten will oder muß.

Die Ebene ist im Herbst fast versteppt, die Hügel sind grün.
Erinnert mich ein bisschen an Südfrankreich.
Diese Bilder entstanden bei Vezenkovo, noch wärhrend des Anstiegs in das Balkan-Gebirge, auf ca 400 Höhenmeter.

20260907_101041-gmp.jpg 20260907_101052-gmp.jpg

Dieses Panorama bei Sliven, etwa gleiche Höhenlage, beim Abstieg in das mittelbulgarische Becken:

20260907_111401-gmp.jpg

In Stara Gora habe ich in einem wunderschönen Restaurant das erste Mal näheren Kontakt mit den Menschen Bulgariens gehabt.
https://de.restaurantguru.com/Encanto-Restaurant-and-Terrace-Starozagorski-bani

Alles perfekt und freundlich, das Essen lecker.
Aber die Bestellung hat mich eine Stunde gekostet 😵

Die kyrillische Schrift der Speisekarte ist eine Herausforderung - auch für das Handy.​
Ich habe ca 5 Übersetzungsapps installiert. Alle mit "translate from image" beworben - so lange die Schrift lateinisch ist. Sobald man auf eine Verwandte der serbischen Sprache schaltet, verschwindet der "load image"-Button.​
​
Die Bedienung hatte schließlich Mitleid und mir mit ihrem eigenen Handy die Karte übersetzt.​
"Google Lens"... hab' ich mir dann auch gezogen.​
Ein bisschen überdesigned, und heftigst ressourcenfressend: saugt auch bei Nichtbenutzung den Akku leer und/oder überhitzt das Handy am Ladekabel im Kartenfach des Tankrucksacks.​
​
Trotzdem - auch die nächsten 4 Länder auf meinem Plan - Griechenland, Albanien, Montenegro, Bosnien - verwenden uns fremde Schriften.​
Schilder, Speisekarten, Produktbeschreibungen... Alltag halt.​
Aber immer brav drauf achten, daß die Google-App abgeschossen wird, bevor man weiter fährt.​
Angeblich kann ChatGPT auch fremde Schriften vom Bild übersetzen, und zieht nicht diesen Overhead.
Aber ich habs noch nicht probiert.
​

Die Ebene ist auf 100 km zügig durchquert, bevor es langweilig wird.

Am späten Nachmittag geht es noch mal ins Eingemachte.
Bansko liegt auf gut 900 m in einem Becken zwischen den 3 Teilen der Thrakischen Kette: Rhodopen, Pirin und Rila

40 km an Serpentinen, engen Passequenzen und Wechsel zwischen Tälern und Höhenketten über Peshtera, ein Verschnaufer bei Velingrad und dann nochmal 60 km über Grashevo treiben nochmal Adrenalin :motoradsmiley: und Endorphine in die Adern und lassen die Mühen der vergangenen Nacht vergessen.

Balkan-BU-Peshtera-gmp.png Balkan-BU-Grashevo-gmp.png

Rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheit erreiche ich bei Yakoruda ein breiteres, gemächlich zu cruisendes Flußtal, welches über nur 5 km moderate Bergstrecke von dem Kessel von Bansko getrennt ist.

Mein Hotel
Park Hotel Gardenia Bansko | 4-Star Hotel with Relax Center
erreiche ich kurz nach 8, noch rechtzeitig zum Abendessen, aber dann zu spät für eine Sauna.
Weil, Skiressorts außerhalb der Saison haben schon was ...

Aber ich hab' heut' über 600 km gemacht, dafür gönn' ich mir morgen einen späteren Start.
Und lass mir um 9:00 den Ofen 🥵😍 anheizen
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Tag 8: Durch Griechenland ans Mittelmeer

Balkan-GR_Leptokarya-scs-gmp.png

Tracklogging ist beim TomTom ein Zufallsexperiment. Und Höhenangaben fehlen komplett 😓.
Der erste Teil - ca 90 km ... aus Bulgarien raus nach Griechenland ist rekonstruiert.
Der zweite Teil 288 km - ist live geloggt, nur die Höhen sind aus dem DEM synthetisiert.
Dazwischen könnten so 5 ... 10 km komplett fehlen.

Am Morgen bietet sich aus dem Zimmerfenster in Bansko ein Blick auf den Sonnenaufang im Rila-Gebirge (> 2900 m)

20260908_070815-gmp.jpg

Ich gönn' mir noch das Hotel-SPA und komm erst so gegen Mittag EEST los.
Also auch wieder ein Tag, der mit 380 km den Tagesschnitt drückt 🤷‍♂️
Aber nicht nur ein Moped, auch der Kerl, der drauf hockt, braucht seine Wartung, vor allen wenn er schon lange reif für's H-Kennzeichen wär'.

Es ist kalt in den Bergen, ich laß die Thermounterwäsche noch an.

Es geht von Bansko aus erst mal nach Südosten - das Pirin-Gebirge mit seinen knapp 3000 m scheint unpassierbar - außer für ⛷.
Nach einer Strecke moderater Hügelkurven geht es über in ein hohes Tafelland - gute Strecke, gut zum km machen. Und doch landschaftlich weiter reizvoll.

20260908_123217-gmp.jpg

Kontrolle gibts an der griechischen Grenze keine, nur eine Reifenwaschanlage.
Beim Durchfahren spritzt auch noch was über das Fahrzeug - beim Moped also auch dem Fahrer ins Maul 🤮.
Ich möchte wetten, daß das kein reines Wasser ist, mehr will ich gar nicht wissen...

In Griechenland erreichen wir den Rand einer Ebene auf gut 500 m Höhe.
Fühl' mich fast schon zuhause, nur daß ich - im Gegensatz zu den Bauern dort - raus bin aus den Kartoffeln. Technik und Strukturen erinnern eher an die 1980. Nicht mehr antiquiert, aber auch nicht unbedingt fit für den harten Kampf.

20260908_133000-gmp.jpg

Was dann kommt, prägte stark die Hassliebe zu meinem Tomtom rider 550.
Ich will Strecke machen, also ist "unbefestigte Straße vermeiden" eingestellt.

500 m nach dem Kartoffeldorf Perithori haben wir noch Asphalt.
Dann Schotter auf Asphalt - das geht ja rein formal noch.
Selbst so was kann ich noch zügig fahren, auch wenn der Tatbestand des Ungehorsams schon erfüllt ist:

20260908_135021-gmp.jpg

Langsam wird es grenzwertig...

20260908_135853-gmp2.jpg

... bis es dann so endet:

20260908_140910-tmp.jpg

Vielleicht kriegte ich das Bäumchen sogar ohne Werkzeug von der Strecke.
Aber schon vorher wurden die Wasserrinnen mehr, liefen quer über die Straße und waren von Bewuchs verdeckt. Wenn ich versuche, die Füße sicherheitshalber knapp über den Boden zu halten, um bei Überraschungen abzufangen, verheddern sie sich in dornigem Gebüsch.

Auch 200 m nach dem querliegenden Baum wird es nicht besser, es geht steiler bergab.
Hier ist wohl schon mindestens ein Jahr kein Fahrzeug mehr gefahren, auch kein 🚜
Und die Strecke war niemals befestigt.

Also - bitte wenden.
Klar, auf dem Rückweg nehme ich mir Zeit für die Landschaft:

20260908_142537-gmp.jpg

Da ist wohl was in den Gewichtungsfunktionen des Algorithmus, das dem TomTom sagt, ab einer gewissen Attraktivität darf man auch Befehle verweigern.
Selbst als ich manuell aus dem Dorf raus navigierte, wollte das Tomtom unbedingt wieder zurück in den Wald.

Das TomTom ist wie ein frecher pubertierender Jugendlicher.
Unkalkulierbar, ungehorsam,
aber immer gut für eine kreative Überraschung.
Nicht umsonst gibt es wohl einige Menschen, die sich deswegen zwei Navis ins Cockpit schrauben.

--------------

Es geht dann wieder über eine Schwelle auf ca 1000 m kurvig flott weiter, wie es in Bulgarien begonnen hat:

20260908_151837-gmp.jpg

Die Ebene bei Serres ist zügig durchfahren.
Die nächste Schwelle ist nur mehr 600 m hoch, aber relativ zum Umland nahe Seelevel doch wie ein Gebirge. trocken, nahezu baumfrei:

20260908_162945-gmp.jpg

Gegen Abend erhaschen wir den ersten Blick über Thessaloniki aufs Mittelmeer:

20260908_173655-gmp.jpg

Das Navi driftet in die kurvigen Industriegebiete ab.
Ich übernehme manuell und wähle 2x die Autobahn.
Als ich in der Unterkunft ankomme, ist es schon fast dunkel.
Alexandros Hotel Leptokarya - Leptokarya

Wenn ich bis dahin glaubte, Griechenland wäre im Balkan die weit entwickelte Ausnahme, habe ich hier das Gegenteil erfahren.
Fast glaubte ich schon, ich müßte wieder ein Biwak aufstellen.

OK, der Betreiber gibt an, er hätte sich nur mal 2 Tage Urlaub gegönnt, und sein Sohn wäre mit der Vertretung einfach überfordert gewesen. Wollen wir's ihm glauben und ihm für die Zukunft seines Betriebes alles Gute wünschen. Jedenfalls hat die Ankündigung, eine Reklamation bei booking.com zu erstellen, dann doch so weit Bewegung in die Sache gebracht, daß ich ein Nachtlager bekam.

Den Biwakplatz hätte ich mir schon fast ausgesucht. Ich fahr spät abends trotzdem noch mal hin.
100 m von der Autobahn, bis auf 10 m horizontal, aber leider auch 20 m vertikal vom Strand weg.
Ein steiler Steig läßt mich froh sein, daß ich mit geländegängigen S3-Arbeitsschuhen unterwegs bin.
Die Kletterübung tut zwar weh, aber auch irgendwie gut.

Aber das nächtliche Bad im Mittelmeer - das muß sein.
Fotos gibts dazu aber keine 😉
Doch, schmeckt eindeutig anders als das schwarze Meer zwei Tage zuvor.
 
wrosner

wrosner

Themenstarter
Dabei seit
25.05.2020
Beiträge
268
Ort
Elb-biesl-Bayern
Modell
R 1200 GSA vertouratecht, R 1150 GS Naundorf, F 650 GS Dakar (2x), MZ 125 ST, K1100LT Dornröschen
Tag 9: Griechenland - vom Ägäischen zum Ionischen Meer

Mein Flegel-Navi lernt Manieren.
Will ich halbwegs an der Luftline entlang nach Westen, steh' ich vor der Entscheidung, dem TomTom entweder Autobahnen mit Maut oder unbefestigte Straßen frei zu geben.
Ich entscheide mich
für letzteres. Ich hoffe dann doch, daß diese zumindest durchgehend befahrbar sind, wenn sie offensichtlich Bestandteil des Verkehrsnetzes sind.

Balkan-GR-nachKorfu-gmp.png

Aus den 200 km Luftlinie von Leptokarya an der Ägäis zum Fährhafen in Igoumenitsa werden ca 450 km und damit trotz ausgedehnter Schotterpisten ein akzeptabler Tagesschnitt.

OK; früh raus, spät in ein Hotel in der Stadt, wo man auch noch im dunklen was zu Essen kriegt.
Und am nächsten Tag zwei geruhsame Fährpassagen auf dem Plan, so daß der Fahranteil sich in Grenzen hält.

Von der Veranda des Hotels in Leptokarya kann man schon das Olymp-Massiv ⛰ erkennen.
Ich hab' mir die detektivische Peilung nach einzelnen Gipfeln 🗻 erspart.
Wer mag, darf sich gerne versuchen.

20260909_084602-gmp.jpg

Wahrlich, wahrlich, Zeus muß Motorradfahrer sein 😍
Auch wenn der Pass grad mal 1000 Höhenmeter überbrückt, ist es eine faszinierende Strecke.

Balkan-GR-Olymp.png

Der Blick zurück über Leptokarya auf die Ägäis.

20260909_085933-gmp.jpg

Am Ausgang des Passes hat man freien Blick vom Süden auf den Olymp.
Die Ebene um Elassona ist eher flach und steppenartig trocken.

20260909_095302-gmp.jpg

Langweilig und gerade oder übervölkert wird es den ganzen Tag nicht.
Auch wenn die Höhen der Gipfel keine Rekorde erreichen, die Dichte ist schon atemberaubend.

Am Nachmittag geht es ans Eingemachte.
Nationalpark Pindos ....

Balkan-GR-NP-Pindos.png

.... sieht fast aus, als wäre da ein Asphaltverbot drauf ausgesprochen 😅
Na irgendwann werd' ich das Adventurern schon noch lernen.

20260909_140959-gmp.jpg

Schattige Wälder in den Flanken der Berge wechseln sich ab mit offenen Höhenstrecken.

20260909_142118-gmp.jpg

In einer Gratrinne wird auch klar, warum die Befahrbarkeit der Straßen in der Gegend nicht immer vorhersehbar ist. Wenn ich mich nicht irre, gabs im Sommer mal heftige Regengüsse in der Region.
Hier sieht man, was die Gewalt des Wassers anrichten kann.
Was wohl als Schutzmaßnahme gedacht war, verkehrt sich bis zur Zerstörung ins Gegenteil

20260909_142705-gmp.jpg

zwei Stunden später der Abstieg nach Ioannina.

Balkan-GR-Ioannina.png

Von oben, im Luftbild, kaum zu unterscheiden, haben wir hier ganz andere Wegverhältnisse.
Feiner Sand statt hartem Stein.
Wenn es regnet, weicht das auf, Spuren fahren sich aus, und abfließendes Wasser verwandelt die Rinnen in tiefe Gräben.
Das ist hier auf dem Bild noch ganz kommod zu befahren.
Das selbe Prinzip hatte ich vorgestern auf dem Weg zu meinem Strandbiwak - nur war es da wesentlich schlimmer.

20260909_161109-gmp.jpg

Und auch hier wieder offene Höhenwege mit Blick in die umliegenden Gebirge.

20260909_163055-gmp.jpg

Mein Hotel in Igoumentisa erreiche ich erst gegen 21:00.
https://stavrodromihotel.gr/Deutsch/Startseite_de.htm

Ich buche noch die Fähre nach Korfu für den nächsten Morgen, gönn' mir in der nahe liegenden Fußgängerzone eine Abendessen und schlendere noch am Kai lang, auch um die Lage für morgen zu erkunden. Jedenfalls überschaubar.
 
Thema:

Rund um den Balkan - 17 Tage - 16 Länder - 7000 kurvige Kilometer

Rund um den Balkan - 17 Tage - 16 Länder - 7000 kurvige Kilometer - Ähnliche Themen

  • Frage an die Runde: Warum so viel Schwarz – und dann die gelbe Weste?

    Frage an die Runde: Warum so viel Schwarz – und dann die gelbe Weste?: Mir fällt immer wieder auf, dass viele Motorradfahrer:innen durchgehend schwarz unterwegs sind: schwarzes Bike, schwarze Kombi, schwarzer Helm –...
  • Deutschlandfahrt des BVDM rund um die Rhön

    Deutschlandfahrt des BVDM rund um die Rhön: Ende August findet die 44. Deutschlandfahrt des BVDM statt. Dieses Jahr zentral gelegen rund um die Rhön. Ist jemand mit dabei?
  • Suche 1150GS Runden ESD kein Org.

    1150GS Runden ESD kein Org.: suche Runden ESD für 1150GS, kein Org, habe davon 2St. , ich möchte meine ZEGA Sonder Koffer montieren und mein Stormi Oval Geiler "Sound" Passt...
  • Anhängervermietung rund um Krefeld / Düsseldorf

    Anhängervermietung rund um Krefeld / Düsseldorf: Hallo, ich suche eine Anhängervermietung für 2 GS (eine 1200er und eine Adventure) in der Nähe von Krefeld/Meerbusch/Düsseldorf. Welches...
  • Moin in die Runde

    Moin in die Runde: Wie lange / km hält eine K25 Mü bei guter Pflege??? Der Hintergrund meiner Frage ist : Die 12G/S hat mich enttäuscht (nur bedingt für Touren...
  • Moin in die Runde - Ähnliche Themen

  • Frage an die Runde: Warum so viel Schwarz – und dann die gelbe Weste?

    Frage an die Runde: Warum so viel Schwarz – und dann die gelbe Weste?: Mir fällt immer wieder auf, dass viele Motorradfahrer:innen durchgehend schwarz unterwegs sind: schwarzes Bike, schwarze Kombi, schwarzer Helm –...
  • Deutschlandfahrt des BVDM rund um die Rhön

    Deutschlandfahrt des BVDM rund um die Rhön: Ende August findet die 44. Deutschlandfahrt des BVDM statt. Dieses Jahr zentral gelegen rund um die Rhön. Ist jemand mit dabei?
  • Suche 1150GS Runden ESD kein Org.

    1150GS Runden ESD kein Org.: suche Runden ESD für 1150GS, kein Org, habe davon 2St. , ich möchte meine ZEGA Sonder Koffer montieren und mein Stormi Oval Geiler "Sound" Passt...
  • Anhängervermietung rund um Krefeld / Düsseldorf

    Anhängervermietung rund um Krefeld / Düsseldorf: Hallo, ich suche eine Anhängervermietung für 2 GS (eine 1200er und eine Adventure) in der Nähe von Krefeld/Meerbusch/Düsseldorf. Welches...
  • Moin in die Runde

    Moin in die Runde: Wie lange / km hält eine K25 Mü bei guter Pflege??? Der Hintergrund meiner Frage ist : Die 12G/S hat mich enttäuscht (nur bedingt für Touren...
  • Oben