Ende Gelände......
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies will prüfen lassen, ob in deutschen VW-Werken künftig chinesische Autos montiert werden können. Das soll die gebeutelte deutsche Automobilindustrie pushen.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sprach sich nach einer Chinareise dafür aus, den Bau chinesischer Autos in deutschen VW-Werken offen zu prüfen. Man könne nicht verhindern, dass chinesische Autobauer verstärkt auf den europäischen Markt drängten – entscheidend sei nun, die Beschäftigung in den deutschen Werken zu sichern. Der SPD-Politiker, der als Vertreter des Landes Niedersachsen auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, bringt damit eine Idee ins Spiel, die in der deutschen Industriepolitik lange als undenkbar galt.
Nach seinen Vorstellungen könnten unterschiedliche Produktionsansätze kombiniert werden: Fahrzeuge, die in Deutschland entwickelt und gebaut werden, und solche, die hier produziert werden, aber auf Technologien und Entwicklungen aus China zurückgreifen. Lies setzt dabei auf Kooperation statt Abschottung.
Der Vorstoß trifft auf ein geteiltes Echo. Automobilwirtschafts-Experte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands hält das Modell grundsätzlich für sinnvoll und verweist auf bestehende Joint Ventures wie jenes zwischen VW und SAIC. Allerdings werde langfristig die Abhängigkeit größer. Deutlich enthusiastischer klingt Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des CAR-Instituts in Bochum: Er spricht von einer "Win-win-Strategie" – und zieht den Vergleich zum Tesla-Werk in Grünheide, das einen ähnlichen Wettbewerbsimpuls für die deutsche Industrie ausgelöst habe. Kritischer bewertet Matthias Schmidt von Schmidt Automotive Research die Lage: Der Markt entwickle sich zu einem "darwinistischen Kampf der Stärksten".
Die deutsche Autoindustrie am Scheideweg
Lies' Vorstoß erfolgt zu einer Zeit, in der es düster aussieht in der deutschen Automobilindustrie. VW musste im vergangenen Jahr einen massiven Gewinneinbruch bekannt geben: Das Konzernergebnis nach Steuern sank 2025 um rund 44 Prozent von 12,4 Milliarden auf 6,9 Milliarden Euro – das schlechteste Ergebnis seit dem Dieselskandal 2015. Bis 2030 sollen rund 50.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden. Ende 2025 stellte VW mit der Gläsernen Manufaktur in Dresden erstmals in seiner 88-jährigen Geschichte die Produktion an einem seiner Werke ein.
Der Konzern steht damit nicht allein da: Seit 2018 hat die Branche schätzungsweise rund 120.000 Arbeitsplätze verloren. Der schleppende Umstieg auf Elektroautos, der Wettbewerb aus China, US-Zölle und hohe Standortkosten belasten Hersteller wie VW und Zulieferer wie Bosch gleichermaßen.