Du hast aber schon den “Focus Bericht„ gelesen, dass es sich um ein und das selbe Auto von Audi handelt, das nach Deutschland verschifft wird und nach einer kleinen Überarbeitung zum doppelten Preis auf dem deutschen Markt angeboten wird.
„Lesen und verstehen“ war die Aufgabe.
Also irgendwas geht hier durcheinander:
1. der im Focus-Bericht beschriebene "audi" wird in China in Kooperation mit SAIC gefertigt. Durch die günstigeren Lohnkosten sowie die mögliche Fertigungstiefe sowie die Menge an Autos, kann dieses Modell dort verhältnismäßig günstig angeboten werden. Wir wissen aber nicht, wieviele Teile z.B. von bereits entwickelten "deutschen" Audis verwendet werden konnten, und auch nicht, ob die Entwicklung daher verkürzt werden konnte. Vielleicht hat man sich gewisse Schritte sparen können, weil das Auto eben nicht 250 km/h fahren können muß oder eben nicht am Polarkreis gefahren wird. Die werden schon versucht haben, das so günstig wie möglich zu produzieren. Vermutlich bekommt SAIC sogar Subventionen vom chinesischen Staat, erst Recht wenn man so ein Joint Venture mit einem deutschen Hersteller durchführt bzw. geht es für Audi dort vielleicht auch gar nicht anders, weil sie nicht selbst/allein eine Fabrik bauen dürfen (oder übernehmen dürfen).
Das (chinesische) Modell wird von einer externen Firma importiert, die einerseits hier die Homologation durchführen muß und am Ende eben auch Garantie, Wartung und Teileversorgung sicherstellen muß. Das muß sie eben auch in den Kaufpreis einrechnen (was sicherlich auch Audi bei deutschen Modellen macht - auch da muß ein Puffer für Garantiearbeiten sein). Ob das am Ende klappt und ob dann das importierte China-Audi-Modell soviel preiswerter wird als ein deutscher Audi, ist eine andere Frage.
Hab schon von China-VWs gehört, die hier nicht mal fahren, weil ihnen die Online-Verbindung zu VW fehlt und Updates nicht ankommen etc.
2. Die 5000-Euro-Brutto-Monatsgehalt ist vermutlich viel zu niedrig angesetzt, aber damit läßt sich halt gut rechnen. 5000 brutto (ich nehm mal die Arbeitgeber-Anteile mit rein) ist ein eher unterdurchschnittlicher Wert, den haben sicherlich viele , auch wenn auf der Lohnabrechnung nur die Hälfte drauf steht.
Bei VW sind es sicherlich eher deutlich mehr, da sind dann auch noch die ganzen Tarifzulagen, Schichtzulagen etc. mit dabei. Das ist zum einen dem Facharbeitermangel geschuldet, zum anderen natürlich auch den Gewerkschaften usw. Glaube nicht, dass in China da groß verhandelt wird....
Ob jetzt die Werkstattstunde was damit zu tun hat? In der Stunde ist ja nicht nur der Stundenlohn des Mechanikers drin, sondern eben auch Werkzeug(neu)kauf, Schulungen, Strom, die nette Dame an der Annahme, die Kaffeemaschine beim warten, das kostenlose Ersatz/Testfahrzeug und am Ende möchte der Werkstattbetreiber auch noch etwas mit dem ganzen Aufwand verdienen. Und da kommt man nicht mit 1% Rendite hin, sonst machst lieber die Werkstatt zu und legst das Geld irgendwo an. Dann haben wir keine Reparaturbetriebe und auch keine Unternehmer mehr.
3. Der Fehler von VW war nicht, so viele Menschen anzustellen - die hat man zeitweise gebraucht, als das Geschäft brummte. Niemand hat zeitweise weltweit mehr Autos produziert/verkauft wie VW. Der Golf (und Passat und Polo, Tiguan usw.) waren jeden Monat in den (deutschen) Zulassungsstatistiken ganz oben. Habe mich zeitweise gefragt, wo die monatlich 30.000 neuen Golfs hinkommen!
Nur haben sie halt den Beginn des neuen Zeitalters total versemmelt, die Produkte waren nicht mehr so gut wie früher und natürlich hat man jetzt einen sehr starken Gegner.
In D ist es halt auch so, dass es nicht "Hire&Fire" heißt, wie in Usa oder China - man hält lieber seinen Mitarbeiterstamm so lange wie möglich aufrecht, bzw. würde sie auch nicht so wie woanders loswerden. Das ist zwar sehr sozial, aber im internationalen Vergleich eben ein echter Standortnachteil.
Die meisten Mitarbeiter bei VW werden sich sicherlich nicht beschweren über Arbeitsbedingungen, Entgelt oder sowas. Da wird erst gemault, wenn Arbeitsplätze abgebaut werden. Ich denke mal, in China sieht das etwas anders aus. Die könnten sich über alles beschweren, aber dürfen vermutlich gar nicht...