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„Die geistige Grundlage des reflexhaften Leugnens von Machtmissbrauch ist ein nie wirklich gereifter Vertrauensimpuls. Ein Erwachsener sollte sein Vertrauen auf Prinzipien wie Transparenz und Rechenschaft gründen, nicht auf Autoritäten. Bleibt diese Reifung aus, wird der kindliche Glaube einfach auf die mächtigsten Instanzen übertragen: Regierungen, Leitmedien, globale Konzerne. Jede Kritik daran wird dann als Angriff auf die innere Sicherheit empfunden – weshalb manche Leugner auf Korruptionsvorwürfe emotionaler reagieren als die beschuldigten Institutionen selbst. Ihr Weltbild hängt an der Fiktion des fürsorglichen Staates.
(…)
Dennoch besteht der „Verschwörungsleugner“ darauf, dass solche Muster an einer unsichtbaren Grenze enden müssten. Einer Grenze, die allein seinem Bedürfnis nach ungestörtem Vertrauen entspricht.
Dass ausgerechnet an den Spitzen der Macht, wo der Wettbewerb am härtesten und der Druck zur Gewinnmaximierung oder Machterhaltung am stärksten ist, Rücksichtslosigkeit und Amoralität plötzlich verschwinden sollen, ist die eigentlich historisch widerlegte Annahme.
Das „offizielle“ Raster der Wahrheit
Hier findet die Verschwörungsleugnung ihren machtvollen Resonanzboden. In den vergangenen Jahren wurden groß angelegte Kampagnen gegen „Desinformation“, „Fake News“ und „Verschwörungsideologien“ angestoßen.
Von ministeriellen Taskforces über Länder‑Portale bis hin zu Programmen zur Bekämpfung der „Infodemie“ wird definiert, welche Quellen als vertrauenswürdig gelten sollen und welche Narrative als gefährlich. In Schulprogrammen wird Misstrauen gegenüber Medien oder Institutionen teils bereits als mögliches Symptom von „Radikalisierung“ gerahmt.“
Warum Verschwörungsleugner gefährlich sind: Die neue Blindheit heißt Rationalität
Gruß Thomas