...und was ist mit "Altparteien"?
„Altparteien“ – ein gezielter Angriff auf die Demokratie
Das Wort klingt auf den ersten Blick harmlos. Ist es aber nicht.
Die Formulierung pauschalisiert bewusst. Sehr unterschiedliche demokratische Parteien werden gemeinsam – undifferenziert – zum Problem erklärt. Nicht einzelne Entscheidungen stehen zur Debatte, nicht konkrete Politik – sondern das parlamentarische System selbst.
Genau das ist die Funktion dieses Kampfbegriffs: Er richtet sich nicht gegen Politik im Einzelnen, sondern gegen die Demokratie als solche. Wer so spricht, übt keine Kritik, sondern greift die Demokratie an.
Kein Zufall – sondern politische Strategie
Dieser Begriff hat eine Geschichte. Und er hat eine Funktion.
Er wurde immer dann stark, wenn es darum ging, parlamentarische Demokratie verächtlich zu machen: als angebliches Kartell, als abgehobene Elite, als Block gegen „das Volk“.
Heute ist „Altparteien“ ein fester Bestandteil rechtspopulistischer Rhetorik – vor allem der AfD. Dort dient er dazu, alle demokratischen Parteien pauschal abzuwerten und ein einfaches Freund-Feind-Bild zu erzeugen: wir hier, die da oben dort.
Wer diese Sprache übernimmt, übernimmt zwangsläufig auch das zugrunde liegende Denkmuster.
Quelle: „Altparteien“ – ein Kampfbegriff gegen die Demokratie - Beate Müller-Gemmeke