Die Boomer-Generation hatte das Glück, dass Deutschland für andere interessante Waren herstellen und exportieren konnte. Die Kinder der Boomer-Generation sind in den Wohlstand hineingeboren worden und kennen kaum etwas anderes. Strukturprobleme gab es früher auch schon. Die Kohlekrise hat meinen Vater in den 60er Jahren arbeitslos werden lassen, er musste umschulen, als ich in der Grundschule war, eine sehr harte Zeit mit Haushaltsbuch zur Ausgabensteuerung der Familie etc.. Der Nachwuchs kennt so etwas oftmals nicht mehr. Der Nachwuchs diskutiert, dass die Steuern zu hoch sind. Der Spitzensteuersatz war 1976 bei 53%, der Eingangssteuersatz bei 22%. Heute haben wir 42% bzw. 14%.
Allerdings verschlechtert sich unsere Position insgesamt, dies war zu erwarten. Wir können kaum davon ausgehen, dass eine Nation wie Deutschland dauerhaft auf Platz 3 der exportierenden Ländern bleiben kann, auch wenn das schön wäre. China hat etwa 14mal so viele Einwohner wie Deutschland, aber nur ca. das doppelte Exportvolumen. Das wird sich in der Zukunft leider zu unseren Ungunsten drehen. Es bleibt die Frage, was wir bewahren können. Das Schlimme ist, dass der Staat noch nie wirklich zu harten Reformen zu bewegen war, es wurde meistens mehr Geld ausgeschüttet. Politiker klammern sich an gute Nachrichten, um wiedergewählt zu werden. Die schlechten Nachrichten will niemand vor einer Wahl verkünden.
Wir haben uns an viele Sozialleistungen und eine entsprechende Hängematte sowie in manchen Industriebereichen an teils sehr hohe Tariflöhne gewöhnt, die sich in anderen Ländern erst ausbilden müssten. Und das gestaltet sich nun zu unserem Wettbewerbsnachteil im globalen Umfeld.
Die Konsequenz ist, dass Firmen wie VW nun stark Personal abbauen. Die Alternative wäre, dass alle Mitarbeiter z. B. auf 20% des Gehaltes verzichten, was aber niemals durchsetzbar wäre. Damit würden wir bezüglich Lohnniveau wieder Boden gut machen. Wie lange das gut gehen würde, kann aber niemand sagen.
Ich glaube, dass die Energiekostendiskussion für große Konzerne überzogen ist, denn diese haben ihre eigene Energieversorgung und leiden daher nicht unter Netzentgelten oder hohen Stromsteuern, allerdings unter der CO2-Abgabe (das kann man ändern). Zumindest in dem großen Konzern, in dem ich gearbeitet habe, waren die internen Stromkosten maximal ein Drittel der Kosten für meine private Stromversorgung aufgrund der eigenen Energieerzeugung.
Gruß
Klaus