Music was my first love........and it will be my last....

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Quhpilot

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Hallo Ihr Lieben,

...ich will Euch eine Geschichte aus meinem Leben erzählen.

Warum der Titel ? Nun.....weil es bei mir genau so ist wie der legendäre Titel von Mr. Music himself John Miles "Music was my first love........and it will be my last....."


Ich kann Euch versichern das meine Erzählung der Wahrheit entspricht, da ist nix gepimpt, spannender gemacht, geschönt oder gar erfunden. Genau so ist mein Leben, genau so war und
ist das.


Ich war ein ungewolltes, und auch ungeliebtes Kind. Ich war ein Betriebsunfall der zum denkbar ungüstigsten Zeitpunkt in den Karriereplan meiner Mutter platzte.
Sie wollte mich nicht. Sie wollte auch meinen damaligen Vater und Erzeuger nicht, daher haben die Beiden sich schon während Ihrer Schwangerschaft scheiden lassen.
Gezeugt 1959, geboren 1960............und abgegeben an die Großmutter, sollte sie den Bub großziehen. Ich wurde nicht gestillt und bekam auch keine Mutterliebe, so war das.

Diese Umstände wären eine eigene, echt gruselige und spannende Geschichte wert...........würde hier aber zu weit gehen. Jedenfalls bin ich ein Fremdkörper in der Vita meiner
Familie.
Irgendwie bin ich mein Leben lang nicht darüber hinweg in was für eine Familie ich hineingeschossen wurde. Freunde kann man sich aussuchen......

Jedenfalls verfolgte meine Mutter weiterhin ihre beiden Karrieren.........die berufliche im Nato-Headquarter der Airbase Ramstein, die berufene als Konzertpianistin.

Am Rande........beide Karrieren scheiterten.......der Leidtragende war ich.......obwohl.........mit so wenig Liebe und Zuneigung, umgeben vom Egoismus.......was wäre das
für eine Kindheit geworden ? Man weiß es nicht....

Meine Großmutter, von mir immer Oma genannt war zum Zeitpunkt meiner Geburt bereits Witwe. Ihr Mann , mein Großvater, starb sehr früh an Krebs, ich konnte ihn nie kennen
lernen.
Sie zog mich alleine groß, neben Ihrem Beruf und Ihrer Passion.

Sie war selbständige Klavierlehrerin und bildete auch ein paar Gesangsschüler aus. Sie gehörte zum Verband Deutscher Klavierlehrer und war Gastdozentin in Mannheim am
Konservatorium unter Leitung von Professor Vogel.
In ihrem Haus war immer was los. Sie hatte wöchentlich bis zu 30 Klavierschüler, angefangen von den ganz Jungen Knirpsen mit 6 bis 7 Jahren bis hin zu Abiturienten und Master-
Class-Anwärtern für ein folgendes Studium zum Konzertpianist.

Auch gab es bei Ihr im Wohnzimmer, das Haus war herrschaftlich einmal im Jahr, meist in der Advents-Zeit ein großes Hauskonzert an zwei Tagen. Jeder brillierte an Ihrem alten
Konzert-Flügel mit seinem Erlernten. Es gab Kaffee und Kuchen.

Ich saugte also schon Musik auf..........nicht mit der Muttermilch.......eher mit Ersatzstoffen......Milupa-Kind.

In meinem zarten Alter von ca. 3 Jahren entdeckte meine Großmutter das ich wohl mit einigen Talenten auf die Welt kam. Vorallem aber bemerkte sie das ich wohl mit dem
"absoluten Gehör" gesegnet war. Mozart sagte man das ebenfalls nach, und noch vielen berühmten Komponisten .

Im Alter zwischen 3 und 4 Jahren war ein großer Fest-Umzug in der Nachbarstadt, in Landstuhl/Pfalz. Die Stadt feierte die 750 Jahre ihres Bestehens. Im Umfeld Kaiser
Barbarossa´s und der Burg Nanstein in Landstuhl waren viele Ritter zu Fuß und hoch zu Roß als Teilnehmer in diesem Fest-Zug.

Wieder daheim komponierte ich meine ersten Werke am Flügel über die "Rostigen Ritter" von damals.
Wie gesagt, ich war so knappe 3 Einhalb..........konnte noch nicht lesen und schreiben, ich konnte auch keine Noten...........ich konnte auch noch nicht mal Fahrrad fahren
und war noch Nichtschwimmer.
Aber am Konzertflügel Lieder komponieren, aus dem Gedächtnis heraus, mit Texten und Melodien, das Erlebte darstellen, das konnte ich schon.

Meine Oma war so stolz.

Ein gewisser Druck und Ehrgeiz seitens meiner Großmutter entstand um mich rum. Ich sollte eine fundierte Ausbildung erhalten am Klavier. Noten lernen, vom Blatt spielen,
die ganzen Klassiker ein-üben.
Sie spielte mir die Stücke vor , besprach die Noten mit mir, ging dann in die Küche ihrem Haushalt nach und hörte zu wie ich im Wohnzimmer übte.

Es dauerte nicht lange bis sie herausbekam das ich mir das Stück nur vom hören ihres Vorspielens merkte......wenn sie weg war die Noten zuklappte und das Lied dann frei
ohne Noten nachspielte, was man halt so macht wenn man das absolute Gehör hat.....

Einerseits war sie begeistert und überschwänglich vor Stolz und Freude, andererseits nahm ich mir durch dieses "Abkürzen" selbst den Lernerfolg beim anwenden der "Basics"
Also ich kann bis heute keine Noten, notfalls könnte ich mir einzelne Töne auf einem Notenblatt zusammen reimen,zählen,raten.......

Auch verkümmert im Laufe des Lebens das "Absolute Gehör" wenn man es nicht ständig fordert. Ich kann zum Beispiel nicht mehr in meinem Unterbewusstsein den Kammerton
A , oder das Schlüsselloch C auf Anhieb hervorholen und sofort erkennen. Das Gehirn hat solche Abnormitäten nicht mehr vorrätig. Ich muss mir meist das C suchen, liege oft
ein oder zwei Töne daneben.............ist nicht so schlimm..........die Augen sehen ja noch und ich finde die richtige Taste trotzdem.

So vergingen die Jahre, meine Oma war manchmal hoffnungsvoll, manchmal stolz, auch ab und zu mal begeistert, oft verzweifelt oder ratlos und wir Beide gerieten immer
öfter aneinander, da unterschiedliche Auffassungen und Ziele.
Sie wollte unbedingt einen außergewöhnlichen Konzertpianisten aus mir machen.

Sie war auch der klassischen Musik regelrecht verfallen und tat sich schwer an moderner U-Musik was positives zu finden. Mir ging das da ganz anders. Mein Musikgeschmack
wuchs und wuchs......die Pupertät kam näher........Pink Floyd oder Genesis waren mir näher als Bach und Brahms.........

Die Pupertät veränderte sehr viel bei mir.
Die Haare, damals blonde Locken wurden lang und länger, schulterlang.....
Ich wurde rebellisch und hätte gerne außer dem Konzertflügel auch andere , elektronische Tasteninstrumente gespielt.
Ein Generationskonflikt war unausweichlich.

In dieser Phase nahm meine Großmutter wieder Kontakt zu meiner Mutter auf. Sie wusste nicht mehr weiter mit mir und so kam es das ich mit knapp 15 aus meinem häuslichen
Umfeld rausgerissen wurde und zu meiner Mutter in die Familie kam.
Sie war verheiratet mit einem Kripo-Beamten und hatte zwei weitere Söhne, meine Stiefgeschwister. In dieses Reservat wurde ich hineingepfercht und sollte mich unterordnen
und anpassen. Meine beiden Stiefbrüder waren die Chefs und ich mal wieder der "Fremdkörper".
Mein Älterer Stiefbruder stellte was an, petzte es an meinen Stiefvater, der glaubte ihm..........ich bekam die Tracht Prügel.

Heute ist mir das völlig unverständlich wie ein Kriminal-Hauptkommissar, psychologisch geschult, so ungerecht, stümperhaft, gewaltbetont und brutal Erziehungsaufgaben wahr
nahm. Meine Mutter mischte sich nicht ein, sie ertränkte lieber Ihre Sorgen. War sie doch immer noch neidisch und eifersüchtig auf mein musikalisches Talent , das Ihr fehlte und
verhinderte das sie eine erfolgreiche Pianistin wurde.

Meine musikalische Entwicklung stockte auch gewaltig. Talent alleine reicht ganz sicher nicht aus. Da muss auch noch Konsequenz, Zielstrebigkeit und viel Fleiß dazu kommen.
All das fehlte bei mir.

Mein Stiefvater hatte vermutlich öfter mal ein schlechtes Gewissen wegen seinen Psycho- und Gewaltmethoden zur Erziehung.......jedenfalls war er der treibende Faktor meine
Musikkarriere in andere Bahnen zu lenken. Er unterstütze mein Wunsch nach modernen, elektronischen Instrumenten. Ich bekam eine Orgel aus dem Hause Yamaha und einen
ortsansässigen Orgel-Lehrer der viel Spaß mit mir hatte. Konnte er sich doch das ganze didaktische, Noten-orientierte Lernen sparen, er spielte mir die Lieder und nächsten
Lern- und Perfektionsschritte einfach vor und ich übte aus dem Gedächtnis und aus dem Gehör heraus. Ich machte durchaus Fortschritte.

Weiter bekam ich meinen ersten echten Synthesizer, ein Poliphonen Kawai, quasi das modernere Gegenstück zum berühmten "Moog".
Im Ort waren zwei gleichaltrige Jungs, einer spielte Bass, einer Schlagzeug...................Zack...........die erste Band war gegründet. Die Dorfjugend hörte davon.......schon
hatten wir Groopies, die waren zwar ein-zwei Jahre älter als wir, deren Freunde fuhren schon Auto, egal.......wenn wir Probe hatten saßen drei hübsche Mädels vor unserer
Schlagzeug-Base-drum auf dem Teppich und hörten den drei Langhaarigen Pickelgesichtern zu.

Im Nachhinein................eine tolle Zeit.
 
Quhpilot

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Erste Auftritte im Keller des Pfarr-Heimes ...........oder bei der Feuerwehr...........so ging meine Pupertät dahin.....

Die Interessen änderten sich........die Mädels auch. Wie gesagt.....mein größtes Problem war mangelnder Fleiß und Zielstrebigkeit. Ich machte nix aus meinem Talent. Alles flog mir
so zu und ich dachte das reicht so.

Jetzt war der Punkt in meinem Leben an dem meine Mutter und mein Stiefvater an mir verzweifelten.
Mit 18 Jahren bezahlte meine Oma den Führerschein und mein erstes Auto.

Der Familienkrach zwischen meiner Mutter und meiner Oma eskalierte erneut.

Wieder wurde ich abgeschoben. Jetzt kann er wieder bei seiner Großmutter wohnen.

Wir wurden aber nie wieder richtig warm, was ich sehr bedauere, und es mir auch sehr leid tut. Schließlich trage ich 50 % Mitschuld an diesem Drama.

Es kam die Lehre...........die auch nur mäßig verlief bei mir.

Es kam die Bundeswehr. Das war neu und spannend.

Ich entschloss mich da Verlängerung zu beantragen und mich für 4 Jahre zu verpflichten.

Meine Großmutter besprach mit mir aber immer mal wieder das Ich Ihr Haus, also mein Geburts- und Elternhaus wohl erben soll, einschließlich dieses Flügels an dem alles begann und
den ich liebte und sehr gerne spielte.

Durch meine Zeit bei der Bundeswehr entlebten wir uns aber mehr und mehr. Ich kam, wenn überhaupt nur Samstag-Sonntag mal heim, oft blieb ich in der Kaserne. Wir entfremdeten
uns immer mehr.

1981 lernte ich meine Frau kennen. Alles ging sehr schnell bei uns. Wir kannten uns zwei Wochenenden da fragte ich sie ob sie mich heiraten will. Sie sagte ja, besorgte alle Unterlagen
und bestellte das Aufgebot 6 Wochen nach unserem Kennenlernen. Weitere 6 Wochen später hatten wir Standesamt-Termin und waren nur 3 Monate nach dem Kennenlernen
verheiratet. Ich zog bei Oma aus, meine Maus auch von daheim, wir bezogen unsere erste gemeinsame Wohnung.

Oma besuchten wir schon ab und zu noch. Die Entfremdung schritt aber fort. Entweder traute sie sich nicht mit mir zu sprechen, vielleicht hatte sie Angst im Umgang mit mir, ich war
echt schwierig..............jedenfalls war keine Rede mehr von meinem Erbe.

Als meine Frau und ich einen gemeinsamen Gardasee-Urlaub hatten verstarb Oma.

Ich wusste von nichts.

Ich kam aus dem Urlaub und wollte ein, zwei Wochen später meine Oma besuchen an einem freien Bundeswehr-Wochenende. Das Haus war verschlossen.

Ich klingelte bei der Nachbarin. Sie öffnete mir die Tür und erstarrte bei meinem Anblick kreidebleich.

"Deine Oma ist gestorben an dem Tag an dem Deine Postkarte vom Gardasee ankam"........
"Sie ist schon beerdigt!"

"Wieso habt Ihr mich nicht verständigt ?" fragte ich.

"Deine Mutter wollte das nicht. Sie wollte ein würdige Beerdigung für Deine Großmutter ! Ohne Dich !"


Ich war geschockt, blutleer , verzweifelt , ohnmächtig.

Aber vorallem hatte ich eine Mordswut im Bauch.

Ich fuhr zum Haus meiner Mutter. Echt zornig klingelte ich Sturm.

Nach langen Sekunden ging die Tür auf und eine aufdringliche Cognac-Fahne schlug mir entgegen.

Ich konfrontierte meine Mutter mit meinen Fragen, aber das Gespräch war mehr als unbefriedigend, und ich wurde immer verwirrter und erstaunter.

Schließlich fragte ich sie was, wenn schon sie und Ihr Mann das Elternhaus geerbt hätten, denn nun aus dem alten Konzertflügel wird, der mir so wichtig war, an dem ich meine
ersten Schritte machte. Ich hing wirklich sehr an diesem historischen Instrument.

Sie entgegnete mir schnippig das sie das Haus an einen amerikanischen Offizier vermieten wird und der bestand auf dem Flügel.

Wenn ich einen Flügel will soll ich dafür arbeiten gehen und sparen und mir einen kaufen............und schlug mir die Haustüre vor der Nase zu.

Unfaßbar, oder ?

Schlechter Charakter, Egoismus, gepaart mit Alkohol-Abhängigkeit..............als Mutter zu Ihrem Sohn.............bis heute für mich nicht nachvollziehbar.

Ich will mich nicht als Waisenknabe darstellen, sicher nicht. Ich war damals ein ganz schwieriger Mensch, nicht gerade liebenswürdig, mir fehlte Reife und Verstand. Ich war auch
aufbrausend, unbeherscht, oft ungerecht.........mir tut vieles sehr sehr leid.
Ich habe es inzwischen auch aufgegeben dafür Schuldige zu suchen, bzw. mich selbst zu quälen. Es ist so wie es ist. Ich habe das nicht gebastelt.....ich kann es nicht mehr ändern.
Es ist Vergangenheit.


Aber vielleicht versteht Ihr jetzt warum mein nächstes, eigenes Intrument eine solch große Tragweite und Bedeutung hat. Diese psychische Last die es trägt, die es trug.....
Ich bin mit Leib und Seele, mit ganzem Herzen Musiker. Das ist eine hoch emotionale Sache bei mir. Ich liebe mein Instrument.

Es dauerte einige Jahre............wir wohnten in Saarbrücken. Wir mussten durch viele Existenz-Täler durch, beruflich......wir hatten viele schwierige Jahre. Ich arbeitet einige
Jahre bei einem Antiqitäten-Händler in Saarbrücken. Ich half Elsässer- und Lothringische alte Eichenschränke zu restaurieren.
Dafür bekam ich abends Geld bar auf die Hand.

Ein Teil ging für das Leben drauf, zum Einkaufen, manchmal war was übrig das ging in die Spardose.

Irgendwann, es war schon 1995............hatte ich soviel Geld zusammen das ich mir ein neues Instrument kaufen wollte.
Es gab in Saarbrücken ein Piano-Haus das ausschließlich gebrauchte Instrumente hatte.

Und da stand er.

Ein 2 mtr. Konzertflügel um die Jahrhundertwende. Mit Schellack und Elfenbeintastatur. Ein Schiedmayer & Söhne aus Stuttgart. Renomiertes Haus. Sicher nicht so berühmt
wie Steinway&Son , oder Blüthner oder Bechstein. Aber solide Handwerkskunst, langlebig, einen tollen Klang.
........und er könnte zu bezahlen sein.

Der Händler wollte 6000,-DM dafür haben. Mit Transport,Aufbau und Feinstimmung vor Ort.

Ich konnte zwei Drittel anzahlen und den Rest in Monatsraten zum Händler hinbringen bis wir ein Haus gefunden hatten und von Saarbrücken dann in die Heimatstadt meiner Frau
nach Blieskastel umgezogen sind.


Seit 1996 steht dieser wunderschöne Konzertflügel in unserem Wohnzimmer, also seit 26 Jahren.



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Nun 26 Jahre ist eine lange Zeit. Ich liebe dieses Instrument. Es ist ein Teil meines Lebens...........vorallem tief drin in meinem Herzen.............nach DER Vorgeschichte !

Aber man wird älter, kränker, Dinge ändern sich, das ganze Leben ist eine ständige Veränderung.

Ich stellte fest in letzter Zeit das ich aufgrund von kleinen Zipperlein (Metallplatte im Handgelenk, eingeklemmte Sehne am Zeigefinger,beginnende Gicht....) immer schwerer
spielte. Ich hatte nicht mehr die Kraft, die Technik, ich machte zu viele Fehler die nicht auf mangelnde Konzentration oder Perfektion zurück zu führen sind. Ich bin unzufrieden
mit mir. Ich spiele nicht mehr oft. Ich leide.....

Da Jutta und ich ja stramm auf unsere Rente zu marschieren beschlossen wir uns räumlich zu verändern in den nächsten Jahren. Wir werden uns ganz sicher drastisch verkleinern.
Wir brauchen nicht 120 qm.
Aus gesundheitlichen und aus Umzugsgründen werden wir uns verändern. Also beschloss ich schweren Herzens jetzt schon meinen geliebten Flügel zu verkaufen. Wenn wir umziehen
wollen und ich dann anfange mein Instrument zu veräußern wird das ein zeitliches Fenster das unkalkulierbar ist.
Ein über 100 Jahre altes, 320 Kilo schweres Instrument verkäuft man nicht mal eben in einer Woche. Da muss entweder ein Händler/Restaurator gefunden werden oder ein Liebhaber
und Kenner.
 
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Quhpilot

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Anfängliche Erfolge blieben aus auf das Inserat. Es meldeten sich die typischen "Saarländischen "Ei ich will mol gugge...."! Und es meldete sich eine professionelle Restauratorin die ein
Geschäft witterte und den Flügel am liebsten geschenkt haben möchte.

Und dann war es soweit im April 2022.

Eine nette Familie meldete sich bei mir. Der Junior, gerade mal 16 Jahre jung nimmt seit 9 Monaten Klavierunterricht. Er hat schon ein altes Klavier und ein E-Piano. Er ist mit großem
Talent gesegnet und er soll einen Flügel bekommen, auch weil wohl neue Räumlichkeiten zur Verfügung stehen demnächst.

Es wurde ein Termin vereinbart und sie reisten an. Ich war ab dem ersten Ton von diesem Jungen Mann so begeistert. So ein Talent. So ein Gehör. Ich kann nicht glauben das er erst seit
9 Monaten Klavier-Unterricht erhält. Die Eltern so stolz. Er selbst durchaus selbstbewusst und aber auch ehrgeizig und zielstrebig. Er ist echt klasse der Bub, viel besser als ich.
Einzig mit meinem Gehör konnte ich Ihn beeindrucken.......

Wir wurden uns schnell handelseinig. An Tim verkaufe ich sehr gerne, weiß ich doch das mein geliebter Flügel nicht bei einem gefühllosen Händler landen wird sondern von einem Talent
genutzt wird. Der Jugend gehört die Zukunft ! Hoffentlich wird das Instrument seinen aufstrebenden Weg sehr lange begleiten.

Tja, Abschiedsschmerz kommt doch sehr stark auf bei mir . Geweint habe ich auch etwas in einem stillen Moment. Dafür schäme ich mich nicht. Wer jetzt meine ganze Musikgeschichte
gelesen hat weiß wie wichtig mir der Flügel war.

Und dann war es diese Woche soweit. Die Fach-Spedition traf ein, Tim und seine Eltern waren da.........ein letztes Mal gespielt......die Monteure machen Ihre Arbeit gut und zuverlässig.

Nun ist er weg.

Ein großes Loch in meinem Wohnzimmer.............und in meinem Leben !
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Ohne Musik kann ich nicht leben. Musik ist meine erste Liebe...........

Ohne Instrument bin ich nur ein halber Mensch !

Auch wenn ich weit weg von guten Musikern bin.....ich muss ein Instrument haben und immer wenn mir danach ist mich daran setzen können und der Welt entfliehen.


Aber........

ich bin neu verliebt ! Ich habe mir in den letzten Monaten soviele Informationen wie nur möglich angeeignet. Auch habe ich immer noch ein Gehör. Und ich war sofort ab dem
ersten Ton verliebt in ein besonderes Instrument. Es ist der RollsRoyce der E-Piano´s. Diese "Roten" Instrumente spielt alles was Rang und Namen hat in allen Stil-Richtungen.

Ich muss ein NORD Piano 5 haben. Ich muss ! Das ist eine emotionale Bauchsache mit einem Instrument. Das kann man nicht rational erklären. Ein Instrument hat eine Seele....

Und es spiegelt die eigene Seele nach außen. Das ist nicht Technik.............DAS lebt !

Es gibt im Saarland einen einzigen Händler für NORD. Der hatte einen Vorführer vom Piano 5 .

Den hat er vor 4 Wochen verkauft. Blöd...........aber ich kann kein Instrument reservieren wenn ich nicht weiß wie lange mein Flügelverkauf dauert.

Sehr betrübt und niedergeschlagen bin ich nach meinem Motorrad-Urlaub zu dem Händler gefahren und wollte mich eigentlich nur mal nach den Möglichkeiten erkundigen wie und
ob er überhaupt wieder ein E-Piano von NORD bekommt.

Ich gehe in den Laden und sehe das Piano......beim annähern kann ich an der Rückseite den Schriftzug NORD Piano 5 erkennen.

Ich war überglücklich. Ich bekomme genau dieses Instrument und genau zu meinem Vorzugspreis mit Zubehör !

Was bin ich so glücklich............eine große Lücke in meinem Leben wird nur einen Tag später wieder geschlossen.

Das Leben ist Veränderung. Von mir erzwungene Veränderung.......aber mein Plan geht voll auf. Ich bin so glücklich.


Gestern war ich beim Händler und habe mein neues E-Piano abgeholt.

Ich präsentiere: Ein nagelneues High-End E-Piano der Marke NORD Piano 5 in Wohnzimmer vom Quhpi !!!!


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Ist es nicht eine Schönheit und ein Hingugger ? !!!!
 
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eine schwarze Quh,
Ich habe das E-Piano erst seit gestern............aber ich bin sowas von begeistert. GENAU mein Instrument ! Bin echt verliebt.

Heute morgen habe ich dann nach kurzem Üben gleich mal ein Video und Demo aufgenommen. Der Sound ist nicht nur daheim bei uns auf der großen Anlage überwältigend.........er
ist auch auf den Studio-Kopfhörern einfach bombastisch. Natürlich kann ich die Möglichkeiten die das Instrument bietet nicht annähernd ausschöpfen, auch muss ich mich noch durch
Stunden von Tutorials durcharbeiten bis ich wenigstens mal 20 % der Funktionen verinnerlicht habe.

Aber was jetzt geht bei mir kann sich gleich schonmal von Anfang an hören lassen, Feinheiten kommen mit zunehmender Praxis ganz sicher.

Zur Technik. Die GoPro lief nur mit, den Ton habe ich gelöscht.
Ich habe den Sound direkt aus den Line-Out-Ausgängen des E-Piano´s in den Microfon-Eingang meines Olympus LS P1 Audio-Recorders per Adapter-Kabel eingespeist.

Keine Bearbeitung, out of the Box.........also out of the E-Piano. Bearbeiten oder "Sound-Engeneering" kann ich sowieso nicht, ich Technik-Chaot.

Ich bin schon ein klein wenig stolz.





Also ich habe wieder soo viel Spaß am selber Musik machen. Mir hat wirklich was gefehlt in meinem Leben. Musik ist halt doch ein Teil meines Lebens.

Music was my first love..........and it will be my last........

sang John Miles......leider auch nicht mehr unter uns......

Er hat so Recht.

Musik war meine erste Liebe..............und wird auch meine Letzte sein......



Übrigens bei dem sensationellen Flashmob spielt der Keyboarder der Band ebenfalls ein NORD, ein kleines Elektro.......

 
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Eine traurige aber auch schöne Geschichte!
Danke dass Du uns da teilhaben lässt, ich finde es ist eine sehr intime Geschichte!

Ich selbst bin leider so was von talentfrei, was Musik machen angeht.
Dafür hör ich lieber zu, oder lege von der "Konserve" auf.
 
QVIENNA

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Ok, du machst jetzt auf Ray Charles 👍 Dann freuen wir uns schon jetzt auf ein paar Videos 😁

Wir haben unser Piano (meine Frau war am Konservatorium) schon vor gut 10 (?) Jahren verkauft, an eine Musikschule für wenig Geld. Da ist es aber super aufgehoben ✌ Meine Gitarrensammlung hab ich schon davor weggegeben, das wäre nichts Vernünftiges mehr rausgekommen, mein Talent war - im Gegensatz zu deinem - recht überschaubar 😝
 
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Respekt...
Schön (und erschütternd) geschrieben :super:

Um den "perfect pitch" beneide ich dich. Ich merke bei mir, dass das hörbare Frequenzspektrum beim Musikhören schon nachlässt (bin Bj 1968).

Wünsche dir aber viel Spas mit deinem Nord Piano 5.

So long...
Yves
 
gshogi

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Geschichten, die das Leben schreibt.
Aber das:
1981 lernte ich meine Frau kennen. Alles ging sehr schnell bei uns. Wir kannten uns zwei Wochenenden da fragte ich sie ob sie mich heiraten will. Sie sagte ja, besorgte alle Unterlagen
und bestellte das Aufgebot 6 Wochen nach unserem Kennenlernen. Weitere 6 Wochen später hatten wir Standesamt-Termin und waren nur 3 Monate nach dem Kennenlernen
finde ich am Beeindruckendsten. 👍
 
qtreiber

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Beeindruckend!

Kaum einer hätte diese, seine Lebensgeschichte, bzw. einen Teil davon, so offen und ehrlich verbreitet. Ich gehöre dazu! Allerdings kann ich als Scheidungskind, und zu meiner Zeit waren Scheidungen totale Ausnahmen (zur Grundschulzeit immer das einzige Scheidungskind in der Klasse), überhaupt nicht klagen. Sowohl zu meinem leiblichen Vater als auch zu meinem Stiefvater hatte ich zu deren Lebzeiten immer sehr guten und innigen Kontakt. Beide Gräber werden besucht und in Ordnung gehalten. Zwischenzeitlich macht mir eher meine 88jährige Mutter Sorgen. Das gehört aber, altersbedingt, dazu. Früher hat sie sich um mich gekümmert, jetzt kann ich davon etwas zurückgeben.

Zur Musik: Aus dem Schulchor wurde ich nach drei Stunden rausgeworfen. Nicht weil meine Gesangsdarbietungen total daneben waren. Bedauert habe ich dies nicht. :wink:

Frage: Wie lange brennt ein Klavier? Danke von einem der keine Ahnung von Musik hat!

Zu "Music was my first love" haben wir in Teenagerzeiten engumschlungen getanzt. So eng, dass nur ein einziger Umriss vom Tanzpaar zu erkennen war. Die Vorfreude lief uns ... nicht jugendfrei!
 
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rd07

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@gshogi und Quhpilot, das kenn ich auch. Meine Nachbarin ist im Juni in die Nachbarwohnung eingezogen (flüchtige Freundschaft), im März dann zu mir umgesiedelt, im Juli geheiratet, und letztendlich ist dann unsere Tochter im Februar zur Welt gekommen. Die ist mittlerweile bereits 18.
Auch sehr spontan und trotzdem ganz schön ausdauernd.
 
udob

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Hut ab für die Offenheit.

Dazu passt ja einer meiner Lieblingssprüche:

Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Ich wünsche Dir noch viele Jahre mit dem Nord-Piano, viele kalte Biere (muss ja nicht in Gibraltar sein), viele abgefahrene Reifen und viel Erfolg bei der Reha.


:-) :-)
 
Q_Treiber_Josef

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Salü

Dnke Jürgen für deine Lebensstory, du könntest ein Buch schreiben und auflegen, liest sich gut.

Josef
 
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zyklotrop

zyklotrop

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Respekt für deine Offenheit. Gegen alle Widrigkeiten bist du deinen Weg gegangen. Ich habe den Eindruck, das dich deine Geschichte auch stärker gemacht hat. Ich bin früher auch häufiger angeeckt und war nicht Eversbodys Darling. Seit einigen Jahren ist die"Altersmilde" gekommen. Seitdem ist es entspannter. Ich kann das also ein wenig nachvollziehen.
Musik war für mich früher auch manchmal eine Art Flucht. Aber nur das hören. Selbst bin ich absolut talentfrei.

Den über 100 Jahre alten Flügel dort stehen zu sehen, hatte schon was besonderes. Das sieht man nicht oft. Ich hoffe dein Norden gibt die, was er gegen soll.
Und dein Spontantrip nach Gibraltar zeigt auch, dass du verstanden hast: Das Leben ist jetzt.
 
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Bernd1901

Bernd1901

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Bewegend und zu gleich auch schön... auch wenn es eine harte Zeit war....
Aber sie hat dich zu dem gemacht der du bist... und der scheint gut geraten zu sein!
 
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Jürgen als du mir kürzlich erzählt hast, dass du hier ein Thema in einem eigenen Thread ansprechen willst - verraten hast du mir nichts ausser 2/ 3 Stichworte - hätte ich mir so eine Geschichte nicht vorstellen können.
Hut ab wie du das ganze gemeistert hast und was du trotz dieser schweren Kindheit für ein Mensch aus dir gemacht hast.

Genieße weiter dein Leben jetzt mit deiner 2. und 3. Liebe :wink:

Wie ist denn der Anschlag auf dem Nord 5 kann man das mit Klaviertasten vergleichen?
 
Quhpilot

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@LaCy-boGSer Ja, definitiv, es ist eine dreiphasige Mechanik. Man kann sehr zart, betonter oder Staccato anschlagen und man hört das auch. Allerdings mit weniger Kraftaufwand, und ich muss zugeben, die Kunststofftasten lassen sich mit weniger
Kraft spielen als die Elfenbeintastatur.
 
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