Psycho-Trip nach Briancon oder meine 2025er Moped-Tour

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Jungfux

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Ok, die Reise geht weiter…

Die Tage werden schon wieder länger und heute ist mein Geburtstag.
Aber meinen Wunsch, den Reisebericht meiner Abenteuer-Reise 2025 nieder zu schreiben, kann ich mir nur selber erfüllen.
Vielleicht geht das mittlerweile auch über KI, jedoch bin ich ein Dino was diese Technik angeht.
Habe jedenfalls heute ins GS-Forum geschaut, ob schon jemand für mich angefangen hat zu schreiben und entdecke eine nette Anfrage im Postfach, ob es denn dieses Jahr keinen Reisebericht von mir gibt. Sehr nett, wie ich finde und Motivationsschub.
Ich schreibe meine Berichte ja, indem ich mir meine gemachten Fotos anschaue und dadurch die Story und Begebenheiten erinnern kann. Hier wird nix übertrieben oder beschönigt. Die Realität ist meist schon kraß genug. Ich weiß auch, dass meine Art zu reisen ist nicht jedermanns Sache ist.
Jedoch ist jeder seines Glückes Schmied und ich habe dafür auch keinen 3 m² TV im Wohnzimmer, sondern garkeinen.

Beim Vorabcheck finde ich auch noch ne Anfrage, nach weiteren Geschichten von mir im Forum.
Darum füge ich mal kurz alle meine Titel der bisher geschilderten Erlebnisse ein.

Meine 10 Tage Alpentour - Schweiz, Italien und Frankreich

Ketsch, Bitche, Vogesen, Bitche - drei Tage Frankreich

Auf der Suche nach dem Salamander

Meine Stella-Alpina-Tour 2024 mit Ziel Nizza. Oder: Von Ketsch nach Castellane

Na also, wollen mal schauen, ob ich mich wieder so konzentrieren kann, dass es spannend wird. Denn spannend war die Reise wieder allemal.
Will aber nicht zu viel vorgreifen. Nur soviel, das Leben hat mich wieder einiges gelehrt und ca. 8 m freier Fall fast unbeschadet zu überleben, fühlt sich schon extrem lebendig an.
Nun denn, let´s rock and roll.

Tag 1: Wer meine bisherigen Reiseberichte gelesen hat, weiß, dass ich es spartanisch und simpel liebe. Nur das Nötigste dabei und alleine unterwegs, Smartphone als Navi und dennoch ein paar Blätter Landkarten aus meiner alten Autokarte farbkopiert. Ansonsten alles auf meine Ein-Mann-Show ausgerichtet, kleines Zelt (mittlerweile 2,5-Mann-Zelt, also voll das Folien-Luxusappartment).
In dem großen Alukoffer ist unten ne Schickt Werkzeug, Kabelbinder Schnur und Zeug, darüber die Klamotten und ein kleiner Ölkanister. Im kleineren Koffer ist der Kocher mit Spiritus, Wasserflasche und der Schlafsack und meine Futtertasche. Direkt unter dem Deckel liegt gleich mein Regenmantel, wegen Schnellzugriff sozusagen. Isomatte und Zeit jeweils oben drauf geschnürt und ganz wichtig für mich, mein Handpan.
Jo, so geht es los von Ketsch bei Mannheim auf der A5 Richtung Karlsruhe, Stuttgart. Bei Ulm runter auf die B10, danach wieder BAB nach Memmingen. Oh, was soll ich erzählen?
Das schöne Profil auf der Autobahn ab radieren ist kein so tolles Gefühl. Mein Tagesziel ist dieses Mal gleich Chiavenna in Italien und ich freu mich schon riesig heute Abend dort was Warmes zu futtern. Das Bild im Kopf ist mein Antrieb für heute.
Wobei natürlich schon der Weg das Ziel ist und ich jeden Augenblick genieße.


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Die Schweizer sollen dieses Mal außer ihrer Vignette keinen Pfennig von mir bekommen.
Letztes Jahr wurden mir dort meine Handschuhe vom geparkten Krokodeel geklaut und nen Strafzettel gab es auch noch. Ich bin nicht nachtragend, aber das habe ich mir gemerkt.
Das Navi zeigt für die ganze Strecke ca. 5 Stunden an. Warum soll ich mich also in der Schweiz wieder ausrauben lassen und einen Tag Urlaub (bzw. eine Nacht am Campingplatz) vergeigen?

Mein Ziel ist nicht in die sog. Zivilisation, sondern Natur-pur-Erlebnisse und das All-eins-sein.
Albert Einstein sagt: Wahnsinn ist, immer wieder das gleiche zu tun (oder zu wählen) und andere Ergebnisse zu erwarten. Was ein kluger Mann.

Als Wetter-App nutze ich The Weather Channel, die hat nämlich den Vorteil, dass die mit ganz wenig Datenvolumen (also sehr flottem Seitenaufbau) ein Wetterradar der Regenwolken für ganze Welt erstellt, (wenn man kleiner zoomt) und dazu auch noch eine sechsstündige Vorschau hat.
Damit bin ich schon oft zwischen den Regenwolken durchgefahren, wenn man zur richtigen Zeit losfährt. Während der Fahrt immer wieder mal checken, was die Wolken machen und ob man besser Pause macht oder Gas gibt. Ja, aber irgendwie war ich zu schnell und als ich bei Ulm runter auf die B10 abfahre, duscht es mich mal kurz ab. Das geht so schnell, dass ich in 5 min echt geduscht bin. Anhalten geht nicht, weil es keinen Standstreifen gibt und bis ne Haltemöglichkeit kommt, bin ich schon angefeuchtet. Da habe ich nicht aufgepaßt. Ich hätte langsamer machen müssen, um die kleine Gewitterzelle zu vermeiden.

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Als ich in die Schweiz einfahre, gibt es wieder so eine Situation, in der es besser ist, die Wetter-app zu checken um trocken weiter zu kommen. Echt genial diese App, denn wenn sich der Himmel zuzieht und es zu regnen anfängt, ist es für mich ein tolles Gefühl, wenn ich genaue Info abrufen kann, was da über mir rumschwebt und bis wann der Himmel wieder trocken ist. So war es dann auch bei Hohenems, als die App mir zeigt, dass der Regen in 20 min weg ist.
Na, da stell ich mich doch lieber unter und warte ab.

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Um 17:42 bin ich zwische die Regenwolken geraten.



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Aber ein Blick auf die Vorschau zeigt, dass es um 18:05 schon wieder weiter gezogen sein wird.



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Als ich später an Chur vorbei fahre, blicke nach links auf die Berge und erinnere mich an den genialen Blick von dort oben runter auf Chur. Letztes Jahr saß ich dort oben mit meinem Handpan und habe den Blick auf Chur genossen und Musik gemacht. Ich liebe es, einmal von dort nach hier zu sehen und dann in die Gegenrichtung. Aber das ist nur ein kurzer Moment und schon bin ich vorbei.
Später bei Thusis geht es runter von der Autobahn.


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In der Schweiz hängen die Wolken tief, aber es ist trocken.


Habe gerade noch die richtige Ausfahrt genommen, wäre fast vorbei gedonnert.
Mir ist wichtig, das letzte Stück über die schöne Landstraße zu fahren, um mich auf meine Reise einzuschwingen. Als ich kurz darauf am Sufner See vorbei fahre und wieder kurz darauf auf den Splügen-Pass abbiege, da ist mein Glück vollkommen und das Abendteuer beginnt Jetzt.
Das ist die Art von Straße, die ich so liebe und wofür ich die BAB-Anfahrt gemacht habe… um möglichst schnell hier her zu kommen. Am Lago di Montespluga ist mein Glück fast perfekt. Geniale Landschaft, tolle Erinnerungen, aber schei..kalt und das einzige was ich im Bauch habe, ist Hunger.


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Erinnerungen an das Jahr davor werden wach. Dieser Wasserfall hinten am Ufer war letztens so laut, dass ich Ohrenstöpsel begraucht habe, um zuschlafen.

Jedoch ist Chiavenna nicht mehr weit und bis dahin geht es auch nur noch bergab,. d.h. es wird mit jedem Kilometer wärmer.

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Auf der Straße vom Lago nach Chiavenne kommt irgendwann dieser Abzweig.


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Dort ist ein kleines verlassenes Dort. Krasse Gegend aber alles eingezäunt wie daheim.



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Um 20:32 fahre ich nach Chiavenna rein und erfreue mich über die noch leuchtende Bergspitze.


Ich habe auf meinen Bildern im Ordner die Detailansicht entdeckt. Jo, da steht auch die Uhrzeit drauf. Bin dann zu Fuß zum Restaurant am zentralen Platz gegangen, habe lecker gefuttert und das Tagesziel gefeiert.



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Mittags bei Mannheim losgefahren, um in Chiavenna ne Limo zu schlürfen...


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... was zu futtern und...


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ein Eis zu schlotzen.

Allerdings ist es schon spät und ich habe noch keinen Schlafplatz. Ein Eis muss aber auch noch sein und das Krokodeel darf natürlich auch mal schlotzen. Im Urlaub kann ich mich immer freuen wie ein Kind. Aber jetzt die Frage, wo schlafen. Hier unten finde ich keinen Platz zum wild campen, ist klar.
Also wieder den Pass hoch. Ich suche und suche und finde nix.
Bis ich die Suche aufgebe und wieder ganz hoch fahre an den Lago di M.
Da weiß ich, dass ich wild zelten kann.

Ahjo, dort oben ist immer noch schei..kalt und noch dazu weht mittlerweile auch noch ein echt krasser Wind. Es bleibt mir nur die Chance, mein Zelt im Windschatten eines Steinhauses aufzubauen. Ansonsten hätte es die ganze Nacht so laut geraschelt, dass ich kein Auge zu gemacht hätte, das kenne ich schon. Und als endlich alles aufgebaut ist und das Zeug, dass ich für die Nacht brauche im Zelt verstaut ist, genieße ich die krasse Natur, Sturm und kalt während ich noch aus dem Zelt in den Sternenhimmel schaue. Unweit entdecke von mir an einer Steinmauer ein Glühwürmchen.
Ich traue meinen Augen kaum und mein Jubelschrei wird vom Sturm verschluckt.
Ich liebe diese Leuchttierchen. So krabbel ich nochmal aus dem Zelt, um von diesem Tagesabschluss-Geschenk ein Foto zu machen.
Im Blitzlicht sehen die Tiere völlig unscheinbar aus.


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22:33

Aber ich bin glücklich, denn für mich sind das die Zeichen des Lebens und der Sterne,
die mich behüten und den rechten Weg zeigen.

Gute Nacht mit Sonne und Mond im Herzen.
 
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Ich finde, das hast Du sehr schön erzählt. Hat Spaß gemacht, das alles zu lesen, und dabei ist noch nicht mal was sehr spektakuläres passiert. Das kann ja noch heiter werden :-)

Chiavenna ist übrigens einer meiner Lieblingsorte in der Lombardei. Irgendwie ein ganz cooler Ort mit tollen Sehenswürdigkeiten und abends immer schöner Lichtstimmung (gerade am Fluß).
Und das verlassene Dorf bei Vho werde ich das nächste Mal auch ansehen. So nah wie es halt geht.

Das Hochtal bei Montespluga finde ich übrigens auch sehr schön. Leider ist oben immer entweder kalt oder sehr windig, würde da auch gerne mal ein bißchen mehr erkunden.
 
Jungfux

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Danke AxelF für die schöne Rückmeldung und all den anderen fürs gefällt mir.
Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, weiter zu schreiben.
Für einen Tag in der Form brauche ich schon mitunter vier Stunden.
Aber ich habe selber voll Bock drauf, die ganze Geschichte nochmal im Kopf zu durchleben.
Also freut Euch auf die Fortsetzung. Der Knaller kommt am letzten Tag, genau wie bei meiner Reise im Jahr davor... Zum Glück immer unbeschadet überlebt und auf eigenen Rädern bis nach Hause.


Hier noch ein paar Fotos vom ersten Tag.
Hoffentlich könnt ihr auch die Stimmung genießen.


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19:38 Nach dem Lago di Montespluga schlängelt sich die Straße immer weiter runter bis Chiavenna.
Das Schöne dabei ist, dass es immer wärmer wird, um so tiefer man kommt.



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19:43 Hier fängt der Urlaub und die Freiheit an, denn jetzt darf ich auch wieder Geld ausgeben.





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Ja, Chiavenna ist auch ein echt netter Ort.


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20:43 Zwischen diesen riesigen Bergen eingezwickt mit dem Fluss.
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Mein Plan ist, dass ich meinen Schlafplatz dort suche, wo der Abzweig nach VHO ist. Aber dort ist alles eingezäunt und es stehen so komische Schilder, die mir nicht geheuer sind. Gebe die Suche aber nicht auf und dann finde doch noch eine Stelle, wo ich nächtigen will. Es ist eine kleine Wiese am Straßenrand sicht-geschützt zur Straße durch einige Felsbrocken, hinter die ich mein Motorrad stelle. Überlege, ob das schlau ist... ist ja nur für eine Nacht. Mittlerweile ist es stockdunkel. Wird mich doch keiener entdecken in der Nacht, denke ich und fange schon an mein Geraffel abzuladen. Aber dann entdecke ich diesen Stein mit der Aufschrift, die ich google. Ja, nee, eindeutig, die wollen Leute wie mich hier nicht - auch nicht für eine Nacht.


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21:53 Klare Ansage und ich liebe klare Ansagen.


Also das Krokodeel nochmal angelassen und Abfahrt.
Im Stockdunkeln weiter suchen nach einem Schlafplatz. Oh, was für ein Urlaub, warum mache ich das so? Und am Ende bleibt mir nix anderes übrig, als die ca. 20 km zurück zum Lago zu fahren.
In dem engen Tal hätte mir der Morgen eh nicht gefallen.
Morgens will ich Weite und Fernsicht - nicht zu verwechseln mit Fernsehen.

Also, warum mache ich das so?
Weil es mir total langweilig wäre, wenn ich eine Adresse von einem vorab gebuchten Hotel hätte und das jetzt suchen müsste zwischen Häuserschluchten, um dann dort einzuchecken und mich dann in ein gemachtes Bett in einem geschlossenen Raum lege.
Bäh, das mache ich das ganze Jahr, also nicht Hotel, aber geschlossener Raum und Bett.
Nee - ich will raus ins Leben und wenn´s mal kalt ist - macht nix, die Kälte macht frisch und wach.

Gute Nacht.
 
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So genau kann ich mich gar nicht mehr erinnern, aber ich denke mal, die Nacht war kalt. Klar, ich liege mit Thermohose im Schlafsack und fühle mich den Naturgewalten so ausgeliefert. Fühle mich dann immer wie auf einer ganz spektakulären Himalaya-Expedition oder so ähnlich. Weiß auch nicht, was mich da reitet. Kann es jedenfalls als was ganz Tolles fühlen, auch wenn es schei..-kalt ist. Das Aufwachen in der Natur hat für mich etwas so Besonderes und es berührt mich so tief, dass mir keine Worte einfallen, ohne dass es schwulstig klingen würde.

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8:28 h ... kann es garnicht glauben, dass es schon so spät ist


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8:25 h Der Tag schleicht sich an.


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Auch 8:28 h


Also kommt mit mir… ich liege im Zelt und merke wie es langsam heller wird.
Stelle mir vor, wie die Erde sich um die eigene Achse dreht und weil es da weiter entfernt diesen leuchtenden Feuerball gibt und der Rand vom Schatten, den die Erde selber produziert, mit ca. 1666 km/h über die Erde saust…
Genial, denn ob Schatten oder Licht entscheidet ob Nacht oder Tag und obwohl die Geschwindigkeit so groß ist, dämmert es nur langsam, die Farben der Natur verändern sich. Erst sind nur Grautöne, langsam kommt immer mehr Farbe ins Bild. Plötzlich tauchen Schatten auf, die Bergspitze wird von der Sonne angestrahlt und leuchtet rot vor dem blauem Himmel, das Gras fängt an in fettem Grün zu leuchten und die ganzen kleinen Blüten der Alpenblumen. Ja, ich liebe es so sehr, schau nur hin, jeden Tag ein Wunder für den, der es erkennen kann.


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8:44 h


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8:54

Es liegt in jedem selber, denn ob Du glaubst, alles wird schlecht, oder ob Du glaubst alles wird gut… Am Ende wirst Du immer Recht behalten, das ist gewiß.
Zur Farbenpracht, der graue Fels leuchtet mittlerweile in der Sonne und hebt sich farblich kraß vom blauen Himmel ab, kommt jetzt ein weiterer Aspekt des Erlebens.
Es wird wärmer. Mein Zelt steht im Sonnenschein und ich sitze mit offenen „Türen“ und lasse mir die Sonne rein scheinen, während ich mir mein Frühstück zubereite. Zum Glück ging es sich gestern Nacht beim Zeltaufbau wieder so aus, dass ich meine Zeltöffnung nach Osten ausrichten konnte. Das mag ich sehr. Dann kann ich noch im Schlafsack dösend, bei offenen „Toren“ die ersten Sonnenstrahlen genießen.
Warum fahre ich alleine? Tja, ganz leicht erklärt. Damit ich bei mir sein kann.
Ich finde es anstrengend, wenn ich immer in Kommunikation sein muss. Es bringt mich von mir weg, kann meinen Rhythmus nicht leben, muss mich anpassen, Rücksicht nehmen, Kompromisse eingehen, diplomatisch sein, auch noch auf den anderen seine Stimmungen acht geben. Nee, mag ich alles nicht. Nur damit ich nicht einsam bin? Nee, ich bin nicht einsam, ich bin mit mir All-eins. Verbunden mit größeren Systemen, geführt, behütet und dankbar für die Ruhe bis Stille. Nur die Geräusche der Natur und ich. Nicht das Gequake: wie hast Du geschlafen, was willst Du frühstücken, Kaffee mit Zucker, oh, der Kuchen ist leider zerkrümelt… Über so etwas möchte ich nicht reden müssen.


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Dann ist es so weit, ich fühle den Wunsch ein wenig Klänge und Musik in die Welt zu spielen. Also nehme ich mein Handpan und setze mich auf einen schönen Hügel, blicke auf den See, sehe mein Zelt und das Krokodeel, auf dem ich bis hierher geritten bin. Wie oft hat sich die Kurbelwelle wohl gedreht, bis ich hier angekommen bin? Oder die Ventile, wie oft sind die auf und zu gegangen… Genial.

Sehe mein ganzes Glück und spiele ein paar Klänge in die Welt, die nur ich höre. Keine Bühne, keinen Applaus. Jeder Ton verschwindet sobald er gespielt wird. Alles ist vergänglich. Die Veränderung ist die einzige Kontinuität. Ach Gott, was fasel ich denn hier? Aber so fühle ich mich mit mir all-eins in dieser schroffen Natur.


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Die Sonne spielt mit den Wolken Verstecken.



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Mal gewinnt der eine, mal der andere.


Stunden später packe ich langsam meine sieben Sachen zusammen. Währenddessen kommt ein Auto angefahren und es kommt sofort wieder das schlechte Gewissen hoch, oh, jetzt gibt es Anschiß. Habe ja was verbotenes getan. Habe wild gecampt auf dem Gelände der Stromfirma… Na und… ich bin doch hier nicht daheim. Hier zählen andere Regeln. Den Leuten im Auto ist es schnurz-egal, ob ich hier zelte oder woanders. Sie fahren vorbei, gehen ihrer Arbeit nach, wegen der sie gekommen sind und fahren kurz darauf wieder an mir vorbei und verlassen den Ort. Ja, so geht´s woanders.

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Letztes Jahr bin ich noch bis da runter gefahren und habe ne Runde gedreht. Oh Mann, war ich verrückt



Der Plan für heute ist, Susa zu erreichen und mir dort lecker Abendessen zubereiten zu lassen. Dafür fahre ich wieder am Lago di Como vorbei. Weiter bis Como, dort auf die Autobahn und die Strecke abspulen. Mir geht fast wieder der Sprit aus. Die Tankstelle kommt einfach nicht und ich verlasse die Autobahn, um zu tanken. Habe gar keine Fotos gemacht. Das Stück der Strecke ist so öde und ich werde es beim nächsten Mal anders machen. Nächstes mal mache ich die Anfahrt über Basel und Genf und dann weiter nach Albertville. Das Navi sagt für diese Strecke ca. 6 Stunden, dann bin ich aber schon mittendrin in meinem „Revier“. Von Albertville geht nämlich schon der Colle delle Roseland los. Auf dem Pass hatte ich ja auch schon mal richtig spannende Erlebnisse und bin nur ganz knapp an einem hurrican-artigen Unwetter vorbei geschrammt. Habe dann am Ende vom Pass runter geschaut auf A. und gesehen, wie über der Stadt eine fette Gewitterzelle tobt und die Welt untergeht. Ich liebe diese Gegend.
Na, egal, bin jedenfalls auf der Autobahn und näher mich Susa.
Endlich, meine Liebe ich komme. Verlasse die Autobahn schon eine Ausfahrt früher, damit ich beim in der Nähe von Bussoleno mein Badezimmer aufsuchen kann, um mich im Fluß erst mal frisch zu machen. Alles bekanntes Terrain, fühle mich wie daheim, nur besser, fahre zu meinem Platz am Fluß. Endlich stehe ich am Wasser, bin verschwitzt, müde, hungrig. Überlege, dass ich weiter hinten an einer anderen Stelle leichter ins Wasser kann, wo es flacher rein geht. Setze mich nochmal auf das Krokodeel, um ca. 150 m an eine andere Stelle zu fahren. Bin mir zu sicher, weil ich hier schon so oft war, bin unachtsam, übersehe den Sand auf dem Feldweg und klatsch… Das Vorderrad rutscht weg und ich kippe um. Alles recht unspektakulär. Nur, was mir noch nie passiert ist, ich gerate mit dem Fuß unter den Koffer. Genauer gesagt, die Kofferecke hat meinen Knöchel wie festgenagelt. Schöne Sch… Beim Sturz hat es mir die Fußspitze außen rum nach hinten gedreht und jetzt drückt mir die Kofferecke voll schmerzhaft auf die Außenseite meines Knöchels. Pah, gefangen vom eigenen Motorrad. So schnell kann es gehen. Kann mich erst gar nicht befreien. Der Fuß ist wie festgenagelt unter dem Koffer. Muss das andere Bein erst mal über den Tank wuppen, um das verdrehte Knie zu entlaste. Jetzt kann ich mich nur mit der Kraft von einem Bein voll in die Karre spreizen, um die Fuhre ein wenig anzuheben. Beim ersten Versuch klappt es nicht, dass ich meinen Fuß frei bekomme. Leck mich ab, fuc., gerade als ich am Ziel bin, passiert mir so eine Ahhhhhhhhhhhh… Der Scherz ist doppelt, körperlich aber auch emotional. Naja, ich komme frei. Dokumentiere alles für die Nachwelt, hebe die Fuhre auf und fahre wie in Trance an die andere Stelle, an der ich ja so leicht ins Wasser kann.
Nur, dass ich jetzt humpel.


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Der linke Fuß festgenagelt vom Koffer und die Zehen zeigen nach hinten.


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Dieser dämliche Sturz hätte auch den Miniskus kosten können oder ein paar Bänder.


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Nur weil ich zu faul war, nach da hinten zu latschen. Aber ich lasse meine Fuhre ungern allein.



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Ich bin echt bedient. Aber nach ein paar Minuten bin ich wieder klar.


Kurz darauf fahre ich nach Susa in „mein Ristorante“ und lasse mir fein auftischen.

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Lecker Pizza mit lecker Aussicht - aber dass man sich so anmalen muss.



Während ich es mir schmecken lasse, fallen mir ein paar Aufkleber auf Verkehrsschildern auf. Die Farben Palästinas, ach nee, an drei Stellen fallen sie mir auf.

Das Essen war lecker, aber irgendwie ist mir schlecht. Was geht hier vor. Was sollen diese Aufkleber hier überall. Bin froh, dass ich kein Rabbi bin. Wer weiß, wie der Abend sonst ausgehen würde. Nach dem Essen fahre ich noch vor an den Platz und hole mir ein Eis – so will ich das im Sommer.

Und später geht es wieder die ca. 10 km raus aus der Stadt Richtung Bussoleno an meinen genialen Platz, um dort wild mein Zelt aufzubauen und zu übernachten, in Mitten der Natur, bei Flußrauschen und Grillenzirpen.

Ein Hund heult in die Nacht.

Es ist echt wie im Film.

Mein Film.

Gute Nacht.
 
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