Hi
Meine Meinung: Was BMW kann, ist z.B. Motorräder modular zu bauen. Ein Grundkonzept und dann kleine Varianten die kaum Aufwand erfordern.
Beim Motor gibt es zwei Varianten. Der eine drehmomentbetont (GS, R), der andere etwas mehr Leistung (RT). Bei der "S" dürfen sich die Techniker immer etwas austoben.
Der Rahmen bei der GS auf agil ausgelegt (dafür auf der Autobahm etwas nervös), der der RT auf spurstabil (als GS-Fahrer kommt damit kaum um die Kurve, dafür liegt die RT auf der BAB wie ein Brett).
Die Gabel bei der GS etwas länger, etc.
Immer das Bestreben möglichst viele Gleichteile bei allen Varianten zu haben.
Bei den 1100 und 1150 sind die Getriebe jeweils identisch. An die Variante angepasst sind die HinterAchsGetriebe (die stärkere RT hat ein längeres HAG).
Bei den neueren Baureihen ist das vermutlich auch so, aber das weiss Klaus besser.
Die 1150 hatten zuerst ein 5+E(conomy) Getriebe, der 6-te war also lang ausgelegt (zu lang). In den nördlichen Tiefebenen brauchbar, aber wenn auf der BAB eine Steigung auftauchte die man gar nicht sah, fiel das Tempo derart ab, dass man runterschalten musste und der Motor dann "japanisch" drehte.
Also wurde die Version "Sport" geboren. Die sieht heute jeder als normal an, aber "normal" ist die lange Version.
Für die Schlammspringer gab es mit Einführung der GSA dann auf Wunsch ein Enduro-Getriebe, sprich der erste Gang ist deutlich kürzer und man kann langsamer fahren, der 6-te ist bei der GSA immer der "Sport". Diese 3 Varianten passen in jede 1150.
Mir war der 1-te und das gesamte Getriebe noch immer zu lang, folglich habe ich das HAG auf den Radsatz einer K750 umgebaut. Das führt dann dazu, dass man auf "Überführungsstrecken" im 6-ten mit hohen Drehzahlen unterwegs ist. Folglich: Das Getriebe zerlegt und den "normalen" 6-ten eingebaut.
In Summe habe ich jetzt mit dem kurzen HAG und dem (eigentlich langen) normalen 6-ten die Gesamtübersetzung der "sport". Alölerdings ist der Sprung von 5 auf 6normal (also lang!) sehr deutlich zu spüren. Aber das ist auch bei den Nicht-Enduro-"Normal"-Getrieben so.
Was BMW auch kann, ist das Abstimmen des Auspuffs. Ich kenne keine legale Zubehöranlage die ohne Zusatzmassnahmen mehr Leistung bietet. Ausnahme war die SR-Komplettanlage, die einzeln auf jeden Motor abgestimmt wurde. Die aber war auch nur "14 Tage" wirklich legal, weil dann der Dämmstoff rausgeblasen war.
Was BMW nicht kann, ist Getriebe konstruieren. Kommt ein Fahrzeug mit einem neuen Getriebe raus, kann man davon ausgehen, dass 3..3 Jahre lang Änderungen am Getriebe gemacht werden. Danach kommt ein neues, besser konstruiertes Getriebe zum Einsatz.
Bei den 1100 hat man gelernt, dass feingegossene Schaltklauen nicht taugen sondern dass die geschliffen werden müssen.
Die 1150er sind weitgehend unauffällig, weil die gröbsten Knaller vom Getriebehersteller vorab "wegkonstruiert" wurden.
Bei den 1200 Lufties war nach 3 Jahren ein neues Getriebe fällig. Auch die Airbox wurde geändert, weil die alte nicht mehr richtig reinpasste.
Die noch neueren Getriebe haben einen anderen Hersteller (wo ich niemanden kenne), hatten aber die gleichen Anfangsprobleme.
Bei den HAG der 1200/4 "musste" man die seit Jahrzehnten übliche Bauweise ändern. Sie waren ursprünglich "filled for life". Das Life war kurz (~ 30Tkm), dann flogen die Wellendichtringe raus. Auch das Öl war überfordert weil es nicht gewechselt wurde.
Folglich kam ab der /06 eine "ungemein praktische" Ablass- und Einfüllschraube dran. Auf "9-Uhr-Position"! (HAG vom Kardan lösen und abklappen damit das Öl rausläuft). Gleichzeitig noch etwas weniger Öl rein, damit sich weniger Druck aufbaut und den WeDi nicht rausdrückt.
Bei der /10 hatte der Konstrukteur (Controller?) begriffen weshalb am alten HAG oben ein Entlüftunggsventil sitzt, und in der Mitte eine Einfüll- und unten eine Ablasschraube ist.
Bei den LC gibt es eine ewig lange Welle im Getriebe. "Natürlich" war überhaupt nicht vorherzusehen, dass das Ding in Schwingung kommt. Man ahnt es: Neue Getriebekonstruktion.
Aber, um abschliessend Nettes zu sagen: Die Boxer lassen sich relativ leicht reparieren. Und es gibt recht lange auch Teile (wird aber zunehmend schlechter).
Ein Witz?
Irgendwann hatte BMW mal beschlossen die Motorradproduktion de facto einzustellen. Anfangs der Achziger Jahre gab es die Teile für die alten 250-er in Nürnberg nur bei einem Ford-Händler! In den Achzigern schickten Niederlassungen(!) Motorradkunden zu freien Schraubern, weil sie niemanden hatten der sich damit auskannte.
gerd