Auf einen Tee nach Marokko

Diskutiere Auf einen Tee nach Marokko im Touren- & Reiseberichte Forum im Bereich Unterwegs; Unglaublich wie sich die Flugpreise durch Corona und den Ukraine-Krieg verändert haben. 2018 sind wir ab Basel per Direktflug für um 100€ pro Nase...
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momo1200

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Unglaublich wie sich die Flugpreise durch Corona und den Ukraine-Krieg verändert haben. 2018 sind wir ab Basel per Direktflug für um 100€ pro Nase nach Marrakesch und zurück geflogen, 2022 selbst 8 Monate im Voraus gibt s nichts unter 250€ und dann mit Umstieg und endlos langen 7 Stunden Reisedauer. Halbwegs brauchbare Flüge gab’s ab 350€. Zugegeben, wir waren dieses Mal auf die Einhaltung der Herbstferien angewiesen – Lehrer mit in der Truppe. In diesem Fall mein jüngerer Bruder, der neben meinem jüngsten Bruder und meinem Vater mit am Start ist. Von der Eigenanreise wie wir sie 2015 praktiziert hatten mit endlosen 24 Stunden-nonstop-Anfahrt sowie Fährüberfahrt, hatten wir die Nase voll und auch zeitlich mit 1 Woche Ferien nicht machbar….man muss allein 4 Tage für Hin- und Rückfahrt einplanen. Also Fliegen und Moppeds vor Ort mieten….4x Honda XR 250 Tornado, luftgekühlt aber zumindest mit Ölkühler, gewaltige 23 PS, dafür immerhin schön leicht und mit viel Federweg ausgestattet. Das Beste aber: Sie sind schon ordentlich durch genudelt und Rutscher oder Umkipper verändern den Look nicht. Über Kleinigkeiten wie nicht funktionierende Tachos, ausgeschlagene Lager an allen Ecken und Enden oder übermäßigen Öldurst, muss man großzügig hinwegsehen. Immerhin hatten wir dieses Mal ausnahmslos gute bis neue Reifen vom Schlage eines Mitas E07 und halbwegs brauchbares Werkzeug.



Freitag abend um 20.30 Uhr geht‘s mit einer Mammut-Fahrt nach Mailand los. Dort gab es für 220€ pro Nase inkl 2x Aufgabegepäck für die Helme – die Miethelme vom letzten Mal waren noch in deutlich schlechterem Zustand als die Motorräder - einen Easyjet Direktflug. Für die Einsparung von 4x 200€ nahmen wir die 5 Stunden Anfahrt und Extrabenzin in Kauf…die Vignette für die Schweiz hatten wir ohnehin schon. Ich hatte für den Abflug um 6.20 Uhr eine Ankunft auf 3.20 Uhr kalkuliert und zusätzlich 2h Sicherheit eingeplant. Die erste Stunde Sicherheit geht bei einer Vollsperrung des Surrseetunnels drauf – Notfallübung unter Realbedingungen – danke für’s Gespräch. Die zweite Stunde direkt hinter der Schweizer Grenze in Chiasso…ebenfalls Tunnelsperrung und Umleitung an den Seen entlang. So kommen wir am Ende pünktlich zum 3 Uhr am Parkplatz an und stehen genau zur Checkin-Öffnung gegen 3.30 Uhr am Schalter….läuft! Dass der Flug mit 30 min Verspätung startet und auch entsprechend später landet, geschenkt, wir sind froh in Marrakesch zu stehen, wo unsere Moppeds schon am Flughafen auf uns warten – kostete zwar einen ordentlichen Extrabonus, dafür kann es gleich losgehen. Während wir uns auf dem Parkplatz die Moppedklamotten anziehen – Jacke und Stiefel hatten wir schon beim Flug an, sonst hätten wir noch nen 3. Koffer benötigt – macht der Vermieter die Papiere fertig und so geht‘s knapp 45 min nach Verlassen des Flughafens auf die Straße….sauber! Während die ersten paar hundert Meter um den Flughafen noch halbwegs mit mitteleuropäischen Verkehrs-Verhältnissen zu vergleichen sind, ist spätestens nach dem Tanken das Chaos perfekt. Autos, Moppeds, Kutschen, Fahrräder in allen Richtungen und Geschwindigkeiten, links, rechts, oben, unten…einfach treiben lassen, oft aber doch nicht zu oft in den Rückspiegel schauen um dann die manchmal vorhandenen Ampeln nicht zu übersehen. Das Ganze kombiniert mit schon vormittags drückenden 25 Grad...nix wie raus aus dem Großstadtverkehr.
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momo1200

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Die erste Etappe führt uns auf kleinen Wegen an und über den Hohen Atlas. Die Tour hatte ich im Vorfeld auf kurviger.de in akribischer Kleinstarbeit geplant und diese mit Offline-Karte auf s Handy geladen, welches jetzt am Lenker befestigt ist und uns den Weg weist. Keine 15km hinter Marrakesch biegen wir von der noch immer geschäftigen Hauptverkehrsader ab und bewegen uns von nun an zumeist auf losem Untergrund mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit. Den ersten Stopp legen wir an einem der hier typischen Allerlei-Läden ein und bepacken uns mit Wasser, Oliven und Fladenbrot um nach einer weiteren Stunde irgendwo im Hinterland ein erstes Picknick zu machen.
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Für den heutigen Tag hatte ich uns „Télouet“ als Etappenziel ausgesucht, welches sich bereits hinter dem Atlas-Hauptkamm befindet. Bis auf die Nationalstraße 9 welche zur halbwegs zügigen Atlas-Querung obligatorisch ist, waren jedoch ausnahmslos kleine und kleinste Straßen geplant mit entsprechend wenig Infrastruktur. Mangels funktionierendem Tacho und fehlender Tankanzeige in Kombination mit mindestens einem Tankneurotiker in der Truppe, ist das Motto „Tanke wenns geht“ angesagt. Auf der Durchfahrt durch einen kleinen aber geschäftigen Ort fällt mir der typische 5l-Wasserkanister ins Auge, mit dem gerade der Tank eines Dacias befüllt wird => Stopp! Die Dorftankstelle verlangt anstatt der umgerechnet üblichen 1,50€ pro Liter einen Aufschlag von 0,20€ und so fließen je Motorrad rund 2,5 Liter in die Tanks…dass „unser“ Benzin irgendwie heller scheint als jenes, das zuvor in den Dacia gelassen wurde, ist sicher nur Einbildung. Bestimmt auch, dass mein Mopped danach irgendwie nicht mehr so rund läuft….egal was soll s.
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Eine Stunde später erreichen wir in „Zerkten“ die Nationalstraße, die uns nach Süden über den Atlas bringen wird, gönnen uns zuvor aber eine kleine Pause mit einem „Tee a la Menthe“, der die Lebensgeister beflügelt. Das Verhältnis von Wasser zu Zucker liegt auf Niveau einer Cola oder eher noch darüber, was den Geschmack frischer Minze noch unterstreicht….herrlich. Wir genießen bei angenehmen Temperaturen um 25 Grad im Schatten eilig herbei geschaffter Sonnenschirme das geschäftige Treiben vor unserer Bar. Gegenüber ist eine Zweirad-Werkstatt die sich gerade am Flicken eines platten Reifens ohne Radausbau verkünstelt, daneben ein Wohnhaus welches offenbar kein separates WC hat, so lässt zumindest das Verrichten der Notdurft auf dem Balkon vermuten. Im Erdgeschoss des Wohnhauses teilt sich eine weitere Zweiradwerkstatt den Platz mit einem Allerlei-Laden. Das Ganze wird garniert durch die dazwischen liegende Nationalstraße auf der von 50er Moppeds bis hin zu völlig überladenen LKWs alles unterwegs ist….sitzen, beobachten und genießen. Bevor wir aufgrund des fehlenden Schlafes dann noch einnicken, fahren wir nach Entrichten von 1€ / Tee weiter.
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Die Straße zieht sich hoch bis auf den 2260m „Tizi n‘Tichka“ genannten Pass, der eine herrliche Aussicht bietet bevor wir wenige Kilometer nach der Passhöhe auf die deutlich weniger befahrene Straße nach „Telouet“ abbiegen.
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Dort angekommen beginnt die Suche nach der zuvor gebuchten Unterkunft, ein Wegweiser am Ortseingang führt uns direkt nach links. Wir fahren mangels weiterem Wegweiser prompt am Abzweig durch, werden aber von einem Moppedfahrer eingefangen, der uns den richtigen Weg zeigen will. Mit deutsch-pessimistischer Grundhaltung gehe ich natürlich davon aus, dass sich hier mal wieder einer als Führer ein paar Dirham dazu verdienen will und schenke dem Kollegen erstmal wenig Aufmerksamkeit, bis er mir glaubhaft versichern kann dass er der Betreiber unserer Unterkunft ist und 4 Deutsche erwartet….na gut, fahren wir mal hinterher. Brahim zeigt uns unser 4-Bett-Zimmer mit Balkon und Blick auf die umliegenden Berge bevor er uns auf dem Balkon einen Tee serviert und das Abendessen durchgesprochen wird. Als typischer Marokkaner und damit Geschäftsmann überzeugt er uns auch davon, dass wir uns noch die „Kashbah von Telouet“ anschauen, die doch zigmal besser ist als jene im überlaufenen „Ait Benhaddou“ bzw überhaupt die schönste in ganz Marokko. Dass er zufällig auch Führer ist und uns persönlich dorthin und hindurch begleitet, bietet sich natürlich an, einem Trinkgeld würde er auch nicht ablehnend gegenüber stehen…dieses Schlitzohr. Neben den Namen deutscher Großstädte – „wo kommst Du her: Berlin, München, Stuttgart“ hat übrigens so ziemlich jeder Marokkaner den Spruch „Leben und Leben lassen“ auf der Pfanne und argumentiert damit, dass man sich mal nicht so haben soll und die Dirhams ruhig locker sitzen dürfen…was soll’s, wir sind ja im Urlaub. Auf der Anfahrt zur Kashbah kommt mir das Ganze irgendwie bekannt vor und ich breche unterm Helm beinahe in einen Lachanfall aus: 10 Jahre zuvor war ich mit meiner damals relativ neuen Freundin und heutigen Frau ebenfalls hier, damals jedoch noch mit deutlich sparsamerer Grundeinstellung. Die 2€ Eintritt – damals wie heute – wollte ich mir sparen und hatte meine Freundin genötigt mit mir durch einen verfallenen Nebeneingang in die Kashbah einzudringen. Locker hüpfte ich damals eine kleine Mauer hinunter, meine Freundin so elegant wie ein Sack Kartoffeln hinterher. Bei der Landung verstauchte sie sich den Fuß, stöhnte, wurde ohnmächtig und kam neben einer toten Ziege zum Liegen – Panik. Ich versuchte sie irgendwie zu stützen bzw nach oben zu ziehen, was misslang, woraufhin ich ihre Füße nach oben riss um wieder Blut ins Hirn zu bekommen. Nach wenigen Sekunden kam sie wieder zu sich bevor wir dann den geordneten Rückzug antraten. Seither gebe ich lieber 2€ mehr aus. Der Eintrittspreis sind in jedem Fall den Besuch wert, das Ganze ist von Innen erheblich beeindruckender als es der äußere Anschein vermuten lässt. Zurück in unserer Unterkunft gibt es Tajine bevor wir völlig KO in die Betten kriechen.
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Der Folgetag beginnt mit einem ordentlichen Frühstück, das kaum Wünsche offen lässt, lediglich das Spiegelei mit angebrannten Tomaten und lokaler Gewürzmischung ist gewöhnungsbedürftig, der frisch gepresste Orangensaft reißt es aber locker wieder raus. Schnell packen wir unsere Sachen und düsen los…heute soll es über diverse Pisten in die 250km entfernte Oasenstadt Zagora gehen. Bereits nach 500m müssen wir anhalten weil mein Vater sein Handy vermisst, dann aber in der Hosentasche findet….ich rolle mit den Augen….typisch! Weitere 2km später halten wir wieder weil ich mir nicht sicher bin ob ich meinen Geldbeutel eingepackt habe, dann aber in der Jackentasche finde….mein Vater rollt mit den Augen….typisch!
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Nochmal 5km später in „Anmiter“ biegen wir bereits auf die erste Piste ab. Sie soll uns rund 70km durch Niemandsland führen und beginnt mit einem Anstieg auf eine Hochfläche mit herrlichen Ausblicken. Durch das raue Gelände und die immer wieder obligatorischen Fotostopps kommen wir nur langsam voran und damit kaum auf einen 25er Schnitt.
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Nach rund 20km fahren wir auf einige Lehmbauten zu, die offensichtlich bewohnt werden. Hier endet abrupt die Wegführung und verliert sich zwischen den Bauten. Ein kleiner Junge zeigt uns den richtigen Weg durch die schmalen Gassen, mit einem Geländewagen hätten wir an dieser Stelle umdrehen müssen oder unser Glück durch s Bachbett versuchen dürfen. Zum Dank lasse ich ihm einen aufgeblasenen Luftballon zurück an dem er seinen Spaß hat, vermutlich leider nicht allzu lange. Weitere 5km später zweigt die Piste am einzigen Felsdurchbruch einer bisher parallel verlaufenden Abbruchkante nach Süden in Richtung „Ouarzazate“ ab und führt durch ein versandetes Bachbett, welches zum ersten Mal die Herausforderungen der kommenden Tage erahnen lässt. In den sich immer wieder nur wenige Zentimeter anhäufenden Sandhügeln verliert das Vorderrad die Spur und möchte mit einem Dreh am Gasgriff und einer Verschiebung des Körpers auf der Sitzbank nach hinten, stabilisiert werden…das gelingt bisher ganz annehmbar und wir kommen gefühlt gut voran.
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Der Blick auf das am Lenker montierte Smartphone verrät jedoch, dass wir selbst bei optimaler, sprich ebener, gerader und sandfreier Piste, kaum über 50km/h hinaus kommen. Nach einer Pinkelpause mit Blick auf einen Truppenübungsplatz, der bei genauerer Betrachtung wohl eine Zielscheibe für Artillerie- oder Hubschrauber-Übungen sein muss, erreichen wir „Ouarzazate“ und gönnen unseren Moppeds eine neue Tankfüllung. Für die zurückliegenden 70km haben wir ganze 4 Stunden benötigt, was meinen Zeit- und Routenplan ordentlich durcheinander bringt.
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Die anstehende Traversierung des „Jbel Sarhro“, eines südlich des Hohen Atlas gelegenen Gebirgszugs, wird gestrichen und dafür die weiter südlich verlaufende Nationalstraße 9 wieder unter die Räder genommen. Zuvor lassen wir uns jedoch noch von einem Restaurant über den Tisch ziehen in dem wir eine Familiengrillplatte bestellen, welche laut Auskunft der Bedienung genug für 4 hungrige Männer sein soll. Am Ende bekommt jeder 1 Würstchen à 6cm, 2 Hackbällchen Ø 2cm und ein paar Pommes…naja, immerhin die Cola war schön kühl. In „Agdz“ steuern wir noch einen Bäcker an und ich decke uns mit einigen Leckereien ein, muss davon jedoch prompt wieder eine an einen etwas aufdringlichen Bettler abgeben, der meinen Bruder penetriert. Etwa 60km vor „Zagora“, es ist bereits gegen 16 Uhr biegen wir nochmal ein Stück nach Norden ab um eine zum Teil schon 2018 befahrene Piste zu nehmen….nur Teer ist dann doch langweilig. Bevor die Piste beginnt, gönnen wir uns unter Beobachtung der Dorfjugend nochmal einen Tee. Keine 10km weiter fährt mein Bruder neben mich und deutet auf seinen Vorderreifen….och neee, Plattfuß. Aaaaaber, wenn ich die letzten Wochen und Monate etwas geübt habe, dann Reifen zu wechseln und platte Schläuche zu flicken. Schnell ist ein Stein gefunden, der unter den Motorschutz geklemmt ist und das Vorderrad schwebt in der Luft. Noch schneller ist das Vorderrad ausgebaut und mit ein wenig gutem Zureden der Mantel einseitig über die Felge gewuchtet. Der verbaute Schlauch entpuppt sich als Kraterlandschaft und hat mehr Flicken als der Reifen Stollen; einer dieser Flicken hatte sich gelöst und hat den Luftverlust zu verantworten. Alter Flicken weg, neuer Flicken drauf….am Horizont dämmert es. Schlauch rein, Mantel drauf und pumpen….nichts passiert. Sch****, ist die Pumpe kaputt? ….es dämmert noch mehr. Nach kurzer aber intensiver Begutachtung der Pumpe schließen wir deren Defekt zumindest nicht aus und ich schnappe mir das Vorderrad und fahre knapp 1km zurück zu einer Straßenbaustelle, welche die Basis für eine neue Straße zu sein scheint. Dort wird kurzerhand der Kompressor angeworfen, mit dem Ergebnis dass ich bei der Montage des geflickten Schlauchs wohl ein neues Loch rein gemacht habe. Ich fahre zurück….alles kein Problem, wir haben ja noch einen Ersatzschlauch vom Vermieter. Den nehm ich dann grad wieder retour zur Baustelle mit dem Ergebnis, dass dieser ebenfalls ein Loch hat. Es ist mittlerweile 20 Uhr und zapfenduster. Ein leicht beklemmendes Gefühl der Ausweglosigkeit überkommt mich aber es hilft nichts. Mit viel Unterstützung der Bauarbeiter bekommen wir einen der beiden Schläuche so weit geflickt, dass wir wieder fahren können und erreichen dann erst gegen 21.30 Uhr „Zagora“ und unser Hotel, das immerhin noch geöffnet hat. Ohne Dusche – holen wir später nach - düsen wir zu Fuß in Richtung Zentrum und finden noch ein Restaurant welches uns mal wieder mit Tajine beglückt. Tajine ist für die Marokkaner so was ähnliches wie für die Italiener ihre Pizza….gibt s einfach überall. Immerhin sind die Portionen ordentlich und schmecken tut’s auch. Ich verbringe die Zeit bis Mitternacht noch damit ein Hotel für die beiden folgenden Nächte in „Merzouga“ zu finden, gehe dann aber ohne Ergebnis bei Zeiten ins Bett….der nächste Tag soll mit der Südverbindung „Zagora“ – „Merzouga“, der härteste der ganzen Reise werden, zuvor möchte ich jedoch noch einen neuen Schlauch in einer der vielen Werkstätten besorgen.
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momo1200

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Noch vor dem Aufstehen buche ich für die kommenden zwei Nächte ein etwas besseres Hotel in „Merzouga“, hier wollen wir einen Tag ohne Gepäck im Sand spielen. Das Frühstück ist noch besser als tags zuvor und eine Tankstelle direkt nebenan, so dass es sich noch nicht mal lohnt den Motor anzuwerfen…wir schieben rüber. Beim Aufsitzen ist der Vorderreifen wieder platt und das an diesem Tag, für den ich routentechnisch definitiv keinen Plan B habe. Alles Aufregen hilft nichts…wir fahren zur „Garage Zagora“ von Mohamed, mit dem ich bereits abends zuvor Kontakt aufgenommen hatte. Unterwegs werden wir von einem Mopped eingeholt, dessen Fahrer mir während der Fahrt eine Visitenkarte in die Hand drückt und anbietet in seiner Werkstatt einen kurzen Check unsere Motorräder zu machen…brauchen wir nicht! Als er den platten Vorderreifen meines Bruders sieht, ist er Feuer und Flamme und nimmt uns ins Schlepptau. Um ein Haar hätte es auch funktioniert, ist doch seine Werkstatt mit dem Namen „Garage Iriki Zagora“ genau neben jener „Garage Zagora“ zu der wir wollen. Um 9 Uhr kommen wir hier an und sofort wird die Maschine aufgebockt, das Vorderrad demontiert und der Schlauch ausgebaut. Ich: „Wir nehmen gleich 2 Neue!“ Mohamed: „Neee, in ganz Zagora gibt es keine 21 Zoll Schläuche“. Ich: „Waaaas???“ Während Mohamed und seine Mannen sich über unsere beiden defekten Schläuche her machen, fahre ich zum Geldautomat und klapper die Werkstätten ab. Allerdings hat Mohamed wohl auch schon angerufen, zumindest ist auch hier die Aussage dass es in ganz Zagora keine 21 Zoll Schläuche geben soll…es ist zum ins Gras beisen….hat’s hier kein’s, also geht’s auch nicht. Ich fahre zurück zur Werkstatt und treffe auf ratlose Gesichter. Schlauch 1 hat mittlerweile einen riesigen Flicken drauf, der aber beim Aufpumpen nicht dicht hält. Schlauch 2 ist genau an der Naht auf 3cm Länge gerissen und eine Reparatur scheint ausweglos....und es ist mittlerweile 10 Uhr….wuuuäääähhh! Ich gebe die Anweisung an Schlauch 2 trotzdem einen Flickversuch zu unternehmen, während Schlauch 1 auf die Reise zu einem Vulkanisierer geht. Ich bin ab der peniblen Arbeitsweise überrascht, wird doch erstmal mit Nadel und Faden der 3cm-Riss zusammen genäht und dann mit viel Geduld der Flicken aufgebracht. Dass zwischendurch der Kleber alle ist und erst wieder einer mit dem Mopped einen besorgen muss….geschenkt. Nebenbei fährt noch ein Geländewagen auf die Hebebühne aus dem uns beim Öffnen der Türen ein süßlicher Duft von frisch gerauchtem Marihuana entgegen schwappt….vielleicht sollten wir’s auch mal probieren, dann ist die Situation vielleicht erträglicher. Es ist mittlerweile 11 Uhr, Schlauch 2 liegt in der Sonne zum Trocknen, Schlauch 1 ist noch unterwegs, Mohamed liegt unter dem Marihuana-Geländewagen und ich könnte heulen. Damit das nicht passiert verbringe ich die Zeit mit Mathe-Aufgaben mit einem kleinen Mädchen, indem ich mit einem Stein Zahlen auf den Teer kritzel…es funktioniert ganz gut und die Ergebnisse stimmen nach einigen Anläufen sogar. Um 11.30 Uhr geht’s dann ganz schnell: Schlauch 1 kommt um’s Eck, Schlauch 2 ist eingebaut und dicht, nur Mohamed ist nirgends mehr rum. Während wir aufsatteln und uns abfahrbereit machen trabt er an, ich drücke ihm statt den zuvor vereinbarten 10€ für’s Flicken, 30€ in die Hand….er ist zufrieden, ich auch. Mit 2 ½ Stunden Verspätung fahren wir los.

Die ersten 60km geht es auf der N12 nach Nord-Osten bevor mit einer unscheinbaren Abfahrt die 150km Pisten-Etappe beginnt. Wir verzurren nach einem kurzen Stopp nochmal alle Utensilien und füllen den in Flaschen getankten Zusatzsprit in die Tanks, damit wir auf der rauen Steinpiste nichts verlieren. Bis „Tissemoumine“ ist die Piste ein wahrer Reifen- und Fahrwerksmörder….Steine in allen Formen und Größen, dazu Spurrinnen, die einen Spurwechsel zum Abenteuer werden lassen. Die Kombination aus Pistenzustand und den ausgeschlagenen Fahrwerken erzeugt Geräusche, welche mich zuhause zum sofortigen Anhalten und nach Hause schieben veranlassen würden, hier fahre ich ein wenig schneller damit der Fahrtwind die Geräusche übertönt. Ich versuche eine Geschwindigkeit um die 40-45km/h zu halten, welche einen Mix aus Sicherheit und noch halbwegs zügigem Vorankommen vereint. Wir halten uns südlich und umfahren die wenigen aber tatsächlich existierenden Siedlungen….von was die Leute hier draußen leben, fragen wir uns immer wieder? Ein wenig Bergbau, ein paar Ziegen an einem Brunnen, mehr kann s nicht sein. Hinter „Tissemoumine“ wird es flacher, ein bisschen weniger steinig, was stellenweise auch Geschwindigkeiten jenseits der 50km/h ermöglicht; die professionellen Rally-Piloten würden sich mit dem Zweirad in solchem Terrain sicherlich weit jenseits der 100km/h-Grenze bewegen…da ist uns unsere Gesundheit aber doch wichtiger.
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Weiter nach Osten in Höhe der Auberge „Dinosaur Kem Kem“ bekommen wir es zum ersten Mal mit echtem Stand zu tun, zwar in homöopathischen Dosen, jedoch reicht es zum Steckenbleiben, insbesondere wenn man sich in einer der Autofahrspuren verfangen hat und sich dazu noch im falschen Gang befindet….mit unseren 23 PS kommen wir im Sand ohnehin nicht über den 2. Gang hinaus. Die folgenden Kilometer hingegen fliegen wir wieder über eine topfebene Piste eines ehemaligen Sees hinweg, einzig stellenweise Löcher und Sandstellen erfordern erhöhte Aufmerksamkeit um darin keinen Überschlag zu provozieren. Wir erreichen gegen 14.30 Uhr „Tafraout Sidi Ali“, ebenfalls eine jener Siedlungen in denen es eher um’s Überleben als um’s Leben geht, finden hier jedoch einen Allerlei-Laden, der kühle Cola und sogar Benzin aus Kanistern im Angebot hat. Die Cola genießen wir in aller Ruhe nach den anstrengenden Passagen und stellen fest, dass das Hinterherfahren im Staub der Vorausfahrenden doch zu einer erheblichen Mehrbelastung führt….der Staub findet seinen Weg sogar in die Zwischenräume des Pinlock-Visiers, ich möchte mir garnicht ausmalen was sich so alles im Ansaugtrakt und dem Motor oder unseren Lungen befindet….egal, läuft! Die Moppeds werden nochmal voll gemacht, wenn sich die Gelegenheit schon bietet, auch wenn es nicht unbedingt notwendig wäre, aber sicher ist sicher. Nach einer 30-minütigen Pause mahnt die Uhr zur Weiterfahrt, wir haben noch die Hälfte der Piste vor uns und es sollen noch einige Sandpassagen kommen, die jegliches Zeitmanagement ordentlich durcheinander bringen können.
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Die ersten Kilometer zeigen sich zwar herausfordernd, jedoch in einer wahnsinnigen Kulisse, die links von einer rauen Abbruchkante begrenzt wird und rechts von Bergen, die von rotem Sahara-Sand begraben sind….sensationell!
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Unvermittelt stehen wir vor einem Dünenfeld, welches mit Blick auf das Smartphone nicht umfahren werden kann…jetzt wird s ernst. Die Dünen sind zwar nur wenige Meter hoch, allerdings reicht das allemal um sich ohne die richtige Technik endlos darin aufzuhalten, insbesondere da ich nicht weiß wie weit sich das Dünenfeld erstreckt….sind es nur ein paar hundert Meter oder gar Kilometer? Ich mahne meine Mitfahrer nochmal das Gewicht nach hinten zu verlagern und am Gas zu bleiben, mache mir jedoch erhebliche Sorgen um meinen Vater, der für’s Sand fahren nach den bisherigen Erfahrungen einfach nicht gemacht ist. Nach meiner Ansprache gibt er Gas und schwingt sich elegant über die erste Dünenreihe. Wir schauen uns verwundert an und preschen grinsend hinterher. Trotz einiger Steckenbleiber kommen wir ordentlich voran und können das Ganze sogar genießen, müssen jedoch zusätzlich zu den technischen Schwierigkeiten ausgerechnet hier noch mit Gegenverkehr rechnen, da eine Oldtimer-Rally bestehend aus Peugeot 205 Allrad sich gerade ebenfalls den Weg durch’s Dünenfeld bahnt…egal, macht das Ganze nur noch authentischer….Rally-Feeling pur!
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Das Dünenfeld ist glücklicherweise nicht allzu lang, mit unserer nicht vorhandenen Kondition sind wir jedoch bereits nach wenigen hundert Meter schwer am Keuchen. Die folgende Steinpiste macht das Ganze nur wenig angenehmer, Sorgen um Reifen und prinzipiell auseinander fallende Moppeds schleichen sich wieder ein. Eine letzte Sandpassage durch ein ausgetrocknetes Flussbett fordert uns nochmal, auch ich mache mich hier mal lang, was einen selbst ernannten Guide auf seinem 0815-Mopped ohne Federweg oder Stollen – man kommt sich in solchen Momenten so affig vor - veranlasst uns seine Dienste anzubieten. Er versichert uns mehrfach, dass vor uns nur „Fech-fech“ ist und wir ihm folgen sollen. Ich marschiere ein paar Meter zu Fuß um mir einen Überblick zu verschaffen….lächerlich, einmal raus aus dem Bachbett und wir haben wieder halbwegs festen Untergrund unter den Rädern….gesagt, getan: Wir überwinden mit etwas Schwung die 1,5m Höhenunterschied und sind wenig später wieder auf der Piste, die uns gegen 17.30 Uhr bereits 15km früher als erwartet mit Asphalt empfängt…wir klatschen uns ab und fliegen über „Taouz“ unserem Tagesziel „Merzouga“ entgegen. Die hohen Dünen des „Erg Chebbi“ empfangen uns mit einem tiefroten Leuchten; pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir unser Hotel….es hätte heute wirklich nichts mehr dazwischen kommen dürfen. Wir sind fix und fertig aber froh über das Erreichte. Den Abend lassen wir hinterm Hotel mit Tee und direktem Blick auf die Dünen ausklingen. Zu essen gibt’s mal wieder Tajine, jedoch die bisher Beste unserer Reise.
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Der kommende Morgen bietet ein Frühstück im Freien in der aufgehenden Sonne bei blauem Himmel….so kann man es aushalten. Heute haben wir keinen Stress und lungern erstmal ein wenig rum bevor wir uns langsam fertig machen.
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Unser Senior bleibt heute im Hotel, da wir den Erg einmal von West nach Ost queren wollen und er sich das nicht antun will. Zuvor bekommen die Moppeds noch einen kurzen Check, der offenbart dass ein Ölstab trocken ist und bei einer Schwinge das Endblech der Kettenspannvorrichtung abhanden gekommen ist. Ich fülle einen halben Liter Öl nach, das Endblech wird von Seniors Maschine ausgeliehen, wäre aber wohl auch so gegangen….wir werden später am Tag noch zwei Unterlegscheiben und passende Muttern aus der Rumpelkiste einer Werkstatt besorgen. Nur 2,5km südlich unseres Hotels befindet sich die engste Stelle des „Erg Chebbi“ mit einer Ost-West-Ausdehnung von nur rund 4km und niedrigen Dünen….hier steigen wir ein. Ohne Gepäck wird das ein Gedicht! Ich mahne trotz allem nochmal: „Maximal 2. Gang, Schwerpunkt nach hinten, auch beim Runterfahren nicht vom Gas gehen und Anhalten nur auf der abfallenden Dünenseite!“ Mein kleinster Bruder freute sich schon vor der Reise wie Bolle – wie wir alle - und das Dünensurfen wird der Höhepunkt. Er gibt Gas, gleitet wie ein Snowboarder von Düne zu Düne, nimmt die Kurven in weiten Bögen, nutzt die Dünen als Anlieger, Sand staubt in riesigen Fontänen nach oben, ab und zu verlassen beide Räder den Boden wenn er mit Vollgas über den Dünenkamm schanzt, in der Luft nimmt er die Hände vom Lenker und mimt die Superman-Pose. Eine vorbeifahrende Rally-Gruppe hält an und schaut seinem Treiben zu, während wir ebenfalls staunend die Helme abnehmen und anfangen zu Jubeln. Nach einigen Minuten finden sich immer mehr Zuschauer ein, Klatschen und Jubeln was das Zeug hält. Er wird von einem der Rally-Fahrer angesprochen ob er nicht bei der nächsten Dakar dabei sein will….genau so hatte er sich das in seinen Träumen ausgemalt!!! Zurück in der Realität ist er bereits nach 300mtr 2x stecken geblieben und hat einen hochroten Kopf, sowohl vor Anstrengung als auch vor Zorn weil das Dünensurfen nicht gelingen will. Weitere 200mtr später will er zurück ins Hotel und ist davon überzeugt, dass sein Motorrad sch**** ist. Wir tauschen und ich muss feststellen und zugeben dass das schlechtere Profil seiner Reifen und eine offensichtlich längere Übersetzung in der Tat nicht hilfreich sind, wirklich viel besser kommt er dennoch nicht voran. So kämpfen wir uns Düne um Düne, Senke um Senke weiter voran, bis es auch mich und unseren mittleren Bruder erwischt. Die Anstrengung ein Motorrad aus dem Sand zu ziehen ist imens, die geringe Leistung bestraft jegliche falsche Linienwahl, Verschalter oder ein zu später Dreh am Gasgriff sofort…die Luft-Öl gekühlten Motoren kennen hier nur Vollgas im 2. Gang, der erste ist zu langsam, für den Dritten reicht die Leistung nicht. Wir beraten ob wir den Rückzug antreten sollen, da wir jedoch bereits über die Hälfte der Wegstrecke hinter uns haben, ist nach Vorne das kürzere bzw weniger anstrengende Zurück. Nur 200mtr vor Ende der Querung fahre ich mich in einer Senke fest und habe keine Chance mich selbst zu befreien. Ganze 20min kämpfen wir uns zu Dritt ab um das Motorrad nur wenige Meter auf den Dünenkamm zu bekommen, wir sind alle am Ende und unsere Wasserreserven sind aufgebraucht, jegliche Anstrengung führt zu minutenlangem Innehalten und verschnaufen. Endlich haben wir die letzte Düne hinter uns, fahren noch einen Aussichtspunkt an, der auf dem Weg zur Straße liegt und schnappen uns das nächste Restaurant.
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6 Cola und 1 Flasche Wasser bestellen wir; die erste Cola wird mit zittrigen Händen ge-ext, wir könnten direkt hin liegen und einschlafen. Nach 30 Minuten Pause sieht die Welt jedoch wieder ein wenig besser aus und wir beschließen die südlich des „Erg Chebbi“ liegenden sandfreien Hügel und Berge zu erkunden….aber nur nicht zu nah an die algerische Grenze. Den Rest des Tages erklimmen wir ein paar Berge, fahren hier und da querfeldein, auch ohne Piste bevor wir ins Hotel zurückkehren und unserem Senior berichten. Dieser kann und will sein Grinsen nicht verbergen, ist es ihm 4 Jahre zuvor doch ähnlich ergangen und hat ihn an den Rand der Verzweiflung gebracht.
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Nach einer ordentlichen Pause aber noch vor dem Abendessen machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Dünen um den Sonnenuntergang zu genießen. Für die rund 1,5km zur höchsten Düne in der näheren Umgebung brauchen wir nicht ganz ½ Stunde und können von dort noch die ganzen Karawanen beobachten, die die anderen Touristen auf den Rücken der Dromedare die Dünen hoch schleppen. Wir bleiben zusammen mit einem älteren Paar allein auf „unserer“ Düne. Leider versteckt sich der Sonnenuntergang hinter einem Wolkenband und so bleibt uns der spektakulärste Part verwehrt….was soll’s. Immerhin haben wir dank eines Monster-WLAN-Senders des Hotels selbst hier eine Internetverbindung und machen eine Life-Schalte mit der Familie. Abendessen….Tajine!
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momo1200

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Für den nächsten Tag habe ich ein Hotel am Fuße des Atlas-Hauptkamms gebucht, so dass wir heute gut Strecke machen müssen. Rund 250km liegen vor uns, die ersten 70km sind wieder auf Piste geplant, entsprechend verlieren wir keine Zeit und machen uns nach Frühstück und Tanken auf den Weg. Die ersten Kilometer teilen wir uns den Weg mit einer Gruppe Geländewagen, die wohl den gleichen Plan haben wie wir, können diese jedoch überholen und uns deren Staubfahnen entledigen. An einem Abzweig biege ich falsch ab und wir fahren durch eine kleine Oase über Steinplatten entlang eines ausgetrockneten Flussbetts. Da wir ohnehin mal wieder ein Zeitproblem bekommen werden und der Abzweig eher eine Abkürzung darstellen dürfte, fahren wir weiter. Die Landschaft ist spektakulär, vereinzelte Bäume in weiten Tälern entlang der Piste in einer Mischung aus Steinwüste und Steppe. An der einzigen Auffahrt raus aus dem Tal, wohlgemerkt nach 30km ohne Menschenkontakt, steht ein Mopped und oben am „Pass“ ein Mann, ich winke im zu ohne eine Gegenreaktion. Als wir oben ankommen und anhalten um die Aussicht zu genießen, packt er seinen Koffer aus und breitet Amulette und Versteinerungen vor uns aus, wir können es nicht glauben. Vermutlich sind wir heute die einzigen Vorbeifahrer und er scheint hier den ganzen Tag zu stehen und zu warten. Da wir zum Einen keinen Platz haben und die Ausfuhr solcher Sachen nicht unproblematisch ist, kaufen wir nichts, geben ihm aber immerhin einen Keks. Vielleicht kommt die Geländewagen-Truppe auch noch hier durch und er hat mehr Glück. Es ist bereits gegen Mittag und wir haben noch nicht wirklich Strecke gemacht, zu langsam sind wir unterwegs und zu oft halten wir an um Bilder zu machen und die Landschaft zu genießen.
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Ab dem Pass ist die Strecke wieder topfeben, jedoch steinig, wir halten von nun an direkt auf das Asphaltband der R702 zu, so dass wir nördlich von „Erfoud“ wieder auf die Straße treffen. Wie es so ist, fährt nur 1km von der Straße entfernt mein mittlerer Bruder neben mich und deutet auf den Hinterreifen….Plattfuß, darf nicht wahr sein. Wir fahren bis zur Straße, biegen aber gleich wieder unter eine Brücke ab um das Ganze im Schatten unter die Lupe zu nehmen. Das Mopped ist schnell aufgebockt, das Hinterrad noch schneller ausgebaut. Beim Reifen von der Felge drücken, löst sich der Gummi vor lauter Kraftaufwand von der Flanke….so geht’s nicht. Ich rufe nach Seife um die Flanke geschmeidiger zu machen, mein Vater rückt mit Melkfett an. An dieser Stelle sei gesagt, dass unser Vater neben Aldi und Panzertape mittlerweile auch Melkfett zu seinen Lieblingen erkoren hat. Neben der Behandlung eines wunden Hintern, kann auch ne trockene Nase oder Lippen geschmiert, so wie klemmende Reißverschlüsse oder eben störrische Reifen gefügig gemacht werden. Nach der Melkfettbehandlung flutscht der Reifen nur so von der Felge, das kleine Loch ist schnell ausgemacht so dass wir noch nicht mal den Schlauch aus dem Reifen fummeln müssen. Auch das Flicken geht schnell vonstatten, die anschließende Dichtheitsprüfung attestiert uns gute Arbeit. Im Nu ist das ganze wieder zusammen, aufgepumpt und montiert. Knappe 45min später sind wir wieder auf der Straße….Melkfett sei Dank!
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Nach einem kurzen Stopp in „Tasshilat“ für ein Mittagessen bestehend aus Grillspießen und Pommes, fahren wir weiter in Richtung „Errachadia“, immer dem Tal des Ziz folgend, welches über und über mit Dattelpalmen bewachsen ist. In „Errachadia“ tanken wir und gönnen uns nochmal eine kurze Pause mit einem Tee a la Menthe, fahren dann aber wieder zügig weiter in Richtung „Er Rich“, entlang des großen Stausees „Barrage Al-Hassan Addakhil“, der für einen Großteil der hiesigen Wasserversorgung verantwortlich ist. In den „Gorges du Ziz“ halten wir zum Pinkeln und Fotos machen an, dann erst wieder in „Er Rich“ zum Tanken, obwohl noch genug in den Tanks ist. Da ich bzgl der Routenführung für den kommenden Tag jedoch nicht sicher bin, wie und wo es wieder Benzin gibt, lieber nochmal voll machen. Von hier aus sollen es noch rund 40km zu unserer nächsten Unterkunft sein. An einem Abzweig prüfe ich die Route auf dem Smartphone als ein Geländewagen hinter uns zum Stehen kommt und uns auf deutsch den Namen unserer Unterkunft zuruft…auch Recht, er zeigt uns eine Abkürzung und leitet uns 20km durch s Hinterland bis wir in der einzigen Auberge von „Sidi Hamza“ einfahren. Die Zimmer sind auf einfachstem Standard, aber es hat eine warme Dusche und ein WC. Dafür sind die Betten bretthart obwohl ich das eigentlich mag, aber das sprengt selbst meine Toleranzgrenze. Das Abendessen besteht heute mal ausnahmsweise nicht aus Tajine sondern aus Couscous mit Gemüse, dafür ist das Ganze leider nicht wirklich warm und reißt uns auch geschmacklich nicht vom Hocker. Für 12€ / Nase darf es dann doch ein bissl besser sein. Dafür bekommen wir noch einen Tourtipp für den nächsten Tag. Wir sollen nicht wie ursprünglich geplant nach „Midelt“ und über den „Circque Jaffar“ fahren sondern eine neue Piste ins Paralleltal nehmen, diese Strecke sei viel interessanter.
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momo1200

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Wenn wir schon einen solchen Tipp bekommen, dann halten wir uns auch dran und fahren gemäß der Beschreibung drauf los. An einer Brücke fahren wir auf eine angedeutete Piste ins Bachbett und folgen dieser ins immer enger werdende Tal. Die Felswände rechts und links steigen über 100 mtr senkrecht in die Höhe, der Abstand von links nach rechts ist teilweise nur noch 10 mtr breit, nicht auszudenken wenn es hier zum Regnen kommt, absolut keine Fluchtmöglichkeit. Die Piste zieht sich so über 15km auf ruppig zu fahrenden Steinen, so dass wir bis zum Pass rund 2 Stunden benötigen, dafür auf über 3000müM Höhe raus kommen…hier oben windet es stark und die Temperaturen sind vermutlich einstellig.
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An einer Wegkreuzung haben wir die Wahl, wie unser Hotelier abends zuvor schon mitgeteilt hat: Gerade aus geht’s ins Tal, nach rechts auf den über 3.700m hohen „Jbel Ayachi“, nach links auf eine 3.400m hoch gelegene Antennenstation. Da sich die Motorräder bereits in 3.000m Höhe an steileren Passagen mit geringer Drehzahl immer wieder verschlucken, versuchen wir die 12km lange Auffahrt zum „Jbel Ayachi“ garnicht erst, dafür wollen wir hoch zur Antenne. Die Piste ist in sehr gutem Zustand, so dass wir flott voran kommen. Lediglich die letzten 300m hoch zur Antenne sind steil und ausgesetzt, ausgerechnet hier machen die Moppeds fast schlapp. Nur mit mehreren Anläufen und Vollgas erklimmen wir das kleine Plateau und genießen die Weitsicht in Kombination mit einem aufgrund der Höhe dunkelblauen Himmel. Von hier aus sehen wir sogar unsere Unterkunft der letzten Nacht und winken einmal freundlich. Später werde ich noch einen Gruß per Mail schicken zusammen mit einem Dankeschön für diesen sehr guten Tipp.
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Auf der Abfahrt zurück in die Zivilisation kommt uns eine Husqvarna Norden entgegen, wir halten kurz an, fragen nach dem woher und wohin. Der Fahrer beschwert sich, dass wir die Piste auch gefahren sind; er hatte gehofft der Erste und bisher Einzige zu sein der diese relativ neue Traverse entdeckt hat….Pech gehabt! In „Tagoudit“ treffen wir auf die asphaltierte P7319, die uns die kommenden 75km zügig nach „Imilchil“ bringen soll. Zuvor jedoch steht an einer Wasserfurt ein Auto, dessen Fahrer uns wie so oft hier freundlich zuwinkt. Ich halte an, es wird wieder nach dem woher und wohin gefragt und darauf hingewiesen, dass seine Familie die einzige Auberge im Ort betreibt….passt, wir wollen ohnehin eine Pause machen und Tee trinken. Etwas enttäuscht, dass es wirklich nur beim Tee bleibt und nicht auch noch ein Mittagessen wird bleibt er dennoch freundlich und wir unterhalten uns über dies und das u.A. ob es hier eine Tankstelle gibt: Negativ….nächste Möglichkeit „Imilchil“…wird eng, sollte aber klappen. 75km sollten schnell abgespult sein, nicht jedoch mit dem Straßenzustand. Schlaglöcher, Steine, manchmal fehlt der Asphalt komplett, dazu Kurven und Pässe ohne Ende….trotz der wunderschönen Landschaft wird es anstrengend, die Konzentration muss im Gegensatz zu einer reinen Piste eher noch erhöht werden. Dass es sich trotz Allem um eine Touristenstrecke handelt, merken wir an der Reaktion der Kinder. Waren die bisher außerhalb der Städte zwar neugierig aber zurückhaltend und schüchtern, sind sie hier kleine Randalierer, die vom einfachen Stinkefinger über offensives Betteln bis hin zur Errichtung von Straßensperren, alles auf dem Kasten haben.
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Die Honda mit dem größten Öldurst ist mittlerweile auf Reserve als wir gegen 17.30 Uhr ziemlich erschöpft in „Imilchil“ einfahren; die Kleinstadt ist geschäftig, es wuselt an allen Ecken und Enden. Wir beziehen unser 4er Zimmer, machen uns einmal frisch und gehen auf die Straße zum Essen fassen. Heute abend wollen wir einen der Grillstände direkt am Straßenrand ausprobieren. Unser Senior ist zwar nicht sonderlich angetan und droht schon wieder mit Hungerstreik, wir bekommen ihn jedoch davon überzeugt, dass nach einer Grillsession über glühender Kohle nichts schädliches mehr am Fleisch überleben kann. Dass direkt neben unserem Grillstand der Metzger einen Kuhschädel auf offener Straße zerlegt, haken wir einfach mal ab und interpretieren da aus hygienischer Sicht nicht so viel rein. Wir bestellen einen gemischten Grillteller für 4 Personen, bestehend aus Hähnchen, Ziegen-Koteletts und Hackfleischbällchen inkl marokkanischem Salat, der aus viel Zwiebeln mit ein wenig Tomaten besteht. Auf unsere Bestellung hin verschwindet de Grillmeister zum Metzger nebenan, lässt sich ein Hühnchen in die Hand drücken, von der in Klarsichtfolie eingewickelten Ziege was runterschneiden und von hinter der Theke eine Portion Hackfleisch geben….frischer geht’s definitiv nicht, ob der Umstände der Zerlegung und Lagerung, vertrauen wir auf die abtötende Wirkung der glühenden Kohle. Für den Notfall haben wir auch Kohletabletten und eine Variation sorgfältig ausgesuchter Medikamente dabei…wir brauchen nichts davon. Es schmeckt zudem köstlich und ist reichlich, so dass wir alle satt werden und zufrieden zurück ins Hotel schlendern.
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momo1200

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Nach dem Frühstück am nächsten Morgen stellen wir beim Aufsatteln fest, dass an einer Maschine der Hinterreifen platt ist und zwar keiner der bisher auffälligen…hmm….wir fahren erstmal zur Tankstelle und begnügen uns damit Luft rein zu lassen und zu tanken. Die Luft wird die restliche Fahrt über halten, hat sich also irgendein Spaßvogel nachts über’s Ventil her gemacht. Anschließend besorgen wir noch einen Liter Öl um ein Trockenlaufen unseres Sorgenkindes zu verhindern – auf den bisherigen rund 1200km hat sie sich bereits einen ganzen Liter gegönnt – füllen auf und düsen los. Die folgenden Kilometer gehen wieder hoch hinauf in die Berge bis über 2.500m, es ist entsprechend frisch aber die Landschaft ist herrlich und der Verkehr quasi nicht existent.
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In „Anergui“ halten wir uns rechts und durchfahren eine atemberaubende Schlucht welche sich die nächsten 30km hinzieht. Obwohl die Straße lt Navi von größerer Bedeutung zu sein scheint, wie das bisherige Asphaltband ab „Imilchil“, so ist hier noch alles Piste. Mal führt diese auf Höhe des wasserführenden Flusses, mal hoch oben eng an einer der Felswände entlang. Die Aussichten und Eindrücke sind spektakulär, dass es sich beim Atlas um ein Faltengebirge handelt wird hier eindrücklich unter Beweis gestellt. Wir halten gefühlt öfter als wir fahren, filmen und fotografieren wie verrückt, einfach unbeschreiblich schön. Nach ein paar Kilometern fahren wir auf eine Gruppe Geländewagen auf, die uns direkt Platz machen und so halbwegs gefahrfrei passieren lassen….hoffentlich bleibt diese Piste in ihrer jetzigen Form noch lange erhalten und wird nicht wie derzeit überall in Marokko mit Asphalt bedeckt….so zumindest aus Sicht eines Touristen, die Einheimischen sehen das sicherlich anders. Es ist schon wieder gegen Mittag als wir am Ende der Schlucht auf die R302 treffen. Ich entschließe mich dazu, die eigentlich geplante Route in einem südlichen Bogen über „Tifouina“ und „Tamda“ nicht zu machen, sondern direkt nach Nord-Westen in Richtung „Ouaouizeght“ zu halten. Auch die heute noch zu bewältigende Restdistanz lässt keine großen Spielereien mehr zu.
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Nach einer weiteren Teepause und der Umfahrung eines weiteren großen Wasserspeichers, der „Barrage Bin El-Ouidane“ tanken wir nochmal und düsen unserem Tagesziel in „Ouzoud“ mit seinen spektakulären Wasserfällen entgegen. Diese erkunden wir zu Fuß. Auch wenn hier wieder ein Touristenmagnet ist, so ist man doch relativ dezent aufdringlich und wir genießen den Fußmarsch nach dem langen Tag auf den Motorrädern. Bevor es im Hotel Abendessen gibt – Tajine – gönnen wir uns noch eine ordentliche Portion „Msemmen“ eine Art Pfannkuchen aus festem Mehl/Grießteig….3 Portionen inkl Cola zu in Summe 4€. Die Nacht ist ruhig bis auf ein leises Zischen.
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momo1200

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Das Frühstück ist auch hier absolut top und die Welt in Ordnung, mal wieder bis wir unsere Motorräder besteigen. Dieses Mal in es ein bisher unauffälliger Vorderreifen. Nach der Erfahrung vom Vortag, fahren wir auch hier erstmal zur Tankstelle und lassen Luft rein….und ebenfalls gibt es bis Marrakesch keinen weiteren Luftverlust….Zufall? Die heutige Etappe besteht ausschließlich aus der schnöden Rückfahrt nach Marrakesch, so beschließe ich irgendwann von der stark frequentierten R208 auf Hinterland-Straßen abzubiegen, die sich dann irgendwann zu Dorfstraßen und anschließend zu Feldwegen entwickeln. Als wir im weiteren Verlauf wieder komplett durch s Gelände hoppeln wird s meinen Mitfahrern zu bunt…sie wollen jetzt ins Hotel und Marrakesch anschauen, ab auf die Hauptstraße.
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Gesagt, getan…Marrakesch empfängt uns wieder mit einem Verkehrsinfarkt, der sich an jeder Ampel auf’s neue entlädt. Aus 3 Fahrspuren werden 6, die sich dann nach der Ampel wieder irgendwie auf 3 oder 4 reduzieren. Die Abgabeadresse für unsere Motorräder habe ich mir auf der Landkarte gut eingeprägt und so schaffen wir es ohne uns zu verfahren direkt dorthin zu kommen. Die Abgabe verläuft unkompliziert, ein unterwegs abgebrochener aber noch nutzbarer Bremshebel wird zur Kenntnis genommen aber kein Drama draus gemacht, unser improvisierter Kettenspannerdeckel bleibt hingegen unbemerkt. Wir bekommen noch die Taxipreise ans Hotel und für den nächsten Tag zum Flughafen als Richtwerte mit auf den Weg und düsen mit Sack und Pack ins vorgebuchte und schon aus 2018 bekannte Hotel, welches sich nur 10 Gehminuten vom Hauptplatz „Jemaa El-Fnaa“ entfernt befindet.
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Da es erst gegen 14 Uhr ist haben wir jede Menge Zeit uns erstmal zu duschen um anschließend die Altstadt mit ihren Souks zu erkunden. Wir lassen uns Treiben und verprassen unsere letzten Dirham in frisch gepressten Orangensaft, einen Haarschnitt, Allerlei im Fladenbrot, Leckereien vom Bäcker und zuletzt in ein paar Mitbringsel für die Kleinen zuhause. Als es dunkel wird setzen wir uns auf eine Empore einer der umliegenden Restaurants, genießen das allabendliche Spektakel bis der Tee ausgetrunken ist und begeben uns dann ins Hotel. Dort wird wieder gepackt, so dass wir am nächsten Morgen nur noch aufstehen und gehen müssen. Das Taxi haben wir uns bereits bei der Herfahrt reserviert und den Preis ausgemacht, so dass wir uns darum nicht mehr kümmern müssen. Rückflug wie auch die Heimfahrt verlaufen bis auf einen Stau am Gotthard genau nach Plan, so dass wir am Sonntagabend nicht zu spät zu Hause sind.
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Eine Woche mit Eindrücken, die für ein ganzes Jahr reichen und einen mal wieder für eine Zeit lang in unserem Wohlstand zurecht kalibrieren. Ob wir nochmal hierher kommen, ein Viertes Mal? Man wird sehen…

Und hier noch die ursprünglich geplante Route, die wir dann jedoch in entgegen gesetzte Richtung gefahren sind.

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Juescho

Juescho

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Tolle Reise, sehr schöne Bilder und feine unterhaltsame "Literatur" ... :mrburns: ... danke dafür ... :smile:

Ganz kleine persönliche Anmerkung meinerseits, ist aber natürlich reine Geschmacksache. Wenn du den Text/die Passagen durch die jeweils zugehörigen Bilder unterbrichst, liest sich das für mich noch einen Ticken unterhaltsamer.
 
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Auch von mir... der auch schon Tee im Marokko getrunken hatte, danke fürs mitnehmen....

Eindrucksvolle Bilder auf denen ich viele mir bekannte "Stellen" mit Freude wieder entdeckt hatte. :Super:
 
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Schöne Reise und danke für den Bericht. Hoffentlich haben euch die Kamele & Co rechtzeitig gesehen mit euren Wahnwesten. :rolleyes:
 
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Boxer Wolle

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Hallo,
ja was für ein toller Reisebericht, vielen Dank dafür.
Tolle Bilder und ein wenig Leiden ist auch dabei.
Danke und viele weietere Reisen.
Gruß,
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Senfklumpen

Senfklumpen

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Toller Bericht! Die Pisten sehen nach Spaß und Abenteuer aus, nur beim "Dünensurfen" würde ich mich, jedenfalls mit einem vollgepackten Reisedampfer, zurückhalten. Wie bist Du auf die Strecke gekommen? Schon mal gefahren, Empfehlungen, Tourenvorschlag oder nur Punkte angeklickt und Kurviger den Rest überlassen?
 
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momo1200

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Die Strecken habe ich in Varianten teilweise gekannt bzw aus früheren Touren gewusst dass es da was gibt. Ansonsten über googleearth gesucht was gut aussieht. Das Gute in Marokko ist, dass wenn auf nem Satelittenbild ein Weg erkennbar ist, dann darf man den auch fahren. Teileweise auch auf Einheimische gehört, wenn die was empfohlen haben, was grundsätzlich zur groben Eoute gepasst hat. Kurviger.de hab ich nichts selbst machen lassen, ich will ja bestimmen wo s hin geht 😉 Das hab ich letztlich nur genutzt um das auf s gps zz bekommen.
 
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