Hab mir grad ein Multimeter besorgt . Das was ich mir ausgeliehen hatte waren leider beide sicherungen im Gerät defekt
Während eine Stromzange nicht unbedingt zur Pflichtausstattung eines Selbstschraubers gehört - ein Multimeter gehört schon dazu und sollte nicht erst ausgeliehen werden müssen.
Die Sicherungen in den Multimetern sichern den Shunt in den Strompfaden ab und sollen Schäden in den Geräten durch einen zu hohen Strom verhindern. Deswegen sind die Sicherungen speziell bei Strommessungen gefährdet und könnten schon beim ersten unsachgemäßen Versuch einer Strommessung durchbrennen, wodurch der Eindruck entstehen kann, man habe sie mit bereits durchgebrannter Sicherung erhalten.
Das Video im Startbeitrag zeigt nämlich nicht alle Schwierigkeiten bei der Ruhestrommessung, wodurch man allzuleicht eine, vielleicht auch mehrere Sicherungen zerschießt, bevor man weiß, wie einem geschieht. Wie das laufen kann und wie man das verhindert, will ich hier beschreiben.
Um einen Ruhestrom im unteren einstelligen mA-Bereich messen zu können, muss das Messgerät auch in so einen unteren Bereich gestellt werden, z. B. 20 mA. Würde man die Zündung einschalten, während das Messgerät in die Verbindung zwischen Batterie und Motorrad geschaltet wurde, fließen aber gleich eine Ampere, was Größenordnungen über dem Messbereich liegt, was bedeutet, dass das Instrument nicht nur keinen Wert anzeigen wird, sondern seine Sicherung brennt sofort durch. Soweit, so offensichtlich. Problem: Die Sicherung kann auch durchbrennen, ohne dass man die Zündung einschaltet. Denn klemmt man das Instrument in die Verbidung zwischen Batterie und Motorrad, fließt bei den meisten Motorrädern von BMW selbst bei abgeschalteter Zündung nicht der Ruhestrom, sondern ein erhöhter Ruhestrom von möglicherweise mehreren Hundert mA, der die Sicherung ebenfalls durchbrennen lassen könnte, mindestens kann aber der hohe Spannungsabfall am Instrument dafür sorgen, dass die bei ausgeschalteter Zündung versorgte Elektronik nicht richtig initialisiert und auch später nicht mehr in Standby mit dem eigentlichen niedrigen Ruhestrom wechselt. Zur Ruhestrommessung kommt man dann gar nicht mehr.
Im Normalfall, den Du ja mit der Stromzange gesehen hattest, verringert die Elektronik ihre anfänglich nach dem Anklemmen der Batterie hohe Stromaufnahme durch den Wechsel in Standby in einen Zustand mit niedriger Stromaufnahme.
Wenn es gut läuft, gelingt es, das Motorrad in einem hohen Strommessbereich anzuklemmen und später, nach der Wartezeit in einen empfindlichen Messbereich zu wechseln. Allerdings erlauben nicht alle Messgeräte ein unterbrechungsfreies Umschalten und einige müssen auch umgesteckt werden.
Wie schafft man es nun, trotz dieses Verhalten der Motorradelektrik kleine Ruheströme zu messen ?
Mit diesem "Trick": Man schafft eine trennbare Stelle Verbidung zwischen Batterie und Motorrad, an deren beiden Seiten man das Messinstrument anklemmen kann. Während die trennbare Stelle noch nicht getrennt ist, kann man das Messgerät gleich in den empfindlichen Bereich gestellt beidseits der Trennstelle anschließen. Das Motorrad wird zunächst noch über die nicht getrennte Trennstelle aus der Batterie versorgt, sodass sich einerseits die Elektronik unbeeinträchtigt durch den Spannungsabfall am Instrument initialisieren kann und andererseits das Messinstrument oder seine Sicherung nicht durch Überströme beschädigt wird, weil der Strom ja größtenteils noch durch die Verbindung an der Trennstelle fließt. Nach der Zeit, nach der das Motorrad in Standby wechselt, löst man die Verbindung an der Trennstelle, sodass der Strom nun durch das Messinstrument fließen kann und nun kann man den Ruhestrom ablesen !
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