In der aktuellen "Motorrad" ist ein durchaus wohlwollender Fahrbericht des Kumpan 54i:gnite
Unser 54 ignite
Das Teil lĂ€uft bei Bedarf knapp 100, also wie ein 125er Roller. Die Akkus sind unter der Sitzbank in Modulen zusammengefasst, die man an einem Henkel rausziehen kann. Der Roller wird mit zwei Modulen ausgeliefert, ein drittes kann als Extra hinzugekauft werden. Jedes Akkumodul hat rund 1,5 kWh und soll angeblich fĂŒr 40 bis 45 km Reichweite gut sein. Mit 7k ist der Roller ziemlich teuer, das zusĂ€tzliche, dritte Akkupack kostet nochmal 1,3K und ist nötig, wenn man die Vmax von 100 km/h und die Reichweite von 110 km haben will.
Das klingt jetzt erst mal so mittel-attraktiv, aber die Jungs von Kumpan (sitzen in Deutschland) haben ein paar ganz clevere Ideen eingebaut. So kann man die Akkus entweder im Roller laden oder einzeln herausnehmen und daheim laden (3 Stunden von 20 auf 80%). Wenn man mit zwei Akkus fÀhrt, kann man die Akku-Nutzung so konfigurieren, dass nicht beide Akkus gleichzeitig, sondern nacheinander genutzt werden. Vorteil: Man kommt abends nicht mit zwei halbvollen Akkus an, sondern mit einem vollen und einem leeren - den man dann mitnimmt und lÀdt.
Zum Preis ist zu sagen, dass eine Vespa Primavera 125 auch nicht geschenkt ist, sondern vergleichsweise stramme 5K kostet - ohne Extras. NatĂŒrlich ist der Aufpreis von 2K durch Spritersparnis nicht sinnvoll reinzuholen. Selbst wenn die Vespa vier Liter braucht und jeder Liter zwei Euro kostet, kann man fĂŒr 2K 25.000 km weit fahren, das ist eine Menge Holz.
Andererseits: ich hatte mehrmals Zweitakt-Roller, und mir ist bei den Dingern zwei Sachen auf den Geist gegangen. Erstens musste man, wenn man damit jeden Tag gefahren ist, doch öfters mal zum Tanken, was ich fĂŒr die fĂŒnf Liter, die man da mit einem Tankstopp ausfassen konnte, immer recht umstĂ€ndlich fand. Und zweitens springt so eine Vespa nicht immer zuverlĂ€ssig an, schon gar nicht nach einem Winter unter einer Plane. Da hĂ€tte man, wenn ihr mich fragt, mit einem E-Teil, dessen Akkus man zuhause laden kann, deutlich weniger Scherereien. Ich bin vor einiger Zeit mal diese Govecs Schwalbe gefahren, diesen der Simson Schwalbe nachempfundenen E-Roller, und fand das Ding unerwartet spaĂig. Allerdings sind da die Akkus fest verbaut, und wenn du den Roller nicht an eine Steckdose bekommst, dann kannst du ihn nicht laden. Da finde ich die Idee mit den herausnehmbaren Akkus beim Kumpan viel besser.
Ich denke, wenn ich mir heute einen Roller kaufen wĂŒrde, wĂŒrde ich mir auf jeden Fall einen E-Roller holen. Das ist fĂŒr mich weniger eine Frage der Brieftasche oder des GrĂŒnen Gewissens, sondern schlicht der PraktikabilitĂ€t. Das ist so wie mit den akkubetriebenen Bohrmaschinen. Die können auch vieles schlechter als Bohrmaschinen mit Kabel, dafĂŒr funktionieren sie auch dort, wo man kein Kabel hat.
FĂŒr mich macht das aber auch die Grenzen des E-Konzeptes deutlich: Ich akzeptiere in der Regel nur akkubetriebene Lösungen, die so dimensioniert sind, dass sie einen typischen Einsatz schaffen, ohne dass man sie zwischendurch laden muss. Das wĂ€re fĂŒr mich bei einem Roller mit 70 km Reichweite kein Problem, bei einem Motorrad mit 150 km Reichweite dagegen schon.