Der Staat ist nicht dein Freund
Das klingt für viele erst einmal hart.
Schließlich wurde ihnen von klein auf erzählt, der Staat sei für sie da.
Er beschützt dich.
Er sorgt für dich.
Er hilft dir.
Er regelt das.
Er passt auf.
Er meint es gut.
Aber genau hier beginnt der Denkfehler.
Ein Freund begegnet dir auf Augenhöhe.
Ein Freund nimmt dir nicht unter Androhung von Gewalt dein Geld ab.
Ein Freund sperrt dich nicht ein, wenn du seine Forderungen nicht erfüllst.
Ein Freund schreibt dir nicht vor, was du darfst, was du besitzen darfst, was du bauen darfst, was du sagen darfst, was du konsumieren darfst und wie viel von deiner eigenen Lebenszeit du behalten darfst.
Ein Freund braucht kein Gewaltmonopol.
Der Staat schon.
Der Staat ist keine Person mit guten Absichten.
Er ist eine Herrschaftsstruktur.
Ein Apparat aus Gesetzen, Behörden, Abgaben, Polizei, Gerichten, Genehmigungen, Verboten und Zwangsdurchsetzung.
Einzelne Menschen innerhalb dieses Apparats können freundlich, hilfsbereit oder sogar anständig sein.
Das ändert aber nichts am Wesen der Struktur.
Auch ein netter Finanzbeamter macht aus Zwangsabgaben keine Freiwilligkeit.
Auch ein höflicher Polizist macht aus staatlicher Gewalt keine Zustimmung.
Auch ein freundlicher Sachbearbeiter macht aus Bürokratie keine Freiheit.
Der Staat handelt nicht aus Freundschaft.
Er handelt aus vermeintlicher Zuständigkeit.
Er schützt nicht aus Liebe.
Er schützt seine Ordnung.
Er gibt dir auch nichts.
Er verteilt nur das, was er anderen vorher unter Androhung von Zwang und Gewalt abgenommen hat.
Wenn er versagt, haftet niemand.
Wenn du versagst, zahlst du selbst.
Wenn du eine Frist verpasst, hat das Folgen.
Wenn die Behörde eine Frist verpasst, war das System überlastet.
Wenn du etwas falsch ausfüllst, bist du schuld.
Wenn der Staat deine Akte verliert, musst du das beheben.
Wenn du dich nicht an Regeln hältst, folgt Zwang. Wenn du dich dem Zwang widersetzt, folgt Gewalt.
Wenn der Staat sich nicht an Verantwortung hält, entsteht ein bedauerlicher Einzelfall.
Das ist kein Freundschaftsverhältnis.
Das ist ein Machtverhältnis.
Der Staat will nicht, dass du unabhängig bist.
Ein unabhängiger Mensch braucht keine Genehmigung und keine Erlaubnis.
Weniger Verwaltung.
Weniger Betreuung.
Weniger Kontrolle.
Weniger Herrschaft.
Darum wird Abhängigkeit
als Sicherheit verkauft.
Kontrolle als Schutz.
Gehorsam als Verantwortung.
Umverteilung als Solidarität.
Überwachung als Prävention.
Zensur als Fürsorge.
Und Zwang als Demokratie.
Der Staat ist immer dort stark und präsent, wo er verlangen kann.
Bei Steuern.
Bei Strafen.
Bei Vorschriften.
Bei Verboten.
Bei Kontrolle.
Aber wenn du ihn brauchst, wird er plötzlich langsam, unzuständig, überfordert, technisch gestört oder personell unterbesetzt.
Dann wartet man.
Dann prüft man.
Dann bittet man um Geduld.
Dann fehlt ein Formular.
Dann ist jemand im Urlaub.
Dann wurde der Vorgang weitergeleitet.
Der Staat ist nicht dein Freund.
Er ist auch nicht dein Vater.
Nicht deine Mutter.
Nicht dein Vormund.
Nicht dein Gewissen.
Nicht dein Schutzengel.
Er ist ein Apparat, der sich selbst erhält, indem er Menschen davon überzeugt, dass sie ohne ihn hilflos wären.
Und darin liegt seine größte Macht.
Nicht in seinen Waffen.
Nicht in seinen Ämtern.
Nicht in seinen Gesetzen.
Sondern in dem Glauben der Menschen, dass sie ohne ihn nicht leben könnten.
Wer diesen Glauben verliert, wird schwer regierbar.
Wer Eigenverantwortung lernt, wird gefährlich.
Wer den Staat nicht mehr als Freund, sondern als Herrschaftsstruktur erkennt, hat den ersten Schritt gemacht.
Nicht in die Anomie des Chaos.
Sondern aus der geistigen Kindheit.
Der Staat ist nicht dein Freund.
Und er wird es auch nie sein.