Gestern Abend wurde ich im IC von Rechtsextremisten beleidigt und angegriffen. Nach einer Veranstaltung in Heidelberg fuhr ich mit dem Zug nach Stuttgart. Der Zug war voll von männlichen Fußballfans. Ich musste mich mit meinem Rucksack und Koffer durch die überfüllten Wagen drängen. Dabei wurde ich wiederholt sexuell belästigt und rassistisch beleidigt. Ich war zunächst erleichtert, als ich einen Sitzplatz fand. Hinter mir saß eine Gruppe Männer, die ständig AfD-Parolen riefen, sangen und grölten. Als die Rufe immer lauter wurden, begann ich, die Gruppe zu fotografieren und Aufnahmen zu machen. Daraufhin warf ein Mann mit Brille eine Bierflasche gegen meinen Kopf. Als der Zug in den Stuttgarter Bahnhof einfuhr, wollte ich nur noch schnell raus. Ich stand unter Schock, schrie und rief nach der Polizei. Im Krankenhaus wurde ich behandelt. Zum Glück sind die Verletzungen nicht schwerwiegend.
Eine aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung, in der Migration als das Übel aller Dinge dargestellt wird, macht solche Angriffe auf Menschen mit Migrationsgeschichte erst möglich. Alle Politikerinnen und Politiker der demokratischen Parteien, insbesondere der Union, sind aufgefordert, ihren Tonfall zu mäßigen und nach sachlichen Antworten auf die Herausforderung unserer Zeit zu suchen. Anstatt Forderungen der politischen Rechten zu übernehmen, brauchen wir jetzt eine klare Kante gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Die Situation in unserem Land ist brandgefährlich und erfordert eine Politik mit Haltung. Auch der VfB Stuttgart ist aufgefordert, klarzustellen, wie er künftig mit solchen rechtsextremen Fans in seinen Reihen umgehen möchte.