Obwohl die Schwingenlager bei der K255 kaum Probleme machen, habe ich sie wechseln wollen.
Konstruktionsbedingt können Sand oder Staub es kaum schaffen sich, durch den äußeren Simmerring oder durch den Schwingenhohlraum, Zugang zu dem hinten offenen Kegelrollenlager zu verschaffen. Eine grundsolide Konstruktion die sich bewährt hat.
Wegen der kaputten vorderen Kardanmanschette war hauptsächlich das rechte Kegelrollenlager etwas sandig geworden. Mein erster Griff war, das Kegelrollenlager mit einem Innenauszieher Ø 17mm, wie bspw. ein Kukko 21-2-E für Ø 14 - 19mm aus dem, auf gute 100°C aufgeheizten Lagersitz zu ziehen.
Bei dieser Aktion "ploppte" die Innenschale samt Kegelrollen und Kunststoffkäfig heraus, noch bevor ich ernsthaft daran dachte Zug auf den Innenabzieher zu geben.
Woran es lag, dass dies passiert ist weiß ich nicht, denn üblicherweise ist das gängige Praxis, habe ich mir sagen lassen.
An sich nicht weiter schlimm, dachte ich mir.
Ein größerer passender Innenabzieher war vorhanden. Als ich den 21-5-E ansetzen wollte, begriff ich sehr schnell, dass das so nicht klappen kann.
Im Gegensatz zu den üblichen Innenabzieher, sind jene der Baureihe E mit extra feinen Greifkanten ausgestattet, um besser unter plan aufliegenden Lager Halt zu finden. Deshalb sind sie auch komplett rund um möglichst viel Angriffsfläche zu haben.
Der Lagersitz ist an einer Stelle durch die Formgebung der Kardandurchführung überdeckt. Für runde Abzieher unmöglich und nicht der kleinste Hauch einer Spalte zum Greifen ist vorhanden.Ein konventioneller Innenauszieher hat den großen Vorteil beidseitig abgeflacht zu sein. Die verbleibende Außenschale hat einen Innendurchmesser von 32mm. In diesem Fall nutzte ich den Kukko 21-5 für Ø 28 - 40mm. Der kaum 1mm zur Verfügung stehende Rand der Aussenschale reicht um die Lagerschale bei aufgewärmtem Lagersitz sicher auszuziehen.
Letztendlich klingt das alles etwas kompliziert, aber nur weil ich vorher nicht wusste:
- dass mir mit dem Innenabzieher das Innenleben des Lagers herausploppen würde,
- dass der rechte Lagersitz von hinten außen rum nicht ganz zugänglich ist,
- ich kein passendes Formteil hatte um das gesamte Lager von hinten zu packen.
Durch den Einblick, und Tipps von alten Hasen hier im Forum, habe ich mir so ein Formteil aus einfachsten Mitteln hergestellt und für alle die Gleiches vorhaben in diesem Beitrag gespeichert.
Eine M10 Gewindestange, eine rundgeschliffene Mutter, 4 Scheiben M10 x 33 x 2,5 und eine Gegenmutter. Die Scheiben müssen einen Aussendurchmesser von mindestens 32,5mm, und maximal 33mm haben, sonst klemmen sie am Lagersitz bevor sie die Schale drücken können, oder finden nicht genügend Halt und rutschen raus.
Das Scheibenpaket zwischen die zwei Muttern mit etwas Schraubensicherung fest verschraubt und passend zurechtgeschliffen. Die M10 Gewindestange passt direkt in die gängigen Gegenstützen und Gleithämmer.
Das Lager der linken Seite habe ich mit einer M10 Schlossschraube und einem Druckstück mit Ø 33 problemlos bei ca. 100°C heissem Lagersitz gezogen. Das Einführen durch den Schwingentunnel von der rechten Seite geht sehr einfach z.B. mit einem Stück 10mm Kabelkanal oder was ähnlichem.
Beim nächsten Mal wird der Wechsel der Lager in Null Komma nix erledigt sein.
Noch ein kleiner Hinweis am Ende:
Die Füße guter Gegenstützen sind meist sehr scharfkantig um sich auf jedem Material festkrallen zu können. Die Hinterradschwinge ist aus empfindlichem Leichtmetall und die kleine Auflagefläche ist sehr schnell beschädigt. Ich habe mir passende Schutzfüsschen hergestellt die sich auf die Gegenstütze festklemmen lassen. So kann ich an empfindlichem Material arbeiten ohne auch noch eine Hand zu benötigen um Schutzunterlagen ausrichten zu müssen.